Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 26 (29.6.1864)
- Date
- 1864-06-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2542917-2543121-2543148--3741-2547646- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
535 536 im vorigen Jahre berichtet worden, wird manchen Uebelständen, welchen die bisherigen, trotz öfter», Umbaues ungenügender Lokalitäten darboten, und die namentlich in der Mädchenschule hei vortreten, erwünschte »nd gründliche Abhülfe bringen, und den, im Innern »vahrzunehmenden bedeutenden Fortschritt der Schulanstalten auch den entsprechenden äußerlichen Ausdruck geben. Die Pflege des Schulwesens ist Hauptaugenmerk der Gemeinde, so schließt Thilo seinen Bericht, und »verden die Mittel für dessen Hebung mit höchst dankenüwecther Bereitwilligkeit im reichsten Maße dargeboten.. So weit Thilos Bericht. Was uns an demselben besonders freut, ist die erfreuliche Wahrnehmung, daß däs Berliner jüdische Schulwesen beider ausgedehnten ׳Autonomie, welcher die preußischen Gemeinden sich erfreuen, zu solcher Blnihe gelangt ist Denn wie wir gesehen haben, stehen sämmtliche jüdische Anstalten einzig und aslein unter der Aufsicht der Gemeinde und deren Rabbiner, während die Be- Hörden darüber bloS wachen, ob der von der Gemeinde ihr unterbreitete «nd genehmigte Lcktionsplan pünktlich eingehalten nnv nicht überschritten wird. Möge das edle Streben der Berliner Gemeinde auch in unserem Vaterlande zur würdevollen Nacheiferung dienen, und dies könnte man daun als freudiges Omen gebesserter Zustände begrüßen. Einige Fragen in Bezug ans die kön. israelitische Lehrerbildungs-Anstalt. Von Israel Bargell a. (Fortsetzung.) II. Bieten zwei Real- oder drei Gymnafialklassen hinreichende Bürgschaft für die Eignung zur Aufnahme in die israelitische LehrerbilvnngSanstatt? Wäre eine AnfnahmSprüfung nicht ein verläßlicheres Mittel um sich von der nöihiqen Gorbilbung des Kandidaten zu überzeugen? Ein bekanntes Sprichwort sagt: ..Diebe haben die besten Pässe." Etwas ähnliches läßt sich von talentlosen Schülern behaupten. Nnd die Sache ist ganz natürlich: Denn, sowie der Dieb im Bewnßlscin seiner Schlechtigkeit alle möglichen Mittel aufbietet, um sich in den Besitz der für ihn so nölhigen ״Formalität" zu setzen. »vährend der Ehrliche auf seine Unbescholtenheit pochend, sich der Sache »veniger befleißiget: ebenso weiß der schivachköpfige Schüler, der in der Regel mehr schlau als perständig ist, alle Schivächen des menschlichen Professors ausznbeuten, währenv der talentvolle Schüler aus ferne Schlagfertigkeit bauend, die ״PrüsuugStour׳" weniger ausrechnet. die ״LiebliiigsdiSziplii!" der Herren Profefforen »veniger berücksichtiget, ja in seinem kindischen Uebermmhe dem Herrn Katecheten vielleicht manchen Schabernack spielt. Genug an dem! alle Welt weiß eö, daß Napoleon Bonaparte, Jsak Newton und andere ähnliche Größe», nicht die besten Schulzeug- Nisse in die Welt mitbrachten, daß sie aber gleichwol so ziemlich ihre Karriöre machten; während »»»»zäblige ״laureati״ vor dem Forum der Welt die Prüfung minder gut bestanden. Wenn mau aber »m Allgemeinen ein Schulzeugniß nicht gerade als eine heilige Schrift ansehen muß, wie sehr ist das Mißtrauen dagegen gerechlfertiget. wenn es sich um die Auf,»ahme in den heiligen Bund des LehrerthumeS handelt? Und doch braucht der Besitzer eines zweiklaffigen Real- oder dreiklassigen GymnasialschulzeugniffeS u»lr sein Zenguiß vorzuzeigen, und er ist Lehramtskandidat! Freilich macht der Präparandenlehrer schon in den ersten 14 Tagen in Bezug auf die Tüchtigkeit eines großen TheileS seiner Hörer scha»»derhafte Entdeckungen; allein was geschehen, ist nicht ungeschehen zu machen. Herr Kandidat N. würde vermöge seiner athletischen und senfuellrn Fähigkeiten in einer Boucherie die ersprießlichsten Dienste leisten, — doch nein, er hat ein zwciklaffiges Realfchulzeugiiiß erlangt, er muß Jngeudbiltner werde»». Herr Kandidat P. scheint vkrmvge seiner Geschwätzigkeit ur»d Beweglichkeit für d»e ossioins ooswütiquo »vie geschaffen; — beileibe nicht! er hat ein dreiklafflgeS Gymiiafiatschulzeugniß vorgezeigt, er muß Jugeiidbildiier werden! Freilich müssen die Herren et eonsortes repetiren und nieder repetiren, allein »vas fruchtet dies? Hänschen taugte nichts, Hans ist nichts nutze; »nd in Los foali bleibt denn doch nichts anderes übrig, als den Herren ihren Laufpaß, d. h. ein Lehrzeugniß für dreiklassige Schulen zu geben, damit sie etwa der Gemeinde S . . ., »vo die Lehrkräfte mit den Jahreszeiten regelmäßig abtvechjeln, von dem varalio delectat ein eremplarischeS Pröbchen gehen. So wenig »vir aber die Aufnahme in die Präparandie nach einfacher Vorzeigung eines Zeugnisses gutheißen können: so wenig »vollen wir jener Verordnung der hohen Regierung das Wort reden, welche alle Aspiranten zurückweist, welche nicht das Glück haben, ein Zengniß über die Absolvirung einer Untermittelschule zu besitzen. Wie wir vernehmt»», har sich Heuer eine hübsche Anzahl junger gebildeter Leute zur Aufnahme in die Präparandie genieldet, dieselben mußten jedoch aus der eben berührten Ursache znrückgeiviesen »verden. Herr Direktor L. rieth ihnen, daß sie bei der hohk» königl. Statthalterei um die Aufnahme bi'ttlich einkommen möchten, er wolle so viel es an ih»n liegt, ihre Sache unterstütze». Die Aspiranten folgten dem wohlgemeinten Rathe, aber der Bescheid der hohen Regierung lautete, daß ihrer Bitte keine Folge gegeben »verden könne. Nun »vir »verden uns gewiß nicht anmaßen, die Erlässe einer höchsten Behörde zu krilifiren» wir können jedoch die Wahrnehmung nicht unterdrücken, daß den eigenthümlichen jüdischen Derhältnisten und Umständen noch immer nicht die gehörige Würdigung gegönnt, und daß christliche nnd jüdische U »iterrichtSanstaltcn nach »vie vor mit demselben Maßstabe gemessen, nach denselben Prinzipien geleitet werden. Wir erlauben uns aber hierauf bezüglich unter andern, nnr auf folgende Dlffereuzen aufmerksam zu machen. ״Unter zehn christlichen Lehrern bestimmen neun ihre Söhne derselben Laufbahn; der jüdische L»hrer hingegen bleibt dem bekannten talmudischen Sprichwort getreu und läßt seinen Sohn was vernünftigereS werden. Die Folge davon: dort Neberfluß, hier Mangel au Lehrkräften. b) Die christlichen Präparanden werden Hierlands zumeist von Kandidaten ungarischer Zunge frequentirt: bei uns sind eS Waag.-Nenstadtel, Turücz-Sz.-MiklüS, B6cs, Verbo und andere »n slavischen Distrikten liegende Gemeinden, welche die stärksten Kontingente in der Präparandie liefern. Folge davon: dort hinreichender, hier nur spärlicher Fond zu einem ungarischen Lehrstande. o) Vom christlichen Lehrer »vird bloS profanes Wissen verlangt, der jüdische soll auch Kenner der heiligen Schrift und ihrer Kommentatoren sein. Folge davon: dort rekrntirt sich die Präparandie leichtlich aus der Mittelschule, hier muß auch die Zeschibah oder Talmud Thora herhalten. Wenn aber bei uns die Neigung zn»n Lehrfache viel geringer, die Anforderungen an dasselbe hingegen viel größer, liegt es nicht auf der Hand, daß gewisse Restriktionen, welche dort vielleicht ein Ueberwuchern der Lehrkräfte verhindern sollte, hier füglich »vegbleiber» müssen? Die Landgemeinden beklagen sich sammt und sonders, daß ihre ״diplomirten" Lehrer nicht gut hebräisch »vissen. Aber woher solle» sie es auch? Haben doch die Sludirenden der Mittelschulen weder die Muße