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Ben Chananja · 1864-07-06 · 27 (6.7.1864) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
27 (6.7.1864)
Date
1864-07-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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557 558 I 1»- V jjt1 II; f! trittfühle ich mich veranlaßt, und angenehm verpflichtet, Ihnen meine volle Anerkennung für Ihre sehr eifrige und vollkommen entsprechende Pflichterfüllung zu bezeugen. Sie haben in der sehr kurzen Zeit von sechs Monaten, seit Sie durch die Achtung und das Vertrauen der Bewohner der vereinigten Ortschaften Hluboczep, Slichow und Klukowitz den ehrenvollen aber auch schwierigen Posten eines Gemeindevorstehers einnahmen, die größte Ordnung in allen Zweigen des Gemeindehaus- Haltes hergestcllt, sich um die Negelnug des Polizei- und Schulwesens, um das Emporbringcn des Gemeinde« und Armenvermögenö wesentlich verdient gemacht. Sie haben sich durch Ihr kluges, leutseliges und würdevolleS Benehmen die Achtung und Liebe Ihrer Gemeindeinsassen nnd durch die eifrige, verläßliche tind zweckmäßige Vollziehung der amtlichen Aufträge, sowie durch Ihr loyales Verhalte» die höchste Zufriedenheit Ihrer Vorgesetzten Bezirksbehörde erworben. Empfangen Sie, Herr Gemeindevorstcher, die Versicherung meiner besonder« Hochachtung. Bezirksamt Slichow, am 16. April 1864. Der k. k. Bezirkshauptmann Edmund Ritter von Merkl. Einen Kommentar zu dieser Zuschrift kann sich jeder Leser selbst machen, sie gibt das beste Zeugniß dafür, daß hie nnd da nur Chikancn den Juden von Aemtern nnd Ehrenstcllen in den Gemeinden vcrdrängen, welche im Volke durch Belehrung leicht beseitigt werden könnten. Literarische Anzeigen. Offen und ehrlich! Von Salomo» Kutna, BezirkSrabbiuer in Ka- PoSvär. Halberstadt 1864. H. Meyer. 8. 79. Besprochen in einem hebräischen Briefe von Hill et Letsch, Rabbiner in Szikßü. Ins Deutsche übersetzt von S. Diamant, Rabbiner in Pecheneudors. (Schluß.*) Von dem MessiaSglauben sagt nämlich der Verfasser: ״Den iheuern, heiligen Schatz ihrer religiösen Hoffnung wahren nnd pflegen sie im Innersten ihres Herzens, die Außenwelt hat uichtS mit ihm zu schaffen. Der Geist und das stille Gemüth sind seine Gebiete." (S. 27.) So kann aber nur ein Rabbiner reden, der entweder den ersten Abschnilt des Schulchan Arnch nicht kennet, oder die Dreistigkeit besitzt, demselben zu widersprechen. Das stiste Gemüth! Von einem lauten Gebete, das zu einer gewissen Stunde gebetet werden muß, will der Verfasser nichts wissen, wiewol im Orach Chajjim 1, 2. ausdrücklich steht: שר,חפלה שיתפלל באותן השעות על החרק ועל הגדרת רצויה Aber was kümmern sich die neumodischen Orthodoxen um diese Gebete, die niemals über ihre Lippen kommen? — ״Die Außenwelt hat mit der McssiaShoffuung nichts zu thuu!" Dies kann nur ein. neumodischer Orthodoxer behaupten. Wir wissen, daß das Oeffncn der Thüre an den Peßachabenden nicht im stillen Gemüthe, sondern in der Außenwelt vorgeht, und wir glauben, was im Schulchan Aruch steht: ובזכות אמונה זו יבוא פשית (O. Ch. 480, 1.) Wer darüber spottet, oder daran nicht glaubt, hängt mit der Orthodoxie nur noch vermittelst sehr dünner Fäden zusammen; er verleugnet seine Väter, die in den Gräbern ruhen. und die mit ganzem Herzen und mit ganzer Seele daran geglaubt haben. Neberhaupt hat dieser Verfasser das Wesentlichste des Messiasglaubens verschwiegen, und dadurch den Verständigen deutlich genug gezeigt, daß er nicht zu den Gläubigen gehört. Ich will Dir dies in Kürze auseinandersetzen. Maimonides sagt in seinem Buche von den Gesetzen (ספר המצות), daß von den 248 Geboten der Thora zu allen Zeiten und an allen Orten nur 60 Gebote beobachtet werden: sechzig sind den Köni« ginnen (Hohes!. 6, 8); 188 Gebote bleiben also in der Zerstreuung Israels unerfüllt. Nach der Ankunft des Messias werden alle Gebote der Thora ohne Ausnahme in Wirksamkeit treten. Die Apikorßim leugnen aber die Möglichkeit dieser Restauration. ״Meinen Sie denn wirklich Rabbi", sagte vor einigen Monaten em jüdischer Arzt zu mir, ״daß man nach der von Ihnen erflehten Ankunft des Messias die ZufluchtSstätte wieder Herstellen werde, um der Blutrache eine Schranke zu setzen? — Mit der heutigen Kultur verträgt sich weder die Blutrache, noch die Einrichtung, nach welcher der Staat durch Zufluchtstädte Schutz vor derselben gewähren muß. Im heutigen Oriente findet sich allerdings noch die Blutrache bei den Arabern, Persern, Abyffinern, Drusen, Zirkassiern. Ist es aber nicht eine Beleidigung unseres Volkes, voraussetzen, daß es wieder Freistävte bedürfen werde? Und dennoch lehrt die orthodoxe Staatsverfaffung, daß in der McssiaSzeik nicht sechs, sondern neun Freistädte die Bestimmung haben werden, vor Blutrache zu schützen!" (Maim. Roz. 8, 4.) Ohne mich zu Worte kommen zu lassen, fuhr er fort: ״Ich will Ihnen ein anderes Beispiel anführen. Das Jubeljahr war im Alterthum« eine sehr weise Einrichtung. Dadurch, daß veräußerte Grundstücke wieder an den ursprünglichen Besitzer oder an dessen rechtmäßige Erben zurückkamen, wurde der gänzlichen Verarmung der Familien vorgebeugt, die Fruchtbarkeit der Aecker und der Population erhöht, und eine gewisse Gleichheit unter den Güterbesitzern erhalten. Nach dem orthodoxen rabbinischen Staatsrechte muß das Institut des Jubeljahres nach der Ankunft des Messias wieder eingesührt werden (Maim. Schem. 12, 16.) Bei dem heutigen Stande der Nationalökonomie ist dies aber eine reine Unmöglichkeit. Mußte ja auch in Ungarn die Avitizität den Forderungen der Zeit Weichen! Die Herren Rabbinen sind, ich sage eS mit aller Achtung vor denselben, sehr gelehrte uud gescheidte Männer. Wenn sie glcichwol so kindisch sind, zu glauben, daß unter den heutigen ackerbaulichcn und gewerblichen Verhältnissen die Beobachtung deü Mosaischen Jubeljahres im heiligen Lande ausführbar wäre; so kömmt dies daher, weil sie von den Prinzipien der heutigen VolkSwirthschast ebenso wenig einen Begriff haben. als von der rationellen Anwendung derselben! — Das altjüdische Sklavengesetz ist ohne Zweifel sehr Menschlich; dürfte aber die Orthodoxie wagen, in dem Meffiasreiche auf Grundlage des neunten Glaubensartikels auf die Einführung des SkiavengesetzeS zu dringen?" Während der Arzt, der in seiner Jugend ein Schüler des gottseligen N. Koppel Charis in Verbov und ein feiner Bachur gewesen war, also zu mir sprach, entschloß ich mich, ihm, so tief auch seine ketzerischen Worte mein Herz verwundeten, ruhig zuzuhören, um doch einmal zu erfahren, was die Apikorßim Alles auf dem Herzen habe». Von den gebildeten Rabbinen und Predigern erfährt man dies nicht, da dieselben sich hüten, mit ihren Gesinnungen herauszurückcn. Nur in unbewachten Augenblicken entfährt ihnen die Aeußerung, daß die Denkfreiheit ein heiliges Recht ist, und der Messias nur ins stille Gemüth gehört. Von mir nicht gestört, fuhr der Arzt fort: ״Wenn Sie mir einmal die Ehre Ihres Besuches gönnen wollten, ehrwürdiger Rabbi, Sie würden bei mir so ziemlich dieselben talmudischen und rabbinischen Bücher finden, welche die Bibliothek eines fleißigen Rabbiners zu bil- I den pflegen. Da ich aber den Lieblingsstudien meiner Jugendjahre nur wenig Zeit widmen kann, so beschränke ich mich auf den Maimonides, in welchem ich den genialen Kodifikator des jüdischen Gesetzes noch mehr bewundere, als den rationellen StandeSgenoffen und den freisinnigen Filosofen. Hätten die früheren Schriftsteller auf dem Gebiete der GesetzeSkunde silosofische Bildung gehabt, so wäre es ihnen nicht in den Sinn gekommen, an die Stelle der lichtvollen Maimonidischen Kodifikation ihre unlogischen Systeme zu setzen. Durch das Studium des *) S. die vorige Nummer.

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