Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 23 (8.6.1864)
- Date
- 1864-06-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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483 484 Sowol die Bretterverschallung, als auch die gewölbte Synagoge bestehen noch heutigen Tages. Letztere dient der gegenwärtig aus 41 a u \* genommenen Familien bestehenden Gemeinde noch jetzt als AndachtSstatte zur Zeit der strengen Wintermonaie, während in den übrigen Jahreszeiten in der vor fünf Jahren neuerbanten prachtvollen Synagoge der Gottesdienst gehalten wird. Als Reliquie von den Einrichtungsstücken der alten Svnagoge ging ans die neue blos ein Parocheth über (die Thorarollen brauche ich nicht zu sagen) das die Jahreszahl תלר trägt und also nicht weniger als 180 Jahre alt, gleichwol aber sehr gut erhalten ist. (Schluß folgt.) Prag, Ans. Juni. Hier hat sich seit vielen Wochen nichts ereignet was über das lokale Interesse hinausginge, und eine Theilnahme in entferntern Kreisen zu erwecken geeignet wäre. — Die Antrittspredigt des von Danzig berufenen Predigers Dr. Stein, in welcher er in klarer und gemüthlicher Sprache seiner Gemeinde auseinander setzte, welches Ziel er seiner Wirksamkeit gesetzt und was er zu erreichen anstrebe; was sie von ihm zu erwarten habe, und was er zu leisten verspreche, hat den allgemeinsten Beifall gefunden, und wurde mit Rührung angehört. Es gab sich in ihr der ganze Mann zu erkennen; es drängte sich Jedermann die Ueberzeugung auf, daß man es mit einem wahrhaft frommen ganz ehrlichen Manne zu thun habe, der das, wovon er durchdrungen ist, offen und frei ausspricht, ohne nach rechts oder links zu blicken oder nach jenen wohlfeilen, durch einen Witz leicht zu erringenden Beifall der Menge zu Haschen. Diesen Charakter hatten auch seine andern bisher gehaltenen Fest- und Sabbathpredigten; sie waren voll Innigkeit und Gemüthlichkeit, wahr, und trugen sämmtlich das Gepräge eines Seelsorgers, dem es ernülich zu thun ist, seine Gemeinde nicht zu unterhalten, sondern zu belehren und sich mit ihr ins Einvernehmen zu setzen, über das, was Noth thut, was wahrhafte Religiosität und der Fortschritt der Zeit dringend fordern. Daß unsere hiesige Ketzerriecherei und Richterei aus den gesprochenen Worten gar Manches herauSznwittern sucht und vieles zu tadeln hat, darf nicht wundern, wenn man bedenkt, wie sehr der Geschmack einerseits eines großen Theiles des das Gotteshaus besuchenden Publikums durch die seit Jahren zur Geltung gebrachte, den Verstand zwar anregende, aber Herz und Gemüth ganz unbefriedigt lassende, in Wortspielen und Witzeleien sich gefallende Manier zu predigen, korrumpirt ist, und wie anderseits eine dem ganzen Unternehmen der sich regenerirenden Meiselsynagogengemeinde feindselig gegeuüberstehenden Kotterie es darauf anlegt, den neuen Prediger zu demüthigen, damit die andern in desto größerer Pracht, und Herrlichkeit strahlen mögen, und durch hämische Bemerkungen gegen den Träger des neuen Instituts das Institut selbst zu diskrediliren. Es ist kanm glaublich, aber nichtsdestoweniger wahr, daß unter der Aegide jener Kotterie sich ein förmlicher Spionierverein gebildet hat, deren Mitglieder beordert sind, bei jeder von Stein zu haltenden Predigt anwesend zu sein, und sogleich an Ort und Stelle, nicht etwa, wie es einem gewissenhaften Referenten ziemt, in unbefangener Weise zu referiren, sondern jedes hie und da gesprochene freie Wort, zu mißdeuten und zu verdrehen, und auf Grund dessen Verdächtigungen aller Art in die Welt hinauszuschreien und in jüdischen Blättern und Blättchen wiederholen zu lassen. Aber von all diesem Treiben lassen sich doch nur Wenige beirren, und jeder, der mit den hiesigen Zuständen nur einigermaßen vertraut ist, weiß, was er davon, sowie von der damit in Verbindung stehenden Frömmelei gewisser Individuen äs grege Epicuri zu halten sei, die rechthaberisch und aufgeblasen nach Unten servil und speichelleckerisch nach Oben ihre Politik treiben, und im Renommiren Großes leisten, während sie wahrhaft gedeihliche Leistungen und Bestrebungen Anderer, die mit ihnen nicht Ghoruö machen, todt zu schweigen verstehen. (Schluß folgt.) (2) Teplitz (in Böhmen), Anfangs Juni. In jedem Brunnen- und Badeorte soll man keinen Unterschied der Nationalität und Konfeffion kennen. Wir würden uns auch hier dieser der Humanität und dem Zeitgciste huldigenden Vorzuges ungetrübt erfreuen, Dank der GefinnungStüchtigkeit der hiesigen Bewohner, wenn nicht von Zeit zu Zeit von klerikaler Seite eine Saite angeschlagen würde, um einen Mißton in der Harmonie zwischen den Bewohnern beider Konfessionen hervorznrufen. Als der Anschluß der Judenau die Stadtgemcinde beschlossen wurde, wollte der Ortsdechant P. Tobisch nicht gestatten, daß die israelischt Schule im Gebäude der Stadtschule untergebracht werde und eine Entscheidung des StaatSministeriumS mußte den geistlichen Herrn belehren, daß sein Verlangen ein ihm nicht zustehendes gewesen. Als nach dem Ansspruche der Regierung der israelitischen Schule von Seite der Stadtrepräsentanz die nöthigen Lokalitäten zugewiesen wurden, verweigerte der genannte Herr Ober-, auch Erzdechant im Vereine mit dem Direktor der Stadtschule die Unterrichtsertheilung für die Israeliten in den gewöhnlichen Schulstunden, weil — zu derselben Zeit die aus der Kirche kommenden christlichen Schulkinder mit den israelitischen in Berührung kommen könnten. Ich weiß nicht, ob dies aus religiösen, humanitären oder sanitären Rücksichten geschehen, da sich überhaupt der Standpunkt, auf welchem die genannten Herren bei ihrer Entscheidnng gestanden, weder vom religiösen Standpunkte (Liebe deinen Nächsten wie dich selbst), noch vom Humanitären, noch vom sozialen, noch vom sanitären (es find doch wol nicht alle israelitischen Schulkinder mit einer ansteckenden äußerlichen Krankheit behaftet) rechtfertigen läßt, cs gibt dafür nur einen Staudpunt, der ist jener der alle Prinzipien der Zeit und des Zeitgeistes ncgirendeu Intoleranz. Ein Rekurs an das Culmer erzbischöfliche VikariatSamt blieb ohne Erfolg, es gab den Bescheid, daß es uur bewilligt werde» könnte, wenn ״die israelitische Separatschule" in die bis jetzt vom Magistrate benützten Räumlichkeiten verlegt würde, denn dann würde die Berührung der Kinder beider Konfessionen nicht ftattfinden können; dadurch wäre nach der Ansicht des Herrn Erzdechants der genügende Kordon gezogen, damit die Berührung nicht stattfinde. Der Magistrat ist aber nicht gewillt, in die Intentionen.des Stadtdechants einzugehen, denen selbst die politische Schnlverfassnng sich ergeben muß, da der § 62 die Unterrichtszeit dem jeweiligen Bednrfnisse vindizirt, und nach Herrn Dechant Tobisch's Ansicht die Morgenstunde nur für christliche Kinder Bedürfniß sein darf; es wird demnach die Statthalterei, vielleicht sogar das Staatsministerium entscheiden müssen, ob die israelitischen Schulkinder das Bedürfniß haben dürfen, ihren Unterricht wie seit Dezennien speziell bei ihnen, und wie seit Jahrhunderten in der Welt in den Morgenstunden zu erhalten. Literarische Anzeigen. Ueber die Mosaische Theokratie. Eine kritische und historische Studie. Von Professor Giuseppe Levi in Vereelli. Florenz, Felice Le Monie. 1863. 231. (Jtaliänisch.) Das vorliegende, dem Grafen Cavour gewidmete, Werk zerfällt in vier Hauptstücke: I. Ueber die Mosaische Theokratie. II. Das Volk. III. Das Priesterthum. IV. Der Profetismus. Das I. Hauptstück behaudclt: 1. Die Kriterien der Theokratie; 2. den wahren Charakter der Mosaischen Gesetzgebung; 3. den dreifachen Zweck der Mosaischen Gesetzgebung: Monotheismus, Gesetz, Volk. 4. Eine Konstituante in der Mosaischen Gesetzgebung. 5. Unterschiede und Einheit in der Mosaischen Gesetzgebung (9—40). Das II. Hanptstück bespricht: 1. Die religiöse Autonomie des Volkes; 2. die religiöse Autonomie des Individuums; 3. die Gleichheit, 4. die politische Freiheit; 5. die administrative und richterliche Ordnung (47—73.) Im IV. Hauptstücke wird behandelt: 1. Die Entstehung des Mosaischen PricsterrhumS; 2. die Trennung der zwei Gewalten; 3. die Quelle der Priesterlichen Autorität; 4. die Opfer