Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 24 (15.6.1864)
- Date
- 1864-06-15
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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603 Nichts aber ist, besonders für das Jndenthum in Ungarn, von höherer Wichtigkeit, es gibt keine ״brennendere" Frage» deren Lösung jeder andern brennenden Frage vorangehen muß, als — Organisirung der Gemeinde: eine These, deren Begründung und nä- Here Erörterung ich an anderer Stette zu versuchen mir Vorbehalte. SLklös, im Juni. Nicht vor einigen Wochen, sondern im vorjährigen Sommer sind wir zu dem Herrn Oberdirektor Kädas beschieden worden. Ihr Berichterstatter Ln Nr. 23 war also chronologisch schlecht unterrichtet. Nicht minder schlecht unterrichtet war er aber auch in Ansehung der Thatsachen. Von einer Sperrung unserer Schule war gar nicht die Rede. Berufen wurden wir — der Gemeindevorsteher und ich — allerdings zu dem Herrn Obcrdirektor. Da aber die Berufung nicht von diesem, sondern von dem hiesigen katholischen Lehrer ausging, der dieselbe aus einem Zettel einem VorstandSmitgliede meldete, wurde derselben nicht nachgekommen. Der Herr Oberdirektor nahm später in Füiifkirchen unsere Rechtfertigung wolwollend auf, nachdem ihm der unanständige Cinladungszettel vorgezeigt worden war. Die Verhandlung über unsere Schule ist allerdings noch in der Schwebe, und die väterliche Sorgfalt des Herrn Oberdirektors für deren Gedeihen verdient alle Anerkennung. Die Gemeinde bietet alle ihre Kräfte auf, um den Anordnungen der Regierung uachzukommcn. Es wäre aber sehr wünschenüwerlh, wenn daö, was der Herr Redakteur Nr. 9 d. Bl. über die Schulen in kleinen Gemeinden sagt, Berücksichtigung fände. Roth.R. Schüttenhofen, im Mai. (Schluß.) Jur Jahre 1832 wurde hier eine Chevra Kadischa gegründet, die bei ihrem Entstehen 27 Mitglicder zählte. Dieser Verein ist im vergangenen Jahre gänzlich reorganisirt, mit zeitgemäßen Statuten versehen, und in seiner neuen Form durch die hohe Statthalterci zu Prag unter dem 23. Oktober bestätigt worden. Der Verein besitzt em kleines, zum Theil nutzbringeiid angclegtcs Vermögen und zählt gegenwärtig 43 Mitglieder. Bald nach Einweihung der neuen Synagoge, welche am GeburtStage Sr. Majestät des Kaisers am 18. August 1859 durch den rühmlich bekannten Kreisrabbiner Klemperer stattgefunden hatte, wurde auch ein sehr nettes und gut eingerichtetes Franenbad erbaut und ein Gebäude angckauft, das die Bestimmung hat, ein Schulhaus zu werden. Es steht zu hoffen, daß die Gemeinde den Schulbau möglichst bald unteriichmen, und gleichzeitig Anstalt treffen werde, das neue Institut hohen Orts sanktioniren zu lassen. Vorläufig wird für den Jugendunterricht mit der größten Aufmerksamkeit gesorgt. Im Jahre 1861 wurde der frühere Rabbiner, Herr A. M. Schwarzkopf, mit verdoppeltem Gehalte in Ruhestand versetzt und beschlossen, bei Neubesetzung der Nabbinerstctle vorzüglich aufEinkührung der deutschen Predigt zu sehen, und wurde bald darauf dem Schreiber dieses die Ehre zu Theil, mit dem erledigten Posten betraut zu werden. — Gegenwärtig geht matt damit um, beim Gottesdienste den Chor einzusühren, und ist die Hoffnung vorhanden, daß auch dieses Fortschritts- Vorhaben mit Nächstem realisirt sein werde. Der anläßlich der letzten Londoner Ausstellung von Sr. Majestät durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes ausgezeichnete Fabrikaut Herr Daniel Fürth steht an der Spitze des, Vorstandes, und ist unablässig bestrebt, den fortschrittlichen Aufschwung der Gemeinde zu fördern, und steht ihm mit seltener Ausopferung und Ausdauer, und mit einer nicht leicht zu findenden Umsicht begabt, der zweite Vorsteher, Herr Samuel Fürth, getreulich zur Seite. Wie Sie also aus meinem bisherigen Berichte ersehen, gehört die hiesige Gemeinde zu denjenigen, welche dem Fortschritte huldigen, nnd von Chaßidim kann nicht die Rede sein. Ihr L-Bericht in Nr. 15 d. I. ist daher zu berichtigen. Die daselbst angeführten Thatsachen in Betreff des Ahronidensegenö nnd der den Ahroniden zukommenden ersten Lektion beim Thoralesen, sowie auch des Anlegens der Filakterien am SM kleinen BersöhnungStage, sind wahrheitsgetreu gegeben.' DaS Wajchal- und Anönu-Lesen findet jedoch nicht am kleinen Versöhnnngstage statt/ sondern an den vier vorgeschriebenen Fasttagen : obgleich die gesetzliche Anzahl von Fastenden fehlt. Allein von diesen Verkehrtheiten darf man weder auf eine Chaßidimnoch auf eine radikale Reformpartei schließen, vielweniger sie dem Synagoge,,Vorstände zu Last lege״. Dieser benimmt sich nur ״ach dem, was mein pensionirter Vorgänger viele Jahre hindurch gutgeheißen hat, was abzllschaffen ich wol in Güte versuchte, aber aridere Mittel dabei anzuwenden durchaus nicht für geboten hielt. Die Messiasstreiter können uns also füglich vom Halse bleiben. — Rächstens, wenn Sie erlauben*), folgt ein weiterer Bericht über die Gemeinden der Gegend. Sam. Rosrnberg, Rabbiner. Prag, im Mai. (Schluß.) Die ministerielle Bestätigung der Anstellung des Drs. Stein, die bei der Berufung Nichtösterreich ischer Rabbiner und Prediger wegen der zu erwirkenden Diäpens von dem gesetzlichen Erforderniß an einer inländischen Universität zurückgelegter Studier, immer arrgesucht werden muß, nnd auch bei der Berufung des seligen Dc. Sachs und des Predigers Dr. Kämpf angesucht worden ist, ist zwar noch nicht erfolgt, dürfte aber nicht lange mehr ans sich warten lassen. Ist diese einmal erfolgt, so dürfte auch die Vor- ״ahme von Trauungen von Seiten des Drs. Stein in seiner Synagoge trotz der bei der Behörde dagegen vom Herrn Oberrabbiner R. erhodenen Reklamationen und Beschwerden keinem weitern gesetzlichen Bedenken unterliegen. Wir können nicht glauben, daß ein Recht, welches bisher allen früheren hier angestellten Predigern zugcstanden worden ist, gerade dem Dr. Stein abgesprochen werden sollte, umsoweniger, als sich die Repräsentanz der hiesigen Kultusgemeinde in der entschiedensten Weise für die Berechtigung des Drs. Stein znr Vornahme von Trau״״- gen ausgesprochen hat. Sollte aber wiber Vermuthen Herr R. obsiegen, dann mag er nicht vergessen, daß seine Siege nur ein Triumph über den Gegner, nicht aber ein Gewinn für die Sache sei. Fromme Nabbiner sollten sich doch immer klar sein über die unmittelbaren Wirkungen dessen, was sic durchzusctzen im Begriffe sind. Die von dem Redakteur Kuh bereits im vorigen Jahre dem böhmischen Landtage überreichte Kultttsgemeindeordnung für die Jsrae- Uten Böhmens dürste anch in dieser Scssron, die schon mit dem letzten Tage des Monats Mai geschlossen wird, kaum mehr zur Verhandlung kommen, und wenn sie zur Berathung käme, so ist das Schicksal derselben schon jetzt vorauszusehen. Der Landtag dürfte sie, wie dieses auch schon von dem Statthalterei-Vizepräsidenten einmal a,,gedeutet wurde, als einen Gegenstand erklären, dessen Entscheidung und Feststelluug außerhalb der Grenzen der Kompetenz des Landtages liege und der Regierung zur Regelung im administrativen Wege zuzuweisen sei. Wie allgemein verlautet, werden sich auch die einzelnen Kultusgemeinden über einen solche» Ausgang nicht sonderlich grämen und lieber die Herstellung einer gewissen Ordnung in ihren konfessionellen Verhältnissen auf autonomen Wege, auf dem Wege friedlichen Eiuverfländniffes zu erzielen streben. Zu bcdaiiecn ist nur der Ailfwand an Zeit, Kraft und Geld, welchen die Zustandebringung des vorgelcgten Entwurfes, durch die Elnbernfung Hunderter von Dclegirten fast sämmtlicher Gemeinden Böhmens, durch die wiederholten Berathungen und durch den Druck sogenannter stenographischer Sitzungsberichte verursacht hat. Was damit erreicht wurde, hätte aus kürzerem Wege und mit weit geringeren Kosten, und wie wir glauben, mit einem weit günstigeren Erfolge erzielt werden können. Nun habe ich Ihnen allerlei geschrieben, gewissermaßen wenig und lm Grunde nichts. Mir fällt dabei eine Aenßernng Göthes ein, welche laulet: ״Wir schöpfen den Schaum von dem großen Strome der Menschheit mit unser״ Kielen, und bilde» nns ei», wenigstens schwimmende Inseln gefangen zu haben." ״) Mit vielem Vergnüge״. Red.