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Ben Chananja · 1864-05-25 · 21 (25.5.1864) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
21 (25.5.1864)
Date
1864-05-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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427 428 einheimisch und bestand lange Zeit. Die dieser Sitte zu Grunde liegende Anschauung ist nicht genau bekannt. DaS Faktum hingegen ist vollkommen konftatirt. Dieses stille oder schweigende Beten hat den Namen Bage.') Dieser Name beweist, welche Wichtigkeit man der damit bezeichneten Sache beigelegt hat. Es dauert allenthalben lange Zeit, bis ein allgemeiner Begriff eine besondere Benennung erhält. Ein Kalif sagte bei einer gewissen Gelegenheit zu Jemanden: Du murmelst wie die Magier! 2) Auch dies beweist, wie tief diese Sitte wurzelte, und zwar noch in späterer Zeit. Hier bringen wir aber diese Sitte deshalb in Erinnerung, weil dieselbe schon im Talmud vorkommt. Der Talmnd führt nämlich das Sprichwort an: Der Magier murmelt und weiß nicht, was er murmelt!^) Diese Talmudstelle ist als die älteste Notiz über die in Rede stehende Sitte zu betrachten. Wie in vielen anderen Beziehungen hat sich der Talmud auch hier als eine.Quelle für die Erkennmiß von Kulturzuständen entfernter Zeiten und Völker erwiesen. Auf manche hieher gehörige Talmudstelle haben wir bereits die Aufmerksamkeit der Leser .gelenkt; anderes soll später vorgeführt werden. II. Eine auf ft. Hai Gaon zurückgeführte filosofische Doktrin. Der belesene aber etwas geschwätzige Moses Votarel führt in seinem Kommentar zum Buche Jezira (S. 77) eine Stelle an, welche nach seiner Angabe von dem Gaon R. Hai herrühren soll. Das Buch, worin diese Stelle zu lesen wäre, ist nicht angegeben. Dieselbe ist in vielfacher Beziehung interessant. Wir beschränken uns aber , um den Raum zu sparen, darauf, folgende Worte hervorzuheben: ובזה ישכיל האדם בעגולה רעיונית כי העולסלאנפל במקדה .אבל מסדר אהד סדרו באופן התקין והוציאו מאין ליש ״Dadurch erkennt der Mensch, in einem Gedankenkreise (עמלה רעיונית), daß die Welt nicht durch Zufall entstanden ist, sondern daß ein Ordner ste in höchster Vollkommenheit geordnet und aus Nichts in die Wirklichkeit gerufen hat." Dieser Gedanke ist die Grundlage aller Religion; er ist zugleich auch eine der Grundideen der Filosofie. Der Gedanke ist uralt. In filosofischer Form findet er stch in jüdischfilosofische» Büchern der arabischen Periode. 4) Das Bemerkenswertheste in der angeführten Stelle ist der Ausdruck עגולה רעיונית. Derselbe ist interessant und anschaulich; er steht aber ganz vereinzelt da. Der Ausdruck ist aber der Titel eines berühmten Werkes von B arthaliu si?) ') D'Herbelot Art. Bage. Spiegel Glossar Art. לאן. *} Jbn Ehallieau I. S. 431. 3) Brgl. unsere Blumenlese S. 235. Nr. 617. Das Wort ״Zauberformeln׳ ist daselbst zu streichen. Das Sprichwort lautet: רטין מגושא ולא ידע מה רטין lSota 22. L.) (Gestützt auf Thargum SM. 18. 11. Ps. 58, 6.. S. Burtof'S Lerikou 2250, möchten wir die frühere Uebersetzung unseres sehr gelehrten und verehrten Mitarbeiters in Schutz nehuien. R e d.) Brgl. auch die Stelle von Jos. Kimchi, welche wir in unferem Salomo b. Gabirol.S. 111 angeführt habe». Anderswo mehr über diesen Gegenstand. s) Eine ausführliche Notiz über dieses interessante Buch haben wir. im Literaturblatt des Orients 1842 S. 620 gegeben. Jos. Caspi. Ammude Kesef S. 70, heißt es schlechtweg: ספד העגולה Eö ist bemerkenswerth, daß Jbu Challikan dieses Buch nicht erwähnt. S. II, 61. Es scheint, daß es kein bestimmt ausgeprägter arabischer Ausdruck war; möglich, daß der genannte arabische Filosof ihn zuerst bildete. Man kann diesen Ausdruck als den Stempel einer Zeit betrachten , wo alles Studium auf Logik und Dialektik reduzirt wurde. Daß R. Hat Gaon einen so seltenen Ausdruck gebraucht haben sollte, ist unwahrscheinlich. Es könnte dies bescheidene Zweifel gegen die Echtheit der Stelle veranlassen. 3 * * 6 7 8) Man hat Moses Botarel für einen Fälscher gehalten; es ist aber dazu kein hinlänglicher Grund vorhanden. Derselbe hat viele untergeschobene Werke vorgefunden, welche er, gleich seinen übrigen Zeitgenossen/) ohne Kritik für echt gehalten hat. Es möge hier noch bemerkt werden, daß Salomo b. Gabirol den Ausdruck עגולה י והגית geistiger Kreis gebraucht,ר was. aber mit der עגולה דעיוגית nichts gemein hat. Auch Dante spricht von Kreisen.°) Es find Gedankenkreise, die durch die Geschichte der.Menschheit sich fortbewegen. Sie rollen vor den Augen des Historikers hin. Moses Botarel erwähnt auch'») einen Spruch des Aristoteles, den er, ohne ihn namentlich anzuführen, als das Haupt der Filosofen (ראש הפילוסופים) bezeichnet. Wo dieser Spruch bei Aristoteles vorkommt, und ob er überhaupt in dessen Werken zu finden ist, können wir nicht angeben, derselbe befindet sich übrigens auch in dem so oft benutzten Mibchar Penittim und lautet: אל תמסרו ההכמה למי שאינו ראוי לה ״ פן חחמסוהUeberliefert die Weisheit nicht denen, die ihrer unwürdig sind; ihr könnet sie dadurch (ihres Werthes) berauben." n) Dieser Spruch selbst ist ebenfalls der Ausschnitt eines Gedankenkreises^ welcher sich sehr lange durch die Welt bewegte. In der Betrachtung der Sprüche des Sertius werden wir Gelegenheit haben, die kulturhistorischen Zusammenhänge dieses Satzes zu zeigen. Einige Fragen in Bezug auf die kön. israelitische Lehrerbildungs-Anstalt. Von Israel Bargella. I. Soll an der königl. israelitischen Lehrerbild ung S-A nstatt der zweijährige Kurs fortbestehen, oder soll eine längere Lehrzeit eingeführt werden?׳ So viel wir uns erinnern, haben sich die meisten Stimmen, welche sich in älterer oder neuerer Zeit über den beregten Gegenstand vernehmen ließen, im Sinne der zweiten Hälfte unserer Frage auSgesprochen. Ein zweijähriger Kurs, meint man, ist bei der geringen Vorbereitung, mit welcher die meisten Lehramtskandidaten in die Anstalt 3) Die vorhergehenden Zeilen mögen zugleich als Ergänzung des Aufsatzes ״R. Hai und der Katholikos" in diesen Blättern Nr. 5, S. 102 ff. dienen. In Bezug auf den Katholikos bemerken wir nachträglich, daß,פהותא Da». 3 , 2. im Midr. R, znm Hohenliede 7, 16. mit קאתליקי erklärt ist (S. auch Geigers Urschr. S. 116 ff. 492. Red.) 7J Die Araber hatten sehr viele unterschobene Werke, wie aus vielen Stellen bei D'Herbelot zu ersehen ist. 8) An mehreren Stellen des Mekor Chajjim. 3) Paradies, Ges. 3. V. 115 ff. Es ist das mehr allegorischer Natur. >°) Im Vorworte des angeführte» Kommentars zum Sefer Jezira. ") Auch Menachem Melri in seinem sehr schätzbaren Kommentare zu dem Spr. Sal. 10, 6. führt die Stelle an, und zwar korrekter, als die gewöhnlichen Ausgaben.

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