Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 30 (27.7.1864)
- Date
- 1864-07-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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601 602 Korrespondenz. Ausland. L.D. London, Gnde Juni. Zu den vielen Ansprüchen, welche Abraham Jbn Esra auf wohlverdienten Ruhm hat, gehört auch ein interessantes Gedicht über das Schachspiel. Die bekannten Worte Schillers: ״DieBretter, welche dieWeltbedeuren" könnten in gewisser Beziehung auch auf das Schachspiel ihre Anwendung finden. Wie im Leben, so in diesem Spiele, fordert oft Klugheit die Macht iu die Schranken, und befiegt sie. Die nachfolgenden Zeilen beanspruchen nicht, als Beitrag im Innern der Geschichte des Schachspiels zu dienen, der Schreiber dieser Zeilen ist nicht iu die Mysterien dieses Spiels eiugcweiht. Es sollen hier nur einige literarische Notizen über dieses Spiel gewonnen werden. Herr L. HolländerSki in Paris hat soeben das in Rede stehende Gedicht des Jbn Esra, mit einer französischen Uebersetzung begleitet, heranSgegcben.') Diese Ausgabe ist sehr nett und die Ueberfttzung sehr nützlich, und dürste wol bei allen Freunden des SchachspielS eine gute Aufnahme finden. Die Erscheinung dieses Merkchens, welches der Verfasser bei seiner Anwesenheit hier uns zu geben so freundlich war, ist auch die Veranlassung dieser Zeilen, welche ihrerseits ebeufallS einer freundlichen Aufnahme cntgcgensehen. Zur allgemeinen Geschichte des Schachspiels mag hier bemerkt sein, daß es bereits im Talmud erörtert wirdJ) unter dem Namen Nardschir. Aus andern Quellen weiß man die Angabe, daß «in König dieses Namens dieses Spiel erfunden haben soll. Man darf diese talmudische Stelle als das älteste geschichtliche Zeugniß darüber betrachten. Es ist übrigens sehr bedauerlich, daß nichts Spezielles von diesem Spiele im Talmud vorkömmt. Der Name Roch, welche eine Figur im Schachspiel führt, heißt im Persischen unter andern auch Held, Prinz.a) Es liegt demnach die Vermuthung nicht ferne, daß das im Talmud gegebene Wort 4 רכא) dieselbe Bedeutung hat, oder vielmehr, daß es dasselbe Wort ist. In Spanien begegnet uns dieses Spiel im zwölften Jahrhundert. Jehuda Ha-Levi erwähnt es (gegen das Ende seines Buches Ko Sri.) Er spricht davon in höherer filosofischer Anschauung, und zugleich — wie es scheint — als Kenner des Spiels. Die bereits angeführten Worte Schillers wurden durch die seinigen ins Gedächtniß gerufen. Es ist dieses Spiel ferner auch in einem alten Gutachten im Allgemeinen erwähnt (vergl. weiter unten.) Jehuda ha-Chaßid erwähnt dasselbe in seinem ס0ר חסידים (§. 400). Es beweist dieses, daß auch iu Deutschland dieses Spiel bereits im dreizehnten Jahrhundert bekannt war.s) (Forts, folgt.) Bad EmS, (Hcrzogthum Nassau) 18. Juli. Sie, hochgeehrter Herr Kollege, äußern in Ihrem an mich hirher gerichteten Schreiben den Wunsch, Ihnen einen Bericht von hier für den ״Ben Ehananja" zu schicken. Obgleich mein Leiden mich zu jeder nur etwas anstrengenden Arbeit unfähig macht, und mir der Arzt auch solches streng verboten ') Delices Royales. Ou 10 Jeu des )Schees. San Hisfoire etc. etc Traduction de l’Hebrou. Par Leon Holländerski. Paris 1864 (Auch mit einem hebräischen Titelblatt. Vergl. weiter unten über das in diesem Buche Enthaltene.) а) Vergl. Aruch Art. •נרדשיר ג) D'Herbelot Art. Nokh. 1) Bergl. Aruch Art. ,־p. Es ist die Phrase •לא רכא ולאבר לבא welche wir hier iu Betracht ziehen. б) Im Literaturblatl des Orients 1848 S. 230 haben wir ans einer Pgriscr Handschrift ein kleines Räthsel mitgetheilr, welches sich aufs Schach spiel bezieht. Das Wort der Auflösung ist i» der Handschrist — wie es scheint — korrumpirt. hat, so will ich e» doch versuchen, meine bisherigen Beobachtungen, so weit solche die jüdischen Leser des ״B. Eh." intereffiren könnten, Ihnen mitzutheilen. Das Denken kann der Arzt ebensowenig, wie der Despot in den despotischen Staaten, dem Leidenden verbieten! Und hier, wo die Masse unserer Glaubensgenossen der verschiedeusten religiösen Richtungen aus den verschiedensten Weltgegende» zusammentrifft, wäre rö auch sehr schwer, die Reflerioucn hierüber zu unterdrücken. Die erste, die sich mir ausdrang, war eine höchst erhebende und erfreuliche, nämlich. daß ein sehr großer Theil unserer Juden, so sehr ste sich durch Sprache, Bildung und Benehmen als Deutsche, Franzosen, Engländer, Russen, Holländer, Amerikaner 1c. kennzeichnen, so daß sie sich als wahrhafte Söhne und Töchter des Landes, in welchem sie wohnen, charakterisire», — sie dennoch für Inden und Jndenthum innig fühlen, und sich als solche gerne zeigen. Würden die Herren, die immer die jüdische Nationalität zum Nachthcile der Juden, als seien diese hierdurch keine guten Staatsbürger, hervorheben, sich an einen Kurort begeben und dort ihre Beobachtungen unparteiisch anstelle«, — sie würden eines Andern und Bessern'belehrt werden. Eine andere nicht minder erfreuliche Wahrnehmung ist folgende: Als Rabbiner mußte es mir interessant sein, von den verschiedenen Badegästen den Stand der religiösen Richtung und des Gottesdienstes in ihren Gemeinden zu erfahren. Da wurden nun denn die verschiedenen Nuancen von den mittelalterlichen bis zu den reformistischen Zuständen mitgethcilt — und dennoch ist da- Jndenthum in seiner Totalität eines und dasselbe, und ist es noch nicht in Sekten getheilt. Hier in meinem jüdischen Gasthause wohnen und sprechen Männer und Frauen der verschiedenen religiösen Ansichten friedlich neben nnd mit einander, der Wolf sitzt bei dem Schafe, und verletzten sich weiter nicht, sondern die schmackhafte Nahrung, die Allen gut mundet. Die Eiferer in Ihrem Lande, die durchaus die Juden in Sekten theilen wollen, möge»! hieher kommen und'sich selbst eine- Bessern überzeugen. Sie würden alsdann wahrnehmen, wie selbst die streng Orthodoxen es nicht so streng nehmen mit den Getränken, ja sogar mit frisch zubereitetem Essen und dem Baden am שבת auch nicht, sowie daß selbst viele Polen mit großen nnd langen Bärten am Tische 1)12ל ראש?) fitzen und sich im Kurgarten am Kaffee mit Milch laben. — Eine dritte mich wehmüthig stimmende Ncflerion drang sich mir unwillkürlich auf durch die Musik am Trinkbrunnen. Der Direktor derselben hat die herrliche Einrichtung getroffen, daß diese des Morgens um 7 Uhr jedesmal mit einem Choral beginnt. Am verflossenen Sabbathe war der Text desselben höchst passend: ״Wir glauben alle an einen Gott." Ich gestehe, daß ich bei dieser feierlichen mit Instrumentalmusik Vorzuglichft auSgeführten Chorälen mich jedesmal höchst erbaut und andächtig gestimmt fühle, so daß ich einen und den andern Psalm hierbei unwillkürlich finge. Doch — dies meine Reflexion — wie haben unsere Alten sich so sehr dadurch an unserm Gottesdienste versündigt, daß sie aus demselben die Instrumentalmusik verdrängt haben! wahrlich, derselbe wäre nie so verfallen, nnd hätte nicht so sehr verunstaltet werde» können, wenn die Psalmen Davids, wie ehemals im Tempel, mit Musikbegleitung auch in den großen Synagogen abgesungen worden wären! Es wären alsdann auch nicht so Viele dem Gottesdienste und dem Judenthume entfremdet worden. Nnd warum führt man diese, in neuerer Zeit wenigstens, in den größer» Gemeinden nicht wieder ein? Nach meinem Dafürhalten würde solche eine bessere Wirkung als die Orgel, die doch immer etwas monoton bleibt, Hervorbringen. — Eine sehr interessante Bekanntschaft machte ich auch hier, nämlich die des rühmlichbekannten Dr. Neubauer. Ich stellte mir in diesem einen ungenießbaren schon älter» Gelehrten vor, der nur von Manuskripten sprechen und sich über diese nur unterhalten könnte. Wie freudig wurde ich daher überrascht, in diesen einen höchst genialen, muntern und allseitig gebilbeten und gelehrten jungen Manu von erst 31 Jahren gesunden zw