Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 25 (22.6.1864)
- Date
- 1864-06-22
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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517 518 Korrespondenz. Ausland. L. D. London, 3. Juni. (Schluß.*) Es find fürwahr traurige Nachrichten. O lasse diese Uebelthäter nicht in ihren Unthaten verharren. Ich flehe inständigst für das unmittelbare und thatkräftige Tinschreiten Seiner Scheriffjanischen Majestät, sowie auch Ew. Erzellenz. Das kaiserliche Edikt ist wie ciu Lichtstrahl zn meine» Glaubensgenossen in Marokko gekommen. Erlaube nicht, baß fein Glanz verdunkelt, daß sein Schein verringert werde. ES gab Freude und Versprechen, erlaube nicht, daß die Freude zerstört, daß dieses Versprechen fruchtlos bleibe. Hunderte und Tausende haben ihre Stimme dankend zum Lobe Gottes dafür erhoben, für den gütigen Wunsch Seiner Scheriffjanischen Majestät und Cw. Erzeslenz den Zustand der Juden zu verbessern, Unterdrückung und Leide» zu beseitigen. Lasse ihre Hoffnungen nicht einen bloßen Schatten werden. Laß rs nicht dazu-kommen, daß die angenehmen Träume derselben von einer bessern Zukunft eine bloße Täuschung seien. Wie groß und heilig sind die Prärogative der Majestät, sie lenkt die Wohlfahrt der Nationen und ihr Weg ist mit Blumen bedeckt. Unterläßt sie die Unterdrücker zu bestrafen, so ist daun dieser Pfad mit Dornen bedeckt. Das Wohlwollen Ihres großen Herrschers und Ihrer Erzellcnz ist mir Wohl aus eigener Erfahrung bekannt; und ich halte den Glauben fest an das von Ihnen erhaltene Versprechen, daß das kaiserliche Edikt in den maurischen Ländern bekannt gemacht werden soll, und daß zugleich Maßregeln ergriffen werden sollen, dasselbe in Kraft zu setzen. Glücklich, doppelt glücklich ist ein Land, wo das Volk in Frieden und Sicherheit lebt, ruhmwürdig, sehr ruhmwürdig ist der Herrscher, zu dessen Humanität nnd Weisheit, von Gott eingegeben, das Volk hinaufblickt für die beständige Erhaltung dieser Segnungen. Geruhen Sie, edler Herr, diese demüthigen Worte zu betrachten, welche einem vollen Herzen entströmen, nnd mit dem vollsten Ernst niedergeschrieben sind. — Würdigen Sie mich, meinen tiefsten Respekt an Ihren großen Herrscher auszusprechen, und gütigst meine besten Wünsche zn empfange n für Seine und Ihre Gesundheit, sowie für die Wohlfahrt und für das Gedeihen der maurischen Monarchie. Ich habe die Ehre zu verbleiben respcktvollst Ihr ganz ergebenster Diener. Moses Montefiore. — Paris, 15. Jnni. Die Generalversammlung der Alliance hat unter sehr zahlreichem Zuspruche von Mitgliedern und Fremden am 31. v. M. stattgefunden. Den Glanzpunkt derselben bildete Crämieur's Rede, die fast von profetischem Geiste getragen war. Der anwesende Pastor Pätavel sagte, daß die Christen der Gegenwart die Juden um Verzeihung für die Verfolgungen bitten, welche dieselben in der Vergangenheit von den Christen zu ertragen Hallen. Zum ersten Male war auch unser berühmter Landsmann Albert Cohn in der Versammlung. Er spendete zu Gunsten der in Syrien und in Palästina zu gründenden Schulen, und zu Gunsten einer zn gründenden jüdischen Akademie, — eines aus Notabilitäten zusammeugesctzten Synedrions, — deren Zufiandekommen er in früherer oder späterer Zukunft erwartet. Wie Sie aus den heutigen Archivcs ersehen, ist Herr Js. Levy, Rabbiner zu Luneville, zum Großrabbiner von Bordeaux ernannt worden. Herr Alb. Cohn hat am vergangenen Wochenfeste, als am Bar-Mijwa-Tage seines dritten Sohnes der Synagoge in der ru6 LawarUns eine prachtvolle Thorarolle gespendet. J. Belgrad, 15. Juni. Der Prozeß über den zu leistenden Eid mors zuäaico, dessen in Ihrem Blatte bereits Erwähnung geschah, hat eine kleine Monographie hervorgerufen, welche bei Sopro» in Semliu erschienen ist. (Dieselbe liegt dieser Nummer des ״Ben Chananja" bei *) S. Nr. 24. Red.) In der Begleitung des Fürsten Cusa auf seiner Reise nach Konstantinopel befindet sich auch ein Jude: Abraham Chaisen. In Giurgjewo hat der Fürst bei ernem Inden sein Absteigquartier genommen. Galaez, im Juni. In Betreff der Ovationen, die zur Verherrlichung des ehrenwerthen Sir MoseS Montefiore vocgeschlagen wurden, wundert es mich, daß, so viel mir bekannt ist, noch Niemanden ein einfaches, aber desto würdigeres Mittel eingefallen ist, dessen sich viele jüdische Gemeinden bereits vor 600 Jahren, um ihrem Wohlthäter ihren Dank auszudrücken, bedienten; es heißt nämlich im Sendschreiben an die französisch. Gemeinden, von dem berühmten Nachmanideö, das anfängt *והנני מעיד עלי בפני רבותי שמים :טרם אענה אני וב ו^רץ ,כי שמעתי ממגידי *אמת שבכל ארצות מלכות תימן ,קהלות רבות עוסקות בתורה ובמצות לשמן,והיו מזכירין שם הרב (רמב״ם) דל בכל קדיש וקדיש :בחייכון וביומיכון ובהיי משה בן מיימון וכר• Ich glaube nun, daß es dem Herrn M. Montefiore, der zwar an Weltweiöheit und Gelehrsamkeit dem Maimonides nicht im mindesten an die Seite gestellt werden darf, der aber denselben an Humanität und AufopferungSbereitwilligkcit für das Judenthum noch weit übertrifft, sehr angemessen wäre, wenn sämmtliche Judengemcinden ihrem Vorbeter zur Pflicht machen, in jedem קריש die Worte einzuschalten ,בחייכון ובילמיכון משך מונטיפיורי ובחיי וב׳• Wollen Sie diese Bemerkung in Ihren geschätzten ״B. CH." ausnehmen, und eS wird mich freuen, wenn solche Anklang finden wird. H. M. Pineles. Inland. — Wien, 14. Juni. Ihre Polemik gegen den Konsistorialrath Pfaff hat bei Ihren hiesigen Lesern um so einstimmigern Beifall geerntet, als hier, wie Sie aus den politischen und juridischen Journalen ersehen, erst vor Kurzem ein jüdischer Dr. der Rechte nicht zur Richteramtöprüfung zugelafsen wurde. Die Abweisung dieses Doktors verhält sich zu dem Buche des Herrn Pfaff wie Praxis zur Theorie! — Von dem gelehrten und fleißigen Dr. M. Duschak ist erschienen: ״Josefus Flavius und die Tradition": eine Monographie, welche ohne Zweifel die Aufmerksamkeit aller Freunde des jüdischen AlterthnmS auf sich ziehen wird. Eine andere nicht minder bedeutsame Bereicherung der jüdischen Literatur sind die ״fünf Kuntereßim", welche Nachman Nathan Coronet adirt hat. (Beide Schriften werden näher besprochcn werden. Red.) ® Pest, 12. Juni. Wenn auch die gesammte heimische Ta. geöpreffe beider Sprachen den Antrittsvortrag des Herrn Dr. Josef Rüzsay als neugewählten Mitgliedes der ungarischen gelehrten Akademie sehr lobend nnd ausführlich besprach, so erachte ich es doch nicht für überflüssig, wenn Ihr viclgclesenes Blatt, als einstige Gcschichtsquelle des ungarischen Judenthums, auf diesen Akt unseres Wissenschaftlichen Lebens zurückkömmt. Herr Dr. R. laS am 7. Juni eine volle Stunde. Sowol die schwungvollen einleitenden Worte, die das Verhältniß der Akademie zur Wissenschaft im Großen kennzeichneten, als auch der lehr- und gehaltreiche Vortrag über die psychologischen nnd pathologischen Verhältnisse des Greisen alte rö", sowie die durch absolute, prozentuale Zahlen und graphische Darstesinng ausgezeichneten statistischen Tabellen wurden von den anwesenden Akademikern mit lebhaftem Beifall und Hljenrufen ausgenommen. Die Bearbeitung dieses Themas ist eine glückliche Bereicherung nicht nur der ungarischen, sondern der gesammte» Fachliteratur, in welcher die Alterskrank- Heiken bis heute noch stiefmütterlich behandelt sind. Herr Dr. R. schöpfte seine Beobachtungen und Erfahrungen im hiesigen städtischen VerforguugShause (Elisa bethinum), in welchem während seines 34jährigen Bestehens 1911 Greise beiderlei Geschlechts verpflegt wurden. Seit