Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 24 (15.6.1864)
- Date
- 1864-06-15
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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501 502 von ihm feit vierzehn Jahren geleiteten hiesigen VersorgungShauses mittheilte. Die werthvolle Arbeit wurde beifäsiig ausgenommen. Der israelitisch-ungarische Verein versendet soeben einen Bericht über seine dreijährige Wirksamkeit, begleitet von einem Mahnschreiben, worin den ״ihre eigene Unterschrift nicht honorirenden" säumigen ״zahlreichen" Mitgliedern die Erekutiou angedroht wird. — G. FtanLzfa, im Juni. Der hiesige Frauenverein hat an den Herrn Oberrabbiner Fasset folgendes Schreiben gerichtet: ״Wir können den heutigen erfreulichen Montefiorctag nicht feierlicher begehen, als zu bestimmen, daß wir von nun an am Grew Rosch Ha-Schana eines jeden Jahres zur Erinnerung an den Sterbetag der in Gott rnhenden Lady Judith Montcfiore arme Schulkinder weiblichen Geschlechtes nach Thunlichkeit und nach den Kräften des Vereins bekleiden werden, und bemerken, daß für dieses Jahr für 30 Mädchen bereits Sorge getragen ist. Die Vorsteherinnen des isr. Franenvereins: Nanette Gutmann, Rosalia Löwy, Josefa Lang. Gv. Lanizsa, 5. Juni. In der Beilage zum ״B. CH." Nr. 22 bringt Ihr Korrespondent aus Vcßprim einige die Schule betreffende Daten, die mir im Interesse der Wahrheit einige Berichtigungen abnöthigcn. Zuerst wird erzählt, ״daß Se. Hochwürden Herr v. KridaS, tön. Rath und Oberschnldirektor des Raabcr Distriktes ״unlängst" Gr. Kanizsa besuchte", was nur dann richtig wäre, wenn Herr Berichterstattet unter ..unlängst" Jahre versteht. So erfuhr Se. Hochwürden bei diesem Anlässe, ״daß im Schnlplane 40 wöchentliche Unterrichtsstunden figuriren." Es scheint dem Herrn Berichterstatter mehr um die runde Zahl zu sein, denn in der That hatte die Schule nur 34 wöchentliche Unterrichtsstunden. Ebenso unrichtig ist ״die Drohung mit Sperriing der Schule", da wir uns nicht geradezu widersetzten. Vielmehr haben wir uns dem Wunsche Sr. Hochwürden — offen gestanden, zum Nachthcile der Schule — akkomodirt, die Stunden abgekürzt, und außerdem noch zwei halbe Ferientage (Dienstag und Freitag Nachmittags) eingcführt. Wir sagen zum Nachtheile der Schule, denn wenn es allerdings wahr ist, daß der Geist auf Kosten des Körpers nicht ausgebildet werden soll, so ist es anderseits koustatirt, daß dem Knabenalter schon die grammatikalische Kenntniß dreier Sprachen allein nicht eingeimpft werden kann, sondern Zeit und Anstrengung fordert. Sechs Stunden nebst einem Feiertag Pr'. Woche aber ist ein empfindlicher Abbruch, welcher an die Klagen der Aufseher in Aegypten erinnert: ״Stroh wird uns vorcnlhalteu und gleichwol wird dieselbe Anzahl an Ziegeln von uns gefordert!" und an den Vorwurf: ״Müssige Leute, müssige Leute seid Ihr!" der am Ende noch folgen kann. Zieht man noch die Lage unserer Stadt in Betracht, und erwägt man, daß wegen der Nähe Kroatiens und SteiermarkS die Umgangsspräche nicht ungetheilt ungarisch ist. und nebst der hebräischen und deutschen auch die ungarische Sprache erst gründlich gelehrt werden muß, so scheint unsere Aengstlichkeit gewissermaßen gerechtfertigt. Löwy, Obmann der Schulsektion. J. @1*. Lkanizfa, im Juni. Die hiesige Gemeinde hat für die zwei Klaffen unserer Realschule für einige hnndert Gutden physikalische Instrumente angeschaffl. Die Probevorträge einiger Kantoren haben uns einige angenehme Andachtsstuuden verschafft. Die jüdischen Kurgäste in Nohitsch in Steiermark haben im Wege der Subskription ein Sefer Thora angeschaffl. Die Montefiore-Feier ist nun auch durch den Druck veröffentlicht worden: eine treffliche Predigt von Fasset und zwei sehr gelungene hebräische Gedichte von Jos. Löwy. Wir sind wirklich stolz darauf, einen Hebraisten, wie Jos. Löwy, zu unfern Vorstandsmitgliedern zählen zu können. * Miskolcz, 8 Juni. Wie es nach den empörenden Ausschreitungen bei der letzten allgemeinen Versammlung voranszuseheu war, so kam eS auch, daß die löbl KomitatSbehörde sich bewogen fand, die Neuwahl der Gemeinde-Repräsentanz nicht mehr von der Willkür und dem Uebermuthe eines verleiteten, von einigen Aufwieglern bearbeiteten-rohen Pöbels abhängig zu machen, sondern eS im Interesse der öffentlichen Ruhe und Ordnung, sowie um die Begründung einer normalen Gemeindeordnung anzubahnen vorgezogen hat, die neuen Repräsenianten — 24 an der Zahl — aus der nach gesetzlichem Herkommen von der abgetretenen Vorstehung mit Hinzufügung von 21 gewählten Vertrauensmännern angefertigten Kandidatenliste zu ernennen, aber auch die befähigtesten und ehrenhaftesten Mitglieder zu berufen, welche die künftige gesetzliche Vertretung der Gemeinde bilden. Der merkwürdige, in der Geschichte unserer Gemeinde Epoche machende Erlaß Sr. Hochwohlgeboren des Herrn Obergespan-StellvectreterS. womit die neue Vorstehung sammt der Repräsentanz bestätiget wird, ist am 4. d. von dem Herrn Bürgermeister im KultuStempcl sowol als in der Synagoge in feierlicher Weise verkündet worden. Dieses Aktenstück ist zu wichtig, als daß ich Ihnen die Hauptmomente des In- Halts vorenthalten dürfte. Nachdem im Eingänge die für diesmal als nothwendig befuudcne Ernennung von Repräsentanten durch das zügellose Benehmen meist unberechtigter, zu den Gemeindelasten am wenigsten beitragender Gemeindeglieder bei Gelegenheit der letzten allgemeine» Versammlung motivirt wurde, macht die löbl. Behörde der neuen Vorstehung eS zur Pflicht: 1. Dafür zu sorgen, daß, nachdem der neue Tempel bereits vollendet ist, die Kultusbeiträge, welche für dem ärmere» Theil der Gemeinde unverhältnißmäßig drückend find, herabgesetzt ufld nach Bedürfniß auf die bemittelten Mitglieder vertheilt werden sollen; — 2. nachdem in den bisher gebräuchlich gewesenen Urversammlungen vorzugsweise die Hefe der Gemeinde in soscher Weise sich geberdete, daß die der wohlhabenden und gebildeten Klaffe angehörigen Mitglieder gänzlich verdrängt werden, so hat die neue Vorstehung auf Grund des IX. Gesetzartikels vom Jahre 1836 eine Gemeindeordnung zu entwerfen, nach welcher künftighin die Neuwahl der Vorstehung und die Verwaltung der Gemeindeangelegenheiten geregelt werden sollen. Die diesbezüglichen Anträge sind dem hochverehrten Herr» Administrator Behufs höherer Bestätigung ungesäumt vorzulegcn. Es weht durch diesen behördlichen Erlaß ein so unverkennbarer Geist des Wohlwollens, der Schonung, ja der Theilnahme an den Schicksalen unserer Gemeinde, daß von einer Verletzung sogenannter — leider noch nirgends verbriefter — Rechte der Gemeinde nicht die Rede sein kann. Jeder, der es mit der Wohlfahrt und dem Fortschritte in dieser großen Gemeinde ehrlich meint, muß nur Dank nnd Bewunderung zollen der Weisheit und dem Gerechtigkeitssinne des hochgeehrten Herrn Administrators, und nur die endlich zum Schweigen gebrachten Wühler grossen oder wagen es, von ei»em Rekurse gegen die jüngste behördliche Entscheidung zn faseln. Sie ersehen zugleich, daß die neue Vorstehung gewissermaßen ein Provisorium bildet, welches bestimmt ist, falls die hierzu berufenen Männer ihre Aufgabe richtig erfassen, einem Definitivum Platz zu machen, wo in naher Zukunft endlich auch in unserem Gemeindeleben gesetzmäßige Ordnung auf fester Basis und mit der Devise ״Fortschritt" begründet werden dürfte. Ich werde nicht unterlassen, Sie von den weiteren EntwicklungS- Phasen der Dinge bei uns in Kenntniß zu setzen. Ich glaube nicht zu irren, wenn ich den neuesten Vorgängen in der Miskolczec Gemeinde eine mehr als lokale Bedeutung beimeffe; denn sind wir so glücklich, eine neue Gemeindeordnung in gesetzmäßiger Weise organisiren zu können, so dürften sehr viele Gemeinden im Lande an unserem Beispiele lernen, wie auch sie ans ihrem nicht minder zerrütteten und regellosen Zustände, sich herauswinden könnten.