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Ben Chananja · 1864-06-01 · 22 (1.6.1864) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
22 (1.6.1864)
Date
1864-06-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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457 458 pels von (Seiten dreier Rabbiner — aus Szikßü, St. Peter und S. A. Ujhely, zur Zielscheibe dient, und worin das Ersuchen gestellt war, Se. Ehrwürden wolle bei einer hohen Landesstelle um Schutz und Ab- Hilfe gegen die drei Schädiger unserer Gemeinde einschreiten. Wenn demnach die ״Ujhelyer Erklärung" in der Eingabe des Herrn Oberrabbiners Meisel eine Verleumdung erblickt, so rührt dieselbe durchaus nicht von dem geehrten Herrn Oberrabbiner in Pest her, dessen Schriftstück nur solchen Thatsachen Ausdruck verleiht, welche das Memorandnm der KultuSvorstehung in MiSkolcz enthalten hat.׳ Thatsache ist es aber, daß Herr Oberrabbiner Jeremias Löw im Bunde der Rabbiner von Szikßü und St. Peter der Dritte war, welcher die Wirren in unserer Gemcinde mit herbeigeführt hat, ja, die Wühlereien der beiden erstgenannten Winlelrabbinerchen hätten nie und nimmer einen Erfolg gehabt, wenn nicht die Autorität des OberrabbinerS von S. A. Ujhely — einer der angesehensten Gemeinde in Oberungarn — das maßlose Auftreten des Rabbiners Hille l und Schreiber unterstützt hätte. Der Oberrabbincc Löw hat zwar nicht formell den Bann über die Besucher des Miskolczer Kultustempels und unfern geliebten greisen Oberrabbiner ausgesprochen; indem jedoch der Rabbi aus Ujhely mit den Rabbinen aus Szikßü und St. Peter — welche beides in der cynischstcn Weise gethan haben — gemeinschaftliche Sache gewacht hat, indem Herr Jeremias Löw mit den eben genannten Zeloten wiederholt geheime Zusammenkünfte gehalten, indem ferner Herr Oberrabbiner Jeremiaö Löw an viele hiesige Mitglieder Briefe über Briefe geschrieben, deren jeder den Kamm der unduldsamen Eiferer in unserer Mitte höher schwellen ließ, und anstatt zum Frieden zu mahnen, eine Slurmpetition an unfern Rabbiner (den neuen Tempel nicht zu besuchen u. s. w.) organisirte, nachdem Herr Oberrabbiner Jeremias Löw dies Alles gethan, war die KultuSvorstehung in ihrem vollen Rechte, zwischen Szikßü, St. Peter und Ujhely keinen Unterschied zu machen und in ihrem Memorandum an Herrn Obcrrabbiner Meisel alle drei Rabbinen der unbefugten Einmischung in unsere Gemeindeangclegenheitcn, und der Wühlerei gegen unser« Frieden und unsere Ruhe bitter auzuklagen. Ob Herr JdremiaS Löw zur Sekte der Chaßidim mitgehöre oder nicht, dies zu untersuchen ist nicht unsere Sache, wer jedoch, wie Herr Jeremias Löw mit den Helden von Makü, dem notorischen Haupte der Ehaßidim, Konferenzen abhält, der scheint uns keinen allzustarken ״Wall" gegen die Chaßidäer zu bilden. Die böse Saat aber, welche die Rabbinen aus Szikßü, St. Peter und Ujhely ausstrcutcn, beginnt trotz aller Anstrengungen der Edeldcnkenden bei uns in unscrm Gemeindcleben üppig emporzuwuchern. Die bisherige Vorstellung, welche die besten und edelsten Kräfte der Gemrinde in sich schloß, deren Mitglieder mit nie dagewcsener Selbstaufopferung dem entfesselten Fanatismus mannhaft Widerstand geleistet, hat sich, durch die Machinationen der Aufwiegler angeseindet und gekränkt, bewogen gefühlt, freiwillig zurückzutreten (am 12. d.) und durch Einberufung einer allgemeinen Gemeindeversammlung auf den 30. Mai eine Neuwahl der VorstehungSmitglieder vornehmen zu lassen. Da bei uns noch Urversammlnngen im Brauche sind — diese wahre Urquelle aller Unordnung und Zerfahrenheit einer jeden jüdischen Gemeinde — und eS männiglich bekannt ist, daß in solchen Urversammlungen die rohe unvernünftige Masse den Ausschlag gibt, so begreifen Sie, daß die Freunde des Fortschrittes dem AuSgange dieser Neuwahlen mit Besorgniß entgegen sieht. Denn gelingt es diesmal, die Anhänger des RabbinertriumviratS von Szikßü, St. Peter und St. Ujhely in unsere Borstehung einzuschmuggeln, dann ist es um den geregelten Gottesdienste iu unserem prachtvollen neuen Tempel und alle zeitgemäßen Institutionen Bei uns auf Jahre hinaus gethan. — Aus der Draugegend. Kleine Ursachen, große Wirkungen! Zu Warasdin wurde ein Vorsteher der Ehevra Kadischa seines Ehrenamtes entsetzt, weil er, dorribls äivtu, in einer rituellen Angelegenheit Herrn Rabbiner Lengöfelder befragte. Wahrscheinlich geht der Vorstand von Waraödin von dem Grundsätze aus: da Gott dem, welchem er ein Amt verleiht, auch den Verstand dazu gibt, so nimmt er ihm den Vorstand, wenn er ihm das Amt entziehet, und da die hohe kroatische Statthalterei die Aufkündigung der Gemeinde gegen den Rabbiner als zu Recht bestehend erklärte, so sei auch daö rabbinische Wissen dkS Herrn L. wegdekretirt, sonach habe sich der Chcvra-Kadischa-Vorsteher schwer versündigt. Ob ich soll sagen: parceque oder qoique, dieser entsetzte Vorsteher der Schwager Sr. Ehrwürden Herrn OberrabbinerS Fasset ist, weiß ich nicht; man ist in der Neuzeit diesem Oberrabbiner zu WaraSdin nicht sehr hold, weil man ihn beschuldigt, er nehme Partei für Herrn Lengsfelder und sei der Verfasser gewisser Zeitungsartikel Wahrlich, ganz richtig sagen unsere Alten: ״Die Liebe verdrehet die Ordnung, der Haß verdrehet die Ordnung." Ich kenne Warasdin, weiß, daß die Gemeinde eine strebsame und opferwillige sei, welches sie beim Synagcgenbau genugsam erwiesen hat; weiß, daß die Mitglieder innig zusammcnbalten und daß Herr Lengsfelder einen großen Theil der Schuld trägt, daß das Zerwürfniß zu einem unheilbaren Riffe geworden ist; aber lo viel hat dieser Rabbiner nicht verschuldet, um eine solche Strafe, wie Warasdin über ihn verhängt, zu verdienen, und noch wer Niger, um einen solchen wuthentbrannten Haß gegen ihn zu rechtfertigen. Ob Herr Lengs selb ec die bitter» und tiefen Kränkungen, welche ihm zugesügt werden, aushalten und überstehen werde, weiß Gott; aber daß manche Herren zu Warasdin, die gegen ihn stürmen, eS einst bereuen werden, das glaube ich zuversichtlich. Ei» obskurer Korrespondent. M. Szegedin, 22. Mai. Mehrfach wird uns nachträglich der wohlthätige Eindruck geschildert. den der von Herrn Primararzt Dr. Rüzsay im ״Magyar izraelitä egylefc“ über das Trinkwasser und die Wasserleitung zu Pkst gehaltene und in Separatabdrücken verbreitete Popnläre Vortrag in sachverständigen Kreisen hcrvorgerusen. Namentlich wird warme Anerkennung der glücklichen Methode gezollt, welche die historische und naturwissenschaftliche Seite des Gegenstandes, der für Pest eine brennende Tagesfrage bildet, nicht nur gemeinfaßlich, sondern auch so anziehend und in so schwungvoller Sprache behandelt, daß eS leicht begreiflich ist, wie sehr die Aufmerksamkeit der Zuhörer gefesselt werden mußte. — Und damit eS bei dieser Gelegenheit auch an dem üblichen kritischen Vorwurf nicht mangle, sei gestattet, von unseren hiesigen, rein örtlichen, vielleicht selbstgefälligen Standpunkte einen kleinen chronologischen Jrrihum zu berichtigen, den nämlich, daß Szcgcdin zur Zeit, als Herr Rozsay den Vortrag hielt, nicht wie angegeben wird, sich mit der Errichtung einer Wasserleitung lebhaft beschäftigte, sondern eine solche damals bereits seit Monaten besaß, deren Früchte die Einwohnerschaft der Stadt auch fortwährend genießt., 12. Gr. Kanizsa, 24. Mai. Heute wurde es ein Jahr, daß Sir Moses Montefiore behufs Erlangung der seither erfolgten Bestätigung der von dem verstorbenen Sultan unseren türkischen Glaubensgenossen verlieheneu Privilegien, nach Koustantinopel reisend, auch hier verweile, und der Miuha-Nndacht in unserem Gotteöhause beiwohnte. — Zur Erinnerung an diesen Tag ließ der hiesige Gemeindevorstand eine schöne mit Passenden hebräischen, ungarischen und deutschen Inschriften versehene Gedenktafel anfertigen, die bestimmt ist. nuferen Tempel zu schmücken und noch später» Geschlechtern Kunde zu geben, daß am heutigen Tage des vorigen Jahres Sir Moses Monsefiore, dieser fromme und begeisterte, trotz seines vorgerückten Alters noch immer »»ermüdete Fürsprecher nnd Beschützer unserer bedrängten und unterdrückten Mitbrüder, an dieser heiligen Stätte sein Gebet verrichtete.

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