Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 27 (6.7.1864)
- Date
- 1864-07-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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551 552 am meisten zu dieser Benennung Ursache gegeben zu haben scheint, war der Umstand, daß ste an Sabbath- und Feiertagen weiß gekleidet gingen. Weiße Kleidung war von jeher nicht nur im Juduithume, sondern auch bei vielen andern Völkern des AlterthumS ein Symbol der innern reinen Gesinnung. Nun sehe man folgendes Gutachten des R. Mel'r (כוהרם א״ש .ה״ב "קוב) wie mißbilligend, ja sogar geißelnd er sich über diesen Gebrauch, oder vielmehr über die diesem Gebrauche huldigenden Rabbiner ausspricht. Die Stelle ist zu merkwürdig, als daß wir sie nicht in Uebersetzung mittheilen sollten.' ״In unseren Zeiten", so äußert sich R. Me'ir, ״wo so viele große Männer in Israel am Sabbath schwarz gekleidet gehen, ist eS nnr eine Geckerey (יהורא גדולה), wenn Jemand nach kabbalistischer Weise weiß gekleidet gehen will; ja ein solcher ist des Bannes würdig, wenn er nicht ein besonders frommer Mann und von ganz tadellosem Charakter ist." R. Me'ir beruft sich ferner auf das Testament R. Janai's (Sabbat, p. 114), worin dieser seinen Kindern auftrug, ihn nach dem Tode weder schwarz noch weiß zu kleiden, letzteres nicht, vielleicht wird er im Jenseits als schuldig erklärt, er würde alsdann unter den Bestraften durch seine weiße Tracht, wie ein Bräutigam unter den Trauernden erschienen! Derselbe Fall trifft auch da zu, wo hent zu Tag die allgemeine Kleidung an Feiertagen von schwarzer Farbe ist. Besonders, so schließt R. Me'ir, ist dies in unfern Tagen zu vermeiden, wo so viele Unberufene sich zu hohen Stellen vordräugen und theils durch Bestechlichkeit, theils durch Herrschaftlichen Befehl in den größten Gemeinden ausgenommen werden und ihre Ebenbürtigkeit und Würdigkeit nur dadurch beweisen zu können glauben, wenn sie, wie jene berühmten Männer der Vorzeit, weiß gekleidet gehen. Darum, mein Freund, schließe dich lieber jener Klaffe der Stillen und Bescheidenen an, die Gott im Innern tragen, Gott sieht nicht auf die Kleidung, sondern auf das Herz." (Fortsetzung folgt). Die Moimjj'fdje Sammlung. Von Ad. Neubauer.') 1. Die jüdische» Grabsteine in der Krim. In der bedeutenden für die kaiserliche öffentliche Vibliolhek in St. Petersburg erworbenen Firkowitz'schen Sammlung findet man als älteste Dokumente Abdrücke von alten hebräischen Grabinschriften in der Krim. Die älteste datirt, nach Berechnung des Herrn Firkow ttz, aus dem Jahre 6 n. CH. und lautet im Originale folgendermaßen: ז^ת ציון בוקי בן יצחק כוהן נ״ע עת ישועת ישראלי שנת ת ש׳ב שנים לגלותנו י) Aus dem Bulletin de l’Academie des Sciences de St. Petersbourg. Tome V. 4. (16.) März. ״Dies ist der Grabstein des Bukt, Sohn Jsak KohenS, dessen Seele bis zur Befreiung Israels im Paradies verweilen möge (?), vom Jahre 702 unseres Erils" (von Samaria). Schon vor 20 Jahren erschien ein höchst interessanter Aufsatz (Kerem Chemed B. V. S. 197 st pass.), welcher die Echtheit dieser in der Krim aufgefundenen Epitaphe bezweifelt; wir haben es auch nicht anders thun können, so lange nur die Abdrücke uns als Quelle dienten. Jetzt aber befinden sich neun dieser Steine hier in St. Petersbürg in dem astatischen Museum der Akademie der Wissenschäften 2), und es wäre sehr gewagt, deren Inhalt als b l o« ßes Machwerk und mögliche Verfälschung zu bezeichnen. Bevor wir den Inhalt dieser Dokumente mittheilen, finden wir es nothwendig, einige in genanntem Aufsätze gerügten Zweifel zu widerlegen. Die Juden, meint der gelehrte Verfasser des Aufsatzes, haben zu jener Zeit (767 n. Ch.) * 3) die Aera der Schöpfung noch nicht gekannt, da diese zum ersten Male in dem A ezirah-Kommentar des Sabtai Donolo (950) gefunden wird. Seitdem wurde der astronomische Traktat von S amuel hakaton veröffentlicht, ein Werk, welches, wenn sehr spät, im IX. Jahrhundert verfaßt war, und die Aera der Schöpfung ist da in Anwendung gebracht. 4 5) Wenn in den talmudischen Büchern keine Spur von dieser Aera vor- Händen ist, so ist dies noch immer kein Beweis, daß sie noch nicht gekannt war, und wenn der Talmud debattirt, ob die Welt im Tischri oder im Nissan °) erschaffen wurde, so ist es auch höchst wahrscheinlich, daß auch über die Anzahl der Jahre seit der Schöpfung gestritten wurde. Es wird wol der Zweifel noch stärker bei dem Verfasser angeregt werden, wenn er weiter sieht, daß 89 n. CH. schon die Aera der Schöpfung angewendet wird. Was in dem genannten Auffatze über die Unwahrscheinlichkeit, daß Jkzhak Sangari, der die Chasaren zum Judenthum bekehrt haben und so weit von der Chasaren-Hauptstadt begraben sein soll, gesagt wird, wollen wir für den Augenblick dahin gestellt sein lassen, da wir erstens den Stein selbst nicht einsehen können, und es hier mit ältern Steinen als dieser ist, zu thun haben. Der Vorwurf daselbst, daß die Kara'iten die Data ihrer Entstehung weit vorrücken, hat hier gar keine Anwendung, denn wenn wir von Steinen von 6—300 ». CH. sprechen, so wird es wahrlich Niemand einfallen, zu behaupten, daß man es mit Kara'iten, die noch nicht vorhanden waren, zu thun hätte. Etwas fabelhaft in der That erscheint die Aera des Samaritani'schen Erils. Was ist aber dagegen einzuwenden, wenn die Inden im Kaukasus und in Persien sich noch heute Abkömmlinge der zehn Stämme nennen? Wir wollen durchaus nicht behaupten, daß ihre Tradition, von den zehn Stämmen abznstammen, richtig sei, aber unmöglich ist es wol nicht, wenn man in Betracht zieht, daß die Juden im Kaukasus weder rabbinitische noch karäische Satzungen haben. Es ist wol gar nicht lange her, als man behauptete, daß das jüdische Chasarenreich eine Fabel sei, und die Briefe von und an Chasdai eine bloße Erdichtung wären! Scheint es ') Vergl. Bull. T. VIIS. 171 (Söance du 15 (27) janvier 1864. 3) In jenem Aufsatz wird nur der Grabschrift SattgariS Erwähnung getba». ר Cf. ברייתא דשמואל הקטן <sa10!m& 18g1 p. 14. 5) Cf. Babyl. Talmud Trac. Rosch. haschana p. 10 u. 11. *