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Ben Chananja · 1864-07-27 · 30 (27.7.1864) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
30 (27.7.1864)
Date
1864-07-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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615 616 wie sehr die weibliche Erziehung in diesen unglücklichen Gegenden vernachlässigt ist. Die Gemeinde zu Tanger wollte hinter dem Beispiele der Tetuaner nicht Zurückbleiben. Auch sie hat die Unterstützung der Alliance zur Gründung einer Schule in Anspruch genommen. Diese Schule wurde mit dem Beistände deö Zentralkonsistoriums und des Board ofDeputies gegründet; sie ist seit ungefähr zwei Monaten offen. Der von unserm Verein ernannte Direktor wurde mit der größten Sympathie ausgenommen. Mehr als 300 Zöglinge besuchen diese Schule. In Damast hat der sranzösische Konsul, Herr Hecquard, durch eine ihn ehrende Initiative, die Alliance aufgefordert, eine Schule ins Leben zu rufen; wir haben derselben eine Subvention votirt. Wir hoffen, die ganze Gemeinde zu Damask werde sich der Schule anschließen, von welcher sie die Früchte einsammeln wird. Weiter entfernt, in Bagdad , sind uns die Notabeln der Israeliten selbst um die Schöpfung einer Schule angegangen. Nichts ist rührender, als ihre Klage, sich aller Mittel beraubt zu sehen, die Jugend in diejenigen Kenntnisse einzuweihen, die ihnen selbst abgehen, und deren Wichtigkeit sie sehr gut zu würdigen verstehen. Unglücklicher Weise besitzen die Israeliten dieser Stadt nicht Hilfsquellen genug, um die Bedürfnisse der beabsichtigten Schöpfung decken zu können. Die Alliance hat ihnen eine Subvention votirt und einen Konkurs zur Wahl eines Professors eröffnet.*) Andere Schulen werden noch eröffnet werden. Die Alliance Jsraelite, die mit der Wahl der Direktoren für dieselben betraut ist, wird diese wahrhaften Missionäre des Fortschrittes mit denselben Ideen beseelen, von welchen wir Alle durchdrungen sind. Bereits ist das Programm eines für so neue Zuhörer bestimmten Elementar-Kurfus entworfen worden. ES umfaßt in seinem allgemeinen Theile diesenigen Kenntnisse, welche geeignet sind, das junge Geschlecht in die allgemeine Geschichte, in die Anwendung der Wissenschaft, in die Verhältnisse der Völker unter einander und in die Erkenntniß derjenigen Solidarität einzuführen, gen welche Alles fortschreitet. Dieses Programm und unsere Instruktiouen werden allenthalben die intelligenten, von Hingebung für ihren Berns erfüllten Männer begleiten, welche an dem Werke, das uns beschäftigt, Mitarbeiten, indem sie sich der Erziehung der Jngend widmen. Wir wünschen, von nun an diese Wohlthaten auf alle die Länder auszndehnen, die derselben bedürftig sind. Allein unsere Hilfsquellen sind für diese große Aufgabe noch nicht groß genug. Mehrere großmüthige Spender haben die Wichtigkeit der Sache begriffen; und für diese Schulen bedeutende Summen gezeichnet. Wir zweifeln nicht, daß diese glückliche Eingebung zahlreiche Nachahmer unter denjenigen finden werde, die ihren Namen einer fruchtbaren und dauernden Wohlthat zngesellen wollen. Das gegenwärtige Gedeihen, dessen wir uns nach einer so kurzen Periode der Existenz erfreuen, erfüllt uns mit Zuverficht für die Zukunft. Nur ein Vierteljahrhundert begünstige unser Werk, und das Jndeuthnm wird, überall den ihm gebührenden Platz einnehmend, die letzten Spuren der gegen dasselbe erbitterten Vorurtheile schwinden machen. Unser Verein wird *) Seitdem ist, wie vie ״Archives" melden, Herr Ncrson, vormaliger Zögling der Rabbinerschule für diesen Posten gewählt worden. Red. deö ״B. CH." überall, wohin seine Aktion dringt, den unverjährbaren Rechten des Gewissens zum Siege verhelfen. Der emanzipirte Westen wird dem wiedergebornen Osten seine Schuld bezahlt haben. Der Präsident eröffnet die Diskussion über den Bericht und gibt das Wort dem Herrn Prosper Lunel. Das ehrenwerthe Mitglied beglückwünscht den Verein zu den im abgelaufenen Jahre erzielten Resultaten. Allein indem Hr. L. die Alliance einen Lauf durch die Welt machen sieht, bedauert er wahrzunehmen, daß sie Thatsachen unberücksichtigt läßt, deren Schauplatz unser eigenes Land war, und die geeignet waren, ihre Sorgfalt zu wecken: er meine zwei im Süden Frankreichs erschienene Brochuren, welche die Damaskus-Ereignisse von 1840 auf die gehässigste Weise verdrehen. Der Herr Präsident erwidert, daß die Alliance bei diesen traurigen Publikationen, welche alle gegen unsern Kultus erhobenen Verleumdungen erneuern, keineswegs ruhig geblieben ist. Sie wendete sich an diejenigen, die ihr verpflichtet schienen, die Vertheidigung des so feindlich beschimpften Judenthums in die Hand zu nehmen. Das Zentralkonsistorium war jedoch der Meinung, daß es weniger vortheilhaft, als unzukömmlich wäre, die bezüglichen Fragen vor den Tribunalen zu verhandeln. Das Komirä war nicht dieser Meinung: es hätte vielmehr gewünscht, daß das Land mit dieser Debatte beschäftiget, und daß durch eine kräftige und eklatante Widerlegung gezeigt würde, daß die gegen uns verbreiteten Verleumdungen absurd sind. Da aber die kompeteilte Gewalt, die eminente Männer deö französischen JudenthnmS und gelehrte Juristen zu ihren Mitgliedern zählt, es für passend gefunden hat, sich jeder Dazwischenkunft zu enthalten; hat die Alliance geglaubt, einen Konflikt mit unserer höchsten religiösen Autorität vermeiden zu müssen. Herr Josef Cohen meint, die Alliance habe ihre Pflicht erfüllt und es sei nicht nölhig gewesen, weiter zu gehen. In Frankreich erheben sich edle Gesinnungen augenblicklich gegen so entehrende Vorwürfe. Die öffentliche Meinung hat Recht gesprochen, und die allgemeine Abstimmung hat auf die Verleumdungen geantwortet, indem sie in demselben Departement, in welchem dieselben veröffentlicht wurden, einen israelitischen Kandidaten bei zwei aufeinander folgenden Wahlen mit ihrer Wahl beehrt hat. HerrBenoit Levy fragt, warum sich die Alliance nicht der Mission des Sir Moses Montefiore nach Marokko angeschlossen, und ob sie demselben durch eine Adresse ihren Dank ausgedrückt habe. Der Präsident antwortet: Wenn das Komits keines seiner Mitglieder unserm ausgezeichneten englischen Glaubensgenossen angeschloffen hat, so geschah dies nur, weil kein Anschluß von unserer Sekte verlangt wurde. Das Komits hat sich aber beeilt, der edlen Initiative Montefiore'ö durch eiu Beglückwünschungs- und Denkschreiben die Ehrerbietung zu erweisen. Der Herr Präsident beklagt aber, daß die Erfolge dieser Mission nicht unseren Erwartungen entspreche», und daß das vom Sultan erhaltene Dekret, weit entfernt, die Vorurtheile seiner muselmännischen Unterthanen zu besäuftigen, denselben im Gegentheile einen neuen Vorwand ver-

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