Mannheim
Compact Memory

Ben Chananja · 1864-05-18 · 20 (18.5.1864) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
20 (18.5.1864)
Date
1864-05-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2542917-2543121-2543142--3670-2547569
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

405 406 unter ein besonderes Stück hervor, einen Waschbecken für die Kohanim, welches ein schönes Epigramm zur Inschrift hat. Vorhin war ein solcher aus Zink und versilbert; der Spender des silbernen, Herr Meiersberg, ließ eine witzige Inschrift eingra- Viren. Aeltere Vorhänge (פרוכת) gibt es folgende: Das älteste mit der Jahreszahl 1649—תט wurve von Frauen gespendet (נשים צדקניות); es stammt wahrscheinlich aus dem früheren Betzimmer her, bevor noch der Tempel erbaut worden ist. Ein anderer Vorhang mit der Jahreszahl 1727=:תפן trägt die Aufschrift: דן הד משולם דסל תאשתו מ׳ גיטל. Dieser Süffel war mehrjähriger Gemeindevorsteher. Auf seinem Grabsteine von 1751 heißt es: מנהיג הקהילה וגרח״ק. Der Spiegel dieses Vorhanges stellt in schön eingewirkter Arbeit das Schiff eines Tempels nebst Säulen und andern symbolischen Tempeleinrichtungen dar. Es war Sitte hierorts, daß Eltern bei der Geburt eines Kindes etwas dem Tempel spendeten, so findet sich eine מפה vom Jahre 1751 vor mit folgender Inschrift: זנ״ הד שמתאל ב״ה משה מקיצע עבור בנו הילד מ4איר הנולד למוט יום*א כד אדר תקתא ת יגדלהו לתורה לחוסה ולמעט גס. Ja diesen Gebrauch scheinen die hiesigen Einwohner auch anderwärts verpflanzt zu haben. Eine ähnliche מפה findet sich in der israelitischen Gemeinde zu Loschitz in Mähren von einer Rechnitzer Frau vor; die Aufschrift lautet: 1נ״ האשה החשובה והצנועה מ' גיטה ב״ה שמאל עבור בן אהיה הילד שמואל בן האלוף התורני מהר ליב מרעבניטץ ה ׳יזכו לגדלו לתורה ולחופה ולמעט *א״ס שנת 1750—והמל אב(ה) היתה דים=תקי Ein Urenkel des R. Leb Rechuitz, Herr Dr. Leopold Jellinek, praktizirt merkwürdiger Weise als Arzt in der hiesigen Gemeinde und erfreut sich da der ausgebreitetsten Praris und der allgemeinsten Achtung. So führt die Hand des Schicksales die spätesten Enkel nach dem Orte ihrer Ahnen zurück, um da den Boden weiter zu befiellen, den ihre Vorfahren durch verschiedene Geschicke des Lebens verlassen mußten. Der Adoptivvater von diesem R. Leb Rechnitz, Namens Salomou Rechnitz, ebenfalls in Loschitz wohn- Haft, war der Sohn eines hiesigen Rabbiners, von dem wir weiter sprechen werden. Ein anderer Vorhang mit der Iahreszahl 1740=תק trägt die Auflchrift: ו" הד״ מאיר בן שמואל ואשתי פלאטה בן מאיר. Im Spiegel befindet sich mit Goldbuchstaben die ganze bei einer Beschneidung gebräuchliche Liturgie für den Beschneider, wie auch der Segensspruch für den Vater. Wahrscheinlich wurde dieser Vorhang am Tage einer Beschneidnng im Tempel aufgehängl. Ein ähnlicher Vorhang soll auch in Preßburg sich vorfinden. Ein Mäntelchen zur Thora mit der Inschrift: זג" הר׳!אברהם יששכר בער ממט״ד וזוגתו מרת אידל ב׳׳ה שמואל אויסשפיטץ שנת 760=שנת י׳ש שכר לפעולת״ך Besagte Edel, eine der ansehnlichsten Frauen hierorts; wovon später, spendete auch nach dem Tode ihres Mannes einen reichgestickten Vorhang. Ein Vorhang vom Jahre 1751 mit der Aufschrift: שייף לאלוף כ׳ יעקב ב״כ נטל ואשתו מ׳ פרומט ב״ה ליסמאן sehr reichlich gestickt. Ein Vorhang vom Jahre 1770 mit der Aufschrift: שייף לח׳ק ו׳דג׳ה מקק רעכניטץ; von besonderer Schönheit ist die Arbeit der Buchstaben. Noch wollen wir drei Vorhänge aus neuerer Zeit wegen ihrer besondern Schönheit und reichlichen Ausstattung hervorheben. Vorhang aus dem Jahre 1822 mit der Aufschrift: ז״נ המישה אחים בעבור אביהם הק׳ דדויד ב״ה נטל תאמם מ׳ לתאה שנת וצדקתך לישרי לב=תקפב Besagte Familie mit dem Beinamen Gutmann ist eine der ältesten und zahlreichsten der hiesigen Gememde, einer der obbenannten fünf Brüder war der reiche Samuel Gutmann in Preßburg. Vorhang aus dem Jahre 1851 mit der Aufschrist:זנ״ הנעלה הד אברהם הרש ב׳כ וואלף ריינפעלד ואשתו י רהצנוערה -א" ה מרירת ריור* ב״ה מורה שגרת יגדיר* מורה Vorhang aus dem Jahre 1850 mit der Aufschrift: ונ״ הק״ התורנו מהו׳ מיכאל‘, פראנקעל תאשתו מ ניטל שנת זר׳ יתר מכל עמלו Alle diese drei Stücke zeichnen sich durch reichliche Ausstattung des Stoffes und der Goldstickerei, wie nicht minder durch die geschmackvolle Arbeit und Feinheit der Buchstaben aus und können den ersten Gemeinden unsers Vaterlandes als Zierde dienen. Von einem dieser letzten! Vorhänge ist noch zu bemerken, daß die Krone darauf aus der Goldhaube der Spenderin, Resl Neinfeld, verfertigt worden, wie überhaupt aus den meisten obenerwähnten Stücken eine besondere Betheiligung des weiblichen Geschlechtes zu ersehen ist. Wollte der Himmel, daß diese weibliche Pietät auch unter den Frauen der Jetztzeit obwalten möchte, die, in besfern Umständen lebend, wahrlich nicht erst nöthig hätten, sich des eigenen Schmuckes zu berauben, um das Gotteshaus zu schmücken, und denen bei ihrer zeitgemäßen Bildung solch ein religiöses Gefühl mehr als aller Putz und Schmuck zur Zierde dienen würde. So herrlich ausgestattet der Tempel von Innen ist, so wenig entsprechend ist sein Aeußereö, was natürlich in den jüdischen Verhältnissen früherer Zeiten zu suchen, wo der äußere Schein und Prunk vermieden werden mußte. Dem Tempel angebant ist eine räumliche hübsche Rabbiuerwohnung und der Gemeindesaal. Im selben Raume befindet fich auch das Schulgebäude, der dazwischen liegende Hof, der von einer Größe, wie ein solcher kaum in einer Gemeinde zu finden sein wird, wird in neuerer Zeit als Turnplatz für die Schuljugend verwendet. Ueber das innere Schalten und Walten im Tempel, in welchem Geiste meine Vorgänger, von denen mir neun bekannt sind, gelehrt und gepredigt, werden wir weiter bei der eigentlichen Geschichte der Gemeinde sprechen. Jedenfalls ist für einen Volkslehrer der Gedanke sehr erhebend, viele ansehnliche Vorgänger gehabt zu haben, und daß er von der Kanzel bereits als der zehnte in diesem Amte das Gotteöwort verkündet.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.