Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 34 (24.8.1864)
- Date
- 1864-08-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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697 698 ״Die Geheimnisse der Natnr werden dir dort offenbart werden." u2) Beide aberw'ol lten nicht warten. Es haben sich beide in der höher» Bestrebung begegnet, in dem gänzlichen Umschlagen derselben begegneten sie sich abermals. קצץ בנטיעות heißt es von Acher. DerTeufel hat ihn geholt, heißt es von Faust. Das קצץ בנטיעות enthält die innere Biographie des Mannes und das Unheil darüber. Höhere Stimmungen sind im Vorbeigehen bei den genannten Männern eingekehrt, ihres Bleibens aber war nicht lange — כאשר יחנו כן יתעו Acher wurde ein Skeptiker —und blieb es, Faust war ein Skeptiker und wurde ein Epicnräcr. Mit den zu früh abgerissenen Blättern des Baumes der Erkennt»iß saß Acher in einem Winkel der Welt, ruhig in sich gekehrt, vielleicht selbst beklagend, daß er den allgemeinen Glauben verloren, und viel besondere Erkenntniß nicht gewonnen hat. Die Achtung aber ist ihm nicht zu versagen. Es haben ihm die Talmudisten selbst Achtung gegönnt. Man ehrte sein Wissen, man schrieb ihm zu gut, daß er nur sein Wissen, aber nicht seine Zweifel mittheilen wollte. Faust hat ebenfalls den allgemeinen Glauben verlorcn und besondere Erkenntniß nicht gewonnen. Er zog mit seinem guten Freund M e p h i st o s e l e ö in die Welt. ״W e r nicht glauben kann, genieße" trug er als seine Fahne. Er genoß, und ging unter, nnbedauert, unbemitleidet. Er hat die Achtung verscherzt. (Fortsetzung folgt). Aclier die Vereinbarung des 9. und 12. Glaubensartikels. Von Oberrabbiner Hirsch B. Fasset. (Schluß.*) Aber ich will noch erweisen, daß diese Glaubensartikel sogar in einem genauen Zusammenhänge stehen. Gegen den 12. Glaubensartikel streiten A lbo und mehrere Gelehrte: da ihn einerseits ein Tannai im Talmud negirt hat, andererseits kein Stückchen Judenthum damit verknüpft ist, so könne er nicht als Glaubensartikel gelten. Ich habe in meiner ״Mosaisch-rabbinischen Tngeudlchre" (§. 30) gesagt: ״Die Worte des Maimonidcö lauten: DaS zwölfte Glanbeusprinz'p ist die M e ssi a s z e i t"; die Verleugnung dieses ist allerdings eine Demolition der Profelie und hebt auf die Mission des JndcnthumS, und den eigentlichen Zweck der Menschheit." Nu» aber spricht MaimonivcS dem Berlengner des ״persönlichen Eelöserö" die Seligkeit ab, und stellt ihn gleich dem Verleugner ״des Ewigen, des Gottes Israels״ »nd dem Berlengner der sinaitischen Offenbarung, und gegen diesen Ausspruch gelten ja auch dieselben Eiuwcndüngen, die gegen die Meinung, als wäre das Kommen des persönlichen Messias zum Glaubensartikel gemacht werden, wie ich dieses in meinem Werfe gegen Herrn Hildesheimer näher allSeiriakider gesetzt habe. Nun aber habe ich erkannt, daß Maimouideü nicht nur Neckt hat, son» dern daß sogar das Kommcu deö persönlichen Messias als der 12. GlaubenSartikel gelten kann. ") Seneca Briefe Nr. 102. Es ist dort auch von dem göttlich en Lechte die Nebe. *) S. Nr. 32. Qi ist oben gesagt, daß wenn auch In der MeffiaSzeit, die Gott bald hrranbringrn möge, virle Gesetze der Thora keine Anwendung finden sollten, sie darum nicht als aufgehoben betrachtet werden können. Wie ganz anders aber wäre es/wenn man jetzt, wo die Gesetze noch Anwendung finden können, behaupten möchte, sie haben keine Geltung mehr, Gott habe sie außer Kraft gefetzt, mit Israel einen neuen Vmid geschlossen 11. s. lv»., das hieße eine Verleugnung des 9. GlaubenSartikels. Nun gab es seit den Zeiten des Talmuds bis lange nach MaimonideS kein anderes Alternativ über den Messias, als: entweder er wi'rd kommen, oder er ist bereits gekommen, d. h. entweder die messianischcn Verheißungen und Provhczeihungcn über den »Messias beziehen sich ans ein Individuum, welches erst erscheinen soll, oder welches bereitS erschienen ist. So sagt Rabbi Hillel im Talmud: ״Israel hat keine» Messias, denn sie haben ihn bereits verzehrt in den Zeiten des JechiSkjahu", d. h. die meffianischen Prophezeihungen beziehen sich ans diesen König, welcher also der verheißene Messias war. Die Weisen des Talmuds erklären diesen »Ausspruch als Jrrthum; aber da dieser Rabbi Hillel mit seinem gcthanen Ausspruche nichts weiter verleugnet hat, — denn wäre auch Jrchiskijahu der Messias gewesen, und weiter keiner zu erwarten, so ist dadurch weder irgend ein Grundsatz, noch ein Gesetz des ZudcnthnuiS aufgehoben oder erschüttert, — so haben die Weisen bloS gesagt: ״Gott möge dem Rabbi Hillel seinen Jrrthum verzeihen." Wie ganz anders aber war es in den Zeiten des MakmonideS, wer da gesagt: ES wird kein Erlöser mehr kommen, denn er ist schon gekommen, die Prophezcihuugen über den Messias beziehen sich auf ein Individuum, welches schon da war, von dem konnte nicht gesagt werden, er verleugne nichts weiter vom Judcnthume; denn im Namen jenes Individuums haben dessen Jünger daS mosaische Gesetz gänzlich ausgehoben, eine Einheit Gottes gelehrt, die der Anschauungsweise des IndcnthumS widerstehet und den alten Sinaibund in einen ganz andern verwandelt. Mil Recht wird daher von einem solchen gesagt: ״Er ist gleich dem Verleugner des Ewigen, des Gottes Israels"; d. h. er ist wol kein gänzlicher Verleugner, aber ihm gleich, denn Israel erkennt eine ganz andere Einheit Gottes an-. Und: ״Er ist gleich dem Verleugner der sinaitischen Offenbarung" d. h. er ist kein wirklicher Verlengner dieser Offenbarung, denn die Doktrin, welche durch den gewesen sein sollenden Messias entstand, erkennt ja auch die sinailische Offeubarulig als Wahrheit an; aber gleich ist er ihm, denn er erklärt indirekt das mosaische Gesetz als aufgehoben, nnd abrogirt gänzlich den 9. GlaubenSartikel. Sonach steht der 9. mit dem 12. Glaubensartikel in enger Verbindung; denn durch die Verleugnung des letzter» wird, wenn auch nicht durch die Negation, doch aber durch die daraus zu folgende Posilion den 9. Glaubensartikel mit verleugnet.*) Nun die Resumption. Würde Jemand behaupten: ״Es wird kein persönlicher Messias kommen, weil er schon gekoinmcn ist"; so wäre er als Verleugner der Einheit Gottes nach jüdischer Auffassung zu betrachten, und dem Verleugner der sinailische» Offenbarung gleich zu stellen.**) Würde er aber behaupten: ״Israel hat keinen persönlichen Messias, weil cS selbst der Messias ist", so wäre über ihn zu sagen wie über Rabbi Hillel im Talmud: ״Gott möge ihm seinen Jrrthum verzeihen"; aber als Kofer küunte er nicht betrachtet werden, denn er hat ja weder einen Grundsatz verleugnet, noch ein Gesetz der Thora oder drr Rabbiner erschüttert. Aber auzuerkeiiue», daß Israel der Messias der Welt sei, und doch dabei an einen persönlichen Messias glauben, nämlich: ״Gott wird einen Messias senden, welcher Israel erlösen und *) Der Nachsatz im 12. Artikel: ״Nnd wenn er (der Messias), auch säumt, so hoffe ich doch, daß er kommen werde" zeigt, daß der Haupinachdrnck gelegt wird auf das, daß er kommen wird. **) »Man weiß, zu was der Glaube, der Messias sei schon gekom, men, die Sabbatianer gemacht hat.