Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 32 (10.8.1864)
- Date
- 1864-08-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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650 648! dann geschehen mir den Kriegs- und Strafgesetzen, mit den Gesetzen über Darleihen. Verkäufe oder Armenunterstützung, über Leviratsehen, Ehescheidungen u. dgl.? Aber wenn Gesetze 6s lacrto nicht angewendet werden können, sind sie darum aufgehoben, oder mit andern verwechseit? Durchaus nicht. Rabbi Josef sag,: ״I» der znkünstigen Zeit wer, den Gebote aufhörcn (Niddda. 61, b.), hat er etwa den 9. Glaubens« artikel verleugnet? Gewiß nicht. 3m Talniud sind Meinungen, daß das Gesetz über den auSgearteten widerspenstigen Sohn niemals Anwendung finden konnte, und auf die Frage. ״Wozu stehet eS in der Thora?״ ist die Antwort: ״Ilm zu forschen und dafür belohnt zu werden", d. h. das Gesetz stehe bioS des Prinzipes wegen da, das Forschen in den göttlichen Gesetzen erleuchtet den Geist und findet als gottgefälliges Werk Belohnung. So stellt auch der Talniud die Frage: Wozu über Satzungen, betreffend Opfer, Peie« sterkleider 11. dgl. Abhandlungen machen? ״was gewesen ist, ist gewesen?" Oder etwa wegen der Zukunft, wo diese Gesetze wieder praktische An- Wendung finden werden? da werden ja MoseS und Elia hu da sein und uns schon belehren? Und die Antwort ist wieder: ״Forscht nur, damit du für das Forschen Belohnung erhältst." Nur wenn Gesetze Anwendung finden könnten und doch nicht angrwendet zu werden brauchen, dann sind sie entweder ausgehoben oder mit andern verwechselt, nicht aber, wenn ihre Anwendung znr Unmöglichkeit geworden ist. Und nun nenne man mir ein einziges Thoragesetz, welches in der MessiaSzeit müßte aufgehoben werden. Die Gesetze, welche jener Herr Doktor dem Herrn Rabbiner Letsch vorlegt, sind es nicht, denn solche werden nicht ausgegeben, sondern nur nicht in Anwendung kommen können, weil der Zustand der Gesellschaft ein anderer sein wird. Sonach vertragen sich der 9. und 12. Glaubensartikel ganz gut miteinander. (Schluß folgt.) Korrespondenz. Ausland. L. D. London, Ende Zuli. (Forsetzung.*) Das Geschichtliche einer Sache ist allenthalben fähig, ein Bischen Gelehrsamkeit zu tragen. mit dem gehörigen Maß von Reflexion dazu. Es hätte an beiden hier nicht gemangelt. Eine bloße Korrespondenz aber ist für beide nicht der passende Ort. Einige historische Andeutungen zu geben, dürste dennoch aber hier dem Leser vielleicht nicht unwillkommen sein. ') Es begegnet uns der Ausdruck קלסיס wörtlich Pergament. Es liegt so nahe, daß man Karten darunter zu verstehen hat. Kalony nt ns (in dessen אבן בוהן) ist vielleicht der älteste oder wenigstens einer der ältesten Schriftsteller, welcher diesen Ausdruck gtbrancht hat. Er findet sich später bei dem bereits angeführten ungenannten Verfasser das מעדני מלך, sowie auch in dem תלכליד צחקן des Leo de Modena. Es begegnet uns ferner das Wort טבלאות Tabletten. Es kann dieses auch Karten bedeuten, ג) es kann aber Domino —oder ein ähnliches Spiel bedeuten. a) Das Wort טבלאות ist in dem (S. GOI) bereits genannten alten Gutachten genannt. Es ist dort gemeiuschafilich mit dem Schachspiel genannt. Es findet sich das Wort טבלי auch in einem hebräischeu Dokument von 1491 (vergl. weiter nuten.) *) S. die vorige Nummer. ') Zunz: Zur Geschichte 1c. re. S. 174 hat auch manches Hiehergehörige mitgetheilt. ף Unter dem Ausdruck Table socque führt es {Roquefort in seinem Glossaire de la Langue romaine an. a) ThIomaS Hyde führt aus einer alten englischen Urkunde an Lables und Cards, woraus mau siehet, daß Karten nicht unltr טבלאות zu verstehen find. Der Ausdruck קוביא begegnet uns bei Kalonymnü und bei Josef Hasobi האזובי (vergl. weiter unten.) קוביא heißt Würfel (Cubtis). Es ist dieses Wort bereits im Talmnd oft gebraucht. Der Ausdruck משחק בקובי א ist bekannt. Nach talmudischen Bestimmungen ist ein solcher פסול עדלח d. h. er ist nicht fähig, ein Zeugniß abznlegen. Man traute seiner Wahrhaftigkeit nicht. Man ist geneigt, anzunehmen, daß man wol nur solche verstand, welche — wie wir heute sagen — Spieler von Profession waren, wobei das Falsch-Spielen nicht so ferne liegt, welches manches in seinem Gefolge hat, das mit der Moral oft in größtem Widerspruche sein könnte. (Schluß folgt.) L. D. London, 2. August.*) Mein Herr.' Am 3. Zuni d. I. waren Sie so freundlich, einen Brief zu veröffentlichen, welchen ich die Ehre Halle, an Se. Erzellenz Sid Taib el Da mini -- den Oozier oder erste» Minister Seiner Shcriffjanischen Majestät des Sultan von M arokko — zn richten. Auf diesen Brief habe ich nun eine höchst gnädige Antwort erhalten. Da dieselbe genügsamen Beweis gibt von der freundlichen Stimmung des maurischen Gouvernements und seines ernstlichen Wunsches, das kaiserliche Edikt aufrecht zn erhalten, so dachte ich, daß die Veröffentlichung dieses Briefes allgemeines Interesse haben 3ch habe die Ehre zu verbleiben, mein Herr u\ ,c. MoseS Montefiore. East Cliff Lodge RamSgate. Die Antwort des marokkanischen ersten Ministers. Lob und Preis dem einzigen Gott. Es ist keine Macht und keine Stärke außer bei Gott, dem Allerhöchsten. Von dem, ,welcher ein Diener Gottes ist, dem Staats-Sekretär und dem edlen Kommandanten, dessen Name von Gott ist Sid Taib al Uamini an den geliebten, weisen und sehr wohlthätigen Sir MoseS Mon tefiore Baron et. Nachdem wir Gott gepriesen haben, erlauben wir uns, Ihnen anzuzcigeu, daß wir Ihren Brief erhalten haben, welcher die gnädige Aufnahme schildert, welche Zhnen bei verschiedenen Monarchen zu Theil geworden ist, und ihre Werthschätznng dessen, was durch Sie vollbracht wurde, und die daraus entspringende,1 Vorthelle. Die ganze Menschheit wird Ihnen dankbar sein für die Bereitwilligkeit und Hingebung, mit welcher Sie diese Sache zur Noliznahme der Großmächte brachten. Ihre Angabe, die Juden betreffend im Reiche unseres Herrn, welchen Gott in Macht erhalten möge, so haben wir darüber zu bemerken, daß sie seine Unterthanen sind, und daß er — Gott erhalte ihn und bewahre seinen Ruhm und seine Größe — nicht es liebt, daß dieselben verfolgt werden sollen durch Handlungen der Ungerechtigkeit und durch Quälereien in ihrer unglückliche» Lage. Denn Gott der Allerhöchste verbietet Ungerechiigkeit gegen Diejenigen. welche unsere eigene Religion bekennen, als auch überhaupt gegen Diejenigen, welche irgend eine andcre Religion bekennen. Unser Herr — mag Gott ihm Unterstützung gewähren — hat bereits allen Bewohnern seines Reiches anbefohlen, daß die Juden mit Wohlwollen behandelt werden solle», und daß ihnen kein Unrecht geschehen soll. Er hat sie (die Bewohner der andern Provinzen) auch <) Diese Handschrift findet fich in der Michaeli sch en Sammlung in Orsord. Die in Rede stehenden Worte lanlen מבאןסלמבים »® בספרד לשחוק בטבלאות ואישקש אישקש - אישקש ist Schach. r Es mag hier auch zugleich bemerkt sein, daß auch in einem altsranzösischeen Gedicht. Tablette» und S cha ch spi el gemein-- schaftlich genannt wird. Die hieher gehörige Zeile ist von Naynonard Lexique roman. Art. Tanla gegeben. *) Aus dem ״Daily Telegraph" von heute. Den Brief von. S i r M o se S Montefiore an den m a r o k t a n i sch e n StaaiSminister haben wir früher mitgetheilt.