Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 32 (10.8.1864)
- Date
- 1864-08-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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655 656 nvmmen und witdergegeben werden. Dermalen find wir im Provisor!, fchen Besitze Lider ungarische Landtag Gesetze für Waisenämter ent, werfen wird. Doch hierüber ein anderes Mal. Löwy. 8 Füred, 4. August. Kommenden Montag wird von den zahlreichen orthodoxen Gästen des hiestgen Kurorteein Buß- und Fasttag gehalten werden. Die Veranlassung dazu ist folgende: R. ״Chajmel" au- St. Peter wurde am Sabbathe Par. PinchaS (23. Juli) als Maftir zur Thora gerufen, und las statt der für den ersten Sabbath der ״drei Wochen" Haftara die gewöhnliche PinchaS-Haftara. Seine GefinnnngSgenoffen störten ihn nicht, um ihren Heiligen nicht zu kompromittiren. Das Attentat an der legitimen Haftara blieb aber nicht verschwiegen und man zog daraus folgende Schlüffe : 1. Der große Chaßid ist von der Trauer um Jerusalem nichtöweniger als durchdrungen; wie hätte er sonst die darauf bezügliche Hastara vergessen können? 2. Der Chaßid hat unterlassen, am Freitage die vorgeschriebene Mikrannd Targnm- Lektion zn verrichten; wie wäre ihm sonst die richtige Hastära entgangen? — Da nun der gemachte Fehler nur dadurch rektisizirt werden kann, daß am nächsten Sabbathe nicht nur die bezügliche, sondern auch die versäumte Haftara gelesen wird; und da die Orthodoxen fürchteten, ihren Heiligen durch diese Rektifikation zu kompromittiren, so gaben sie vor: das einzige hierorts vorhandene Exemplar der Thora dürfe, da einige Buchstaben in derselben verwischr seien, nicht mehr znr Lektion gebraucht werden. In Folge dieser Finte unterblieb die Thorauud daher auch die Haftara-Lektion. Der Rabbiner von W׳ erklärte die Finte für ungegründet, und er wurde dafür Montag (l.d.M.) beim Morgengottesdienste auf die ungezogenste Weise beschimpft. Der Beleidigte fand an Herrn M. K. Fuchs einen kundigen und wackern Annehmer. Endlich entschloß sich der Chaßid von St. Peter, sein Haftara-Attentat öffentlich abzubüßen. Um aber nicht dem Gedanken Raum z» gestatten, als wäre die Quelle des Verstoßes in dem Heiligen selbst, während doch ganz gewiß die Versündigung Anderer den Verstoß herbeigeführt haben muß; und da der Inquisitor aus St. Peter sogar die erschütternde Entdeckung gemacht Hai, daß die Schaufäden an dem Talith des sonst fanatischen R. Mardechai Schönfeld nicht in der Ordnung waren, wird der Eingangs erwähnte Buß- und Fasttag gehalten werden. Ein gewisser Herr F. aus Pest wird dabei eine eigenthümliche Rolle spielen. Da er sich nämlich zur Orthodoxie bekennet und gleichwol gewagt hat, am Sabbathe den Sonnenschirm seiner Frau in der Hand zu halten; wurde er verurtheilt, künftigen Montag von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang den geöffneten Sonnenschirm zu halten, und zwar aufgespannt und mit der linke» Hand als תשובת המשקל! Veßprim, 1. August. Seiner Zeit berichtete ich, daß der geniale Violinvirtuos, unser Glaubensgenosse und Landsmann, der Konzertmeister des Fürsten von Hohenzollern. Herr Leopold Auer von hier, vom Herzog Koburg-Gotha mit dem Orden für Knnst und Wissenschaft dekorirt wurde. Ich bi» nun in der angenehmen Lage, Ihnen das hierauf bezügliche herzogliche Diplom, welches mir im Originale vorliegt, in Abschrift züzusenden, und für dessen Veröffentlichung um einen kleinen Raum in Ihrem geschätzten Blatte ergebenst zu bitten. Folgendes der Wortlaut des Diploms: Seine Hoheit der Herzog Ernst zn Sachsen- Koburg und Gotha re. haben sich in Gnaden bewogen gefunden, dem Violin-Virtuosen Herrn Leopold Auer in Düsseldorf, in ehrender Aner-. kennnng seiner künstlerischen Leistungen, die von Höchstdero Herrn Vater, dem höchstseligen Herzog Ernst I. von Sachsen - Koburg und Gotha Durchlaucht gestiftete, am grünen Bande zu tragende Medaille für Kunst und Wissenschaft zu tragen. Zur Beurkundung dessen ist dem Virtuosen. Herrn Auer, dieses Diplom, unter Beisetzung des herzoglichen Siegels ausgefertigt uud nebst der Dekoration zugestellt worden. Koburg, am 23. Februar 1864. Herzog. Sächsisch. StaatSmiuisterium. (L. 8.) Pavel. Herr L. Auer ist stabil in Düsseldorf, ist Mufikmaitre der regierrenden Prinzessin von Hohenzollern Antoinette und auch der Prinzessin Marie, Schwester des regierenden Königs von Portugal. Hexe Auer wurde im April d. I. zum großen Konzert nach Amsterdam berufen; ebenso Anfangs Juli nach Wiesbaden, und wurde überall seiner Virtuosität wegen ausgezeichnet. Gr ist jetzt auf Urlaub und wir genießen das Glück, ihn in unfern Mauern zu beherbergen. Im nahegelegenen Badeorte Füred gab Graf Znkei ihm zu Ehren eine Soiröe, und Herr Leopold Auer würzte es mit seinem ausgezeichneten Spiele. Tags darauf gab Herr Auer ein Konzert im Theater zu wohlthätigen Zwecken. Im Oktober geht «nach Düsseldorf zurück. In der jüngsten Nummer Ihres sehr geschätzten Blattes berichtet Ihr geehrter 2-Korrespondent aus Ofen, daß in Angelegenheit des zn gründenden Lehrervereins rüstig gearbeitet wird, und daß, um von der hohen Statthalterei eine günstige Erledigung zu erlangen, sich die Herren: Direktor Lederer, Oberlehrer Kohn und Rosenberg dem Statthaltereirathe des DereinSwesenS vorgestellt haben, und auch so glücklich waren, für das Zustandekommen des Vereines eine günstige Antwort zu erhalten. Daß sich dieses hohe Dikasterium sowol, als auch benannte Herren in den Herzen aller ung. israelit. Lehrer hierdurch ein bleibendes, unvergängliches Denkmal errichten, ist außer allen Zweifel. Ich erlaube mir aber, diese geehrten Herren bei Statnirung des Dereins auf zwei sehr wichtige Punkte aufmerksam zu machen. Erstens: Soll ein Lehrerverein gebildet werden, muß auch ein Lehrer stand vorhanden sein. Und diesen haben wir nicht. Der Lehrerstand liegt noch immer darnieder in den Provinzstädten. In der Provinz ist man noch immer nicht gebildet genug, um den Lehrer nach Gebühr zu schätzen. Bei ihm ist derLehrer noch immer ein Subalterner, den er haben muß und nicht gerne hat, und etwa' aus Gottes Gnaden hält. Ehre und Ächtung den Ausnahmen; man möge mich nur nicht mißverstehen, und hieraus etwa eine -Anschuldigung oder Beschimpfung erklären׳ wollen. Mögen wir uns aber auch nicht gewaltsam eine Binde vor die Augen legen, um nicht klar sehen zu wollen. Sehen wir, wie eS im praktischeu Leben geht. Der austretende Kandidat wird viel geneigter sein, eine Privalstelle als Hofmeister anzunehmen, als sich um einen öffeutlichen Posten bewerben; und auch der stabile Lehrer trachtet-dem Stande, den Rücken zu kehren; der junge Lehrer trachtet , sich auf dem Privat- Posten Geld zu schaffen, und behandelt diesen heiligen Beruf für ein Handwerk קרדום להפר בת• Warum? Weil der Lehrer der Provinzialfladt noch immer keine moralische Stellung hat; er hängt noch-immer von den Launen-und der Willkür der Einzelnen ab; man stellt ihn provisorisch und wieder provisorisch an. Und so lange dieses Nebel besteht, wird es keinen Lebrerstand geben,'der für diesen hohen und heiligen Beruf leibt und lebt. Schlußfolgerung von Besagtem ist, daß es dem zu gründenden Vereine an Thcilnahme von Seiten der Provinziallehrer fehlen wird, die doch bedeutender an Zahl sind, als die der Städte Pest, Ofen, Szegedin, Arad, Baja, KetSkemet, Gr. Kanizsa u. s. w. in welchen der Lehrer als׳ integrirender Theil der Gemeinde und auch als Gemeinde- Mitglied betrachtet wird. — Wie dem aber abhelfen? Meine unmaßgebliche Meinung ist, daß die Herren Lehrer zu Pest-Ofen die hohe Statthalterei angehen mögen, daß den Provinziallehrern wieder nach Verlauf dreier Probejahre von der hohen Regierung das Definitiv um zugestcllt werde; wodurch auch der Landlehrer wenigstens vor kleinlichen Angriffen Seitens mancher Parteien gesichert sein wird. Wol ist das Dekret an nnd für sich noch kein unverletzlicher Talisman; vielmehr muß und soll ein jeder Lehrer beflissen sein, sich seine moralische Stellung durch seine Bildung, sein Wissen, seine Religiosität zu begründen und zu sichern. Für jetzt jedoch muß man ihm mit etwas Förmlichkeiten und Aeußerlichkeiten zu Hilfe kommen. Und das sicherste Mittel ist, ein