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Ben Chananja · 1864-08-24 · 34 (24.8.1864) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
34 (24.8.1864)
Date
1864-08-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Der ,Leser sowol, als der ehrwürdige Schatten des R. Chanina den Dossa selbst, werden nach dem Vorangegangenen uns nicht zürnen, daß wir Epicur ,mit dM Talmndisten in einem Athen! genannt haben. Es war die Genügsamkeit —wie Anfangs bemerkt, worin sich beide begegneten. Eine der interessantesten Beiträge zur Geschichte der Menschheit ist wol die Ueberschrift des Garten von Epicur. ״Gast — so lautet dieselbe — du wirst dich hier wol befinden, hier ist Vergnügen das höchste Gut."- Es wäre diese Ueberschrift nicht unwürdig, über den Pforten des Paradieses zu glänzen. Die fruchtbarste Fantasie könnte dieselbe als ihren Tert nehmen. Man hat diesen Spruch oft als Tert gebraucht, und viele ,haben ihn als Ausgangspunkt betrachtet und als letzten Zweck des Lebens. Mißverständniß von ihrer Seite. S ene ca") hat dieses bereits angemerkt. Daß Mißverständniß hatte eine lange Dauer. Es ist dieses immer mit Epicurs Namen verknüpft geblieben. Es ist daher nicht zu verwundern, daß Jehuda Ha-Levi nur diese eine Seite erwähnt.'ל Die guten Sprüche des Epicur scheinen den Arabern unbekannt gewesen zu sein. ^) Das Wort אפיקורס kömmt bereits in der Misch na vor. Die Erklärungen des Wortes im Talmud sind als geschichtlich für die talmudische Periode zu betrachten, lassen aber den griechischen Filosofen selbst unberührt.") Epicuräiömus eristirte lange vor Epicur. ״Essen, trinken, morgen sterben wir" (Jes. 22, 13) ist die Blüthe desselben, und zeigt auch zugleich das hohe Alterthum des selben. Trotzdem, daß Epicnräismus mit Genußsucht synonym war und noch ist,׳so trar der Epicnräismus des Epicur selbst ganz anderer Art. Epicur machte aus Brot, Oliven und Wasser eine Mahlzeit. Die allgemeinen Ansichten,desselben —, welche schon im Alterthnme Anstoß fanden — hätten eine andere Lebensart erwarten sollen. Seine Genügsamkeit — welche bei andern Armuth hieße — machte ihn glücklich und sie ward auch bewundert. R. Chanina ben Dossa hat auch in diesem Style gelebt, die schlechteste Kost genügte ihm. Unter den Tugenden des Juden glänzte auch die Genügsamkeit als eine allgemein menschliche. Die höhere Beschaulichkeit, in welcher dieser Talmudist lebte, umgab seinen Namen mit mehr als gewöhnlichem Respekt bei seinen Zeitgenossen. Die talmndische Sage — echt orieulalisch gefärbt — erzqhlt.von ihm: ״Die Tochterstimme (Bath Kol'°) ״) «ergl.כוזריי v §. 10 •)אפיקולס היוני וסיעתו• נקרא בעלי ההנאה• — Im 'מוסרי רסילוסוסי finden sich keine Sprüche Desselben,!auch nicht tm S hara st a ni sll S. 109 deutsche Nebersetzung.) ") Maimonideö hat auf verschiedenen Seiten von Epicur gesprochen. Derselbe hat manche arabische Änschaunttg mit der des TalmndS verbunden. ") Berachoth S. 17. b. סל תעולס׳ 2שביל תנינא סני ומ (vergl. auch weiter unten.) '6) Wir haben bereits in Viesen Blättern Ährg. 1862 S. 79) einige Worte über Bath Ko 1 mitgetheilt.. ruft aus: die ganze Welt wird gespeist wegen meines Sohns R. Chanina ben Dossa und-.er selbst begnügt sich mit einem Löffel Kraut von einem Freitag zum andern." Es war der Wille, welcher -in beiden seine Trurmphe feierte. Bet Epicur vertrat der Wille die Stelle der Religion, bei dem Talmudisten machte die Religion den Willen. (Vergl. auch weiter unten.) Beide haben nur einen Charakter gespielt und haben darin Vorzügliches geleistet.") ״Die Seele ist unser König." IS) Es ist dieser Satz der Schlüssel, welcher bei den beiden genannten Männern die geheimsten Thüren des Herzens öffnet. Beide haben der Seele die Krone gereicht. Beide flößen tiefen Respekt ein. Wem gebührt die Palme? wer entscheiden will — oder kann — entscheide. Gleiche Handlungen können verschiedene Motive haben. Diese Motive sind es, welche -den Handlungen ihren eigentlichen in.nern Werth geben. Es liegt dies tief im menschlichen Herzen. Im gewöhnlichen Leben wird jeden Tag davon ein Beweis geliefert. Es bedarf dieses alles hier keiner fernern Auseinandersetzung. Im Vorbeigehen soll hier nur bemerkt werden, -daß dieser Gedanke seit zwei Jahrtausenden urkundlich in den Archiven der Menschheit eingetragen ist. Seneca^), das neue Testament, sowie der Talmud 2°) haben denselben eingetragen. Epicur wollte hier glücklich sein, und er war es wirklich. Um glücklich zu!sein, versagte er sich dasjenige, welches von allen andern am meisten gewünscht wird,!G enuß. Der genannte Talmudist sah nach oben, und versagte sich hier allerlei. Er war hier glücklich in der Hoffnung, dort die ewige Glückseligkeit zu genießen. Ihm standen die Worte -וידבק הזך בון vor Augen. : ‘ Viele Nachahmer haben -beide nicht gefunden. ״Jedes Zeitalter — bemerkt Seneca — hat seinen Clodius, aber nicht seinen Cato." ") Staben» hakadosch darf hier wenigstens auch genannt .sein, nicht als Verfasser per Mi sch na, sondern als ein Künstler der Mäßig.keit. Er war reich, und entbehrte freiwillig allen Genuß des Reichthnms. Es war bei ihm nicht Geiz, es war höheres.filosofisch-religiöses Prinzip. Höhere Stimmungen sind in einzelnen Menschen eingezogen und durch Verhältnisse sind sie wieder von dannen gezogen, moralischen Ruin hinter sich lassend. Mögen -hier Ach er (אתר) und Faust genannt ׳sein. Durst nach Erkennt!! iß "war es, worin sie sich begegneten. Es wollten aber beide zu viel wissen. Daß ich erkenne —sagt Faust — was -die Welt im Innern zusammenhält, ״daß ich-erkenne—mochte Ach er wol gesagt haben — wo eine moralische Weltordnug in dieser -Welt sich -zeigt." 17) Wir haben hier nur von Senecas Worten (Briefe Nr. 120) Gebrauch gemacht: ״Es ist schön — sagt derselbe — wenn der Mensch nur in einem )Charakter handelt. IB) S en e ca -Briefe Nr. ,114. Mögen ,,och die Wffste ,peS Sefer Jezirah hier angeführt werden ל3 בנפש כמלך במלתמה Bergl. auch unser Werk: Zur .lrenimiiß rc. re. S163 ׳. ■°) Seneca Briese Nr. 95. ■*״) Bergt, unsere rabbinische Spruchkunde S. 53 Rr. 164. 7') Seuccä Briese Nr. 97.

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