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Ben Chananja · 1864-06-08 · 23 (8.6.1864) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
23 (8.6.1864)
Date
1864-06-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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473 474 nicht.nur unentgeltlich ausgenommen, sondern derselben auch in diesen Blattern eine ehrenwerthe Stelle eingeräumt. Auch ^e**Utt^en ^en ^rer ^^Je beifälliger diese Preisaufgabe ausgenommen wurde, ,desto auffallender ist es, daß sie in dem gelehrten und gründ- *lichen Deutschland bis zur Stunde ungelöst blieb. Sollte sie gegenwärtig, nach Verlauf von 23 Jahren, an Interesse und Bedeutsamkeit verloren haben? Wir glauben nicht. Vielmehr dürfte jetzt von wissenschaftlichem und praktischem Standpunkte eine gesteigerte, wärmere Theilnahme dafür vorauszusetzen sein. Die historische» Werke verdienstvoller Forscher in Deutschland, Frankreich und Italien, sowie die jüdischen Zeitschriften haben in dem letzten Vierteljahrhundert in weiten Kreisen den Sinn für die Geschichte der Juden geweckt und wach erhalten. Der unleugbar rege Sinn für jüdische Geschichte läßt aber erwarten, daß Aufschlüsse über eine so dunkle und wichtige Spezialität der jüdischen Vergangenheit aufmerksame Leser finden werden. Zu derselben Erwartung berechtigt die praktische, dem Leben der Gegenwart zugewandte Seite der Frage. Die seit 1842 so erfreulich fortgeschrittene Emanzipation, die gehobene soziale Stellung der Juden, das von der konstitutionellen Zeitströmung begüngstigte Streben der jüdischen Gemeinden nach Autonomie in ihren religiösen Angelegenheiten, und die wiederholten Versuche der Judenschaft ganzer Länder, wie der Böhmens, ihr kirchliches Gemeinwesen auf eine umfassende und zeitgemäße Weise zu organisiren; — alles dies ist geeignet, die Aufmerksamkeit gebildeter und einsichtsvoller jüdischer Leser für die wissenschaftliche Beantwortung der Frage zu gewinnen: Was war, was ist, und was soll der Rabbiner sein? Daß die befriedigende Lösung dieser Frage nichts Leichtes sei, wird selbst der Unkundige aus dem Umstande schließen, daß der Preis des Berliner Kultur-Vereines keine tüchtige und berufene Bewerber auf die Arena gerufen hat. Der Kundige bedarf dieses Schlusses nicht. Er kennt die unwegsamen Gegenden, die durchwandert werden müssen, bevor die Forschung zu dem erwünschten Ziele gelangt, und die alten und neuen Vorurtheile, die überwunden werden müssen, um einer historisch geläuterten Einsicht Platz zu machen. Man braucht sich nur kurze Zeit mit jüdisch-historischen Studien beschäftiget zu haben, um zu wissen, daß die Quellen .nicht selten dort versiegen,- wo sie der wissensdurstige Wanderer zu suchen berechtiget ist, und nur an einer entlegenen Stelle fließen, wo man sie nicht vermuthen sollte. Dies ist besonders in der talmudischen Literatur der Fall, welche für den Gegenstand unserer Forschung von maßgebender Wichtigkeit ist. Manche Spezialitäten der jüdischen Religionsgeschichte sind in neuerer Zeit der wissenschaftlichen Forschung unterzogen worden. Für Einzelnes liegen bereits eingehende Ab- Handlungen vor, für Anderes sind schätzbare Materialien gesammelt und zusamengestellt. Unsere Untersuchung entbehrt jeder Vorarbeit. Das Rabbinerthum ist seinem Ursprünge, seiner Entwicklung und seiner Mission nach niemals historisch beleuchtet worden. Was sich in Amtsinstruktionen, Eingaben, Tagesblättern und Streitschriften über den Beruf, die Pflichten und die Rechte des Rabbiners findet, hat nur für die Geschichte der neuern Zeit Bedeutung; auf die historische Ent- Wicklung der Rabbiner-Institution wirft es keinen erhellenden Lichtstrahl. Die einander befehdenden Parteien lassen die Geschichte nicht zu Worte kommen, und wenn sie es in einzelnen Augenblicken thun, legen sie derselben Zeugnisse in den Mund, die ihre Tendenzen begünstigen. Nicht einmal der Ausgangspnnkt unserer Untersuchung ist gegeben. Wann trat die Institution des Rabbinerlhums ins Leben? Wer hat sie gegründet? Welchem Bedürfnisse sollte sie entgegenkommen? Hat die Geschichte des Rabbinerthumö mit dem Zeitpunkte zu beginnen, wo der Titel ״Rabbi" gebräuchlich wurde, was erst gegen bas Ende der zweiten Tempelperiode geschah, oder muß sie in eine frühere Zeit zurückgreifen? Für Letzteres wird sich schon eine flüchtige Kenntniß jener Periode entscheiden. Von we l ch em Zeitpunkte hat nun die geschichtliche Darstellung ihren Ausgang zu nehmen? Es gab eine Zeit, wo man bei Firirung der Ansgangspunkte geschichtlicher Untersuchungen nicht eben skrupulos war. Moses Landau nahm noch 1822 keinen Anstand, seinen ״vorläufigen Versuch einer Geschichte der Schulen der alten Hebräer" mit Adam zu beginnen!*) Selbst Dr. Michael Creizenach erzählte nach 1824 allen Ernstes, daß Abra- Ham und Jsak, die Patriarchen, Akademieen errichteten!**) Landau und Creizenach folgten den im Josefus und in der talmudischen Literatur niedergelegten Sagen und Legenden. Sie setzten in. denselben einen geschichtlichen Kern voraus, während sie nichts Anderes sind, als der Ausfluß einer naiven Anschauung, welcher auch die längst entschwundene Vergangenheit im Lichte der eigenen Gegenwart erscheint, oder einer kindlichen Pietät, die bei der Verherrlichung ihrer Helden der Fantasie einen viel zu freien Spielraum gestattet, als daß sie sich von der kalten und verständigen Auseinanderhaltung der verschiedenen Zeiten und Zonen sollte beirren lassen. Für die Geschichte ist es unerläßlich, sich von Willkürlichen Annahmen und Voraussetzungen fern zu halten. Nur daö wirklich Geschehene gehört in ihren Bereich. Wir wer- *) Bilkure Ha-Jttim 3, 5 ff. **) Geist der Pharisäischen Lehre S. 16.

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