Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1864-06-08 · 23 (8.6.1864) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
23 (8.6.1864)
Date
1864-06-08
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2542917-2543121-2543145--3710-2547612
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

479 480 Hält er sich allein zu schwach, um mit den Vertrauensmännern zu reden: ״Die Sympathieen der israelitischen Bevölkerung für das öffentliche Schulwesen zu gewinnen, und Sinn und Opferwilligkeit für dasselbe zu fordern," nun so umgebe er sich mit einem Schulkollegium, in welchem je nach den Verhältnissen ein Jurist, Mediziner, auch ein Kaufmann Sitz und Stimme habe. Der Inspektor gebe aber niemals das Heft aus den Händen, bleibe stets die Seele der Körperschaft, trete jeder Willkür, sei eS in der Gemeinde oder Schule mit Festigkeit ent« gegen, begegne kleinlichen Aeußerungen der Eitelkeit und Anmaßung mit Nachdruck, rüge offen, wenn auch mit Schonung, Nachläßigkeit im Amte, und suche etwaige Zwistigkeiten im Lehrkörper im Keime zu ersticken. Um aber dieses Alles mit Erfolg zu erzielen, muß der Inspektor vor Allem besoldet sein. Mau svreche mir nicht von unbesoldeten jüdischen Gemeindebeamten, wissen wir doch in Oberungarn nur zu gut, was unter Unbesoldung in den meisten Fällen zu verstehen ist.*) Auch glauben wir nicht, daß eS so leicht ist, unbesoldete Schuleniuspektoren zu finden, da dieses Amt mit dem eines Gemcindevorstandes um so weniger zu vergleichen ist, nachdem letzteres von Zeit zu Zeit wechselt und man ein vorzüglicher Roschhakahal sein kann, ohne gerade von Pe-' stalozzi, Palmer oder den Bestrebungen eines Fellenberg, Fröbel oder Diesterweg etwas zu ahnen. Zn Oberungarn finden wir es noch am geeignetsten, wenn der Musterhauptschul-Direktor auch Inspektor der Musterschule und der nahe gelegenen Gemeindeschulen ist, und ihm ein Vizedirektor beigegeben würde, dessen Pflicht es wäre, dem Lehrer-Jnsvektor im Verhinderungsfälle zu supliren. In den übrigen Schulbezirken Obernngarns könnten Rabbiner oder ergraute tüchtige Lehrer zu Inspektoren befördert werden, die selbstverständlich ihren Gehalt aus dem ungarisch-israelitischen Schulfond zu beziehen hätten. Ueber die religiösen Znstände UjhelyS und Umgebung in unferem nächsten Berichte. Ofen, 27. Mai. Wie wir aus einem Schreiben eines Pester Vertrauensmannes an einen Kollegen auf dem Lande ersehen, hat eS die hohe Regierung für gut gefunden, einstweilen die Semi na rängelegenheit zu vertagen. Dem vor Kurzem zurückgetretenen Direktor Herrn Julius Weinberger (Geschäftsmann) in S. A. Ujhely wurde Seitens des hohen kön. ung. Statthaltereirathes auf sein Ansuchen, nachdem er schon in früheren Jahren ein Firum bezogen hatte, für die Dauer eines mehrmonatliche n Wirkens als Schuldirektor in S. A. Ujhely aus dem ungarischisraelitischen Schulfonde 100 fl. ö. W. bewilligt. P. Eseb (Bücser Komitat), im Mai. In dem hiefigen Dorfe wohnen nicht mehr als sechs jüdische Familien; dieselben besitzen aber dennoch eine sehr niedliche Synagoge. Der Grundherr, Nikolaus v. Bezevvdy, schenkte der kleinen Gemeinde den Baugrund im Werthe von 1000 fl. und außerdem noch 2000 Stück Brennziegel. Gott segne den edlen Spender! * Miskolcz, 30. Mai. In der heute flattgefundenen Urversammlung zum Behufe einer Neuwahl der Vorstehung, ist durch Akklamation'der gewesene zweite Vorsteher Herr David Groak emstimmig zum Präses der neuen Gemeindevorstehung erwählt worden. Diese Wahl ist eine höchst glückliche zu nennen. HercD. Groak hat seit zwei Jahren von dem Augenblicke an, als er sich an der Leitung unserer Gemeiudeangelegenherten betheiligte, mit so seltener Ausdauer, er hat bei dem Ausbau unseres neuen Tempels mit solch rühmenswerther Selbstverleugnung mitgewirkt, er hat bei der Begründnng eines geregelten Gottesdienstes und während der ganzen Zeit frecher *j Der dermalen abgetretene Schuldirektor Herr Weinberge! bezog aus dem ungarisch-israelitischen' Schulfonde während der Dauer seines 2% jährigen Wirkens 500 fl. ö. W.. Anfeindungen im Innern und von Außen her, einen so unerschütterltche» Eifer kür die gute Sache an den Tag gelegt, daß die Befriedigung über dessen Wahl zum nunmehrigen Präses eine allgemeine ist. Herr D. Groak eignet sich um so mehr in dieser schwierigen Zeit, wo noch die Gemüther gereizt sind, die Leitung der Gemeindeangclegenheiien in die Hand zu nehmen, als auch die Gegner des Choraltempelü, von der echt jüdischen Richtung des Herrn G. überzeugt sind, und nachdem sie ihren des Lesens und Schreibens unkundigeu Kandidaten nicht durchzusetzen vermochten, sich dem Ersteren mit Vertrauen genähert haben, und wir demnach mit Recht hoffen dürfen, daß eS der neuen Vorstehung gelingen dürfte, alle der Wiederkehr der alten Eintracht in unserer Gemeinde noch entgegenstrebenden Elemente für immer zu beseitigen. Zum zweiten und dritten Vorsteher (Em. Lazär, Leopold Kohn), sowie zum Kassier (S. Kohn) endlich zu Kuratoren (Markus Herz, I. Wassermann, I. Klein) sind ebenfalls unbescholtene, dem gemäßigten Fortschritte geneigte Männer gewählt worden. Obschon wir demnach vollen Grund haben, mit dem Resultate der Neuwahlen uns zufrieden zu erklären, so kann ich doch nicht umhin, zu bekennen, daß die Vorgänge bei der heutigen Urversammlung der Miskolczec Gemeinde ein überaus düsteres Streiflicht auf den Kulturznstand der hier so zahlreich vertretenen, geistig und materiell verkommenen Klaffen der Gemeindeglieder verbreitet hat. Ein Matador unter den erhitzten Gegnern des Choralgottesdienstes nämlich, der Schleppträger pur 6x06116066 der rabbinischen Störefriede von Szikßü und St. Peter, hat mit einer schlauen Geschicklichkeit, die eines renommirten ehemaligen ״Kortes"-Anführer würdig gewesen wäre, seine woldiSziplinirte Schaar in ven Sitzungssaal zu locken gewußt; Leute, die seit Wochen für den heutigen Tag von ihm bearbeitet und gegen Alles, was Bildung und Anstand vertritt, aufgehetzt wurden und zum größten Theile der ärmsten und rohesten Schichte der jüdischen Bevölkerung angehörend, in so unanständiger Weise fich geberdeten, daß eS nur dem klugen und energischen Benehmen des Vorsitzenden landesfürstlichen Kommissärs — Bürgermeister Herr v. L a ßlü —zu danken ist׳ daß überhaupt ein Wahlresultat ermöglicht wurde. Dieses höchst widerwärtige Toben, diese wilden Ausbrüche entfesselter Leidenschaften, welche jeden Bessergesinnten unter dem Seelendrucke von Scham und Entrüstung aus dem Sitzungssaale getrieben hat, bewogen den Herrn Bürgermeister, nachdem derselbe sah, daß nur mehr der SanSculottism. noch vertreten war, die Sitzung aufzuheben und die Wahl der Repräsentanz zu vertagen. Wir hoffen und wünschen, daß die Wahl der Repräsentanten gar nicht mehr im Wege einer wieder einzuberufenden, zu so traurigen Erzeffen führenden Urversammlung stattfinden werde, sondern daß die löbl. Behörde aus der ihr vorgelegten in gesetzlicher und herkömmlicher Weise angesertigten Kandidatenliste, die würdigsten und befähigtesten Gemeindeglieder auSwähleu und ernennen werde. Ich kann diese Mittheilung nicht schließen, ohne einen warmen Nachruf des Dankes und anfrichtiger Anerkennung dem edlen Manne zu widmen, der während der verhängnißvollsten Epoche in unserem Gemeindeleben mit Aufopferung seiner persönlichen Interessen, seiner schwer gefährdet gewesenen Gesundheit, die Sorgen und Lasten eines ersten Vorstehers durch länger als anderthalb Jahre getragen hat: Herrn Jakob KisS. der gewesene Präses unserer Gemeinde, dem selbst die heutige zügellose Wahlversammluug den Dank der Gemeinde für seine Mühewaltung votirte und ins Protokoll verzeichnen ließ. Herr Jakob Ki ss hat sich in dem Herzen aller Gebildeten, aller Freunde des Fortschrittes im Judenthume ein unvergängliches Denkmal des biedersten Gemeinsinnes errichtet, und nichts wünschen wir inniger, als daß eS ihm vergönnt sei, noch lange sich an den zeitgemäßen Neuerungen in Tempe^

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.