Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 25 (22.6.1864)
- Date
- 1864-06-22
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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515 516 ein Jahrhundert nach der Gründung deS Hyrkanischen Doppelpräsidiums kehrten die Gläubigen am Versöhnungstage dem Hohenpriester den Rücken, um den Synedrialhäüptern Schemaja und Eutalion, die heidnischer Abstammung gewesen sein sollen, ihre Verehrung und Sympathie zu bezeugen (Joma 71, b). Mit dieser Praxis ging die Theorie Hand in Hand. Davon zeugt die kühne Marime der Mischna: ״Der schriftgelehrte Bastard verdient den Vorzug vor dem Hohenpriester, der ein Idiot ist (Hör. 3, 8)." Demgemäß eröffneten in der talmudischen Zeit hervorragende Schristgelehrte die Thoralekttou, ohne sich um daS hierauf bezügliche Vorrecht der Aaroniden viel zu kümmern, und Maimonides tadelte in seiner Jugend den Mißbrauch, nach welchem Aaronidischen Idioten die Priorität bei der Thoralektion eingeräumt wird, was Schriftgelehrten gegenüber nicht im Gesetze begründet ist.*) Aus dem Priesterthume ist mithin das Rabbinerthum nicht hervorgegangen. Es muß einen andern Ursprung haben. Sollte dieser Ursprung in einer andern Institution der biblischen Zeit, etwa im Profetenthum, zu suchen sein? (Fortsetzung folgt Nr. 28.) Das jüdische Schulwesen Berlins. Von Heinrich Rosenberg, öffentlicher Hauprschullehcer. Die in der preußischen Hauptstadt erscheinenden ״Berliner Blätter für Schule 'und Erziehung" redigirt von den Herren Dn Eduard Bannel, Gymnasialdirektor, Moriz Fürbringer, Stadt-Schulrath von Berlin und Wilhelm Thilo, Seminardirektor, bringen in Nummer 19 und 20 einen ausführlichen Bericht über das jüdische Schulwesen Berlins, von welchem wir, da eS so viel Schönes und NachahmenöwertheS enthält, um so freudiger ein kurzes Resums den geehrten Lesern des ״B. CH." mitthcilen, als daß er uns einerseits von dem edlen und gemeinnützigen Strebe» unserer deutschen Glaubensgenossen ein glänzendes Zeugniß gibt, anderseits aber ein mächtiger Mahnruf sein könnte für manche Gemeindevorstände und begüterte Privaten unseres Vaterlandes, die für ein ״Bem Bem" eines polnischen ChasanS eher Opfer zu bringen geneigt sind, als für die Erziehung unserer armen ungarisch-jüdischen Jugend. Da der gedachte Bericht überdies von dem in weiten Kreisen bekannten protestantischen Berliner Seminardirektor Thilo geschrieben ist, so fällt auch jeder Schein von Parteilichkeit von sich selbst weg. In der Einleitung spricht Thilo von dem erfreulichen Aufschwung, welchen das Berliner jüdische Schulwesen während der letzten 12 Jahre genommen, von den enormen Opfern, welche die jüdische Gemeinde daselbst für die Erhaltung ihrer Erziehungsanstalten fortwährend trägt und konstatirt eö mit besonderer Genugthuung, daß eben durch die vortrefflichen Leistungen der öffentlichen jüdischen Schulen derzeit in Berlin keine einzige jüdisch e Privat sch ul e mehr Vorhand e n ist. Von den Lehrern und deren Bildungsgrad sagt Thilo: ״Es ist eine höchst erfreuliche Wahrnehmung, daß die dem Lehrfache sich widwenden jüdischen Kräfte nicht Autodidakten, gewissermaßen Erperimental- *) M. Gittin 5, 8. und Maim. Komm. das. Bab. Gem. das. 8», b. Meg. 22, a. Toß. Gitt. 0. a. O. Schlgw. *ןאפי. lehrer find, sondern eigens für den Lehrerberuf als Lebensziel Borgebildete, entweder Zöglinge der königlichen Seminarien, denen sie als vollständig gleichberechtigt, in früherer Zeit, später ausnahmsweise als Hospitanten ihre Bildung verdanken, oder auf Gymnasien und Univerfitäten Gebildete, die dann die Prüfung pro kavultate docendi oder pro rectoratu abgelegt. Es beginnt nun der Bericht über die einzelnen Lehr- und ErziehungSanstalten. Obenan steht die Gemeinde-Knabenschule. Diese Schule ging am 18. Jäner 1852 aus den Händen ihres früher« Leiters B. Auerbach in die des zeitigen Dirigenten Rektors A. Horowitz über. Die Anstalt bestand damals aus vier Klassen, einem Lehrpersonale mit dem Dirigenten von 7 und einer Schülerzahl von 116. Das Pensum war das der Elementarschule, über welches nur der im Französischen ertheilte Unterricht hinausging. Gegenwärtig besteht die Anstalt aus 10 Klaffen (mit 8 Stufen) zählt 15 Lehrer und 519 Schüler. Das Lateinische ist in den Unterrichtskreis der vier obersten Klaffen hineingezogen, und wird deu Schülern der ersten Klaffe (in Preußen die höchste Klaffe) durch Ertrabeihilfe im Griechischen und Englischen der Eintritt in eine der höhern Gymnasial- oder Realschulklaffen ermöglicht. Der Ertrag des Schulgeldes war im Jahre 1839 nach einem erfolgten Answeis der Gemeinde 3157 Thaler, der Zuschuß aus der Gemeindekaffe betrug im selben Jahre 3900 Thaler. Im engen Anschlüsse mit der Knabenschule steht die jüdische Lehrerbildungsanstalt. Sie wurde am 6. November 1859 auf Grund des von den königl. Behörden unterm 25. März desselben Jahres genehmigten Planes eröffnet, und zwar mit 13 Schülern, die den untern dritten Kursus bildete. Im Oktober des darauffolgenden Jahres wurde der zweite und im Jahre 1861 der dritte Kursus eröffnet, und somit war der Ausbau der Anstalt vollendet. Dem Musikunterrichte ist mit Rücksicht auf die beabsichtigte Ausbildung auch von Kantoren für den jüdischen GottcSdienstj eine größere Breite eingeräumt. Die Leitung der Anstalt besorgt der Rektor der Knabenschule A. Horowitz. Die Oberaufficht hatte der Rabbinats-Affeffor Dr. Sachs. Gegenwärtig zählt die Anstalt 25 Zöglinge. - Eine dritte Anstalt, die zumeist von der Opferwilligkeit der jüdischeu Gemeinde erhalten wird, ist die Gemeinde-Mädchenschule, welche, unter dem Dirigenten I. Engelmann stehend, bereits im Jahre 1861 daS Fest ihres 25jährigcn Bestehens feierte. Auch diese Anstalt ist durch die gehobene Schülerinnenzahl und die Erweiterung ihrer inner» Organisation seit 1851 in erfreulichem Maße fortgeschritten. Seit 1854 sind drei neue Klaffen hinzugekommeu, so daß sie nun deren 6 zählt und von 293 Schülerinnen besucht wird, während sie 1651 nur 160 Zoglinge in drei Klaffen zählte. Im Jahre 1859 war der Ertrag des Schulgeldes trotz der hier vorherrschenden großen Ermäßigung, rcsp. gänzlichen Nachlasses, doch 119 Thaler, der Zuschuß aus der Gemeinde-Hauptkasse betrug 2700 Thaler. Außer dem Hauptlehrer »irken an dieser Anstalt 6 Lehrer und 5 Lehrerinnrn, von denen eine wissenschaftlichen Unterricht, während die übrigen 4 den in den weiblichen Handarbeiten besorgen. Die nicht unb eträchtliche Zahl der unbemittelten Schülerinnen erhält außer freiem Unterrichte auch die Schulmaterialien und die Lehrbücher gratis. Durch die Betheiligung sehr würdiger Frauen wird dem Unterrichte in den weiblichen Arbeiten Aussicht zugewendet, und haben diese auch es sich zur anerkennenswerthen Aufgabe gemacht, durch Sammlungen von Beiträgen Materialien für die Handarbeiten zu beschaffen, die dann den u nbemittelten Schülerinnen als ihr Eigenthum verbleiben. . (Schluß folg t.).