Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 22 (1.6.1864)
- Date
- 1864-06-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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459 460 Znr Feier der Enthüllung dieser Gedenktafel wurde heute eilf Uhr Vormittags ein feierlicher Gottesdienst in unserem ׳Tempel abgehalten, welcher mit Absingung des Mah-Towuh und einem von dem hiesigen Männergesangsvereine, sowol von dessen jüdischen, als auch dessen christlichen Mitgliedern crecntirten Festgesange eröffnet wurde. — Hierauf hielt unser ehrwürdiger Herr Oberrabbiner H. B. Faffel eine sehr gelungene, der Feier entsprechende Festrede. Er entwarf in treffenden Worten ein Bild von Sir Moses Montefiores rastloser Thätigkeit im Dienste der Humanität, und würdigte insbesondere, seine bekannten Verdienste um das Judenthum hervorhebend, von welch günstigem Erfolge seine Reise nach Marokko war, wo es ihm gelang, die Gleichste!- lung unserer Glanbensbrüder und der christlichen Bewohner gleichzeitig zu erwirken. Die Rede brachte auf die das Gotteshaus in allen seinen Räumen füllenden Zuhörer einen erhebenden Eindruck hervor und fand das am Schluffe desselben für das Leben und Wohl des Gefeierten gesprochene Gebet im Herzen aller Anwesenden ein tauseudhältigeS Echo. Nach der hierauf erfolgten Enthüllung sang der Chor nnter Orgel- und Orchesterbegleitung ein von unserem VorstandSmitgliede Herrn Josef Löwy verfaßtes, ausgezeichnet gelungenes hebräisches Gedicht und endigte die schöne Feier mit einem Mischeberach und dem Alenu-Gebet- Der ganze Akt hat allgemeine Befriedigung erregt und können wir unser» Bericht nicht schließen, ohne unserem Vorstände dafür zu danken, daß er durch Veranstaltung dieser Feierlichkeit den Wünschen der Pietät, die unsere Gemeinde für Sir Moses Montefiore hegte, entgegcnkam. Lugos, 27. Mai. Angesichts der in vielen israelitischen Gemeinden sich geltend machenden bedauerlichen Mißhelligkeiten, deren Konsequenzen schon deswegen nichts weniger als erfreulich sind, weil dadurch einerseits die besten Gemeindekräfte zersplittert, und durch betrübende leidenschaftliche Partciumtricbe absorbirt werden, und andererscits, weil sie den Judeusemden die gefährlichste Waffe in die Hand geben, den Juden mit dem Juden zu bekämpfen; muß es dem menschenfreundlichcn Referenten erfreulich sein, Einmal daö Bild des friedlichen und gedeihlichen Fortschrittes einer zwar nicht sehr starken, aber von ihrer Aufgabe vollkommen durchdrungenen Gemeinde zu zeichnen. Das Leben einer Gemeinde liefert dieselben Resultate, wie daö Leben des Einzelnen; nicht die Zahl der Jahre, sondern die in nnö zum Bewußtsein gekommene schöpferische Kraft bildet den Maßstab unserer Reifheit; so auch unsere Gemeinde. Obschon, und vielleicht, weil sie nur eine Vergangenheit, die kaum mehr als ein halbes Jahrhundert zählt, hinter sich hat, gelobte sie sich, ihres eigenen Wohles Begründcrin zu sein, wetteiferte, insbesondere in den letzten Jahren, in Beziehung auf gemeinnützige Zwecke und humanen Anstalten mir ihren Schwestergemeindcn in des Wortes edelster Bedeutung. Als׳ edles Werk der Menschenliebe, hervorgegangen aus dem Fonde der den Israeliten zierenden Opferwilligkeit und Pietät, nennen wir zuvöderst die Erweiterung und Einfriedung unseres Gottesackers; diesem reihte sich der Ankauf eines neben unserer Synagoge stehenden Nachbarhauses an, welches uns außer den zu einem Hospitale zu verwendenden Räumlichkeiten noch eine jährliche Revenue von 500 fl. ö. W. ^uc Erhaltung desselben liefert; und da der diesjährige abgelegte Rech- »ungsausweis durch den nicht zu verkennenden Geist der Ordnung und Genauigkeit ein Plus von 3000 fl. ö. W. erzielte, beschloß die Gemeinde einstimmig, diesen Betrag zur Renovation unseres Gotteshauses und zum Umbau der Mikwa zu verwenden. Mögen diese geehrten Gemeindevorsteher diese Bauobjekte der Vollendung entgegenführen. Wir behalten uns vor, die Namen derselben zu veröffentlichen. Nicht minder glauben wir in der von der Gemeinde schwer errungenen Autonomie in Bezug auf Aufsicht über den Unterricht in unserer dreiklaffigen Schule ein neues Morgeuroth begrüßen zu dürfen, und glaubei, uns zu der Hoffnung berechtiget, bei den diesjährigen abznhaltenden Prüfungen durch die auf dem Boden des Judenthums gewachsenen und an dem Lichte der Erkenntinß gereiften Früchte erfreut zu werden. Schließlich noch ein Kuriosum! Ein mir ganz unbekannter N. N. kam mit einer in Füzesch, Kcaffoer Komitat wohnenden und seit sieben Monaten mit P. P., ebenfalls aus unserem Komitate, verlobten Witwe am 6. d. M-, au welchem nach vorauSgegangenec gesetzlicher Verkündigung die Hochzeitfeier mit P. P. bestimmt gewesen, zu meinem nicht geringen Erstaunen zu mir, bemerkend, daß sie wol mit P. P. sieben Monate verlobt gewesen, und auch während der ganzen Zeit mit ihm im Konkubinat gelebt habe, aber daß sie seiner plötzlich überdrüssig geworden, und beschlossen habe, nicht ihn, sondern N. N. aus Waitzen zu ehelichen. Dieses aller Sittlichkeit Hohn svrechende Geständniß ließ mich die Möglichkeit einer מעוברת חברו ahnen und bestimmte mich zur Vorsicht. Ich befahl dem N. N., um seinen Verkündschein nach Waitzen zu schreiben und erklärte ihnen gleichzeitig, hier die Verkündigung nicht eher vornehmen zu können, bis alle Zweifel gehoben sein werden. Ueberraschend rechtfertigte das Resultat meine Vorsicht: aus Waitzen kam ein Protest gegen seine, aus ihrem Wohnorte, ein Protest wegen מע1ברת חברו gegen ihre Verehelichung; und ich mußte ihnen die vorige Woche den Bescheid geben, daß sie zum Mindesten ל״גבעמר nicht getraut werden können. Allein ich irrte mich gewaltig! ohne mein Wissen gingen sie zum Herrn Rabbiner De. Hirschfeld nach Temesvar, er versprach ihnen, die Ehe zu gestatten, und hat auch am 24. d. M. einige Lage nach seinem Versprechen Wort gehalten. Vergebens warnte ich Herrn Oberrabbiner am selben Tage, als ich hiervon Kunde erhielt, vor der Ungesetzlichkeit dieser Handlung durch ein Telegramm, allein er scheint es entweder zu spät erhalten, oder es teincr Beachtung gewrüdigt zu haben, wenigstens hat es ihm bis jetzt nicht zu antworten beliebt. Daß mein nachbarliches Verhältniß dem Herrn Rabbiner Dr. Hirschfeld so wenig Anstand einflößte, mich zu fragen, warum ich die zu meinem Rabbinate gehörende Witwe nicht trauen wollte, und daß er bei einer ihm unbekannten Frau auf Eben ha - Ezer 13 und 33 nicht dachte, kann ihm vielleicht nachgesehen werden; aber daß ihm auch die im November vorigen JatzreS von der k. ungarischen Hofkanzlei erlassene Verordnung zur Regelung der EhestandSverhältnisse der Jsraeliten in Ungarn ein terra m60»u1tg> ist, bleibt mir ein nicht zu lösendes Nähsel. Salomou Weiß; Kom.-Rabb. NeßprLm, im Mai. Daö jüdische Schulwesen unseres Vater - landeS dürfte in nächster Zukunft in eine neue Phase treten. Die hohe Regierung beabsichtiget, die jüdischen Schulen, deren größter Theil seit 1860 in Verfall gerathen, zu heben und zu beleben, und sie streng z u überwachen. Dies schöpften wir aus einer Quelle, deren Zuverlässigkeit keinen Zweifel aufkommen lässt: Als Sr. Hochwürden Herr von KädaS, königl. Rath und Ober-Schuldirektor des Raaber-DistrikteS, Ende April d. I. die hiesige Stadt besuchte und hier 3 Tage weilte, beschied er den hiesigen Oberrabbiner Herrn A. Hochmutb zu sich, den der Lehrkörper begleitete. Sr. Hochwürden hatten die Gewogenheit sich mit uns 3/i Stunden lang zu unterhalten, und das Gespräch hatte den Zustand der jüdischen Gemeinden und deren Schulen zum Gegenstände. Die Maßregeln der Regierung, die sie in Betreff der israelitischen Schulen zu treffen gedenkt, so wie seine vortrefflichen Bemerkungen über die israelitischen Schulen und Gemeinden, waren von ihm so interessant und geistreich vorgetragen, daß sie unsere Aufmerksamkeit im höchsten Grade fesselten. Unter Andern stellte Sr. Hochwürden auch die Frage׳: ob der von ihm vorgeschriebene Lehrplan eingehalten wird? dieß wurde einstimmig bejahet. Er fuhr in seiner Rede ungefähr folgendermaßen fort: ״Die hohe Statthalterei kennt die Leiden der israelitischen Leh,