Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 24 (15.6.1864)
- Date
- 1864-06-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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498 Die Besprechung der in sein Gebiet fallenden Zeitfragen hat ״Ben Chananja" niemals vermieden; er wird derselben auch in Zukunft nicht aus dem Wege gehen. Ueber den Ofner Seminar-Entwurf enthielt er sich bisher aus triftigen Gründen eines jeden Urtheils. In diesem Augenblicke können folgende, den Gegenstand keineswegs erschöpfende Andeutungen ohne Bedenken gegeben werden. Nach dem Dafürhalten der progressiv gesinnten ungarischen Juden sollten die künftigen Rabbinen selbstständiger Gemeinden*) in Ungarn mit einer viel umfassender» filosofischen und historischen Bildung ausgerüstet sein, als mit der eines Obergymnasiasten (Primaners), welche dem Entwürfe genügt. Die biblische Archäologie müßte im Seminar als ordentlicher Unterrichtsgegenständ gelehrt, und das talmudische Alterthum in seinem vollen Umfange den Seminaristen wissenschaftlich erschlossen werden. Das Syrische wäre denselben nicht zu erlassen. Eine gründliche Anleitung, Philo und Josefus griechisch, Saadias und Maimonides arabisch zu studiren, müßten sie ebenfalls erhalten. Jüdische Theologen unserer Zeit sollten den Schlüssel zum Verständnisse der unsterblichen Werke besitzen, welche den edelsten Geistern Israels, die dessen Ruhm und Glanz sind, ihren Ursprung verdanken; weshalb auch die Geschichte der jüdischen Literatur als besondere Disziplin gelehrt werden müßte. Die ungarische Indenheit bedarf gelehrter Theologen von gediegenem, selbstständigem Charakter, die befähigt nnd bereit sind, die Lehre Israels gegen Verunstaltung von Innen und uie Ehre Israels gegen Angriffe von Außen mit Einsicht und Hingebung zu schützen und zu wahren, und dem unverkennbaren, mit vieler Opferwilligkeit verbundenen Hange und Drange der gebildeteren ungarischen Juden nach dem Bessern ein würdiges Ziel zu stecken. Trotz all dem räumen wir indeß gerne ein, daß der fragliche Entwurf relativ fortschrittliche Elemente enthält, und daher geeignet ist, einen Um- und Aufschwung des ungarischen Rabbinerthnms anzubahnen. Dies scheint in der That auch die Orthodoxie eingesehen zu haben; daher ihr einmüthiges energisches Auftreten I Ihre ungefähr zehnjährige Koalition mit der neuorthodoren Romantik gänzlich auflösend und ihren bisherigen Wortführer in Eisenstadt deöavouirend, setzt sie alle ihr zu Gebote stehenden Hebel in Bewegung, um die Gründung des gefürchteten Seminars zu hintertreiben. Und doch hat ihr der Entwurf das Privilegium gelassen, ohne Intervention des Seminars Rabbinen zu kreiren: ein trauriges, niederschlagendes Privilegium! Kein christlicher Pfarrer hat das Recht, junge Menschen unter vier *) Bei der definitiven Regelung des jüdischen Kultuswesens in Ungarn werden auch die Anforderungen an die Rabbiner selbstständiger Gemeinden und die Anforderungen au die ״More Zedek" zu begren- --׳ze'n sein. 494 Augen zu prüfen, nnd denselben Qualtfikationszeugnisse zur Führung des Pfarramtes auszustellen; und die ungarischen Juden sollten ein solches Recht, das sich weder mit der Würde der theologischen Wissenschaft noch mit den Anforderungen einer guten Ordnung verträgt, für ihre Rabbinen in Anspruch nehmen wollen? Schulgehilfe in einer Elementarschule kann der junge Mensch erst werden, nachdem er eine ganze Reihe öffentlicher Prüfungen gemacht hat; und das mit vollem Rechte. Geistlicher Führer einer Gemeinde soll er nun werden können, sobald ihn ein obskurer Dorfradbiner, ohne alle und jede Kontrole, dazu autorisirt? Gebildete ungarische Juden werden wirklich schamroth ob solch einer Erniedrigung des Rabbiner- und Judenthums! Sie sagen: Wir streben nach gleicher Berechtigung mit den Christen; nimmermehr wollen wir aber eines Vorrechtes theilhastig sein, welches unmittelbar das Erzeugniß der gänzlichen Zerfahrenheit unserer inneren Zustände, mittelbar aber nichts Anderes ist, als der Ausstuß unserer bürgerlichen und politischen Zurücksetzung, aus deren Schoße keine gesunde Organisation unserer Religionsangelegenheiten hervorgehen konnte. Die'progressiv gesinnten Juden haben indeß der Realistrung des Entwurfes kein Hinderniß in den Weg gelegt. Auch möchten wir vorläufig jede weitere Polemik gegen den Entwurf vermieden wissen. Ueberhanpt gestattet sich ״Ben Chananja" an seine verehrten Mitarbeiter und Berichterstatter die Bitte, die Polemik , die wissenschaftliche ausgenommen, so viel als möglich zu vermeiden, ohne jedoch die heilsame Kontrole, zu welcher die Tagespresse berechtigt und verpflichtet ist, aus den Augen zu verlieren. Seine Freunde und Gesinnungsgenossen bitter er, den Wirkungskreis des ״Ben Chananja" zu erweitern, die Theilnähme für denselben zu wecken und wach zu erhalten. Szeged in, 14. Juni 1864. LHtv. Mräjc M •Mlur־ uni) LitemtiMjWte. Bon Leopold Dukes. IV. H. Jona 11. Ganach und der Targum. Daß die chaldäische Bibelübersetzung (Targum) sprachlich zur Erklärung der Bibel höchst nützlich sein kann, ist bereits von den Talmudisten selbst anerkannt worden, und sie haben bereits auf vielen Seiten praktischen Gebrauch davon gemacht. Jona ben Ganach hat, wie natürlich, ebenfalls oft dasselbe gethan. Wenn in dem vorhergehenden Beispiele (vergl. oben S. 476) sich zeigte, daß der berühmte Lexikograph, eine