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Ben Chananja · 1864-07-27 · 30 (27.7.1864) · page 13

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
30 (27.7.1864)
Date
1864-07-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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619 620 Nachdem der Präsident diese Antwort gegeben hatte,., fuhr er folgendermaßen fort: ״Gern hätte ich in dieser Versammlung die verschiedenen Länder vor Ihrem geistigen Auge vorüberziehen lasfett, über welche unsere Alliance während des verflossenen Jahres ihre Zweige ansgebreitet hat; ich hätte Sie gern von der Lage der Juden in allen diesen Gegenden in Kenntniß gesetzt. Sie würden dann besser die denkwürdigen Erfolge begriffen haben, die unser Bestreben krönen. Aber die Stimme versagt mir, und Unwohlsein erlaubt mir zu meinem großen Bedauern nicht, mit Ihnen den Weg zu verfolgen, welchen Sie durchwandern zu lassen ich mich glücklich geschätzt hätte. Die Alliance isr. universelle ist kaum in ihrem Entstehen begriffen, und schon macht sich ihr heilsamer Einfluß in der Ferne fühlbar. Das kömmt daher, weil sie das Produkt einer jener edeln Gedanken ist, die alle wohlgesinnten Seelen begreifen und die unser Jahrhundert zu verfolgen liebt. Die Alliance beschränkt sich nicht blos auf unfern Kultus, sie wendet sich an alle Kulte, sie will in alle Religionen dringen, wie sie m alle Länder dringt. Israeliten aller Länder unterstützen sie mit allen Anstrengungen und Sie werden bald Zeugen ihrer wunderbaren Fortschritte sein. Voriges Jahr hatten wir kaum 1300 Mitglieder; dieses Jahr zählen wir 3000; nächstes Jahr wird sich diese Zahl verdoppelt haben; in 2 Jahren werden sicherlich 10000 Namen unsere Register bedecken. Ja, jeder Tag wird die Theilnähme an unserm großen und heiligen Vorhaben mehren. Sehen Sie, meine Herren! Indem ich an den geringen Anfang unserer Vereinigung denke, und indem ich für dieselbe eine so große Entwickelung voraussehe, ergreift mich eine herrliche Erinnerung, die ich ihnen mittheilen will. Diese Erinnerung betrifft den niedrigen Anfang des Volkes Israel und sein Wachsthum! (Man applaudirt.) Was war denn in der. That diese Familie Israels, als sie aus Aegypten zog? Eine Vereinigung mißhandelter, verachteter, an den Füßen gefesselter Sklaven. Das war es, was aus den Nachkommen Josephs, der da Aegypten erleuchtet und errettet hatte, geworden war; selbst sein Name war vergessen, und die Söhne seiner Söhne waren bis auf die letzte Stufe der Leiter gesunken, an welcher die menschliche Gesellschaft auf- und niedersteigt. Männer, Frauen, Kinder, Greise zählten zusammen nicht mehr als 600,000 Individuen. Sechsmalhnnderttausend, während Millionen die Oberfläche der Erde bedeckten! Aber betrachten wir jenes Land. Alle seine Einwohner sind dem Heidenthume, dem abscheulichsten Aberglauben, dem Dienste all der Gegenstände, von denen sie umgeben sind, hingegeben; nicht nur zur Sonne, zum Monde, zu den Sternen, zu den Wolken senden sie ihre thörichten Bitten empor — man begreift noch die Anbetung jenes majestätischen Himmelszeltes, von wo die Wärme, das Licht, die Fruchtbarkeit kommen; —aber in Aegypten, wo so viel Wissenschaft geglänzt hat, betete man Alles als Götzen an, vom Ochsen Apis bis zu den Gemüsen des Gartens. Führwahr, welche Gottheiten! Zur Verführung der Sinne bietet die Religion einen Gott für jedes Vergnügen, eine Göttin für jede Wollust; zum abergläubischem Schrecken bietet sie einen Moloch für Menschenopfer. Sehen Sie in diesem Tohu-wabohu schmachvoller Gottheiten, welche herabsteigen, wie zur Lust ihrer zahllosen Anhänger, diese kleine Völkerschaft, die da entschlüpft, zitternd, entsetzt? Einige verlorne Sandkörner in der unermeßlichen Wüste! (Beifall.) Das ist Israel, Israel, welches sich auSbreite» wird über die ganze Welt. Wie viel Nationen werden hier unten verschwinden, vernichtet von andern Nationen, die dann ihrerseits wieder verschwinden werden! Wie viel Religionen werden sich als ohnmächtig erweisen, ersetzt durch andere Religionen, die sich dann ihrerseits wieder als ohnmächtig erweisen werden! Israel wird nicht untergehen; der Bestand dieser kleineu Völkerschaft zeugt von der Größe Gottes. Die Religion Israels wird nicht untergehen; diese Religion ist die Einheit Gottes! (Lang andauernder Beifall.) Ja, meine Herren! Die herrlichste von allen Offenbarungen, diejenige, vor welcher die Idole des Heidenthums und die unzähligen von Menschen geschaffenen Götter fallen werden; die Offenbarung, welche nach Verlauf von Jahrhunderten sich über den ganzen Erdball ausbreiten wird, das jüdische Volk wird sie empfangen, wie ein geheiligtes, anvertrautes Gut, und wenn es, als Nation besiegt, in Sklaverei gehalten, Verfolgungen preisgegeben ist; wenn es fliehen wird von Land zu Land, sich einen Zufluchtsort zu suchen: wird es als seinen fruchtbaren Samen die Neligion der Einheit Gottes mit sich tragen und sie bringen in die entferntesten, unbekanntesten Gegenden. Welch ein Märtyrerthum, aber auch welch eine Mission! Einheit Gottes, das waren Deine ersten Worte! Ihr schrecklichen Verfolgungen von acht Jahrhunderten, habet ihr die Kinder Israels vernichten können? Nein, nein, ungeachtet der Folterungen, ungeachtet der Henker haben sie sich vermehrt, indem sie ihre erhabene Bestimmung erfüllten. (Beifall.) Niemals waren sie zahlreicher. ״״Wissen Sie,"" sagte im Jahre 1831 Abbs Gregoire, jener würdige Priester, welcher zuerst Worte des Wohlwollens und der Liebe für die Juden hören ließ, zu mir, ״״wissen Sie, daß unsere Statistik nachweist, daß es 6 Millionen Juden gibt! Sechs Millionen! Ihr habet diese Zahl niemals erreicht, selbst damals nicht, als Ihr in den schönsten Zeiten Euerer Geschichte eine blühende Nation wäret."" Ueberall verstoßen, überall verfolgt, lebten die Juden inmitten von Beschimpfungen; der gewaltsame Tod dezimirte sie vergeblich; sie wurden aus der Asche der Scheiterhaufen Wieder geboren, unsterblich auf dieser sterblichen Erde; das kam daher, weil sie nur einen Gott hatten, weil man auf ihrer immer entfalteten Fahne jenes erhabene Bekenntniß laS: Höre, Israel, der Herr, beim Gott ist Einer! (Die lebhaftesten Beifallsbezeugungen unterbrechen den Redner.) Aber auch, meine Herren, welche Herrlichkeit zeigt sich in dem Worte, und welche Majestät in dem Gedanken, daß Gott Sich Selbst verkündet vor vem Angesichte Seines Volkes! Hören Sie diese göttliche Sprache; lassen Sie mich sie zuerst Ihnen in den heiligen Lauten verkünden: TI אנכי אלהיךאשר הוצאתיך מארץ מצרים מבית עברים לא יהי׳ לו אלהים אתרים על סני Ich bin der Herr, dein Gott, der dich herausgeführt hat ans dem Lande Aegypten; , Ich habe abgeschafft deine Sklaverei; Du sollst nicht andere Göttern haben vor Meinem Antlitze! Das ist das jüdische Volk, das seine Religion in diesen drei Worten des Ewigen:

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