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Ben Chananja · 1864-06-01 · 22 (1.6.1864) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
22 (1.6.1864)
Date
1864-06-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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449 450 gewendet werden! Die Berufung auf andere Stellen, — Wie Matth. 5, 32. 19, 9. 1 Kor. 7, 15., — hebt den angeführten Ausspruch nicht auf, wie protestantische Theologen ersten Ranges anerkannt haben. Der Herr Konsistorialrath Pfaff folgt nicht der Richtung Schleiermachers; ohne allen Zweifel hat er aber von diesem großen Theologen den gebührlichen Respekt. Schleiermacher sagt nun: ״Jesus hat uns die Befugniß zur Ehescheidung nicht gegeben; er sagt, wer sich von seinem Weibe scheidet,׳ ist ebenso anzusehen, als bräche er die Ehe; denn was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.Was folgt also, wenn doch bisweilen ein ängstliches Hilfsgeschrei ertönt, daß durch Trennung der Ehe einer Qual, die nicht zu ertragen ist, ein Ende gemacht werde? Was anders, als daß wir freilich, weil die Obrigkeit die Klage hört und annimt, geschehen lassen müssen, was wider des Herrn Willen geschieht." Ferner: ״Moses war für sein Votk nicht nur der Stifter des Gottesdienstes und ver heiligen Gebräuche, sondern auch der bürgerlichen Verfassung desselben, und es war nur in der letzten Eigenschaft, daß er die Ehescheidung erlaubte, um der Herzenöhärtigkeit willen, welche er in der ersten Eigenschaft zu bekämpfen suchte. Gerade so verhält es sich bei uns. Allein freilich ist es ein Anderes, solche Trennung zu gestatten, und gestatten, daß die Getrennten mit Andern einen neuen Bund der Ehe schließen können. Und hier können wir den Unterschied nicht leugnen; solche Verbindungen segnet die römisch-katholische Kirche nicht ein, die unserige hingegen thut es. Aber indem sie es thut, gehorcht sie der Obrigkeit, und ein anderes ist gehorchen, ein anderes ist billigen." Deutlicher, als es hier geschieht, kann wol nicht gelehrt werden, daß im diametralen Widerspruche zu der Theorie des Herrn Konsistorialraths Pfaff die bezüglichen Staaten den Kanon des Neuen Testamentes in ihrer Legislatur nicht aufrecht erhalten. Schleiermacher schrieb aber schon am 17. April 1799: ״Die Vernunft fordert, daß Alle Bürger sein sollen, sie weiß aber nichts davon, daß Alle Christen sein müssen." (Werke 5, 8.) Wir wollen dem Herrn Verfasser auch ein anderes, noch lehrreicheres Beispiel in Erinnerung bringen. Der Apostel Paulus schrieb an die Kolosser: ״Ziehet den alten Mensche» mit semen Werken aus und ziehet den neuen an, der da erneuert wird zu der Erkenntniß nach dem Ebenbilde dessen, der ihn geschaffen hat. Da ist nicht Grieche, Jude, Beschneidung, Vorhaut, Barbar, Scythe, Knecht, Freier, sondern Alles und in Allen Christus." (Kal. 3, 9—11. vrgl. Gal. 3, 28.) Wird nun in dieser Rücksicht der Kanon des Neuen Testamentes in der Legislatur der christlichen Nationen aufrecht erhalten? Hört man beim Prager Landtag den Ruf: hier ist nicht Czeche und nicht Deutscher, bei der Londoner Konferenz den Ruf: hier ist nicht Däne und nicht Deutscher, und in Petersburg und Warschau den Ruf: hier ist nicht Pole und nicht Russe? Die ganze Theorie des Herrn Verfassers reduzirt sich somit auf pietistischen Phraseu. Der ״christliche Geist" und der ״jüdische Geist" stehen sich auf dem Standpunkte der Kultur nicht feindlich gegenüber, wie der Herr Verfasser annimmt; vielmehr gehen die beiden Geister in Allem, was die soziale, bürgerliche, industrielle und wissenschaftliche Ent- Wicklung betrifft, Hand in Hand, wie denn auch verständige und gebildete Christen und Juden in diesen Beziehungen Hand in Hand gehen. Der Herr Konsistorialrath scheut sich nicht, über dieses gute Einvernehmen zwischen Juden und Christen den Stab zu brechen. Er hält die Betreffenden für ״Individuen, welche mehr oder weniger den konfessionellen Standpunkt verließen, und sich in einer rationalistisch-naturalistischen Auffassung begegneten." (S. 90.) Das alte Lied des Fanatismus! Manasse ben Israel widmet sein Werk ״Israels Hoffnung" (מקור. ישראל) dem englischen Parlamente * *), wofür ihm Middelser nicht nur im Namen des Parlaments dankt, sondern ihn in dem ihm zugesendeten Schreiben ״seinen werthen Bruder" nennt. Der Fanatiker Schudt kann dem Engländer dies nicht verzeihen, und nennt ihn einen Judentzer! Gaspar Barläus, Professor der Filosofie und Beredsamkeit in Amsterdam (gest. 1648) ist, gleich mehreren christlichen Gelehrten, mit Manasse befreundet, und richtet folgende Worte an denselben: ״Allen gebühret es. Gott zu verehren! — Nicht Einem Jahrhundert, Einem Stamme nicht nur legen wir Frömmigkeit bei. Ob wir verschieden auch denken; wir leben dem Ew'gen als Freunde, Und der erleuchtete Kopf hat überall seinen Werth. Dies ist meines Bekenntnisses Ausdruck, dies glaube Manasse, Also bin ich Christ, so du Abrahamid!" *) Barläus mußte aber diese duldsame Aeußerung schwer büßen. Nikolaus Vedelius und Andere fielen über ihn her und warfen ihm vor, sich durch Blashemie versündigt zu haben! Dies geschah in der Mitte des siebzehnten Jahrhunderts. Ro thschild's Wahl in'S englische Parlament erfolgte aber in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, und der Herr Verfasser sagt dennoch darüber, daß ״Herr v. Rothschild bei vier Wahlen der Stadt London gegen das bestehende Recht die Stimme zu erhalten weiß, und im Unter- *) Supreuao Angliae concessus Parliamento ejusdemque Beipubiicae Status consilio Honorando salutem ac felicitatem a Deo apprecatui Menasse b. J.״ S. Steinschneider Catal. Bodl. p. 1649. *) Cunctorum est coluisse Deum, non unius aevi Non popul i unius credimus esse pium. 8i sapimns di versa, Deo vivaams amici, Doctaque mens pretio eonstet ubique suo. Haec fidei vox summa meae est, haeo crede Menasse Sic ego Cbristiades: sic eris Abramides. 8. Wolf Bibi. hebr. 1, 779. M. ha׳Musteach S. 295.

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