Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 23 (8.6.1864)
- Date
- 1864-06-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2542917-2543121-2543145--3708-2547610- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
475 den daher zuvörderst versuchen, uns nach den Anhalts- und Anknüpfungspunkten umzusehen, welche sich allenfalls schon in der biblischen Zeit für die Institution des Rabbinerthums auffinden ließen. Der Standpunkt , von welchem ans man die Kontinuität zwischen der biblischen und nachbiblischen jübischen Geschichte leugnete, und diese Zeiträume durch die Kluft des babylonischen Erils von einander getrennt sein ließ, wurde von der neuern Kritik vollständig überwunden. Auf dem Wege unausgesetzter und gründlicher Forschung gelang es der biblischen Einleitungöwissenschaft, der biblischen Geschichtsperiode neue und weite Gebiete zu annektiren. In Folge dieser nicht ohne vielfachen Widerspruch vollzogenen Annerion liegen nunmehr Jahrhunderte diesseits der Grenzen der biblischen Zeit, welche nach der srühern Anschauung jcns.eits dieser Grenzen lagen. Der jüdischen Religionsgeschichte wurde dadurch ein bedeutungsvoller Dienst geleistet; dieselbe unterließ auch nicht, ihrer emsigern Schwester, der Einleitungswissenschaft, auch von ihrer Seite manchen dankenswerthen Dienst zu leisten. Einzelnes ist allerdings noch unsicher und schwankend; zur unbestrittenen Gewißheit wurde Vieles noch nicht erhoben. So weit ist indeß die Forschung denn doch gediehen, daß sie uns berechtigt, auch die biblische Zeit über die ersten Spuren des Rabbinerthums zu befragen, um erst dann den Entwicklungsphasen desselben aufmerksam zu folgen. Welches ist nun aber die Grenze zwischen der biblischeu und nachbiblischen Zeit? Der Abschluß des Bibelkanons ist nicht geeignet, als pragmatisch-historischer Markstein zu dienen. Die Sammlung heiliger Bücher wurde zu einer Zeit geschlossen, wo die Schulen Schammni's und Hillel's blühten, und die talmudische Richtung bereits tiefe Wurzeln geschlagen hatte (Sabb. 13, b.) Eine solche Begrenzung würde die biblische Zeit über die Gebühr ausdehnen. Dagegen geschähe derselben ungeschichtlicher Abbruch, wollte man sie mit den in die Augen springenden letzten geschichtlichen Berichten der Bibel, also etwa mit der Wirksamkeit Esra's und Nehemia's, beschließen. Manche biblische Schriften, namentlich die Hagiographen, enthalten unverkennbare Bezie- Hungen auf die Hasmonäische Zeit, und insonderheit auf die Zeit Simons des Hasmonäers. Letzterer steht in Wahrheit an der Grenzscheide zwischen der biblischen und nachbiblischen Periode, wenn vielleicht auch einzelne Psalmen aus noch späterer Zeit stammen. Mit der durch ihn errungenen politischen Selbstständigkeit der jüdischen Nation erwachte jenes ängstliche, skrupulöse, exklusive Streben, die Nationalität zu erhalten, welcher die Gefahr gänzlicher Vernichtung gedroht hatte. Christliche Schriftsteller, selbst ungläubige, wie Renan, erkannten nicht, daß ein ähnliches Streben bei jeder lebensfähigen Nation hervortritt, der es gelingt, sich vom Joche einer verhaßten Fremdherrschaft zu befreien. 476 Der nachbiblische Zeitraum, welchem der bei weitem größte Theil unserer Forschung gewidmet sein wird, umfaßt zweitausend Jahre: ein weiter, oft ungebahnter Weg! Gleichwol ist es nicht die Nachsicht kundiger Leser, welche folgende Darstellung in Anspruch nimmt; vielmehr bittet sie um eine strenge, unparteiische Kontrole, welche allein der Wahrheit förderlich sein kann. (Fortsetzung folgt Nr. 25.) Beiträge zur Mtur־ unb Literaturgeschichte. Von Leopold Dukes. IV. Die Vorliebe K. Äona b. Ganach's für die arabische Sprache. Die Zeitgenossen R. Jona's haben demselben seine allzugroße Vorliebe für die arabische Sprache und sein zu häufiges Anwenden derselben auf das Hebräische vorgeworfen. Der- Vorwurf dürfte nicht ganz ungegrüudet sein. R. Jona selbst hat sich dagegen vertheidigt. In dem interessanteu Buche des Herrn 2ld. Neubauer') sind nützliche Auszüge aus R. Jona's arabisch geschriebenen Lexikon mit französischer Uebersetzung mitgetheilt (S. 172 ff.); unter Anderm auch eine Stelle, worin diese theilweise Vertheidigung vorkommt (S. 190. Note.) Uns sei erlaubt, hier eine Stelle (S. 189) auszuheben , und mit einigen Bemerkungen zu begleiten. "זחלתי (Job. 32, 6) ist das arabische ״—זחלetwas ist nicht auf seinem Platze." Von Kameelen gebraucht, heißt es: es ist hinter andern zurückgeblieben. Der Sinn der in Rede stehenden Bibelstelle ist: ״Es ist deshalb, daß ich hinter ihren Worten zurückbleibe." 2) Den Saturn nennen die Araber deshalb ״Soh eil", weil er langsam in seinem Laufe ist." So weit R. Jona. Möge es nun erlaubt sein, folgende etymologische Exposition hieher zu setzen. זחל—fürchten ist mit dem chaldäischen רחל identisch. Es ist synonym von ירא. Die filosofische Etymologie ist bei זחל klarer, als bei ירא. Ersteres heißt ״fließen", wie das talmudische מיס זוהלין—fließendes Wasser 0) beweist. Der allgemeine, dem Worte zu Grunde liegende Begriff ist: ״Bewegung, bewegt sein/") Das angeführte זחלתי heißt eigentlich: Ich bin bewegt; oder mehr speziell: ich zerfließe vor Furcht. Die biblischen Ausdrücke, wie וימס לבב (das Herz schmolz) und ähnliche können als sachliche Parallelen dienen. Das Zerfließen des Herzens ist ein uneigentlicher Ausdruck, der sich in den meisten Sprachen findet. Man hat einst das Zerfließen des Herzens für eine wirkliche Thatsache gehalten, ^) was aber der Sprachforschung gleichgiltig ist. Das נשפך כברי (Klgl. 2, 11) darf ebenfalls als Parallele hieher gezogen werden, wozu im Midrasch zu dieser Stelle etwas Aehnliches bemerkt ist.°) Diese Etymologie könnte man die psychologische nennen. Solche Etymologieen enthalten die ursprünglichen Anschaunngen: die Wurzeln der menschlichen Gedanken und Vergleichungen. Analogie ist für den Grammatiker und Lexikografen das Hauptgesetz. Aus dem vorliegenden Beispiele ist zu ersehen, daß hier das Hebräische vollkommen hinreichend ist.