Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 25 (22.6.1864)
- Date
- 1864-06-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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519 620 1850 wirkt Herr Dr. R. — der erste jüdische städtische Beamte — als städischer Primararzt sehr verdienstlich an dieser Anstalt. In Rede fte« hende Abhandlung behandelt die wissenschaftlichen Resultate der 34jährigen Wirksamkeit dieser Humanitätsanstalt, und der Verfasser scheute keine Mühe, um aus vergilbten Protokollen und staubigen Aktenstücken die Geschichte und Statistik dieses Institutes znsammenznstelleu. Der Arzt, der Statistiker, der Verwaltungöbeamte, ja jeder gebildete Menschenfreund wird diese gelehrte Abhandlung, die im Akadömiai Ertesitö (Akademischer Anzeiger) vollständig erscheinen wird, mit Nutzen lesen. Wir wollen daher dem Raume und der Tendenz des geschätzten ״Ben Chananja" entsprechend, nur einiges von glaubensgenossenschaftlichem Standpunkte aus berühren. In den ersten 20 Jahren ihres Bestehens fand kein Israelit Aufnahme in dieser Anstalt. Ein Jahr nach seinem Amtsantritte that Herr Dr. R. Schritte sowol beim löbl. Stadtmagistrate als auch der damaligen h. Statthalterei, um das Prinzip der Gleichberechtigung auch auf diesem Gebiete zu verwirklichen, und seine Bemü- Hungen krönte der Erfolg. Von 1851 bis 1863 fanden 18 Israeliten (12 Männer, 6 Weiber) Unterkunft. Psychologisch interessant dürste es dem Leser fein, daß das hohe Alter allein keines dieser Individuen, wie bei anderen Konfessionen, zum Eintritte in das Institut vermochte, sondern stets ein unheilbares Gebrechen, dessen Pflege privatim beinahe unmöglich wäre. Es waren unter jenen 18 israelitischen Pfleglingen 8 Geisteskranke, 4 Epileptische, 3 Blinde und 3 sehr bedeutend Gelähmte. Während bezüglich anderer Konfessionen es nichts Seltenes ist, daß Kinder ihre hochbetagten Eltern, Geschwister ihre Verwandten dieser Anstalt überantworten, selbst wenn diese nicht leidend sind; lehnen die Israeliten jede solche Gelegenheit ab, und wie die Erfahrung gelehrt, wurde für manchen gebrechlichen Israeliten die Aufnahmsbewilligung erwirkt, und von den Angehörigen trotz drückender Noth und Hilfsiosigkeit nicht benützt, was gewiß ein rührendes Zeugniß des altbewährten jüdischen Familienlcbens ist. Zum Schlüsse noch die von Herrn Dr. R. gemachte Wahrnehmung» daß unter 19 über hundertjährigen in Pest Verstorbenen 9 römisch-katholische, 2 Reformirte, 1 Evangelischer, 1 Grieche und 6 Israeliten waren.*) Nun aber, verehrtester Herr Redakteur, muß ich Sie noch um ein kleines Plätzchen bitten, und zwar für unser» berühmten Landsmann und staatSwiffenschaftlichen Schriftsteller I. E. Horn in Paris, der gleichfalls einen Antrittsvortrag in französischer Sprache gehalten, und zwar in Alerandrien, wo er während seines VerweilenS zum Mitgliede der egyptischeu gelehrten Gesellschaft (E'Ins tltut rägyp* tien) erwählt wurde. Der Vortrag ist im Druck erschienen.**) Der Verfaffer bespricht darin in frischer blühender Sprache die Ursachen des materiellen Fortschrittes im 19. Jahrhundert, seinen Gegenstand mit schlagenden Beispielen und Vergleichen erläuternd. Als gewandter Meister der Darstellung übergeht er auf Egypten, als den geeignetsten Boden, den materiellen Fortschritt anzubahnen, bespricht sehr geistreich die üblichen Vöxurtheile über dieses Land und seine Bewohner, regt die Gründung vdn Kreditinstituten u. s. w. an, reinigt die Naticnalökonomie von den ihr gemachten Vorwürfen des Materialismus, befürwortet mit gewohntem Freimuts) die Arbeit, den Unterricht , die Freiheit und die Gerechtigkeit, und schließt mit begeisterten Worten für die Bildung und Besserstellung der unterdrückten Fellahs. ״Der lange Druck — sagt er — preßt die Schwungfedern des menschlichen Geistes wol zusammen, I aber er bricht sie nicht." *) Vor einigen Wochen verstarb in Pest ein jüdischer Bettler, Abr. Berg, 102 Jahre alt, aus Preußen gebürtig, gewesener Soldat seit der Leipziger Schlacht in Ungarn lebend. **) Du Pi'Ogi'&B Economique enISgypte — Discours <16 Röoeption, proDoncö ä!'Institut Egyptien (S&ince de 13. Mai 1864) par J. E. Horu. — Alexandrie 1864. 8. 14. p. n Pest, 20. Juni. Der ״Magyar Izraelita“ soll in Bälde wieder ins Leben treten. An die Spitze der Unternehmung soll wieder ein Mann der Rechte treten. Ob's aber auch der rechte Mann, das wird die Zukunft lehren. Auf die Rumänen ist man hier, seitdem der große Mann durch den verfochtenen Zusatz (zu §. 3 der 8. königl. Proposition) dem 1. Gesetzartikel vom Jahre 1863 eine Nase gedreht — gar nicht gut zu sprechen. Doch was schert sich darum der stolze Römer, dessen eigene Freiheit bereits nach Monden zählt: eivis rowanus 8um! Fünfkirchen, im Juni. Der hiesige Frauenverein beschloß m seiner jüngst abgehaltenen Generalversammlung an hiesige arme Witwen 25 fl. ö. W. monatlich zu vcrtheilen. Dieser fromme Eifer, Noth und Armuth zu mildern, ist sehr lobenöwerth, und wäre zn wünschen, daß dieses Beispiel von Wohlthätigkeitssinn viele Nachahmer finden möge. Der besagte Verein macht jetzt schon Pläne, wie bas neu zu erbauende Gotteshaus schön zu schmücken sei. Der hierorts praktizirende Arzt Herr Dr. Schwarz ist beim hiefigen רופא הול'ם*®«**™ als Arzt angestellt und erhält jährlich 50 fl. für die Brhandtnng der Kranken, die er großmüthiger Weise »nserec תלסור תוח־ז;»kommen läßt. Wir danken diesem Herrn recht herzlich für seine Menschenfreundlichkeit und Herzensgüte! OO Miskolcz, im Juni. Bezüglich der in.Nr. 22 des ״B. CH." erschienenen Wiener Korrespondenz, betreffend die Aufforderung des Källüer Rabbiners habe ich Ihnen zu bemerken, daß gedachter Herr Rabbiner in der Seminärangelegenheit auf den 24. v. M. eine abermalige Konferenz zusammengerufen, deren Zweck wahrscheinlicher Weise dem einberufendenden Herrn Rabbiner selbst noch ein Geheimniß gewesen. Die in hebräischer Sprache erlassene Aufforderung war aber keineswegs blos an seine Gemeindemitglieder gerichtet, sondern da Herr JesaiaS Benedict Szaboleser KomitatSrabhiner ist, an sämmtliche Honoratioren dieses KomitateS — bei 60 ,an der Zahl — von denen, wie es in dem betreffenden EinberukungSschreiben lautet, der Herr Rabbiner überzeugt war, daß sie "אנשי חיל;, — find: also eine Art Notablenversammlung. Nun aber denken Sie fich nur die ungeheuerliche Demoralisation unseres Nachbarkomitateö! Von all den ששי□ גבורים, mit denen der Herr Rabbiner tapferen MntheS ausziehen wollte ״להפר מחשבות ערומים ועצת נפתלים " — von all diese» hatte sich blos ein einziger tapferer Kriegsheld eingesunden. Was wol diese beiden Helden ausgemacht habe» mögen! Bemerkenswerth ist noch, daß die beabsichtigte Konferenz Anfangs vom Stuhlrichteramte untersagt worden; es gelang jedoch dem Herrn Rabbiner zu erwirken, daß dieses Verdikt zurückgenommen wurde. Damit Sie aber sehen, wie sehr es diesem frommen Glaubenskämpen um Glauben und Religion zu thnn sei, kann ich nicht umhin, Ihnen nachstehendes Faktum nntzutheilen, für dessen Wahrheit ich Ihnen bürge. Wie schon oben erwähnt, ist Herr I. B. eigentlich nicht Källüer Ortsrabbiner, sondern als KomitatSrabbiner hat er seinen Sitz in Källü, als dem One, wo sich auch das Komitatsgericht befindet. Nichtsdestoweniger ist er fortan bestrebt, auch in der dafigen Gemeinde als kirchliches Oberhaupt zn sungiren, und seine Autorität auch in den speziellen Gemeindeangelegenheiten geltend zu machen, wodurch es häufig zwischen ihm und der Gemeinde zu Streitigkeiten kömmt, in denen er aber eS fich stets gefallen lassen muß, den Kürzcrn zu ziehen. ES ve׳- ste.ht fich von selbst, daß dieser Umstand die Vorliebe des Herrn RabbinerS zur gedachten Gemeinde nicht sehr steigern mag. Nun traf es sich letztlich, daß in Angelegenheit des Koscherfleisches Mißbräuche einrissen; namentlich hatten fich mehrere Fleischhauer,'propria auctoritate ermächtiget, Fleisch auszuschrotten, ohne jede Anfficht, was natürlich nur auf Kosten der Religion geschehen konnte. Um diesem Nebel zu steuern, hatte die Gemeindevorstehung in einer eigens zu diesem Zwecke