Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 22 (1.6.1864)
- Date
- 1864-06-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Beilage zum ״Bei» Chananja" Re. 22 auf, energisch in die Schranken zu treten: כי קכלו עד*1ינו?“1שבר עמודי התורה והיראה אשר העועם נשען עליהם. Die Auth-ntie dieser Worte kann ich Ihnen verbürgen. Non Preßburg erhielt ich die Abschrift eines Briefes, welchen der Rabbiner von Peescncndorf (Diamant) an einen befreundeten Arzt richtete, und worin die Konferenz in den stärksten Ausdrücken getadelt wird, daß sie auch .הלכות נרד in die öffentlich zu lehrenden Gegenstände aufnahm. Das, sagt der Epistograf, ist nie an einer Jeschiwa geschehen! — Dem zum Professor ernannten Dr. Fürst in Leipzig wird, wie ich vernehme, von hier aus eine Gratulationsadresse zugesendet werden. Der in letzter Zeit oft genannte Professor Koralek in Paris, welcher den Prinzen von Frankreich in der Mathematik unterrichtet, hat am hiesigen polytechnischen Jnstitute studirt. Er ist nicht als Kommis nach Frankreich gekommen, und Arago hat ihn nicht ziifällig kennen gelernt; vielmehr hat Koralek, der es hier zu nichts bringen konnte, schon von hier aus eine Arbeit über die Logarithmen an Arago gesendet. 7t. Pest, 29. Mai. Die Lehrer der kön. ifr. Musterhauptschule haben bereits am 1. Mai l. I. das erste Quartal ihres 20perc. Qnartierbeitrages behoben. Die Lehrer der Provinzial - Musterhauptschulen sind diesbezüglich auf die Zeit vertröstet worden, wo d e Ver- Wendung der isr. SchulfonscS bereits endgiltig normirt sein wird. — Dieser Tage ist für die hiesige kön. isr. Lehrerbildungsanstalt von höchster Stelle das Desinitivum herabgelangt. K. Arad, 27. Mai. ״Die Ertreme berühren sich oft im Leben" sagt das Sprichwort, und in der That ist eS auch so. Während in unserer Nachbargemeinde Makü behördliche Assistenz in Anspruch geuommen werden mußte, um den von einer kleinen Partei zur Vereitlung der vom dortigen Vorstande beabsichtigten Einführung eines geregelten Gottesdienstes berufenen Szikßüer Rabbiner Hillet, den nnermüdeten Kämpfer für Nacht und Geisteödunkel, unschädlich zu machen, wird in dem htesigcm Tempel an dem Baue einer neuen großartigen und Prachtvollen Orgel, au der Erweiterung des Chores und zugleich für eine Vermehrung der Tempelsitze durch Aufführung einer neuen Gallerie rüstig gearbeitet. Daß sich bei dieser Gelegenhert die bekannte Munifizenz unseres geehrten Gemeindepräses, Herrn Ignaz Deutsch, wieder bcwährte, glauben wir nicht unerwähnt lassen zu dürfen. Er spendete nämlich ein Paar kostbare Kandelaber, welche die alten, bereits veralteten ersetzen sollen. Nebst diesem Orgelbaue beschäftigt im hohen Grade die Gemeinde der schon seit Jahren angestrebte Bau eines nenen Schullokales. Der Bauplan, eiu äußerst gelungener und vielversprechender, liegt bereits bei der hohen k. Statthalterei zum Behnfe der Flüffigmachung des von Sc. Majestät aus dem ungarischen Schulfonde vewilligteu Anlehcns von 30,000 fl. Sobald diese Geldangelegenheit geordnet ist, wird auch dieser Bau ernstlich in Angriff genommen. Was die Schule selbst betrifft, so geht sie ihren regelmäßigen Gang und hat sich auch der Herr Ober-Stndiendirektor v. Kummer bei seiner letzten hier- . ortigeu Inspektion über deren Leistungen sehr .befriedigt ausgesprochen und ebenso haben diese bei der Semestralprüfung Anerkennung gefunden. Diese Woche wurde auch hier von der Schuljugend ein Maifest — Majalig — unter ziemlicher Theilnahme der Eltern und Ewachsenen abgehalten. ל Aus Vberungavn, im Mai. (Reisebericht II.) Wir besinden uns in Uj hely, in dem Jerusalem Ungarns, in einer aus mehr als 1500 Seelen bestehenden jüdischen Gemeinde. Wenn es überhaupt schwierig ist, Gemeindezustände treu zu zeichnen, so ist dies dort, wo Parteiungen bestehen und Familienadel .gewisse Rechte in Anspruch nimmt, doppelt schwierig. Daß hierbei die wandernde Klasse, die Gemeindebeamten, am schlechtesten wegkömmt, alle ,Lasten der KnltuSgemeinde trägt und keinen Vortheil genießt, ist nur zu wahr. Der jedes 0 malige Vorstand regiert nach herkömmlichem UsuS, ohne Programm und ohne Statuten, wen» ec auch hie und da ei» Fünkchen von Freiheit in seiner Handlungsweise durchblicken läßt. Die ihm zur Seite stehende Repräsentanz sorgt dafür, daß Alles im alten Schlendrian fortgehe und wenn auch hie und da eine Stimme erschallt, die nach Reform in Kultusangelegenheit schreiten, so ist es eben ein. extravaganter Kopf, dessen Ansichten für Ujhely nichts taugen. Wir müssen gestehen, die Genialität, die wir hier fanden, zog uns lebhaft an, wen» anderer SeitS die Apathie, in die Alles gefallen, uns verstimmte. Die Muthlosigkeit läßt nun einmal keine Reform in dieser Gemeinde aufkommen, das Synagogen- und Schulwesen liegt verwahrlost da, und wenn hie und da ein Gemeindeglied sich aufrasst, und auch einige Augenblicke für Schule und Synagoge begeistert ist, so kann man als gewiß annehmen, daß hier materielle Interessen den Impuls gaben. Der Zufall wollte, daß wir in dieser Stadt gerade zur Zeit einer Semestralprüfung weilten, und wenn es uns auch nicht möglich war, bei den Prüfungen in sämmtlichen Klassen anwesend zu sein, so hielten wir es doch im Interesse des Schulwesens Oberungarns für wichtig, wenigstens in der einen oder anderen Klasse anwesend zu sein, um uns persönlich von dem Stande der hier bestehenden Musterhanptschule zu überzeugen. Was uns in erster Reihe überraschte, war der Nmstand, den wic erfuhren, daß nämlich diese junge Anstalt während ihres 4jähr. Bestehens bereits den dritten Direktor besitzt, unter denen der jüngstabgetretene ein Nichtlehrcr (Geschäftsmann) fast 2% Jahre fuugicte. Obwol es an tüchtigen Kräften an dieser Anstalt nicht mangelt, und der Geist, der an dieser Schule herrscht, ein überaus kollegialischec ist, so vermißten wir i» der Knabenschule eine nur einigermaßen der israelitischen Bevölkerung entsprechende Schülerzahl. Nur die Bcvölkerllng der Mädchenschule sucht ihr Kontingent zu stellen und fand in der That unter dem Regime des erst vor Kurzem abgetretene» Direktors Herrn N. der Unterlehrer größtenthcils seine Verwendung als Mädchenlehrer. *) Bei der Jsolirnng des Schulwesens in Oberungarn insbesondere, und der Apathie gegen Alles, was Aufklärung heißt, im Allgemeinen wollen Sie bei der Wichtigkeit des Gegenstandes uns gestatten eine allgemein schwebende Frage, wir meinen die Jnspektoratsa ngelegenheit vom Standpunkte der Pädagogik um so mehr an dieser Stelle einer Besprechung zu tinterziehen, nachdem uns auf unserer Reise in Oberuugarn derartige gesammelte Bemerkungen zu Gebote stehen, die wichtig genug sind, einer ernsten Prüfung unterzogen zu werden. Die Verhältnisse ObernngarnS sind so eigenthümlichcr Art, daß gerade derjenige, welcher Einfluß bei der einen Partei besitzt, mit desto größerer Hartnäckigkeit von der anderen verfolgt wird und ist es dieserhalb schon sehr wichtig, von der Ernennung eines Laieninspektors in dieser Gegend abzustehcn, da diese gerade nothwendig Parteimänner sein werden und die Schule keine Parteianstalt sein darf. (Schluß folgt.) * Vtiskolcz, 22 Mai. Die ״Erklärung" vieler Verehrer des OberrabbincrS Jeremias Löw in S.A. Ujhely (B. CH. Nr. 20) bemüht sich umsonst, letzter» als unschuldig und nnbetheiligt an dem moralischeu Attentat darznstellen, welches gegen die MiSkolczer Gemeinde und ihren neuen KnltuStempel verübt worden ist. Ebenso hämisch ist die Anklage, als hätte Herr Oberrabbiner Meisel aus eigenem Antriebe sich in die Angelegenheit unserer Gemeinde gemischt; unsere Kultusvorstehung war es nämlich, die in einem an den Herrn Oberrabbiner Meisel gerichteten Memorandum die unerhörten und ungerechten Angriffe schilderte, welcher die Gemeinde MiSkolcz seit Errichtung ihres neuen Tem- ") In der Unterklasse befinden sich unter 80 schulbesuchenden Kindern circa 65 Mädchen und 15 Knaben.