Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 32 (10.8.1864)
- Date
- 1864-08-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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647 In den Ländern, welche unter dem Szepter der a rabtscheu Filososie standen, war, wie früher bereits bemerkt, der שכל הפועל das Höchste. In den Landern und in den Zetten, wo dieses nicht bekannt war, hat das צופים בהיכלות die Stelle desselben vertreten. Es ist freilich sehr schwer, den wirklichen Inhalt beider Phrasen vergleichend festzustellen, da doch beide jenseits der menschlichen Erkenntniß liegen. ES sind ja nur Gefühle, und diese entziehen sich der Analyse, eS ist dieses auch ihre Stärke. Das משתמשים בכתה heißt wörtlich ״sie bedienen sich der Krone." Diese Worte lassen Raum für manche Bedeutung. Es kann dahin gedeutet werden: die göttlicheKrone gewährt ihnen (den Frommen) den höchsten Genuß. Der Ausdruck ״göttliche Krone" bezeichnet das höchste Maß der Erkenntniß von göttlichen Dingen, welches dem Menschen hiernieden gegönnt ist. Es eristirt eine talmudische Phrase, lautend: מעין תגמא ״ של עולם הבא(גeine Art Vorgeschmack der zukünftigen Welt." Diese Phrase — an sich nicht mehr als eine bloße Redensart — könnte im Allgemeinen als Trägerin von ahnlichen Gedanken und Anschauungen bezeichnet werben. Dante hat die Worte (Paradies Ges. 31 v. 119): ״Derin dieser Welt schon —beurtheileud kostete vom Frieden jener." Der große italienische Dichter hat hier dem Inhalte nach die talmudischen Worte מעין עולם הבא übersetzt. Die griechische Mythologie —- ihrem Wortlaute nach so weit entfernt von vernünftigen Gedanken — wurde dennoch von verschiedenen Seiten her zur Trägerin höherer Menschlicher Gedanken gemacht. Diese Bestrebung — dem fruchtbaren Gebiet der Allegorie angehörend — darf auch als eine der Eigenthümlichkeiten Schillers betrachtet werden. Die bekannte Zeile desselben, welche Jupiter in den Mund gelegt wird, darf hier der vergleichenden Betrachtung vorgeführt werden. ״Wenn du zu mir kömmst, ist dir stets der Himmel offen." Es ist dieses das מעין עולם הבא. Es stehen diese Sachen gar weit von einander. Sie begegnen sich in der allgemeinsten Anschauung. Es ist dieses bie Ertase (vergt. weiter unten.) Es mögen noch einige andere Worte Dantes (Paradies XXXI v. 70) hier ihren Platz finden: ״-wie sie sich bildete die Krone — die ewigen Strahlen Gottes wieberstrahlend." Es hieße dieses ohngefähr so viel als משתמש בכתה. Es können diese Worte auch folgenden Gedanken ent- Halten. Die Verdienste der Frommen setzen ihnen die Krone nuf, und von dieser Krone machen sie zur Zeit auch Gebrauch. 4) - (Forschung folgt.) Ueber die Vereinbarung -es 9. und 12. Glaubensartikels. Von Oberrabbiner Hirsch B. Fasset. Der ehrw. Herr Redakteur des ״B. CH." hat sich durch die Deröffentlichnng der Kritik ״Offen und Ehrlich" ein großes Verdienst erworben; man weiß nun, was die Orthodorie jener Herren will, und ') Bereschith rabb a Kap. 73. *) Ergänzend mag hier noch bemerkt werden, daß in sprachlicher Hinsicht der Ausdruck (Aboth 1. 13) וראשתמש בחגא so viel ist, als משתמש בכתר Di- Worte der M i sch n a haben jedoch eine andere Meuiung. 648 wohin sie zielt; und vielleicht dürfte dieses manchem der Romantiker die Augen öffnen, daß e» endlich doch unmöglich sei, mit einer solchen Orthodorie gleichen Schritt zu halten. Auch ich habe diese Kritik mit Wohlgefallen gelesen, und zwar nicht darum, weil der Herr Rabbiner Letsch der Stock geworden, welcher den auf den Kopf schlägt, der mich zu beißen suchte; denn wie wenig mich die Jnvektiven eine« Herrn Rabbiners Kutna kümmern, zeigt der Umstand, daß ich, bei Gott sei es betheuert, seine Brochure ״Offen und ehrlich" nicht gelesen habe; sondern weil ich durch diese Kritik auf eine neue Idee über die Worte des MaimonideS gekommen bin, was der Verfasser gewiß nicht veemuthet und nicht beabsichtigt hat. Zn dieser Kritik erzählt Herr Rabbiner Letsch, wie ein jüdischer Arzt ihn in die Enge getrieben, indem er Thoragesetze aufzählte, die wieder ins Leben zu rufen eine Unmöglichkeit sei, und mit den Worten schloß: ״Aus all dem sehen Sie, ehrw. Rabbi, daß die Orthodorie, die an dem 12. Glaubensartikel nach seinem Buchstaben festhält, den von der Nnveränderlichkeit des Gesetzes redenden 9. Glaubensartikel aufgeben muß." Herr Letsch weiß sich nicht anders zu helfen, als die ganze Kultur zu verdammen. Aber dieses so probate Mittel scheint noch das zuckende Heimchen, welches jener Herr Doktor ihm in das Ohr gesetzt hat, Nicht ganz zum Schweigen gebracht zu haben; denn er fordert Herrn Kutna aus. gründlich zu zeigen, daß der '9. und 12. Glaubensartikel sich sehr gut miteinander vertragen, und verspricht dafür, die Pforte ihm zu öffnen, welche in das Heiligthum der Orthodorie führt. So will ich versuchen, diese Aufgabe zu lösen, und zeigen, daß der 9. und 12. GlaubeuSartikel sich nicht nur ganz gut miteinander vertragen, sondern sogar eng mit einander verbunden find; rufe aber dabei Herrn Rabbiner Letsch die Worte des h. SoharS zu: ״Deine Gaben mögen dir verbleiben, und deine Geschenke spende Andern." Ich bekenne mich wol zur Orthodorie, habe auch noch niemals ans religiösem Gebiete eine Einrichtung getroffen, oder einen Ausspruch gethan, ohne aus Talmud und Schulchan Aruch einen Beweis dafür zu führen, aber eine Orthodorie, von welcher die Kultur verdammt und die Denkfreiheit aufgehoben wird, da doch ohne letztere schwerlich ein Talmud eristirt hätte, indem schon die einfache Frage der Gemara: ״Woher ist solches erwiesen?" einen Verstoß gegen den Denkzwang bildet; eine Orthodorie welche, wenn sie Macht hätte, ganz sicher Inquisitionen errichten möchte , verabscheue ich, und in deren Hallen trete ich nicht. Jetzt zur Sache. Da die HildeSheimerM« Schule gelehrt hat, daß man bei Leibe nicht glauben dürfe, daß Israel beitragen würde zur Erleuchtung der Welt, sondern für wahr halten müsse, daß nur der persönliche Messias diese Aufgabe zu lösen habe, und da nun Rabbiner Letsch ,behauptet, die Orthodorie verdamme die Kultur und die Denkfreiheit; so weiß ich nicht, was diese ihre sogenannte Orthodorie eigentlich zu glauben oder nicht zu glauben gebietet oder gestattet; aber vorausgesetzt, man hürfe Folgendes glauben: ״In der Zukunft werden die Völker ihre Schwerter in Pflugscharen und ihre Sperre in Sicheln verwandeln, nicht zück» dann Volk gegen Volk mehr ein Schwert und nicht lernen sie fürder, Kriegskunst;" ferner: ״in der Zukunft wird Gott feinen Geist über Alle ergießen, werde Alles voller Erkenntniß Gottes sein, wie Gewässer das Meer bedecken und der Kleinste wird sein wie David, und David wie ein Engel Gottes, wo natürlich Niemand mehr sündigen wird, beim ״Es sündigt ja Keiner, wenn nicht ein Geist der Thorheit in ihn gedrungen ist" und so ״wird nicht gefrevelt und nicht verderbt aus dem ganzen heiligen Gottesberge"; ferner: ״In der Zukunft wird nicht nur Niemand in der Jugend Hinsterbe», kein Unfruchtbarer und keine Unfruchtbare sein, sondern auch kein Nothleidender, denn das Gute wird in Fülle zuströmen, und da wird Niemand ein Eigenthum verkaufen, oder ein Anlehen machen, weil Alle eine große Bruderfamilie bilden und Alles Allen gehören wird »e. ,c."; so bliebe die Frage, was sollte