Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 20 (18.5.1864)
- Date
- 1864-05-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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413 chem Rechte konnte er den Rabbi Jeremias Löv vor der höchsten Landesstelle einen unsinnigen Zeloten nennen? Ujhelyer Erklärung über diese Eingabe. ״Vor allem sucht Herr Dr. Meisel den Ujhelyer Oberrabbiner mit allem Flciße zum chaßidischen Rebben zu metamorphosiren, eine Angabe, die wir mit ruhigem Lächeln auf sich beruhen lassen, nachdem es ja genugsam bekannt und anerkannt ist, daß eben der hiesige Oberrabbiner jener starke Wall ist, an dem der heranfluthende ChaßidäismuS anprallt und nicht darüber hinaus vermag. Ernster verhält es sich mit der weiteren Anklage des genannten Herrn Dr. M., der zufolge der Ujhelyer Rabbiner alle diejenigen mit schwerem Bann belegt, welche den neuerbauten Kultustempel zu Miskolcz gottesdienstlich frrquentiren, sowie gegen den greisen Oberrabbinec dieser Gemeinde und gegen diefettigen, welche ihre Kinder und Angehörigen eine öffentliche Unterrichtsanstatt besuchen lassen. Herr Dr.! wir werden diese Angaben in so lange für Verleumdnng erklären, als Sie nicht für die Wahrhaftigkeit derselben mit eklatanten Belegen vor die Oeffentlichkeit treten. Wahrhaft eisern muß aber die Stirn eines solchen Seelsorgers sein, der, alle Scham unterdrückend, seinen ehrwürdigen Amtsbruder bei einer hohen Regierung verleumderisch anznklagen und sich als Splitterrichter der ihm fremden Gemeindeverhältnisse zn geriren wagt, und ist ein solches Vorgehen mit der Würde eines Rabbiners im Allgemeinen und mit jener einer Pester Gemeinde insbesondere unverträglich. Viele Verehrer des Oberrabbiners Löv in S-A. Ujhely. Korrespondenz. Ausland. L. D. äonbott, 8. Mai. Eine Deputation, die Bewohner von Ramsgate und der Umgegend repräsentirend, stellte sich Sir MoseS Montefiore vor, auf dessen Landsitz East Mist Lodye, um demselben die folgende Adresse zu überreichen.*) Sir Moses Montefiore übergab hierauf an Herrn Thomas Whitehead, welcher die Adresse vorlas, die folgende geschriebene Antwort: ״Meine theuern Nachbarn und Freunde! Das Kundgeben von so mannigfaltigen Beweisen des Wohlwollens und der Anerkennung sind für mich eine Quelle der höchsten Genugthuung. Im tiefsten und aufrichtigsten Gefühle sage ich, Ihr möget es glauben, daß von allen diesen Beweisen keiner so wohlthuend für mich war, als derjenige, den ich soeben von Euch erhalten habe. Ich halte es für eine große himmlische Gnade, daß es dem Allmächtigen gefallen hat, meine Geringfügigkeit als Instrument zu gebrauchen, etwas ausführe» zu lassen, welches so segensreich für Humamtüt und Zivilisation ist. Ich danke Gott, daß cS ihm gefallen hat, durch mich der Unterdrückung ein Ende zu machen, nicht nur der meiner Glaubensgenossen, sondern aller nichtmohamedanischen Unterthanrn überhaupt. Ich glaube und vertraue, daß dieses Edikt des Kaisers von M arokko eine neue Epoche in der Geschichte dieses Reiches begründen wird und eine wirkende Ursache werden für das erfolgreiche Entfalten sowol des materiellen als geistigen Wohles dieses Landes. Eure Anspielung auf meinen erlittenen Verlust** *) ist ebenso wahr als gefühlvoll ausgedrückt. Ich versichere Euch, meine theuerer Freunde! daß das Gedächtniß derjenigen, deren theuern Gesellschaft ich beraubt war, schwebte mir bei meinen jetzigen Unternehmungen unmer vor, und ich handelte nach dem Rathe, welche die theuere Hingeschiedene mir gegeben hatte, mich ermuthigend mit ihrem Zuspruch, in ängstlichen Au- *) Die Adresse haben wir bereits oben (S. 247) gegeben. **) Der Tod von Lady Montefiore. 414 genblicken mir Trost gewährend, und welcher unter Gottes Segen zu so glücklichen Resultaten führte. Ich danke Euch theuere Nachbarn und Freunde für Euere guten Wünsche, ich nehme sie dankbar an und erwiedere sie zugleich gegenseitig. Ich bete ernstlich zu Gott für das Wohl Eurer respektiven Bezirke und für das Glück Eurer selbst und Eurer Familien. (Daily Telegragh 7. Mai 1864.) London, im Mai. ״Ich habe eine schöne Antwort, sagte jemand einst — wenn ich nur eine Frage dazu hätte. Es klingt dieses wie eine Fabel. Aber es gibt auch wahre Fabeln. Wie die Phantasie flüchtet sich auch die Dialektik aus der Wirklichkeit in das Reich der Möglichkeit. Im Talmud, wo die Dialektik so reichlich bedacht ist, steht man sie oft um die Dinge herumgehen, und im Voraus wirkliche Entscheidungen für mögliche Fälle geben. Was lange eine Sache der Möglichkeit mar, kann endlich doch auch einmal in die Wirklichkeit eintreten. Die in Bereitschaft gehaltene Antwort kann dann mehr oder weniger sich sehr nützlich erweisen. Ein solcher Fall liegt uns jetzt hier vor, und diese Zeilen sind der Betrachtung desselben gewidmet. Wir entnehmen die Sache einem englischen Blatte') und die .Substanz des vorliegenden Falles ist folgende: Zwei Kirchenspiele stritten sich, wer einer gewissen Person die bestimmte Unterstützung geben soll. Der eigentliche Streit hatte seinen Grund darin, weil das Haus, worin dieser Mann lebte, und welches ihm den vorausgesetzten Anspruch auf die Unterstützung gab, zu zwei Kirchenspielen gehörte. Das Haus, worin derselbe wohnte, war längst verschwunden, der Platz war überbauet. Die Sache kam vor den Magistrat. Da sich eine alte Zeichnung des Hauses vorfand, und man die Lage des Dachzimmers, worin dieser Mann geschlafen hat, bestimmen konnte, und da auch durch mündliches Zeugniß die Richtung des Bettes im Zimmer bestimmt wurde, wo sich die Kopfseite des Bettes befand, so entschied der Magiftrat, daß dasjenige Kirchenspiel, worin der Kopf des Mannes lag, auch zur Unterstützung desselben verbunden ist. Eine Entscheidung muß gegeben werden. Der talmudische Lurus des 2)תיקו — ein Ruhepolster, worauf man bequem alles abwarten kann — eristirt nicht im modernen Gesetz. Der Magistrat mußte entscheiden und hat auch eine Entscheidung gegeben. Die bei anderer Gelegenheit gebrauchten talmudischen Worte 3) בתר גופא רישא אזיל ,,der Körper folgt dem Kopse" ist hier die Grundlage einer juristischen Entscheidung geworden. Das Blatt, woraus wir den Fall entnehmen, nennt, es eine seltsame Entscheidung. Es mag sein. Wir gestehen — hören wir manchen Leser sagen — daß dieser Fall wirklich seltsam ist, aber welche Ansprüche hat derselbe in diesen Blättern der Betrachtung vorgeführt zu werden? Diese Frage ist sehr gegründet, und — wir gestehen — wir waren ')״The'Citey Preß" 16. April 1864. Die Entscheidung wurde 7. April 1864 gegeben. 2) Es mag hier gelegentlich auch bemerkt sein, daß das הדקו so viel als תיקום ist und heißt ״es bleibt stehen" d. h. die Sache bleibt auf sich selbst beruhen. So ungefähr erklärt es auch Samuel hanegid in dessen מבוא התלמור• Derselbe weiß nichts von der gewöhnlichen Annahme, als sei dieses Wort nur die Abkürzung von תשבי יתרץ קושיות ואיבעיות Es ist diese Erklärung, wie es scheint, erst in späterer Zeit in Umlauf gekommen. Es ist dieselbe mehr witzig, als wahrscheinlich. Wirkliche Wahrheit muß man ihr im Namen der Logik absprechen. 3) Vergl. Dukes rabb. Blumenlese S. 135, Nr. 182. Die dort angeführte Fabel findet sich im Aesop Ed. Luria Nr. 264.