Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 33 (17.8.1864)
- Date
- 1864-08-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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669 Originale. Dieser nach Inhalt «nd Form wirklich sehr merkwürdige Gries enthält die Motive Ihres Herrn Rabbiners in sehr authentischer Weise, so daß eS am zweckmäßigsten sein dürfte, bei Erörterung Ihrer Fragen von diesem Briefe anSzugehen. Ich gebe den Wortlaut desselben mit diplomatkscher Treue wieder, ohne mir auch nur eine grammatische oder orthographische Aendernng zu erlauben. Z. 104-86-1. Sr. Wchlgkb. Herrn Albert Schmied! ehrsame Kultus- Vorstand und Präses der Gemeinde Losonz am L6- 3ult 1864. Ich habe schon gestern die- Schreiben an Sie richten wollen, da Sie aber abwesend waren, so habe ich müssen abwarten, bis heile. — Um mir jeden fernern Vorwurf nicht znkommen zu lassen, und jede Dernachlässiguug vorzubeigen, mnß ich Eie aufmerksam machen, wovon ich gestern schon etwas mündlich Ihrem größten Vertrauten Herrn Sacher gesagt habe, nämlich es ist ein ausdrückliches Gesäß in unfern (Schulchan Aruch), welches auch dem Blödsinnigen sichtbar ist, wovon wir unsere gantze Religion schöpfen, welches kein Doctnr, kein Kaufmann, kein Profesonist negiern kann:: daß wenn rin Weibe mit dem Gesichte in solchen Zustand in Männer Tempel sichtbar, darf man weder (KriaS Schema) noch das (Schcmuna Esre) Gebet verrichten. — Demznfolge ist es mir erstens unbegreiflich, wenn man so viele Tausende Gutden auf einem Tempel respektive BethauS schpcndet und zuletzt mit einem wollüstigen Gegenstand so verletzt, daß es laut Vorschrift unserer positiven Religion nicht erlaubt ist darin.»daß Gebet zu verrichten? Ltens Mit welchem Rechte der Gewaltthätigkeir könen Sie ein religiöses moralisches Gesetz welches ich als religio»« Vorsteher respektive Kirchenseelsorger dietiere: vernichten welches ich sogar als unmoralisch, und unsittlich uureligiös erachte, und von den grösten Nntoritälen Ungarns auch dafür erklärt wird? können Sie denn gar sich bereden lassen daß das von der Politischen Behörde nicht auch für mich erkannt werden wird? und wenn es sogar schon fertig sein wird und nicht der Religion und der Moral entsprechen wird; wird es der Gemeinde ungeheure Kosten verursachen aber die Religion muß siegen wenn nur Kämpfer und Vcrtheidiger da sind, die Behörde wird durchaus kein Rücksicht auf Pest und Co»forte» nehmen überhaupt wenn von Pester Rabbiner ein Zeugniss da ist . 3tens Wenn ich schon den Weg des Prozesses nicht einschlagen wollte, aber daß werden Sie mir doch gestehen müßseu, daß wenn ich eine Frage (Scheile) bei den Nabbin, n machen werde, welches, ich verpflichtet bin und auch schon gemacht habe, ob ich gegen unsere posotiewe Religion (Schulchan Aruch) in diesem Gotteshaus beten darf gehen?,,welches sie wahrscheinlich vernneien werden, also werde ich mir müßsen anderwärts (Minjon) machen. Sie können sich denken daß ich grossen Zuspruch haben werde, überhaupt da ich dies gantze Schreiben bei der allernächsten Predigt allen Glaubensgenossen ans Herzen zu legen verpflichtet bin (im Falle Sie Zhre Meinung nicht ändern) und auch sie aufmerksam machen werde, daß ein jeder Israelit der religionSgemäß seinen Gottesdienst, sein Gebeth verrichten will darf aus dieser Art nicht hineingehen und können Sie sich wohl denken, welche Agitation das Hervorrufen wird? was die Gemeinde an Sitzkäufer, an Sihmüther, an Sitzeinzahler sowohl von hier als vom Bezirke vrrluren wird? und diese Agitation wird unwillkihrlich hervorgernfen werden, denn das religiöses Gesätz muß ich allenfalls öffentlich angcben. Daher ersuche ich Sie abermals höflichst H. Vorsteher endigen Sie den Tempel mit Frieden, verwirken Sie sich nicht Zhre Belohnung die Sie sich dadurch erwerben sollen, denn ende Gut alles gut ende schlecht alles schlecht, lassen Sie Gitter mit Gallerie so verfertigen, daß es kein.Bildergallerie gleichen soll, so wie ich angegeben habe, am aflcrwtUigsitu sünsthalb Schuh und drithalb Zoll, daß am wenigsten ein 670 Mittelweib auch stehend nicht sichtbar sein soll, da« Heist diese Höhe muß sein ohne Verzierung, dann wird Sie Gott segnen dann wird ein Dethau« genannt werden können wo man beten darf, sonst nicht — ich verharre hoffnungsvoll Zhr Freund Jakob Singer, Bez.-Rabbiner." Dies der Wortlaut deö amtlichen Schreibens! Nach dreißig Jahren wird man, wenn man dieses Schreiben liest, ausrufen: es ist unbegreiflich, wie ein Rabbiner ein solches Schreiben verfassen, und noch unbegreiflicher, wie eine Gemeinde auf einen solchen Galimathias auch nur die geringste Rücksicht nehmen konnte. In diesem Augenblicke sind leider unsere Kulturzustände noch so beschaffen, daß eö nöthig ist, den anmaßlichen Uebergrkffen fanatischer Unwissenheit entgegenzutreten. Ans dem Style der höchst eigenthümlichen Epistel wird man dem Herrn Rabbiner Jakob Singer wol schwerlich einen Vorwurf machen können. ״Ich habe", könnte und würde der ehrwürdige Herr ״Kirchenseelsorgcr" zu seiner Rechtfertigung sagen, ״bei Allem, was ich stylisire, die Lehre jenes ungarischen Rabbiners vor Augen, nach welcher die früheten Rabbinen wol verschiedener Sprachen kundig waren,' dieseltten aber, wenn sie sich ihrer bedienten, absichtlich korrumpirten, um einem gewissen Aussprüche der Palästinenfischen Gemara nachzukommen." *) Man kann diese Rechtfertigung gelten lassen, und eö dem Herrn Rabbiner S. gönnen, seinen sprachkorrnmpirenden Styl auch in Zukunft beizubehalten. Gebildete Menschen wird dies aber durchaus nicht verhindern, den Styl des Herrn S. für ebenso lächerlich zu halten, wie die Doktrin von der geflissentlichen Korruption der Sprachen. In Wahrheit hat diese geflissentliche Korruption niemals stattgefunden. Die Rabbinen, welche in früheren Zeiten arabisch, spanisch, lateinisch und italianisch schrieben, waren weit entfernt, diese Sprachen korrumpiren zu wollen. Die Korruption deö Deutschen tm Munde und in den Schriften der Inden war keine Folge religiöser Skrnpulositat, sondern Folge der gedrückten sozialen Stellung der Juden. Unter gebildeten Juden kann über alles dies nicht der geringste Zweifel obwalten. Ebensowenig können aber dort, wo der größere Thcil nuferer Glaubensgenossen anf'O'ler höher!! Stufe der Bildung steht, Disknssionen und Streitigkeiten aufkoinmcn, wie sie zun! tiefsten Schmerze eines jeden denkenden, für daö Wohl seines Stammes und die Ehre seines Glaubens warm fühlenden Juden vom Herrn Rabbiner S. in Ihrer Gemeinde provozirt werden. Herr Rabbiner Singer behauptet, es sei nach dem Schnlchan Aruch verboten, die Hauptgebete in einer Synagoge zu verrichten, wenn ein Weib mit dem Gesichte ״in solchen! Zustande (!)" im Männertempel sichtbar ist. Diese ') Chaiham Svfer zum Eben Ha-Ezer 2,11. S. ״Ben Chananja- S, 4. Anmerkung 11.