Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 33 (17.8.1864)
- Date
- 1864-08-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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677 678 erklärt unumwunden, daß daran kein Anstoß zu nehmen sei. Ja, er gibt der talmudischen Vorschrift sogar nur metaforische Bedeutung, als wollte sie bloS die seelenvolle Andacht beim Gebete empfehlen. °°) 3. In der talmudischen Zeit wurden die Synagogen im Freien außerhalb der Städte erbaut. *'*) Sie dienten zugleich Reisenden zur Herberge, weshalb auch beim Eingänge deS SabbatheS in den Synagogen das Kiddusch rezitirt wurde. 22) Letzteres geschieht allerdings bis auf den heutigen Tag. Aber Ort und Bestimmung der Synagoge wurden im Laufe der Zeit bedeutend modisizirt, und es ist eiue falsche Vorstellung, daß in synagogalen Dingen stets Alles beim Alten geblieben sei. 4. In den alten Synagogen muß man einige Stufen hiuabsteigeu, um auö dem Vestibül in das Schiff der Synagoge zu gelangen. Diese Einrichtung kann sich durch den Schulchan Aruch, und wenn man will, sogar durch den Talmud rechtfertigen.83) Und dennoch wird dieselbe in keiner der in neuerer Zeit erbauten Synagogen angewendet! Selbst die Einrichtung, nach welcher die Syuagogensitze verkauft werden, war eine Neuerung, durch welche manche talmudische Vorschrift verletzt werden mußtej24) man ließ sich aber dadurch nicht abschrecken, nachdem der Sitzverkauf ein Zeitbedürfniß geworden war. Der einsichtsvolle Rabbiner hat mithin Anhaltspunkte genug׳, wenn eö ihm ernstlich darum zu thun ist, den wirklich vorhandenen Bedürfnissen der Zeit Rechnung zu tragen. Die Form, die Sie, verehrte Herren, der streitigen Einfassnng geben wollen, ist aber ein Zeitbedürfniß, weil sie sonst ^icht in so zahlreichen und großen Gemeinden Eingang geunden hätte. Ich erlaube mir nach all dem Gesagten, Ihrem Herrn Rabbiner den weiblichen Theil semer Gemeinde zur freundlichen und wolwollenden Beachtung zu empfehlen. Im eilfteu Jahrhundert war eö den Frauen zu gewiffen Perioden gänzlich untersagt, die Synagoge zu betreten. Da trat der edle, milde, fromme Lehrer Naschi auf und sagte: ״Ich gebe nicht zu, daß die Frauen fortan so gekränkt und zurückgesetzt ") Dan. 6, 11. Bcrach. 31, a. 34, b. Peer hü'Dor Nr. 141.: דכונתו במימרת הקונות שיפסיק וירחיב מחשבות לבו סאי יספק שכונתו דוקא על שיתפלל בבונה גדולה. 1י) Kiddusch. 73. b. מכנשחא סמי בתא למתא Bcrach 0, a. Toß. Schlgw. המתפלל. Jl) Peßach. 101, a. N. Nitromai in Bezug auf die Laubhütte: אבל בתי כנסיות ובתי מירשות ז^ין מיוהרין לישיבה לתפלה ולתורה אבל אם עושין בשביל עוברי דרבים שאוכלים שם וישנים שם יפה הם עושים. ") Mag. 90, 3. Seder Chaliza Bi-Kezara Nr. 15.: בעזרת בית הכנסת, weil diese höher liegt, als das Schiff der Synagoge. Bcrach. 10. b. S. d. Glosse das. 34, a. zu ירד לפני החבה S. Schudt, Denkw. 6. Buch. 32. Kay. §.5. S. Tur Or. Chajj 150 und B B. Jos. das. werden sollen!"25) Möge also der Herr Rabbiner Singer den Frauen seiner Gemeinde als ein zweiter rettender Raschi erscheinen und sprechen: ״Ich gebe nicht zu, daß die Frauen, die im Gotteshause Erbauung, Belehrung und geistige Erquickung suchen, in demselben, wie in einem Gefängnisse, eingepfercht sitzen sollen! Wenn unduldsame Fanatiker mir dixS Nebel nehmen sollten, will ich mich daran nicht kehren. Gestatteten ja selbst schon die mittelalterlichen Nabbinen den damals üblichen Vorhang an der Franenabtheilung der Synagoge mindestens zuweilen wegzuschieben, um den, Frauen eine freie Aussicht in die Mänuerabthellung zu eröffnen!" 23) Dadurch wird Herr Rabbiner S. den in seiner Gemeinde bedrohten Frieden erhalten, und sich dadurch vor Gott und Menschen ein wahres Verdienst erwerben. Solchergestalt wird die Beantwortung Ihrer dritten Frage nicht erforderlich sein. Indem ich, verehrteste Herren, Ihren schönen Bestrebungen meine aufrichtige Anerkennung zolle, die sicherlich von allen gebildeten Glaubensbrüdern im Vaterlande getheilt wird, und indem ich vom Herzen wünsche, daß Gott . Sie und Ihre Gemeinde segne, und deren wackere, opferwillige Mitglieder von dem Bande holdseliger Eintracht umschlungen sein lasse, zeichne ich mit Hochachtung und glaubenSbrüderlichee Lieber Szegedin, S. August 1864. Ihr stets ergebener Diener AeoMl Mw, Oberrabbincr. ÄilssrühererZeit?) Von Dr. G. Carmoly. 6. S enjamin Lspino sa. Es waren schöne glänzende Zeiten, wo Spanien Sitz der jüdischen Wissenschaft war, wo die Rabbiner neben der Theologie auch Filosofie studirtenz wo Grammatik, Poesie, Astronomie und Mathematik alle Goister beschäftigte. Diese glorreichen Zeiten sind weit hinter uns, die Nachkommen jener großen Denker haben wenig Sinn mehr für wissenschaftliche Kenntnisse, besonders die Rabbiner im Orient, welche nur Satzungslehre und Kabbala begeistern. Ein eisiger Hauch geht durch alle ihre Schriften, und wo eö noch den Anschein wissenschaftlicher Bestrebungen Hat, da ist es nur Sophistik und Künstelei. ") N. Jsscrlein in Peßak. — Khclhab. Nr. 132.: משוםנחת רוח לנשים כי חי׳ להסלעצבון רוח ולמהלת לב שהכלמתאספי׳ היות בצבור והמה יעמרו חוץ.? ") Ture Sahab zum Jore Dea 371, 3. *) S. Nr, 5-7.