Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 24 (15.6.1864)
- Date
- 1864-06-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2542917-2543121-2543146--3720-2547623- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
*r würde weder gepredigt haben, noch wäre er besucht oder beschenkt worden. Vergebens hätten sich seine großen Fürsprecher für ihn bemüht, wenn Du nicht das Wort für ihn ergriffen hättest. Ist ja in meiner Gemeinde die Verwirrung groß in Folge der Neuerer, die an jedem Morgen aüftreten, wiewol sie an sich alt und veraltet sind.«) Du kennst ja den Geist des Volkes, in dessen Mitte ich wohne, noch aus der Zeit, als Du dich hier aufbielist. Dasselbe ist von seiner Albernheit noch nicht genesen ומצואתו לא רוחץ. Die Zahl der Ignoranten ist gegen« wärtig noch größer, als vormals, und unter denselben befinden sich Heuchler, die ihren thörichten Sinn überall hinrichten, wohin es ihnen beliebt. Glaube mir, mein treuer Freund, daß ich des Unmuths satt bin, so daß ich nicht reden kann — Aber Deine Worte haben mich ermuthigt. Ich entschloß mich für den Frieden (שלום), und sagte: Wenn auch Schwätzer, Ohrenbläser und Verleumder für den Krieg sein sollten, so wird doch Gott mich beschützen, daß mir kein Unfall widerfahre. Der von Dir empfohleue Mann hat in den ersten drei Synazogen gepredigt, und sich den Beifall seiner Zuhörer, die ihm Beweise ihrer Verehrung gaben, erworben. In vorzüglichen Häusern wurde er zu Tische gezogen. Und wenn es ihm auch nicht nach Wunsch gelang, so wurde doch seine Hoffnung nicht ganz getäuscht. Auch ist es wahr und gewiß, daß ich einen gewandten Prediger in ihm gefunden ha.be, der es versteht, dem Volke in angenehmer Rede dessen Sünden vorzuhalten. Das Ohr öffnet sich gerne seiner Moral, indem er sehr eindringlich zu reden weiß, so daß seine Worte den Zuhörer bald freudig stimmen, bald zu Thränen rühren. UeberdieS ist ec ein treuherziger Mann, ohne Heuchelei und Verstellung, soweit ich nämlich in so kurzer Zeit im Stande war, seine Gesinnungen kennen zu lernen.s) Vielleicht bin ich so glücklich, dich nächsten Sommer zu sehen, dann wollen wir über Alles ausführlich sprechen- Dein treuer Freund Löb, Sohn des berühmten Arztes R. Zona Jeiteles Ges. And. 4) Sollten hier die Sabbathäer gemeint sein? s) Der Prediger, von welchem I. nnt so vielen Lobeserhebungen spricht, ist kein anderer, als der Rajez er Rabbiner. — Rajez ist ein netter, in einer schöner Gegend gelegener Marktflecken im Trentschiner Komitate, — von welchem bis auf den heutigen Tag so viele Parabeln und Bonmots im Umlaufe sind. R. Salon! b. Zewi Ha-Lewi, dies war sein Name, mußte in Folge einer falschen Beschuldigung sein GebnrtSland Pole» verlassen. Nach längerer Wanderung fand er an dem Rabbiner Simcha in Dessau einen Beschützer. Dieser räumte ihm das zu seinem Sprengel gehörende Rabbinat zn Bardy ein, ans die ihm von daselbst znfllcßenden Einkünfte verzichtend. Die Gemeinde zu Barby war aber zu klein, um R. Salon! ein genügendes AilSkommen gewähren zu können. Sie ertheilte ihm daher die Erlaubniß, seine materielle Lage zn verbessern. Allein während er als Gastvrediger auf Reisen war, wählte sich senie Herde einen andern Hirteu. Die Aufnahme in Wörlitz verschaffte ihm keine Zufluchtstälte, weil sie ohne Gutheißung des HerzogS von Anhalt-Dessau vor sich gegangen war. So mußte R. Salon! wieder de» Wanderstab ergreifen. Sein Beschützer, R. Simcha in Dessau, versah ihn mit einer am 16. Mai 1796 geschriebenen Empfehlung, Welche im Originale vor mir liegt, und der ich die obigen Notizen entnehme. R. Salon! predigte, wie die mir vorliegenden Empfehlungen beweisen, in Berlin. Halbcrstadk. Hannover, Lübeck, Kopenhagen, ohne jedoch zu einem Amte gelangen zu können. Dies gelang ihm erst 1797 in Ungarn. Die kleine Gemeinde zu Rajez gestattete ihm ebenfalls, sein Einkommen durch Gastpredigten zu verniehren. Später wurde er Rabbiner zu Scmlin, wo er am 9. August 1830 starb. Auf seinem Grabsteine wird er Salon! Ha-Lewi Horowitz genannt. Ein haggadischeS Manuskript, das er hinterließ, soll einer seiner Nachkommen besitzen. Die Empfehlungen und Zeugnisse, die ich vor mir habe, bilden eine kleine Autographensammlung, in welcher die berühmtesten Rabbinen jener Zeit vertreten sind. Ich nenne nur: Bachrach Michael in Prag, Benedikt Markus in Nikolsburg, Deutsch David (Verfasser des Ohel David) in Szcrdahely, FleckeleS Eleazar in Prag, Heinemann Meister Joachim in Sondersleben (S. Zedidja neue Folge 2, 369), Kallir Eleazar in Kollin, Levitter Wolf Samuel in Kollin, Löwi Eleazar (S. B. CH. '2, 414.). Ko rrespon-en). Ausland. L. D. London, 3. Znni. Aus dem ״Daily Telegraph" von heute. In Fortsetzung seiner hochherzigen und edlen Anstrengung für die Juden in Nordafrika hat Sir Moses Montefiore soeben die folgende Mittheilung an den Staatsminister von Marokko gerichtet. Die Paschas und Gouverneure der Provinzen können nicht so leicht ihre alte Gewohnheit von Unterdrückungen ablegen. Sir MoseS Montefiore hat diese Maßregel ergriffen, um vorzubeugen, daß das Edikt des Sultans nicht ein todter Buchstabe bleibe. (C o p i e.) London, 1. Juni 1864. An den berühmten Ozier Sid Taib al Gamini, Staatsminister in Marokko rc. 1c. Mein Herz ist mit Dank durchdrungen gegen Ew. Crzell. für das wohlwollende Schreiben, mit welchem Ew. Erzcll. die Güte hatten, mich zu beehren, als Antwort auf mein Schreiben vom 23. Februar, welches ich die Ehre hatte, an Ew. Erzell. zu richten. Seit meiner Ankunft in Europa hatte ich während meines Aufenthaltes in Madrid die Ehre, das Edikt Ihres großen Herrschers in die Hand Ihrer katholische» Majestät der Königin von Spanien zu legen, mit einer spanischen Uebersetznng begleitet. In Paris hatte ich die Ehre, dasselbe Sr. Majestät dem Kaiser der Franzosen zu unterbreiten, mit einer französischen Uebersetznng begleitet. In London angekommen, halte ich die Genngthuung, eS dem Gouvernement meiner geliebten Herrscherin vorzulegen, mit einer englischen Uebersetznng begleitet. Das Edikt Seiner Scher i ff janischen Majestät hat eine weltweite Berühmtheit erlangt, und wurde allenthalben mit Lobeserhebungen, auf die es so gegründete Ansprüche hat, aufgenommen. Die Freunde der Hnmanität und Zivilisation in der ganzen Welt hegen die ernste Hoffnung n»d den Glauben, daß Ihr gnädiger Herrscher, und Sie selbst, sehr edler Herr wünschen, daß dieses Edikt von allen Gouverneuren und Beamten in Marokko gekannt und respektirt werde. Es ist manche Ursache vorhanden, glauben zu machen, daß bei gewissen Statthaltern und Beamten noch die Disposition vorherrschend ist, dieses segensreiche Edikt zu ignoriren, oder gar zu mißverstehen, und daß sie mit den noblen und hochherzigen Absichten Seiner Scheriffjanischen Majestät, daß nämlich die Juden und nichtmoha m edanischen Unterlhanen die gleichen Rechte genießen sollen, in dem direktesten Widerspruch handeln. (Schluß folgt.) v Inland. Pest, 12. Juni. Der hiesige WohlthätigkeitSverein ,Concordia" hat dieser Tage nachstehendes Schreiben erhalten: Paris, 5. Juni. Hochgeehrtester Herr Präsident!*) Am gestrigen Tage, 4. Juni, erhielt ich die ehrenvolle, unter dem 1. Mai d. I. datirte Anzeige, daß der in Ihrer Stadt bestehende Verein ״Concordia" mich an! 3. Jäner 1863 zum Ehrenmitgliede dieses der Hebung des Judenthums geweihten Vereins gütigst erwählt hat. Im Begriffe, unmittelbar nach dem bevorstehenden Feste eine Reise nach Jerusalem und dem Oriente anzutreten, habe ich nur die Zeit, Ihnen hochgeehrtester Herr Präsident, sowie Ihren werthen Kollegen meine aufrichtige Erkenntlichkeit für die mir erwiesene Ehre auszudrücken. Mit den Statuten dieses Vereines unbekannt, kann ich aus seinem Namen ״Oovooräia res pnrvas vrvsouut", sowie aus seiner hebräischen Deutung לא מצאהקב״הכלי מהויק ברכה לישראל אלא השלום schließen und wünschen, daß derselbe fortwährend wachse und *) Der Vereins-Präsrist Herr Karl Louis Posner.