Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 30 (27.7.1864)
- Date
- 1864-07-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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618 wir gegen die Hindernisse kämpfen, welche von den Vorurtheilen und der religiösen Intoleranz erzeugt werden. Dies ist ein wichtiger Theil unserer Aufgabe, aber er ist es nicht ausschließlich. Unser Verein muß für die geistige und moralische Emanzipation unserer Glaubensgenossen arbeiten, und dies ist das Ziel, welchem die Preisfragen, die wissenschaftlichen Missionen, die Veröffentlichung literärischer Er- Zeugnisse, die Gründung von Schulen dienen sollen. Darüber haben wir noch zu Ihnen zu sprechen. In diesem Jahre, meine Herren, haben wir die Veröffentlichung eines interessanten Werkes von einer Magistrats- Person in Algier über die gesetzliche Stellung der dortigen Juden unterstützt; ferner snbventionirten wir ein hebräisches Werk über die jüdische Moral, worüber im letzten Jahre eine Preisfrage gestellt war; dann ein zu Gunsten der Kasse der Lehrer in Deutschland erscheinendes Jahrbuch und endlich ein wichtiges encyklopädischeS Werk über das Jndenthum und vorzüglich über die Literatur des Talmud. Der Konkurs auf die Preisfragen über historische und statistische Fragen, deren Wortlaut Ihnen sogleich mitgetheilt werden wird, bleibt bis zum nächsten November offen. Im letzten Jahre sprachen wir zu Ihnen von Missionen, welche die französische Regierung ebenso gelehrten, als muthigen Männern anvertraut hat: dem Herrn Lejean in Abyssinien, dem Herrn Simon in China, zum Behufe des Studiums dieser entfernten Länder. Die genannten Herren versprachen uns, uns über die Inden dieser Länder, über deren Geschichte, über ihren sozialen Zustand all die Details mitzutheilen, welche eine beharrliche und fortgesetzte Beobachtung ihnen zu sammeln gestatten werde. Herr Lejean gerieth unglücklicher Weise in Abyssinien in Gefangenschaft, welche längere Zeit dauerte; allein kaum in Freiheit gesetzt, nahm er, ohne entmuthiget zu werden, seine Mission wieder auf, und wir können nützliche Mittheilnngen von ihm erwarten. Herr Simon hat uns über die Juden in China Nachrichten zukommen lassen, welche er zu vervollständigen beabsichtigt, sobald er seine, an schönen wissenschaftlichen Resultaten bereitS so reiche Mission wieder ausgenommen haben wird. Er verspricht uns, über die Juden in China eine Untersuchung anzustellen, welche die Lösung einer für die Geschichte des Judenthums sehr interessanten Frage bringen wird. Eine von der italiänischen Negierung nach Persien entsandte wissenschaftliche Mission hat auf das Ansuchen des Zentral-KomitsS für Italien das Studium der Verhältnisse unserer dortigen Glaubcnöbrüder mit in den Plan ihrer Arbeiten gezogen. Wir selbst wurden anfgefordert, eine Mission nach Abyssinien zu organisiren, um mit unseren Glaubensgenossen in Abyssinien in Verbindung zu treten, ihrem tiefen Elend einige Erleichterung zu bringen, um sie aus dem Zustande geistiger Abgeschiedenheit zu ziehen, in welchem sie vegetiren, so daß sie selbst diejenigen Bücher entbehren, welche sie über unsere Moral und Neligionslehre in ihrer Reinheit unterrichten könnten. Diese Mission werden wir gerne begünstigen, sobald unsere Hilfsquellen dazu hinreichen. Es gibt Mifslvnen, denen sich einzelne, unserer Sache ergebene Männer freiwillig unterziehen. Eine solche Mission übernahm der Ihnen durch seine dem Jndenthume geleisteten Dienste wohlbekannte Herr M. I. Altaras, welcher sich entschlossen hat, in vor< gerücktem Alter eine Reise nach dem Oriente zu machen, um 614 unfern Verein und die darauf bezüglichen Stiftungen zu verbreiten. Es bleibt uns nunmehr nur noch übrig, zu Ihnen, meine Herren, von der Mission zu sprechen, welche vielleicht die höchste ist, von der Aufgabe, welche unter den Aufgaben der Alliance die praktischeste ist, uns alle Sympathieen verschafft, und unserm Streben Resultate verspricht, die am wenigsten in Abrede gestellt werden können. Wir sprechen von der Gründung und Erhaltung Europäischer Schulen in der Mitte israelitischer Bevölkerungen, welche durch Elend und Unwissenheit verhindert sind, sich selbst dieses mächtige Mittel der Zivilisation und des Fortschrittes zu verschaffen. Sie können wol denken, meine Herren, daß es nicht Frankreich ist, wo die Theilnahme unseres Vereins an einem Werke dieser Art nöthig wäre; sie ist'S aber in der Türkei, in Marokko, in Syrien, in Palästina und in andern Theilen Asiens, wo sehr zahlreiche Gemeinden der Bewegung der modernen Ideen viel zu fremd geblieben sind, und seit Jahr- Hunderten nichts geändert haben. In der Mitte verschiedener Religionen isolirt, bedroht, mißtrauisch, auf sich selbst beschränkt, können sie das Licht nur vom Westen zu erhalten hoffen, welcher es einst von ihnen erhalten hat. Wie sollen aber diese dicken Schichten des Elends nnd der Unwissenheit angegriffen werden? Wie soll das Erwachen dieser edlen und interessanten Bevölkerungen beschleunigt und dann dieses Kapital von Intelligenz und Thatigkeit für die verschiedenen Länder hergestellt werden, welche es versäumen, Nutzen davon zu ziehen? Man muß beim Kindesalter den Anfang machen. Durch dieses muß man dem Lichte Eingang verschaffen. Auf die jungen, für Bildung empfänglichen Seelen muß eingewirkt werden, und statt mit eingewurzelten Vorurtheilen, mit alten Gewohnheiten, mit einer unüberwindlichen Unwissenheit einen peinlichen Kampf zu führen, muß man die Vorurtheile verhindern, zu entstehen, die Gewohnheiten, sich zu gestalten, die Unwissenheit, sich in den Geistern fortzupflanzen. Man muß im Namen eines jeden Volkes und im Namen Aller von den künftigen Generationen gewissermaßen geistigen und moralischen Besitz ergreifen. Dies, meine Herren, ist die Mission, deren Ankündignung schon uns zurückschrecken könnte,, wenn nicht bereits Erfahrungen gemacht wären, und der erste Erfolg nicht schon unsere Ambition gerechtfertigt hätte. Wir haben bereits zur Gründung zweier Schulen in Tetnan und einer in Tanger beigetragen. Wir haben für zwei Schulen, deren eine in Damask, die andere in Bagdad ins Leben treten wird, die Fonds votier. Die mit dem Beistand des Board of Deputies zu Tetuan gegründete Schule übt den heilsamsten Einfluß ans: Kinder aus allen Ständen besuchen sie, die Repräsentanten aller Mächte, welche ihre Sympathien für dieselbe durch öftere Besuche kundgeben, haben ihre Zufriedenheit mit den erzielten Resultaten öffentlich ausgedrückt. Die Alliance hat der Schule auch in diesem Jahre die Subvention zugesagt, die ihr im letzten Jahre gewährt wurde. Der Erfolg dieses Werkes führte in derselben Stadt die Gründung einer Mädchenschule herbei, welche ebenfalls von uns erhalten wird. Es ist dies die erste israelitische Töchterschule, welche außerhalb der französischen Besitzungen in Afrika geöffnet wurde. Man muß hierin eine gänzliche soziale Umbildung für die Zukuft finden, wenn man bedenkt,.