Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1864-05-18 · 20 (18.5.1864) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
20 (18.5.1864)
Date
1864-05-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2542917-2543121-2543142--3675-2547574
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

415 416 auf dieselbe nicht unvorbereitet, und haben auch eine Antwort darauf mitgebracht. — Es gibt manche Stellen des Talmuds, welche als Brücke dienen können, die Sachen zu verbinden. Zn den talmudischen Worten (Sottah 9, 3) מוליכין הגרף ״ אצלחראשMan führt den Körper zum Kops" liegt der Gedanke, daß der Kopf als die Hauptsache zu betrachten sei. Es ist diese Stelle als die nächste Parallele zu der in Rede stehenden Entscheidung zu betrachten. Auf anderen Seiten finden fich andere hier zu benützende Stellen zerstreuet. 4) Der Magistrat wußte nichts von der talmudischen Stelle, dieses erhöht den Werth seiner Entscheidung und gibt derselben auch das allgemeine Interesse. So begegnen fich die Zeiten, deren Einheit und Mittelpunkt der menschliche Verstand ist. Der bereits angeführte talmudische Spruch ״der Körper folgt dem Kopfe", könnte so anwendungsweise in kulturhistorischer Beziehung gebraucht werden. Korrespondenzen find Kinder des Augenblicks. Selten bindet man ihnen schweres literarisches Gepäck unter die Flügel. Wir haben diese Sitte auch hier befolgt. Dr. Jemand. zz Paris, 6. Mai. Die Alliance versendete soeben eine Einladung zu der Mittwoch am 31. Mai abzuhaltenden Generalversammlung. Tagesordnung: Rede des Präfidenten. Bericht über die Arbeiten des Vereins. Rechenschaftsbericht. Eine Motion bezüglich der Aenderung zweier Punkte der Statuten. Berathungen über Vorschläge des Bureau. Der Ort der Versammlung wird sväter bekannt gegeben werden. Wenn einer Ihrer Leser mittlerweile nach Paris kommt, und die gute Gelegenheit benützen will, der Generalversammlung beiznwohnen, so kann er in der me d’Enghien, 23, täglich von 1—2 Uhr — Samstag und Sonntag ausgenommen — über Alles, was ihm in dieser Richtung zu wissen wünschenswerth ist, erschöpfende Auskunft erhalten. Ich brauche wol kaum zu erwähnen, daß daselbst jedem Fremden mit liebenswürdiger franzöfischer Manier begegnet wird. — Paris, 8. Mai. Die Alliance fährt fort, das Publikum von ihrem rühmlichen Wirken genu zu unterrichten. Soeben erschien der Bericht über die im ersten Trimester des l. H. gehaltenen Sitzungen des ZentralkomitüS. Wichtigstes aus der Sitzung am 19. Jänner: Kamondo in Konstantinopel meldet die Koustituirung eines Zentral-Komitös für die Türkei. Benzion Lion in Jerusalem berichtet über die Gründung eines Lokal-Komilös daselbst.. Dasselbe berichtet Hirsch aus Rirheim. Der franzöfische Vizekonsul Nahon in Tötuan verspricht die bevorstehende Einsendung einer großen Liste neuer Mitglieder. Sein Vorschlag, zur Besetzung der Schuldirektorstelle in Tanger einen Konkurs anSzuschreiden, wird angenommen. Die Schule zu Bagdad wird eine Subvention erhalten. Verhandlung über die Gräberfrage in Jerusalem. Die Bitte der portugiesischen Gemeinde zu Hebron, die Mißbräuche bei den Vertheilungen der eingelaufenen Spenden betreffend, wird an das Komits in Jerusalem gewiesen. Daö Blatt ״Le foyer israelit#' wird unterstützt werden. An Montefiore wird eine Beglückwünschungsadrrsse. gerichtet. Wichtigstes aus der Sitzung am 16. Febr.: S. H. G o l d s ch m i d t offerirt für jede im Oriente und in Afrika zu gründende Schule jährl. 500 fl.; Albert Cohn zu gleichem Zwecke jährl. 100 fl. und außerdem 50 fl. für jede von der Alliance ins Leben gerufene Schule. Dalsaces Stiftung von 400 fl. zu Gunsten der Alliance. Für die Schuldirektorstelle in Tanger wird Herr Bernhard Levi vorgeschlagen. Crömieur kündigt an, daß ec sich, sobald die günstige Jahreszeit eintritt, nachBukarest begeben werde, um die Sache der Juden zu vertreten. Die Herzen aller Juden schlagen ihm dankbar entgegen. Wichtigstes aus der Sitzung am 8. März: Ustel in Gallipoli meldet die bevorstehende Gründung eines Lokal-Komitös. Der Mädchenschule zu T6tuan wird eine jährliche Subvention von 600 fl. votirt. Zur Verbesserung der Lage der palästinensischen Juden werden Daten und Vorschläge gesammelt. Intervention des Komitös zu Gunsten der marokkanischen Juden beschlossen. Zulassung der Juden in die türkischen Militärschulen, worüber das Zentcalkomitä der Türkei zu vernehmen ist. In der Walachei und in Serbien wird das Komitö den Juden feine Fürsprache angedeihen lassen. Der Bericht ist unterzeichnet von dem Präsidenten Crömieur und dem Sekretäre Leven. Konstantinopel, im April. Das KomitS der ״Alliance Jsraelite" zu Konstantinopel hat in der Absicht, den zur Osterzeit in Smyrna regelmäßig wiederkehrenden Judenverfolgungen vorzubeugen, kurz vorher mit den griechischen Patriarchen und dem Gouverneur von Smyrna eine Korrespondenz unterhalten, welche wir hier im Auszuge folgen lassen. — Das erste Schreiben, von dem Vorstande des Komitös, A. Camondo, an den Patriarchen in Stambul gerichtet, sagt: ״Soeben (31. März) erhalten wir aus Smyrna die traurige Nachricht, daß die Verfolgungen gegen die Juden bei dem Hrrannahen der Osterfeiertage wieder beginnen, und daß unsere Brüder den Mißhandlungen der griechischen Bevölkerung ausgesetzt sind, welche einer von allen Gebildeten verachteten Fabel noch immer Glauben schenkt. Immer ist die Stadt Smyrna der Herd solcher Unordnungen gewesen, und voriges Jahr fielen dort die bedauerlichsten Szenen vor. Damit sie fich nicht wieder erneuern, bitten wir Eure Heiligkeit, einen Hirtenbrief an alle Provinzen des Reiches zu erlassen, und von uns ein Schreiben an Se. Eminenz den Erzbischof von Smyrna übergeben zu wollen, damit derselbe die Vertheidigung unserer Glaubensgenossen ergreifen und sie vor Gewaltthätigkeilen schützen möge." — IN Folge dieses Gesuches erließ der Patriarch von Konstantinopel an den Erzbischof von Smyrna einen Brief in welchcm eS heißt: ״Wir ermahnen Sie, zur rechten Zeit die gehörigen Anstalten zu treffen, um durch Ihren Einfluß auf die Christen Ihres bischöflichen Sprengels jede Gewaltthätigkeit gegen die Juden zu verhindern. Nehmen Sie dieselben so viel als möglich in Ihren Schutz, sei es durch Rundschreiben, welche während des Gottesdienstes verlesen׳ werden, oder durch andere Mittel, die Sie für geeignet halten, jeder feindseligen Haltung unserer Glaubensgenossen gegen die Juden vorzubeugen. Sie werden den Gläubigen erklären, nicht allein wie tadelnswerth solche Handlungen sind, und wie sehr sie die geselligen Bezie- Hungen zwischen beiden Nationen angreifen, sondern auch, wie sie den Verordnungen der Regierung zuwiderlaufen, welche allen Nnterthanen, ohne Unterschied des Glaubens, ihren Schutz angedeihen läßt, und nicht dulden wird, daß so sträfliche Handlungen gegen eine mit den übrigen gleichberechtigte Nation verübt werden." — Etn gleiches Schreiben wie oben an den Patriarchen, wurde von dem Komitö an den Gouverneur von Smyrna, Kabuli-Pascha gerichtet. Dieser hohe Beamte antwortete: ״Ich beeile mich, Ihnen die Hoffnung auözudrücken. daß dieses Jahr Alles ruhig ablaufen wird und Ihre Glaubensgenossen künftig von Unbilden verschont bleiben werden. Uebrigens mögen Sie überzeugt fein, daß ich die gehörigen Maßregeln getroffen habe, um eine Wiederkehr der Unordungen zu verhindern." t* Berlin, 12. Mai. Der Rabbiner Dr. Joel aus Breslau hat fich feiner Aufgabe, M e y er be er'S *) Leichenredner zu sein, auf eine sehr glänzende Weise entlediget. Die Rede nlird, wie ich höre, gedruckt erscheinen. Die Rabbinerwahl ist Gegenstand öfterer Verhandlungen unserer Gemeindebehörden. Zu einem positiven Resultate ist man noch nicht gelangt. So viel ist gewiß, daß zwei Rabbinen gewählt *) Die politischen Blätter brachten über den großen Meister so ausführliche Nekrologe, daß wir es für überflüssig halten, demselben einen besonderen Nachrnf zu widmen. Red. <) Vergl. auch Sukkah 2, 7.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.