Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 34 (24.8.1864)
- Date
- 1864-08-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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703 Und num, nachdem die größten Schwierigkeiten beseitigt, die Schule fich auch behördlichen Schutzes erfreut, und zufolge der anerkennungswertheni Leistungen der an derselben fungirenden Lehrer immer festere Wurzeln schlagen sollte, eben jetzt geht sie ihrer Auflösung entgegen, nach einem kurzen Bestand von kaum zwei Jahren. ' Die Ursache hiervon liegt in einem einzigen Umstande, betitelt׳: Jndifferentismus! Ja Jndifferentismus ist es, der nun dem Verfasie des mit so viel geistigen, als materiellen׳Opfern ins Leben gerufenen Instituts mit gleichgültigem Auge znflelit. Ich kann es nicht anders als Jndifferentismus: nennen. ES läßt sich zwar nicht leugnen, daß diejenigen Männer, die sich der Sache an die Spitze gestellt, selbst in ihrer eigenen Mitte auf nicht geringe Hinderniffe stießen, da eS kaum denkbar ist, daß die hier so zahlreich vertretene Orthovorie, die außerdem noch mit einer ziemlich starken Glorie des Chaffivismus umgürtet ist, dieser Neuerung so ganz gleichgillig zilgesehen hätte. Sie hielt sich jedoch nur passiv, und wagte Anfangs auch nicht, tbätig in den Vordergrund zu treten. Als jedoch die Energie und Thatkrast der Aktionsmänner abzunehmen begann, trat eine merkliche Umgestaltung der Berhältniffe ein. Unser Herr Rabbiner, ein Unerbittlicher Gegner der Neologie, als auch'des Chaßidismns, hatte anfangs die Angelegenheit sehr warm befürwortet. Alsbald fing er jedoch an, fich derselben gegenüber, wenn auch nicht als Oppositionömann, jedoch sehr lau zu benehmen. Der Hr. Rabbiner hatte gar keine Funktion erhalten. Die Winkelschulen fingen von neuem an, aufzuathmell, und zehrten gierigen Blutegeln gleich an dem Marke der Schule. Um dem zu steuern, beschwerte sich die Schullommiffion bei der AomitalSbebörde, und bat um Assistenz, die ihr auch gewährt wurde Der Herr Oöcrstiihlrichter v. Sz... wurde ermittirt, um sämmtliche Winkelschulen allsoglcich zu schließen. Der weichherzige Herr Oberstuhlrichter ״bedauerte" aber ״die armen Lehrer", und so blieb eS guo ante. — Die sinanzielle» Znfliiffe gcriethen in Stockung. Die entfallenden Zinsen des Grundkapitals, das sich in Privathänden befindet, wurden noch nicht einstelöst, die Schulgelder wurden nicht entrichtet, die gezeichneten Beiträge nicht eiugesammelt. Der ehemalige Kassier, Herr Leopold Klein, der in dieser Angelegenheit gleichfalls ein uneigennütziges. rühriges Streben bekundete, verlegte seinen Wohnsitz fort von hier, und das Amt überging in die Hand eines gewesenen׳ OppofitionömanneS. Der Eigeuthümer der gemietheten Schullokalität drohtdas Lokal zu sperren, da er schon längst keinen Mielhzins erhalten, die Herren Lehrer bekommen ihren Gehalt nur sehr spärlich, so zu sagen, tropfenweise, — und über den Ruinen der also immer mehr und mehr in Schutt aerathenden Schule erheben sich bereits-die vom LiSker Heiligen enlsandlen Melamedim, in ihrem geweihten Ornate, von- Stramol und Bekefch! — Und so mag denn kommen, was da will. Mögen jene Männer dafür verantwortlich sein, wenn die Zukunft unserer Jugend eine ebenso geistig» trübe: und düstere: sein wird, als es die Gegenwart ist, sie, denen es obliegt, dir Fackel der Bildung und Aufklärung, die sie bereits angezündet,-nicht wieder erlöschen zu lassen. Um das Gute zu bewerkstelligen, bedarf es nichts mehr, als des: Willens, eines aufrichtigen, festen Willens, und wo es sich um das geistige Wohl einer ganzen Generalivn handet, da ist es ein Bergehen an der-menschlichen Gesellschaft, sich durch das hohle Gepolter einiger Dunkelmännerirrema-> chen zu, lassen. — — Gleich dem letzten Auflodern einer versterbenden! Flamme hat sich die geehrte Schulkommiffion, nach langem und unthätigein Verharren, in letzterer Zeit wieder mit einer-Beschwerde an die KdmitatSbehörde gewendet, in welcher sie um abermalige Sperrung der Wjnkelschülen ansucht, als. welchen Uebclstand die-geehrte Kommission, als. den. alleinig zu beseitigenden betrachtet. Wie ich nun vernehme,, ist bereits eine Zuschrift des ersten Herrn Vizegespans an die Kommission herabtzelangt, in Welcher-unter scharfer Rüge des saumseligen Beamtest die namentliche Bezeichnung dieser. Winkelschulen, gefordert und deren sofortige Schließung zugesagt, wird.. Ich werde nicht ermangeln׳,, Sie von dem Erfolge dieser für unsere Schule jedenfalls heilsamen Zuschrift seiner Zeit zu benachrichtigen. A- Waitzen, im August. Unsere strebsame Gemeindehat in der! Person! des! Herrn.Friedrich Mlmanm einen in jeder Rücksicht tüchtigen, feiner. Aufgabe, vollkommen, gewachsenen. Rabbiner gewählt; leider wirb'aber die Znstäil'arion durch unerquickliche Berhältniffe, welche nicht für die Oeffenilichkeit gehören, verschleppt und in die Länge gezogen. Die Nachlheile. welche hieraus-erwachsen, find kaum zu beschreide». Hoffentlich, wird nttsere׳ brave, Gemeinde! sich recht bald aufraffen, diesem- Zwilterzustandeein- Endezu-- macheu,- unddie-Jnstallationunsere- - würdigen Rabbiners zu vollziehen. 704 2. Gran, 12. August. Das Verfahren einiger der hiesigen- Gemeinderepräsentanterl hat in der ganzen Gemeinde sehr böses Blut hervorgerufen. Der größte Theil unserer hiesigen Reaktionäre ist nam- (ich an Zahlungen für die Gemeinde im Rückstände und da waren einige junge Helden unserer Repräsentanz so taktlos, zuzulassen, daß die Eintreibung der Rückstände im Wege der Erekution aut neunten Ab vorgenommen werden sollte) Der Siuhlrichter, von der Bedeutung des TageS unterrichtet, hob jedoch die Erekution auf. U. N. Nagy-Ida, Abauier Komitat, im August. Es nimmt mich nicht Wunder, daß Sie von hier noch keinen Bericht brachten; denn es kann von den hiesigen Verhältnissen nichts Erfreuliches berichtet werden- Da gibt es keinen Fortschritt, und wer die hiesige Gemeinde seit Jahrzehnte» nicht gesehen, er würde jetzt auch nicht die geringste Entwicklung zum Bessern wahrnehmen können. Die Gemeinde zählt über 100 Mitglieder, die größtentheilS mit irdischen Gütern gesegnet sino, und dennoch besitzt sie keine Schule, und dennoch wirv für die Zu« genderziehung nicht die geringste Sorge getragen! Wann wird dieser trostlose Zustand endlich sein Ende nehmen?! T. Dodenburg, 16. August. Vor Kurzem-führten mich meine Geschäfte nach Tab. Der Rabbiner, Herr Jakob Spitzer, gehört zu den 121 Rabbiuen, die mit ritterlicher Tapferkeit unter Hildesheimers Fahne in die Schranken getreten sind. Er hätte wahrlich besser gethan, sich ein wenig in seiner eigenen Gemeinde umzusehen und den Schutt aufzuräumen, der in so großem Maße aNgchänft ist. Die Gemeinde besitzt zwar eine dreiklassige Schule und hat auch tüchtige Lehrer; dieselben können aber unter den gegenwärtigen Verhältnissen nichts-Ersprießliches leisten. Denken Sie nur: an der Schule wird täglich acht Stunden unterrichtet, und außerdem gibt es Separatstunden für den Talmud. Die weltlichen Studien werden ganz vernachlässigt und trotzdem, daß täglich 6 Stunden hebräisch unterrichtet wird, genießen die Kinder keinen erleuch-- tenden und erwärmenden Religionsunterricht. Schuldirektor Dukes thut zwar sein Möglichstes, um den gewaltige» Nebelständen abzuhelfrn, aber die starre Orthodoxie des Vorstandes׳ vereitelt jeden edleren Versuch. Lk. Prag, 17. August. Von den Sippurim ist soeben das sechste Heft erjchlenen. Das gut redigirte Volksbuch gewinnt immer an Popularität und die wackere Verlagsbuchhandlung ist eifrig bestrebt; allen Anforderungen Genüge zu Nisten. Für die künftigen Heftesind bereits mehrere Arbeiten von rühmlichst bekannten Schriftstellern versprachen. X. Prag , im August. JmVerlage von Gottlieb׳ Schmelkes hier ist soeben in zweiter Auflage erschienen: ״pHN מטה Ahäronsstab. Homiletische Betrachtungen über die HäftaraS 1c. 1c. von Dr. Adolf Chrentheil, Rabbiner in Horic (Böhmen)." Diese zweite Auflage des so günstig anfgenommknkn und so vielfach benutzten Buches ist vermehrt durch einen Anhang "71,7 המיעד' Kolhamoed: Erhörten für alle Festtage des Jahres." Letztere Schrift des so beliebten Predigers ist auch als Separatausgabe zu beziehen. Der Name des rühmlichst bekannten Autors bürgt für die Gediegenheit des Werkes. Preis des Mate Ahron sammt Kolhamoed 1 fl. 50 kr.; Kolhamoed allein60 ׳ kt: Z. Lemberg , im August. Der hiesige BildungSverein׳ hat dem Z'linz zu dessen 70. Geburtstage telegraphisch gratulirt. Der Kantor Weiß ist auf Einladung des Gemeindevorstandes zu Brody dahin gereist, um an einigen Sabbathen vorzubete». Zn der Offizindes A. I. Menkes und S. Sprecher erscheinen die vier Schnlchan Aruch in Prachtvoller Ansstattüng und mit neuen Zugaben. Literarische Anzeigen. Nach -liier in der kai'i-rl. Bibliothek zu Paris b-iiiidlichen Handschrift. Herausgegeben von Dr. S. FrenSdorff- Haniiover 1864.- Hähn'sche Buchhandlung, gr. 4- 176 S. Tett 63 S. AnM. (Schluß׳.*) Der-Neberblick , den uns dieses Werk durch die verschiedenen Rubriken-und zlisammengestellten Wörtergnippen verschafft , läßt sich nachunserer Ansicht-so! darstellen. Den Mafforeten: lag-es vorerst vorzüglich daran, den Bibeltert, sowie er ihnen-Vortag, in seiner Reinheit zu erhalten und vor alten Konjektnralkorrekturen abzusperren. Sie haben daher Verzeichnisse angefertigt von Wörtern , die unregelmäßige Süfsiren und Präfixen, Punktationen und Accentiiationen haben, denen das Waw 60p. fehlt oder ein solches Waw überflüssig haben, oder wo eine sicht« bare Buchstabenvrrwechslung durch ihre Formähnlichkeit stattsand, wie 2 mit 2 ,מ mit 2, ה mit ה, )!mit י'. So: find auch so manche *) S. die vorige Nummer.