Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 30 (27.7.1864)
- Date
- 1864-07-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2542917-2543121-2543152--3790-2547699- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
621 622 ״Ich habe dich aus dem Lande Aegypten geführt;" d. h. ich mache dich zu einer Nation; ״Ich habe abgeschafft deine Sklaverei;" d. h. ich habe -ich gemacht zum Menschen, ich mache dich frei! Die Abschaffung der Sklaverei! D r Sklave wird frei! Die Sklaverei abgeschafft durch den Mund Gottes! Welche Lehre für die Menschen! Ach, verzeihen Sie mir, verzeihen Sie mir eine Erinnerung der höchsten Freude und des reinen, ungemischten Glückes: ein Tag ist mir geschenkt worden, mir, ja mir, dem Sohne Israels, mir, dem Mitgliede der provisorischen Regierung, an welchem ich diese heilige Vorschrift erfüllen konnte; ich habe abgeschafft die Sklaverei! (Donnernder Beifall erfüllt den Saal; der Redner halt einige Minuten inne, wahrend die Beifallsbezeugungen anhalten; dann fährt er fort:) ״Du sollst keine anderen Götter haben vor Meinem Antlitze!" ״Also Gott allein, Gott einzig!" Nationalität, Abschaffung der Sklaverei, Einheit Gottes — Alles ist da. Viertausend Jahre, nachdem jene 3 Worte auf dem Berge Sinai verkündet wurden, faßt sich das Streben unseres gegenwärtigen Jahrhunderts in jene 3 Worte zusammen: Nationalität, Abschaffung der Sklaverei, Einheit Gottes . . . (Neuer und rauschender Beifall.) Und welches Gesetz ist das Gesetz vom Sinai! Suchet nach in allen heidnischen Gesetzgebungen, bei allen Völkern der Welt, selbst bei den größten, den Griechen, den Römern; Nichts ist so schön, wie der Dekalog: ״du sollst nicht tödten, nicht stehlen, keinen Ehebruch begehen, keinen falschen Eid leisten!" Einfache Aussprüche, welche dem Leben des Menschen, seiner Habe, dem Frieden seines Hauses, der Reinheit seines Gewissens Schutz gewähren.. Und diese köstliche Sittenlehre: ״Es soll dich nicht gelüsten nach dem Weibe deines Nächsten, nicht nach seinem Diener, nicht nach seiner Dienerin, nicht nach seinem Ochsen, nicht nach seinem Esel, noch nach Allem was deinem Nächsten gehört!" Und diese rührende, diese hinreißende Empfehlung: ״Ehre deinen Vater und deine Mutter!" Die Belohnung folgt unmittelbar; ״damit du lange lebest auf dieser Erde." In der That, wer seinen Vater und seine Mutter ehrt, findet in diesem süßen Gefühle ein süßes Dasein, ein Dasein, welches sich verlängert im Glück. Und wie haben wir diese Vorschrift befolgt! In allen Zeiten hat man die Einigkeit der jüdischen Familien als Muster angeführt. Wie könnte es auch wohl anders sein? Die Natur schreibt uns diese köstliche Einigkeit vor, und Gott befiehlt sie uns. (Lang anhaltender Beifall.) Das ist das Gesetz, welches einst das Gesetz deS ganzen Weltalls sein wird; alle positiven Religionen haben es angenommen von diesem kleinen Volke, dessen Wiege in einem Winkel Asiens stand. Die Bibel ist überall; ihre Sittenlehre ist die Sittenlehre aller Völker, die für die Zivilisation empfänglich sind. Die jüdische Religion ist die Mutter der Religionen, welche die Zivilisation auöbreiten. Man fragt sich: wozu und warum diese gehässige Verfolgung? In einer rührenden Sprache hat eö Ihnen so eben ein würdiger protestantischer Pastor, der hier anwesende Herr Pstavel erklärt: Man wirft sich jenen Jahrhunderte währenden Haß, in Folge dessen so viel unschuldiges Blut vergossen worden ist, als ein Verbrechen vor. Man erkennt an, daß im Schoße der Mosaischen Religion all diejenigen Religionen entstanden sind, die sich vor der Einheit Gottes beugen. Indem daö Licht erscheint, beginnt die Reue über das Vergangene. Welches ist aber das Volk, das da jenes himmlische Licht zum Führer nimmt? Der schwächste, der kleinste Theil des menschlichen Geschlechts. Wie viele Millionen Menschen beten noch selbstgemachte Götter an, wie viel Millionen Menschen sind noch dem thörichtesten Aberglauben hingegeben! Wohlan, meine Herren, setzen wir unsere glorreiche Sendung fort. Mögen aufgeklärte Menschen ohne Unterschied des Kultus sich in diesem allgemeinen israel. Vereine vcreinigen, dessen Zweck so edel, so großartig zivilisatorisch ist, um bei den Juden die Vorurtheile zu zerstören, die sie in der Verfolgung, der Erzeugerin der Unwissenheit, aufgenommen haben; um im Norden und Süden, bei Sounenaufgang und Niedergang, zahlreiche Schulen zu gründen; um die jüdische Bevölkerung mit den Behörden aller Länder in Verbindung zu setzen: die jüdische Bevölkerung, die so verlassen ist, wenn sie nicht sogar feindlich behandelt wird;um uns bei der ersten Nachricht von einem Angriffe gegen eineu Kultus, von einer durch Religionshaß hervorgerufenen Gewaltthat, wie ein Mann zu erheben und die Unterstützung Aller zu verlangen; um unsere Stimme hören zu lassen in den Kabineten der Minister und bis zu den Ohren der Fürsten; um jede Religion zn unterstützen, die verkannt, verfolgt oder angegriffen wird, sei eö selbst in Folge noch in Kraft bestehender Gesetze, die aber vom Geiste unserer Zeit verurthcilt werden; um die Freundeshand zu reichen all denjenigen, die, wenn auch in einer andern Religion geboren, uns ihre Bruderhand entgegenstrecken, indem wir anerkennen, daß alle Religionen, deren Grundlage die Moral, und deren Gipfel Gott ist, Schwestern seien und befreundet unter einander sein müssen; um den Sturz all der Schranken herbeizuführen, welche dasjenige trennen, was sich eines Tages vereinigen muß — das, meine Herren, ist die große und schöne Aufgabe unserer Alliance isr. universelle; ja unserer allgemeinen israel.Vereinigung, denn die Israeliten sind in allen Gegenden, an allen Orten. Schreiten wir fest und entschlossen auf dem Wege fort, welcher und vorgezeichnet ist. Ich rufe zu unserer Vereinigung unsere Brüder aller Glaubcusbekenntuisse, daß sie zu uns kommen, daß sie uns unterstützen bei diesem großen Werke der Zivilisation und des unermeßlichen Fortschrittes; mögen sie zu uns kommen! Wie werden wir uns beeifern, ihnen entgegenkommen! Als ich den glücklichen Gedanken hatte, zur Unterstützung der Christen deS Libanon die Israeliten der ganzen Welt aufzurufen, mit welcher Begeisterung entsprachen da Reiche und Arme meinem Aufrufe mit ihren Gaben! Und jene Gaben, sie waren bestimmt für Christen von Damaskus und vom Libanon, von jener Stadt, ans jener Gegend, wo sich 20 Jahre zuvor gegen die Juden die einfaltige und verabscheuungswürdige Verleumdung, die wir, Sir Moses Montefiore und ich, im Namen aller Juden des Erdkreises vor dem Tribunal jenes großen Mehmed Ali, dessen Geist seinem Muthe gleicht, widerlegt haben.