Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 33 (17.8.1864)
- Date
- 1864-08-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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681 682 Korrespondenz. Ausland. L. D. London, Ende Juli. (Schluß.*) Aus dem Vorhergehenden war genügsam zu ersehen, daß wie unter Christen, das Spie« len auch unter Juden im Mittelalter einen Hauptplatz in der Zahl der Unterhaltungen eingenommen hat. Es hat allenthalben nicht an Männern gefehlt, welche im allgemeinen Interesse der Moral das Spielen gänzlich verboten wissen wollten, oder wenigstens auf gewisse Tage und Gelegenheiten dasselbe zu beschränken gedachten. Es wären hier manche Stellen als Belege anz U« führen. Wir begnügen uns für den Augeublick nur eine wolgemeinte Zeile des Josef Ha so bi (האזובי) ') folgen zu lassen. .״ והקוביא והדומה לה תשקץ וכליה תגרע כאשירהDas Würfelsvicl und AehnlicheS verabscheue, und vernichte die Werkzeuge desselben (des Spiels) wie Götzenbaum (3 "(אשירה« dem bereits erwähnten מעדני מלך finden sich einige sehr vernünftige Worte über das Spielen überhaupt, auf welche wir aber nur verweisen können. Allgemeine moralische Anschauungen, noch bestärkt durch gewisse talmndische Stellen, welche dem S p i e l e u sich nicht gemogen zeigen, haben unter denJuden beigetragen, womöglich das Spielen ferne zu halten. Es mag noch bemerkt sein, daß in vielen Gemeinden die Juden unter sich das Spielen unter Chere.m (הרם) verboten haben. In den Gutachten des Jsak ben Schcscheth (ריב״ש) findet sich (Nr. 17) die Notiz, daß in der Stadt קליד (Cagliari) ein solches Verbot eristirte. Auch in aüdern Gemeinden eristirten solche Verbote. Die allgemeine Praxis hat das Spiele» jedoch nur als eine unschuldige Unterhaltung betrachtet. ״J.ch bin ich"*) Dieses hat manchen schon zur Verzweiflung getrieben. Es hatte mancher sehr gute Gründe, zu wünschen, daß sei» Ich ein anderes wäre. An der S p i eltafcl verliert sich das Ich, das Du nnd das Er. Die Persönlichkeit schwindet, und ist den Finthen des Zufalls preisgegeben. Man spielt und vergißt sein eigenes Ich u»d sein eigenes Elend. Stillschweigend hat man dies schon in früher Zeit gefühlt und wie bereit» bemerkt, die talmudischc» Stellen, welche im Wege standen, wurden gehörig znrechtgesctzt. 3 *) ״Der יצר הרע - sagte ein polnischer Jude einst — ist ein למק" Ins Deutsche übersetzt heißt dieses: ״die Leidenschast rst ein Sophist." Die Kämpfe der Dialektik mit der Moral, und der Rabbatt, welchen letztere an erstere zu geben hat, ist ein Theil der Geschichte der Moral. Einzelne Personen haben übrigens für gut befunden, sich des SpielenS gänzlich zu enthalten. Manche haben auch ihre Enthaltsamkeit urkundlich auSgestesit. Solche dokumentirte Enthüllsamkeit — wie man cS nennen könnte — hat die Geschichte auch oufbewahrt. In manchen Handschriften finden sich Mem o r a nd a von einzelnen — sonst nicht weiter bekannten — Persone», welche auf sich genomnie» haben, nie zu spielen. *) S. Nr. 30, 31, 32. י) In dessen Gedicht genannr קערת כסך . welches öfter gedruckt ist. ^) Shakespeare hat diese Worte Richard III. Ul den Mund gelegt. Die Worte ״Ich—ich" haben später Fichte berühmt gemacht. Eine solche Phrase, wie ״ich bin ich" könnte man im Hebräischen nicht sagen. (S. 5 M. 32. 39. Red.) Aber das ונהפכת לאיש אהד drückt de» Gegensatz davon aus. 3) Vergl. (S. 650 Note 4) die Worte ומכאן סומכיב וכד. Ts könnte vielleicht dem Leser nicht unwisikommen sein, ein solches Memorandum zu sehen. Im Interesse der Kulturgeschichte lassen wir hier ein solches folgen. וכדון טוב יהי׳ אמן. כמו שהיום יום כ״נ שעות (?) בר^ש ז^סריל רנ״*< קבל עליו בשבועה חמורה על עשרת הדברות שלא לצהוק שום צחוק ולא ההצהק לשום אדם בעבורו זולתי צחוק הטבלי ק לבד באשי רביע הצחוק (?) ווה לא לעשות כי אם לפעמים בזמן עשר שנים רצופים וגדר בפנינו יקותיאל בר גרשום5). Ein anderes Memorandum ähnlichen Inhalts hat weniger Intereffe, weil kein Spiel speziell darin genannt ist.') Bad EmS, (Herzogthum Nassau) 4. August. Zn meinem ersten Berichte (f. B. CH. Nr. 30) gab ich die Aussicht, noch einen zweite» Bericht von hier aus folgen zu lassen. Da ich bereits in der fünften Woche mich hier besinde, und Gelegenheit zu manchen interessanten Beobachtungen hatte, und auch mein erster Bericht hier beifällig ausgenommen ward — vorzüglich von Seite meines Wirlhes —. so will ich denn noch das, was für den ״B. CH." von Interesse sein könnte, als P61e-M61e, — mittheile». 1) Der hiesige Gottesdienst ist. wie berichtet, erbauend und erhebend und durch die inhaltreichen Vorträge des Herrn Dr. Hochstädter auch belehrend, die Choräle i» demselben find einfache zweistimmige, und wirkt der Herr Dr. H., der eine sehr angenehme Stimme hat, um welche mancher Rabbiner ihn beneiden könnte, — bei Manchen Gebeten selbst mit. In den Bcstandtheilen des Gottesdienstes finden jedoch manche Inkonsequenzen statt. Das במה מדליקין wird z. B. weggelaffen, die beiden chalbäischen יקום פורקן — ersterer jedoch mit einigen Auslassungen, was aber kein Mensch, merkt —sind aber beibehalten. Die Haftara wird vom Rabbiner in deutscher Uebersetzuug vorgetragen, jedoch werden hierauf die letzten Verse derselben in hebräischer Sprache und mit der üblichen alten Betonung der נגינה, nicht deklamatorisch, gesprochen, was sehr absticht. Am auffallendsten fand ich uud mit mir noch viele Andere das gestrige Verfahren mit der Haftara. Dieselbe (הוון ישעיהו) wurde zue>st in der איכה Beto»ung und hierauf in deutscher Uebersetzung vorgetragen, welche beide heterogene Elemente einen unangenehmen Eindruck machten. Auch am Freitag Abend wurde das איכה בגון bei einigen Gcbeistücken nicht vergesse». Auch die ויסעו in dem Abschnitte מסעי wurden noch mit dem alten Marsche abgesungen. Herr Rabbiner H. ist aufgeklärt und einsichtsvoll genug, diese Widersprüche selbst einzusehen; er will mit manchem noch Konzessionen machen an die verschiedenen Kurgäste der verschiedensten religiösen Richtungen, welche die Hauptbesuchec seines GotteSdienstcS ausmachen. So plausibel auch dieser Grund ist, uud so sehr ich auch aus eigener Erfahrung weiß, wie schwierig es ist, die beide» neuen und alten Elemente im Gottesdienste in Harmonie zu bringen, so muß doch bei diesem löblichen Bestreben das zu sehr Auffallende und Widersprechende vermieden werden. Mein Herr Kollege, der׳Dr. H>, de» Fortsetzung tu -er Lcilage. ך Es wäre sehr wünschenSwerth, hier die eigentliche Bedeutung des Wortes טבלי zu kennen. 5) Dieses Dokument befindet sich auf dem letzten Blatte eines handschriftlichen חומש auf dem britischen Museum in Loudon (Sloane Nr. 4709). Der Kopist dieses ר,ומש War der berühmte R. Abraham Farisol (פריצול) und ist dasselbe von 246 (—I486) datirt, ') Auch dieses findet sich zu Ende einer Handschrift auf dem britischen Museum. Szegedin, Selbstverlag drr Nedaktion. Leipzig, Lommissions-Vrrlag von Lran; Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin. Hierzu ei» halber Bogen Beilage.