Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1864-08-10 · 32 (10.8.1864) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
32 (10.8.1864)
Date
1864-08-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2542917-2543121-2543154--3804-2547715
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

645 646 11. An Br. Leopold 3unj. Zum 10. August. Ich schaute ihn: doch an der Blicke Strahl Hat meine Kraft sich nicht entzünden sollen; Er stand zu hoch, ich ging zu tief im Thal. Doch in der Brust, in der begeistrungSvollen, Trag ich sein Bild wol tiefer und getreuer, Als sie'S in Worte und Farbe malen wollen. Noch seh' ich ihn: der Augen dunkles Feuer, Die lichte Stirn, die Brauen stolz geschweift, Und streng den Mnnd, als seien Worte theuer. So steht er da, die Locken weiß bereift, Und in den Flocken, die die Zahre senden, Den Lorbeerkranz, zu vollem Grün gereist. Nicht blos die deutsche, die gesummte gebildete Indenheit feiert heute den Tag, an welchem vor siebeuzig Jahren ein Mann das Licht der Welt erblickte , der mehr als irgend einer der NachmeudelSsohn'schen Periode mit aller Fülle der ihm in reichem Maße verliehenen seltenen GeisteSgaben, voll ernsten Forschungstriebes, für den kultuellen Fortschritt, für die Erkenntniß, Ergründung und Durchforschung einer zweitausendjährigen Vergangenheit rastlos und unermüdlich gewirkt hat und ausdauernd thätig war. Sollen wir jenen lebendigen Mittelpunkt des Zunzscheu Wesens, welcher ebensowol seiner wissenschaftlichen Thätigkeit, wie seinem praktischen Handeln den Stempel anfdrückt, bezeichnen, so wüßten wir keinen bessern, als: durchdringenden Verstand, unermüdliche Thätigkeit, eiserne Konsequenz, Unabhängigkeit von jeder äußern Autorität, welche in der Ueberzeugnttg gipfeln, daß ״das All sich ebenso in den jüdischen, wie in den nichtjüdischen Werken abspiegelt." . Der ungeahnte Aufschwung, welchen die jüdische Geschichtsforschung und Literatur durch Zunz's klassische Arbeiten nahm, war nicht blos in wissenschaftlicher Beziehung verdienstvoll; er war eine lvahrhaft religiöse That, denn nichts ist, namentlich in unserer Zeit, für das Judenthum nützlicher, ׳fördernder und erhaltender, als die Literatur, und Wir sagen gewiß nicht zuviel, wenn wir behaupten, daß zahllose Israeliten durch diese Werke wieder für Religion, Sittlichkeit und Geisteskultur gewonnen wurden. Als Frucht eines mehr als vierzigjährigen Schaffens liegen Werke vor, die eine neue Epoche bezeichnen. Klarheit und Tiefe, hoher Verstand und eindringender Scharfsinn, Würde und Anmuth, Bewältigung eines Ungeheuern mit rastlosem Fleiße zusammengebrachten Materials, das mit strenger Technik für den Gedanken verarbeitet ist, und wieder der feinste Geschmack und ein zarter Sinn für Formvollendüng, mit antiker Plastik der Darstellung, verleihen allen seinen — selbst den kleinsten —Arbeiten ebenso dauernden Werth, als eigenthümlichen Reiz. Ueberall offenbart sich der Mann der festen Ueberzeugung, der nicht um äußerlicher Ehre willen arbeitet; was Reinheit der Gesinnung und sittliche Charaktere Integrität betrifft, ist Leopold Zunz unstreitig seit Spinoza der Beste und Edelste unseres Stammes, er ist aus einem Stoffe gebildet, aus welchem alle unsere Männer, welcher Gesinnung sie immer zugethan sein mögen, gebildet sein dürften. Möchten diese Worte dem gefeierte» Jubilare, dessen Name die ersten Blätter ״Ben Chananjas" zierte, ein freundlicheS Hermäon aus dem fernen Lande der Magyaren sein, und möchte dem edlen Greise, dem Veteranen der jüdischen Wissenschaft, der Abendstern seines segenreichen Daseins noch lange, von keinem Gewölke umhüllt, erglänzen! Szeged tu, am 10. August 1864. Hermann Brill. Beiträge zur Mtao uni) Literaturgeschichte. Von Leopold DukeS. (Fortsetzung. *) VII. Höhere Stimmungen.') Die höhern Stimmungen erscheinen auch noch auf anderen Seiten in anderen Formen. R. Hai Gaon braucht unter anderm die Worte 1:)משתמשים בכתר וצופים בהיכלות — trotz ihrer Unverständlichkeit, vielleicht auch gerade eben deshalb — sind diese Worte sehr interessant, und dürfen als ein lehrreicher Beitrag zur Geschichte der mystischen Anschauungen betrachtet werden. Die soeben angeführten Worte enthalten — so darf man annehmen — die Verkörperung höherer Anschauungen. Dem צופים בהיכלות, stehet manche talmudische Stelle ergänzend zur Seite.2) In späteren Schriften hat die Phantasie vielgeschästig sich daran gemacht. Die angeführte Phrase heißt wörtlich: ״sie schauen Paläste und bedienen sich der Krone." In ihrer höchsten Allgemeinheit enthalten diese Worte Allegorisches, im Einzelnen aber lassen sie mehrere Dentungen zu. Das ״ צופים בהיכלותsie schauen Paläste" ist das weiße Blatt, worauf alles geschrieben werden kann, was glühende Phantasie diktirt. Dante hat Aehnliches gethan, und die Welt hat seine Darstellungen vielleicht mehr bewundert, als gelesen. . Man kann annehmen, daß das צופים בהיכלות im Allgemeinen die Höhe der Ertase bezeichnet, das Versenken in Anschauungen, welche nichts Praktisches zur Seite haben. Es ist daS geistige Emporfliegen über die Grenze des alltäglichen Lebens. *) S. Nr. 29 S. 591. ׳) Vergl. Arnch 91rt. .אבן המנוגעת ג) In gewisser Beziehung darf man auch das ש^ור?ןומת hier nennen. Vergl. unsere Notiz darüber oben Nr. 1, S. 16.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.