Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 34 (24.8.1864)
- Date
- 1864-08-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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701 anerkannt unv die Erweiterung der Schullokalitäten, welche durch die immer znnehmende Frequenz ein Bedürfniß geworden, zugesagt. Mit wahrhafter Befriedigung haben wir die bedeutenden Fortschritte der Schülerinnen dieser Anstalt in den hebräische» Lehrgcgenständen gesehen, welche vorzugsweise das Verdienst des ,tüchtigen Lehrers Wolfgang Weiß sind. Nicht minder befriedigend waren die Resultate,; welche Herr Rozsüsy in der zweiten und dritten Klaffe erzielte, nur hätten wir von ihm in der Wahl des Prüfungsstoffes aus der biblischcn Geschichte mehr Takt erwartet. Namenttich sind die korrekten Aut- Worten und der fehlerfreie schriftliche und mündliche Gcdankenausvruck in deutscher und ungarischer Sprache hervorzuhebe», welche schöne Ecfolge dem wacker» und unermüdlichen Lehrer Herrn Heinrich Rosenberg zuzuschrcibcn sind, und hoffen wir, daß der Gemeindevorstand in Anerkennung des Eifers dieses um die Hebung dieser Anstalt verdienstreichen Lehrers ihm die Leitung derselben zuversichtlich anvertrauen werde. An Prämien wurden vom löbl. Vorstande 6 Bücher und von Herrn Posner 12 nette Hefte vertheilt. Obzwar die Gemeinde keine Opfer scheut, die Organisirung dieser Anstalt zu fördern, so können wir dennoch den Wunsch nicht unterdrücken, daß dieselbe diese Schule in ein zu diesem Zwecke zu erbauendes oder anzukaufendes Gebäude verlege. Szegedin, 18. August. Der Redakteur d. Bl. wurde wegen der NkdakitonSaiimerkling in Nr. 42 nnd wegen des Leitartikels in Nr. 49 des v. I. des ״Ben Chananja" von dem hiesigen k. k. Militärgerichte zu 14tägiger Arreststrase verurtheilt, und von dem Stationskommandanten, Herrn Oberstlieutenant Grafen Erbach, im 'Gnadenwege gänzlich sreigesprochen. Ans Oberungarn, im August. (Reisebericht III.) (Schluß.) Ueber Tokaj glauben wir uns in diesem unfern Bericht schon deshalb kurz fassen zu müssen, da der sefardische Minhag in der Synagoge nun einmal keine Reform auskommen läßt und die wenigen Gedildeten sich gänzlich zurückgezogen haben, lieber S. Patak schweigt ebenfalls unser Bericht, da unsere Glaubensgenossen nun einmal in S. Patak nichts von Bildung wissen wollen und der dortige Rabbi den Besuch des Kollegiums nimmer duldet. Daß die Nabbinen Oberungarns berufen sind, diesem Unwesen entgegenzutreten, ist nur zu einleuchtend, wenn auch nicht in Abrede zu stellen ist, daß von den gegenwärtig wirkenden, wenig oder gar nichts in dieser Beziehung zu hoffen ist. Die Parteien: Orthodoxe oder Aufgeklärte stehen sich bei uns einander so gegenüber, daß vorläufig von einer Aussöhnung keine Rede sein kann, wie es auch an gegenseitiger Achtung gänzlich fehlt. Der Orthodoxe ist eben orthodox aus Gewohnheit oder aus —... Opposition! oftmals anch ein Feind des Nebben, wenn es der Rebbe will, für das allgemeine Wohl opfert er keinen Kreuzer, es sei denn ans Opposition. Der Seelsorger ist bei ihm nicht geehrt, zahlt er ihm ja sehr anständig und glaubt er doch ein Recht zu haben, den Rebben zu beherrschen. Der Aufgeklärte, ein geboruer Opponent, opponirt au,s Opposition, ׳Wägt-aber um, sobald es seine Interessen erheischen, daher das Wallfahren zum Rebben in Stunden der Noth, das Uebersende,» von Geldgeschenken zum Rebben bei Familienfesten, selbst am christlichen Weih- .Nachtsabende. Der Chaßid endlich-fährt zu seinem Nebben, hält.wenig von-Rabbinerthum und Orthodyrie und ehrt.nur seinen Heiligen.*) Wie..ein Rabbi zwischen-zwei Feuer quösehen muß , weiß nur der zu benrtheilen, der häufig gleich uns Gelegenheit har, mit diesen -Männern zu verkehren. Der Rabbi in Nagy-Mihüly, vor Jahren ׳ein *) In einem Dorfe von 30 Familien kömmt es oft vor, daß in deniselben sechserlei Chaßidim leben; von denen ein jeder seinen besonderu Nebben hat, den der Nachbar verachtet. m Orthodox, ist Heute mit seinen Getreuen zu den,Chaßidim übergetreten. Ihm zur Seite ׳stehen die -Rabbineu in Sziget, Hußt, Szikßü., Tokaj, Lißka und Andere. Der Rabbi in S. A. Ujhely ,steht durch seine chaßidenfeindliche .Gesinnung -isolirt da, wenn anders auch sein -orthodoxer Standpunkt mit seinen ebenso hesten Gesinnungen kaum in Ein« klang zu,bringen sind. Die chaßidische Umgebung haßt den Rabbi, da er sich nicht an ihren Wallfahrten betheiligen will, während die Ansgeklärten ein positives Handeln erwarten, was dem zwischen Parteien stehenden Rabbi unmöglich ist. Aehnliche Verhältnisse sind in Unghvar und Kaschau, obwol das Wirken des Unghvarer Rabbinen sich auf ein Minimum reduzirt und die Parteiungen bis heute in Kaschau.die Anstellung eines Rabbi unmöglich machten. © Nagy-Küllü, im August. Im ganzen Szabolcser Komitäte war Küllü der einzige Ort, der bisher, eine geregelte zweiklassige Volksschule besaß. Ich sage besaß, denn dieses Institut, der einzige Lichtpunkt im Meere der Finsterniß, das hier herum gewaltige Wellen schlagt, droht nun wieder zu erlöschen, die Schule ist im Stadium der Auslösung begriffen. Gestatten Sie mir jedoch, Ihnen die Geschicke dieser Schule in gedrängter Kürze chronologisch darzustesten. Aklhier, wo Wiukelschulen und Melamdenthum noch immer, wenn auch nicht mehr ihr goldenes, sicherlich jedoch ihr silbernes Zeitalter leben, hier gelang cs noch im Jahre 1858, also unter dem Bach'schen System, dem unermüdlichen und energischen Bestreben des damaligen Obrrstuhlrichters, nunmehrigen gewesenen Administrators und jüngst zum Referendar der kön. Hofkanzlei ernannten Herrn v. SzabO, eine zweiktasfige Volksschule ins Leben zu rufen, die unter der tüchtigen Leitung des wackern uud allgemein geachteten Oberlehrers Karl Frey er auch alsbald einen erfreulichen Aufschwung nahm. Leider ging jedoch dieser wackere Schulmann nach einem kurzen Wirken von kaum neun Monden mit dem Tode ab, und mit seinem Hintritte gerietst auch die Schule wieder in Verfall, und das Melamdenthnm wucherte wieder zur traurigen Blüthe empor. Mittlerweile starb ein hiesiger angesehener israelitischer Kaufmann, Herr Naschofski, der unter andern wohlthätigen Vermächtnissen auch eine Summe von 5000 Gulden zur Errichtung .eines jüd ischeu Gymnasiums testirte. Da dieses jedoch eine von der Hand kaum zu realisirende Idee war, so gelang es den Herren Med. DrS. N. Bleyer und Salamon Mandl mit dem Testamentsvollstrecker eine Uebereinkunft zu treffen, der gemäß von den obigen 5000 Gulden 1500 fl. städtischen Kommunalzwccken, die übrigen 3500 fl. hingegen als Grundkapital einer hier zu errichtenden jüdischen Normalschnle zugewendet worden. Hierauf entwickelten nun die eben erwähnten Herren eine sehr lobens- und anerkennenswerthe Thätigkeit. Unter dem Präsidium des Herrn Dr. Bleyer, der zugleich ,zum Schuldirektor gewählt wurde,!konstituirte sich eine aus 9 Mitgliedern bestehende Schulkommiffion, in der jede Partei ihre Vertreter fand,,und die imn mit rühriger Thätigkeit au ihr Werk ging. Statuten wurden ausgearbeitet, Konkurse.zur Besetzung -der Lehrerstesten ausgeschriebene (uotu;bene dies geschah im Jahre -1862, damals, als!die Auflösung der bestehenden Schulen, an der Tagesordnung war) viele wolhabende Mitglieder -der hiesigen Gemeinde sow.ol, als ,auch der Nachbar,gemeinden zeichneten namhafte jährliche Beiträge; aus Gcmeindemittoln war Pie Hälfte-der Gäbest« י— monatlich circa!ßO -fl. — dem Zwecke gewidmet, rechnen Sie noch die regelmäßige Schulgebühr der ,zahlungsfähigen Schüler dazu,-und die materiette - Lage der Schule war noch mehr als -gesichert. Zudem gelangten noch im Dezember ,.v. Z. die Hach mehreren Fatalitäten von der ׳.hohen Statthalterei ,bekräftigteu Statuten.cherqb, - und-das!junge .Institutschien auf ewige Zeiten M ,zü Kchen.