Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 28 (13.7.1864)
- Date
- 1864-07-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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571 572 einen Ausflug nach Szegedin zu machen, und mir die Ehre seines Besuches zu gönnen. Ich mache mich anheischig , ihm eine ganze Schaar jüdischer Landwirthe vorzuführen. Manche derselben sind Grundeigenthümer, manche Pächter, manche beides zugleich. Mehrere unter ihnen sind Mitglieder, Herr Mortz Lichtend erg er ist Ausschußmitglied des landwirthschaftlichen Vereins. Ich werde dem Herrn Mitarbeiter der ״Ungarischen Nachrichten" durch glaubwürdige Zeugen beweisen, daß die Initiative zum Gebrauche der Dreschmaschine im Csongrader Komitate von jüdischen Landwirthen ergriffen wurde. Es wird mir eine angenehme Pflicht sein, dem ehrenwerthen Herrn einen intelligenten Reisegefährten zu geben, der ihn nach Algyö, Szöreg, Gyüla, St.Jvän, Hold-Mezö- Väsärhely, Szentes, Csongrad, Mindszent, Anyäs und dann nach Szabadka, Ung.Kauizsa, Türkisch Kanizsa und Martonyos begleiten wird. Er wird angenehm überrascht sein, wahrzunehmen, daß ein sehr beträchtlicher Theil der jüdischen Bevölkernng dieser ganzen Gegend sich mit der Landwirthschaft und großen Theils ausschließlich mit dieser beschäftiget. Die Jugend thut dies mit dem dem jugendlichen Alter eigenthümlichen Feuer. Sachkenner sprechen über das rationelle Verfahren der jüdischen Landwirthe ihren unbedingten Beifall aus. Aus Autopsie kenne ich allerdings nur die von mir bezeichnete Gegend, und auf Grund dieser meiner speziellen Kenntniß der Zustände kann ich mit aller Zuversicht und ohne Widerspruch zu fürchten, versichern, daß ein Güterkauf zum Wiederverkauf, d. i. ״zu wucherischen Zwecken" in der ganzen Gegend niemals, ich sage niemals stattgefunden hat. Ich bin aber von den jüdischen Zuständen auch in anderen Gegenden des Vaterlandes seit Jahren genau genug unterrichtet, um behaupten zu können, daß derartige Käufe und Verkäufe nur äußerst selten durch Juden effektuirt wurden, und daß die Landwirthschaft auch im Borsoder, Biharer, Szathmarer, Szabolcser, Zempliner, Neogräder, Araber, Temeser, Abaujer und Pester Komitate von Juden betrieben wird, und daß auch der landwirthschaftliche Verein im Neograder Komitate einen Juden in den Ausschuß gewählt hat. sSchluß solg t.). Ms war, was ist, uni) was soll Der Mfiiner sein? Eine religionsgeschichtliche Studie. Erste Abtheilnng. Anknüpfungspunkte in der biblischen Zeit. (Fortsetzung. *) II. Die Profeten. Nächst dem Priesterthume ist das Profetenthnm eine biblische Institution , welche als Anknüpfungspunkt für das Rabbinerthum angesehen werden könnte und auch dafür angesehen wurde. ״Als die Soferim", sagt Zunz, ״die Stelle *) S. Nr. 23. 25. der Profeten vertraten, nahm allmälig die Auslegung die Stelle schöpferischer Hervorbringung ein, und den Profetenjünger ersetzte der lernende Schüler (G. V. 36)." Die originelle geistige Produktivität des alten Israels wird hier auf die Profetie beschränkt, an deren Stelle nach dem Erlöschen derselben die exegetische Thätigkeit getreten sein soll. Allein jene Beschränkung zieht ihre Grenzen offenbar zu enge, und die Hasmonäischen Psalmen, zu denen sich auch Zunz bekennet, beweisen unwiderleglich, daß die Periode der schöpferischen Hervorbringung weit in die der Auslegung hineingeragt hat. Ueber die schmerzliche Entbehrung eines allgemein anerkannten, öffentlich lehrenden und wirkenden Profeten klagte man allerdings in der Hasmonäischen Zeit; daß aber die Quellen der Profetie damals gänzlich versiegt waren, wird kaum behauptet werden können (B. CH. 1, 201. 3, 8.) Jedenfalls hatte die Thätigkeit der Schriftgelehrten tiefe Wurzeln geschlagen, bevor der Baum schöpferischer Hervorbringung auf dem Boden des jüdischen Geisteslebens abgestorben war. Wenn Zunz sagt, daß der lernende Schüler den Profetenjünger ersetzte, so scheint er an eine unmittelbare Successiou gedacht zu haben. Von einer solchen kann aber schon aus chronologischen Gründen nicht die Rede sein. Die heilige Geschichte kennet Profetenjünger (בני הנביאים) nur in den Zeiten Samnel's, Elia's und Elisa's, also nur in dem noch ungetheilten Israel und im Reiche Efraim. Aus dem Reiche Juda, wo die bei weitem überwiegende Mehrzahl der uns bekannten Profeten lehrte und wirkte, wird nichts von Profetenjüngern berichtet.*) Zwischen den letzten geschichtlich bekannten Profetenjüngern und den ersten Soferim liegt ein Zeitraum von mehr denn fünhundert Jahren. An einer Ersetzung des Profetenjüngerö durch den lernenden Schüler wird also nicht gedacht werden können. Den Nabbinen selbst kam es niemals in den Sinn, sich als Nachfolger der Profeten hinzustellen. Eine jüngere talmudische Autorität thut zwar den Ausspruch, daß die Profetische Begabtheit von den eigentlichen Profeten auf die Schriftgelehrten übergegangen sei;**) dieser Ausspruch ist aber nicht auf den Lehrberuf der Profeten zu beziehen, den allein wir hier im Auge haben, sondern auf deren weissagende *) Die Schüler dieser Profeten heißen Liuiinudim: Jesaj. 8, 16. **) B. Bathra 12, a., wo auch von der angeblichen Profetie der Irrsinnigen und der Kinder gesprochen wird und bestätigende Beispiele angeführt werden. Man denkt hier sogleich an das französische, englische nnd deutsche Sprichwort: ״Kinder u«t> Narren sagen die Wa hrheit." Die Franzosen sagen sogar in buchstäblicher Uebereinstimmung mit dem Talmud: ״IIs prophötiaent.“ Körte erläutert: ״Wie wenig würden wir von der Wahrheit zu errathen im Stande sein, wenn es nicht Kinder und Narren in der Welt gäbe, die, ohne es zu wissen, sich selbst verrathen, während die Weisen und Klugen, in ihrem Harnisch oder Deckmantel, die leichtgläubigen ehrlichen Leute überlisten,und zum Besten haben, die Alles nach dem Worte nehmen nnd wie eine h. Schrift in sich fchlncken (Sprichw. ,S. 244. Nr. 3356).״ Wenn das europäische Sprichwort aus dem Talmud geflossen ist, so muß diese Erläuterung für unrichtig gehalten werden.