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Ben Chananja · 1864-05-25 · 21 (25.5.1864) · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
21 (25.5.1864)
Date
1864-05-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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435 436 Gemeinde, sondern die ganze Jndenschaft Mährens mit Stolz den. ihrigen nannte. Derselbe hieß Rudolph Kolisch, ein Mann von erfinderischem Sinne, von seltenen Geistesgaben und eminenter Beredsamkeit, von ungewöhnlicher Umsicht und Ginficht; ein Mann, der wegen seiner Humanität und Herzensgüee, Gastfreiheit und Menschenfreundlichkeit allgemein geliebt und gelobt, geächtet und geschätzt ward; ein Mann, der vor Könige hätte hintreten können, der vor Könige hingetreten wäre für das Wohl seiner Brüder. Seine Muttergemeinde war Koritschan, von da war er im Jahre 1848 nach Brünn übersiedelt, wo er das TageSblatt der ״Tageökourier" herausgab; sein letztes Domizil war Göding. Obgleich er die Institute und Institutionen dieser Gemeinde mit matericllen und geistigen Mitteln unterstützte, hing er doch mit festen und unauflöslichen Banden an seiner Muttergcmeinde, und unterstützte ihren Kultus mit lobenSwerther Munifizenz. Herr Kolisch hatte Umgang mit hohen Beamten, wurde in hervorragenden amtlichen Kreisen besonders geachtet, das hinderte ihn aber nicht, seiner väterlichen Religion mit unerschütterlicher Pietät anzuhangen. Er war stets bei der Hand, wo es galt, zu rathen, sich zu verwenden, einzustehen. Wae seine Vermögensumstände betraf, war er Besitzer eines Kohlenbergwerkes und Theilnchmer einer Zuckerfabrik. Die Leiche dieses allgemein bedauerten Mannes wurde auf sein Verlangen nach Koritschan transferirt, bei welcher Ge« legenheit ganz Göding und Koritschan ohne Unterschied der Konfession dem Hcimziehenden daS ehrenvollste Geleite gab. Gleiche Ehre wurde dem theuern Verblichenen beim Durchzuge in Gaya erwiesen. An seinem Sarge hielten die Rabbiner aus Gaya, Hollitsch und Butschowitz ergreisende Reden; die Rede des FunktonärS Dr. Duschak brachte eine erschütterude Wirkung hervor. K. Hradifch Ihr geschätztes Blatt bring! oft treue und authentische Berichte über mährische Zustände, namentlich über Verhaltniffe der ttt großen und angesehenen Städten konstituirten Gemeinden, welche Städte in den vormärzlichen Zeiten den Juden hermetisch verschlossen waren, geschweige, daß sie für ein jüdisches Gemeindeleben geeignet gewesen. Auch hier befindet sich ein Synagogenverein, der bereits über 40 Familienväter auö den verschiedensten Gemeinden rekrutirt, zählt. Sie versammeln sich in einem gemieiheten herrlichen Betsaale mitten in der Stadt, ein geregelter harmonischer Chor mit dem Vorbeter Kohn, dem Vater des berühmten Kantors in Ungarn, vul^o Cohnele, gibt dem Gottesdienste Weihe und Würde Würde ein Prediger hier das göttliche Wort verkündigen, die Leute würden sicherlich, im Falle er über die Heiligkeit des Sabbaths predigte, nach seinen Worten Händeln. An der hiesigen Realschule ist ein sehr tüchtiger ReligionSlehrer angestellt, Herr Grünwald aus Bisenz. Der Direktor dieser Schule, frei von jedem religiösen Vorurtheile, zeichnet die jüdischen sehr fleißigeu und eminenten Schüler bei jeder sich ihm darbietenden Gelegenheil aus, und als ihm dieser Umstand von dem Schulaufseher vom geistlichen Stande so vorgehalten wurde, als ob er die Juden besonders begünstigen und absichtlich auszeichnen wollte, verwahrte er sich öffentlich gegen eine solche Zumuthung mit der Hinzufügung, daß er die Verdienten auch in der Folge immer auszeichnen werde, ohne nach der Konfession zu fragen, und in so lange die jüdischen Studenten durch Fleiß und Talent hervorragen werden, werde ihnen die gebührende Ancrkennung zu Theil werden. Literarische Änzeige». Sieben Predigten von Dr. Hermann Lippfchitz, Rabbiner in Butschowitz. Besprochen von אסת- . Die Drucklegung der Kanzelreden pflegt in der Regel aus einem der folgenden Motive zu geschehen. Zuvörderst von renvmmirten Predigern, um einerseits ihre erhabenen Ideen einem größeren Publikum zügäNglich zu machen und anderseits den angehenden Predigern, den Neulingen im Amte, klassische Nachahmungsmuster zu schaffen. Sodann auch von nicht renommirten Predigern, besonders GelegenheitSreden, um hierdurch Alle» , die an einem erhebeuden feierlichen Akte Antheil genommen, eine bleibende Erinnerung zu schaffen, und endlich von jungen, gänzlich unbekannten Predigern, um hierdurch ihren Namen in der Welt zu verbreiten. Nach dieser Vorausschickung wollen wir uns an die Beurtheilung der vorliegenden Reden machen. Die ersten beiden Fälle sind hier nicht anwendbar; denn erstens sind es.keine GelegenheitSreden» und zweitens ist es schwerlich anzunchmen, daß der Verfasser, der selbst ein Neuling im Amte, klassische, in Form und Inhalt vollendete Mnsterreden zu schaffen geglaubt habe; eS bleibt demnach nur der dritte Fall, und wir hätten gewiß keine Gelegenheit genommen, dem jungen Rabbiner in seinem verzeihliche» Streben »ach Ruhm und Ehre, entgegenzutreten, wenn der Verfasser, dieser Reden nicht mit einer Prätension über ältere Amtögenossen den Stab brechen würde und wenn er nicht anderseits gegen den wahren Geist der Religion, gegen Anstand und guten Geschmack zu sündigen stch erlaubt hätte. Was ist es anders, als eine prätentiöse Verurtheilung und Schmähung älterer Rabbinen wenn der Verfasser in seiner Antrittsrede S. 14 wörtlich sagt: ״Diese Uneinigkeit zwischen Rabbiner und Gemeinde rührt mitunter davon her daß der Seelsorger entweder durch nnfrommes Leben die Ehrfurcht seiner Gemeiude verliert, oder durch lieblose Werke ihre Liebe verscherzt, oder durch Handlungen des Eigennutzes in der allgemeinen Achtung finkt." Hat der angehende Rabbiner sich denn gar nicht gefürchtet, daß man ihm das Sprichwort entgegenrufen kann: Wer da spricht von seiner Mischpachah ,e.? und sollte der Herr Rabbiner nicht wissen, daß solche Mißhelligkeit noch weit mehr durch überfrommes Verhalten gewisser Rabbinen entstehe, durch starres Festhalten an eingeschlichencn Mißbräuchen, durch gewaltsames Zurückdrängen ihrer Gemeinden in die-bereits abgelegten Unsormen? daß es Rabbiner gibt, die aus übelverstandener Frömmigkeit ihre Gemeinden wegen eines zu viel gesagten |בואי כלך oder wegen des abgeschafften Bamah madlikin vor der nichtjüdischen Behörde belangen? Der Herr Verfasser scheint ja dieser Klasse von Rabbinern nicht ganz ferne zu-stehen; denn S. 17 sagt er selbst: ״Wenn vielleicht in den traurigen Zeiten religiöser Verirrungen auch hier manche, dem Geiste des geschichtlichen JudenthumeS widerstrebenden Neuerung sich eingeschlichen haben sollte, so traget kein Bedenken, diese aus euerer Mitte zu entfernen." Ja! ist es nicht eine Schmähung und eine Jgnorirung seines Vorgängers im Amte, des bekanntlich konservativen Herrn Dr. Löwenstein, wenn der Redner fortfährt, ״wenn während du ohne geistliches Oberhaupt warst, sich vielleicht Mißbräuche, Jrrlhümer eingenistet haben re." Ist denn sein Vorgänger nicht des Nomens eines geistlichen Oberhauptes würdig? Und haben die gottesdienstlichen Formen der Gemeinde Buschowitz nicht alle unter Rabbiner Löwenstein bestanden? Wenden wir uns jedoch den Reden selber zu! Seine Antrittsrede nennt der Verfasser הנשואין den Ehebund. Der Vergleich des RabbinatS-AntritteS mir dem Ehebunde ist zwar nicht neu (Wir erinnern an die Antrittsrede des Dr. Meisel in Pest) allein der Verfasser kann das Verdienst in Anspruch nehmen, diesen Vergleich bis zum höchsten Grade der Geschmacklosigkeit verzerrt zu haben. Oder zeigt es etwa von Geschmack, wenn der Rabbinerbräutigam seiner Gemeindebraut förmlich קדושין gibt und die Trauungsformel: הרי את לכו׳ ansspricht? Zeigt es etwa von Geschmack, der Gemeindebraut vsfcnilich שאר כסות דעיכה zu versprechen oder Verse zu zitiren, wie da sind □1 ותכס בצעיף ותשב בסתרן עיני. B. M. 38, 14. Wahrlich der Verfasser muß von seiner Gemeinde eine sehr schlechte Meinung haben, wenn er glauben konnte, daß in seiner Gemeinde nicht Leute vorhanden find. die da wissen, was ,עתר bedeutet und daß der zitirte

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