Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 33 (17.8.1864)
- Date
- 1864-08-17
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Beilage jnttt ״Ben Chananja" Nr. 3B ich während meines hiesigen Nnfenlhaltcs immer mehr achten, schätzen nnd lieben gelernt habe, — wird mir gewiß diese wolmeinende und freundschaftliche Bemerkung nicht übel nehmen. 2) Zu meinem großen Vergnügen las ich in der Beilage des ״B. CH." den Bericht der ״Alliance israölite“ und mit innigster Begeisterung die Ncde Cröinienr'S. Es muß jedem Israeliten im Herzen wohl thnn, solche, das Jndenthnm verherrlichende und mit so wahrer profetischer Begeisterung ausgesprochene Worte eines des berühmten, im eifrigsten Dienste für das Heil und Wohl der Juden und des IndenthumS alt und grau gewordene Crömienr, zu lesen. — Nnd denuoch soll, wie ich hier vernommen, das berüchtigte Mainzer Schmutzblatt — vulgo Spucknapfen — diese Rede mit seinem Kothe besudelt haben, weil Crömieur des Sa b b a t h ö nicht erwähnt hat. Bei der Tafel in einem hiesigen jüdischen Gasthause soll sogar in Gegenwart des alten, sehr würdigen und sehr religiösen Herrn Leven, Vaters des Sekretärs der Alliance Israelito , von einigen der nenorthodorcn Richtung angehörrnden Rabbinern, diesen Beschimpfungen Crömieur'a bcigestimmt und mit Steinen auf ihn geworfen worden sein, wodurch der alte Mann sich sehr verletzt fühlte, was ich aus sicherer Quelle weiß. Es liegt durchaus nicht in meiner Absicht, Crömienr, den berühmten Advokaten wegen dieser Auslassung des SabbathS zu verlheidigen, und kann dieses am wenigsten von mir verlangt werden, da ich in meiner Rede: ״Jeder bei seiner Fahne" mich so energisch gegen daö Sabbath-Eutweihen ausgesprochen habe. — Dennoch muß ich jenen Schimpfern zurufen: .אל תדין את הברך עד שתגיע למקומו Wisset Ihr Schmäher denn, welcher Grund den großen Mann bestimmt habe, den Sabbath in dieser Versammlung nicht zu erwähnen? Gewiß kein antijüdischer, da seine ganze Rede eine so tiefe und innigst gefühlte Begeisterung für daö Judenthum dnrchathmet, eine gewiß viel heiligere und innigere, als solche aus all Eueren Schmutzartikeln und Reden wahrzunehmen ist. Er zeugte in dieser die Wahrheit des AussprucheS Moses: ״Denn dies ist eure Weisheit und eure Einsicht vor den Augen der Völker", während Ihr stets das Gegentheil mit Euern Thorheiten bekundet, nnd einen so großen Chillul Ha-Schem verursachet. Wäre es Crömieur nicht ein leichtes gewesen, auch den Sabbath in seiner so segensreichen Wirkung besonders auf die Familie zu schildern? — nnd hätte er hierzu gewiß nicht nöthig gehabt, bei Euch in die Schule zu gehen, wenn er nicht gewichtige Gründe für die Auslassung desselben gehabt Härte. Kleine Geister wöget Ihr mit Euerm Geifer beschmutzen aber an weltberühmte Männer, ״deren kleiner Finger stärker ist, als eure Lenden" sollet Ihr euch doch nicht wagen, da bei diesen Euer Koth in Euer eigenes Gesicht von jedem Aufrichtigen Euch zurückgeworfen wird. 3) Unter den vielen hiesigen Bekanntschaften machte ich auch die eines interessanten jungen Gelehrten mit Namen Moses Waldberg aus׳ Jassy. Derselbe hat eine in sehr reinem und fließendem Hebräisch geschricbene polemische Schrift gegen das Werk Darka schcl Thora des gelehrten PiueleS in Galatz, soeben veröffentlicht. Ich konnte nur die 2l Seiten starke Vorrede dieses Merkchens, das den passenden Titel כך היא דרכה של תורה führt, durchlesen, und überzeugte mich hieraus schon von den großen talmudischen Kenntnissen und dem Scharssiuiie des auch sonst gebildeten Verfassers. Schade nur, daß derselbe — nach Weise der strengen Eiferer — sich zu häufig in das gewöhnliche Schimpfen verliert. Auch glaube ich, daß ihn seine Spitzfindigkeit irrelcitet und er anch zuweilen hierdurch gegen seine eigene Richtung, die die strengste Orthodoxie ist, handelt, da er Alles, was nur in den Talmuden vorkömmt, verthcidigt. So erklärt er S. 16 f. die den ungehorsamen Sohn betreffende Stelle Sanh. 71, a. auf bildliche Weise und nicht nach dem einfachen Wortlaut der Gemara. Dem konsequeiit könnte man ja noch viele Stellen, die, wie diese zur Halacha und nicht zur Hagada gehören, so auslegen und es würden alsdann manche Satzungen Wegfällen müssen. — Dennoch wird diese Schrift Ihnen von Interesse sein, zi'.mal Sie, wenn ich nicht irre, die von Pineles im ״B. CH." besprochcn haben. Der Verfasser will sei» Werk in die Buchhandlung von Kaufmauu in Frankfurt a. M׳ geben. Der Verfasser ist der Schwiegersohn des reichen Benjamin Cohana aus Jassy, den ich als einen interessanten Mann auch hier kennen gelernt habe. 4) Durch einen andern sehr würdigen und religiösen Mann, Herrn Gumpert aus Parchim in Mecklenburg-Schwerin erfuhr ich, daß in der Stadt Parchim schon im 14. Säkulum eine sehr bedeutende jüdische Gemeinde war, die aber durch den ״Schwarzen Tod" verfolgt und vertrieben worden, und seien jetzt noch viele Spuren hiervon vorhanden , vorzüglich noch viel מצבות, die znm Bau von Häusern verwendet wurden. In einer mir vom erwähnten Herrn G. übergebenen gedruckten Beschreibung der Stadt Parchim von diesem Jahre findet sich auch folgende Stelle: ״So erklärt sich (durch den Ruf P. als Handelsstadt) das frühe Auftreten der Juden in offenbar sehr wohlhabenden Verhältnissen in unserer Stadt. Sie hatten ihre besondere Jud.enstadt an der Lindenstraße und besaßen vor 1340 Grundcigeuthum. Mit dem schwarzen Tode brach auch hier eine heftige Judenverfolgnug los. Die Grabsteine der edelsten Rabbinen wurden von den Gräbern gerissen und später zu öffentliche» Bauten verwendet; und 1355 wurde ihr Grundeigenthum vom Magistrate eingezogen." Es ist mir unbekannt, ob die jüdischen Geschichtsforscher hiervon Erwähnung thnn. In jedem ,Falle wäre es von Interesse, durch einen Gelehrten Mecklenburgs hierüber weitere Aufschlüsse zu erhalte«. Herr Gnmpert versprach mir noch einige Dokumente hierüber einschicken zu wollen, und werde ich alsdann seiner Zeit das weitere hierüber im ״B. CH." mittheilen, falls solches Ihnen genehm sein sollte.*) 5) Viel wurde hier erzählt und gesprochen von dem neuen nnd großen Wunder, daS sich in der jüngsten Zeit in Franksur! a. M. ereignet hat. Der alte שמשון הגב1ר ist nämlich aus seinem Grabe gestiegen und hat in einer Nacht alle Stadthore Frankfurts eingerissen. Darob großer Schrecken und die größte Verlegenheit unter der frommen Schaar der Gesetzestreuen, wegen des Tragens am שבת. Im Zeitalter der Telegraphendrähte sollen die ״Gesetzestreuen" den Senat angegangen haben, noch einen Drath um die Stadt herum ziehen zu lassen, der die eingerisseuen Thore, für sie die Thore des Erub. wieder Herstellen sollte. Die Kosten hiefür wollten sie selbst decken; lieber den Verlauf dieser Angelegenheit habe ich weiter nichts vernommen und wird Ihr geistreicher Korrespondent aus Frankfurt Ihnen schon das Nähere hierüber mittheilcn. Es sosten, wie verlaut, schon am nächsten Versöhnungstage zwei Abänderungen von diesen ״GcsetzeSlreuen" in den Gebeten vorgenommen werden. Die erste nämlich in dem ״Al Chet": statt: בהוגאת ,״ע soll bekannt,werden בתוצאה מרה"' לדד,״ר; die andere in dem Pismon von Reilah statt פתח לנו שער בעת נ״ש soll gesagt werden נעל לגו שער בעת פתיחת שער. Somit auch bei diesen ein Fortschritt, Illid wer weiß, welche Folgen diese Anfänge noch nach sich ziehen können!! — Ich könnte dieses mein Pele^Möle noch weiter ausdehnen, aber meine Kur gestattet auch jetzt noch keine zu große Anstrengung. Wenn Ihnen die Fortsetzung erwünscht sein sostte, so werde ich von Trier aus, wohin ich in dieser Woche zurückkehre, Ihnen solche zukommeu lassen.**) *) Wozu erst fragen? Red. **) Sehr genehm, und erlaube ich mir, Sie. den bewährten und gelehrten Fecund ״B. CH'S." höflich!) darum zu bitten. Red.