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Ben Chananja · 1864-05-04 · 18 (4.5.1864) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
18 (4.5.1864)
Date
1864-05-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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373 374 Herbst stattgefunden hat. Herr Prediger Mannheimer, sollte nämlich an seinem Jubelfeste auch eine Ehrengabe, 4000 ff־ in österr. Staatspa« Pieren erhalten, die er jedoch auf das Eiitschiedenste ablehnte. Dieses Kapital wurde nun zu einer Stiftung bestimmt, deren Interessen Rabbinen, ׳Predigern oder Lehrern, die zehn Jahre zur Zitfriedenheit iu einer Gemeinde gewirkt und erwerbsunfähig geworden sind, zufallen solle». Außer bei ganz ungewöhnlichen Fällen würden die Interessen obigen Kapitals nach Abzug der Steuer beiläufig 200 ff. Einem Peteilten zugetheilt werden, um iu ausgiebiger Weise zu helfen. Anspruch auf diese Vergütung haben sämmtliche Rabbiner, Prediger und Lehrer in Oesterreich, wenn fie obige Bedingungen Nachweisen können, jedoch dürfen sie nicht in einer großen notorisch reichen Gemeinde im Amte gewesen sein, die ihre Beamten selbst versorgen kann, oder in einer .kleinen, die nicht 50 Mitglieder zählt. Die Gesuche sind bis Ende Juli l. I. franko ״an die israelitische Gemeindekanzlei in Wien für das Kuratorium der Prediger Mannheimerstiftung" zu r chtcn. Am 17. Oktobet wird alljährlich die Unterstützung zuerkannt und am 1. November erfolgt die Auszahlung derselben. Das Kuratorium besteht aus den Herren Ignaz Bobelle, L. S. Fischcl, Julius Ritter v. Goldschmidt, Dr. L. Kompert und Dr. G. Wolf. Es ist wol unnöthig zu bemerken, daß weder der Stifter noch das Kuratorium die in Oesterreich wohnenden protestantischen Rabbiner von der Konkurrenz auszuschließen beabsichtigen. — Wien, 29. April. Wie ich höre, geschieht eine Umfrage von Seite der Polizei bei manche» hier wohnenden Israeliten, ob sie sich zur orthodoxen oder Neformpartci. bekennen, deshalb, weit die Be« Hörden glauben, in solcher Weise auf das Schlagendste den Beweis führen zu können, daß in der Gemeinde kein Zwiespalt bestehe und die Errichtnng einer orthodorcu Zentralsynagoge ein krasser Unsinn wäre. Einige Israeliten, bei denen Anfrage gehalten wurde, soupirten jüngstwie eS heißt, beim ״weißen Roß" und erzählten die Tagesneuigkeit, daß man sie nach ihrem Glaubensbekenntniß gefragt habe und bemerkten, daß sie sich als Orthodore gemeldet haben, da sie eine Synagoge besuchen, wo nach altem Ritus gebetet wird, weil sie in den Tempeln keinen Platz erhalten haben und sie eifrige Inden seien, wenn sie auch manches Zeremonialgebot nicht halten. Wie mir berichtet wird, ist der protestantische Rabbiner Herr Sänger nicht identisch mit dem Herrn Säuger, der um die hiesige Predigerstelle konkurrirt und welcher jetzt Rabbiner in Mergentheim ist. 1?. K. Pest, 17. April. (Eine neue Art, Geld zu verdienen.) Gestern waren wir in der großen Synagoge Zeugen eines vielleicht noch nie von der Kanzel herab gemachten Offertes. Herr Dr. W.A. Meisel, von dem behauptet wird, daß er seine halachischen und agadischcn Vorträge gedruckten Büchern wörtlich entnimmt, und dem diese Gerüchte schon häufig zu Ohren kamen, bot von der heiligen Stätte herab mit gewohntem deklamatorischem Pathos dreimal הי" זהובים demjenigen, der ihm von nun an Nachweisen werde, daß er auch ferner ans anderen leicht zugänglichen Quellen sich Plagiate erlauben werde. Daß eine ähnliche Feilbietung bisher in einem jüdischen Gotteshanse noch nicht vorgekommen sein mag, wird wol Jeder gestehen müssen und wir enthalten uns auch eines jeglichen UrtheileS über ein derartiges Fürgehen an heiliger Stätte. Wir unterschätzen durchaus nicht die Revenuen des Herrn Doktors uneOberrabbinerS — versichern aber dennoch, daß in seiner Kaffe eine gewaltige Ebbe eintreten würde, wenn die hiesigen Talmudisten, deren Zahl Gottlob nicht klein ist, es nicht unter ihrer Würde hielten, dem Herrn D. Meisel jedesmal nachznwei« sen, wie er gegen den schönen talmndischen Grundsatz האומר דבר בשם אמרו וב" sündigt. Diesmal hielt nun Dr. Meisel eine talmudische Disputation über die Materie דבר שיש לו מתירין Vor beiläufig 14 Tagen schickte er noch zu seinem nächsten Nachbar, und ersuchte ihn, er möge-ihm — dem Dr. Meisel — den ״Rif" mit dem ״Ran" zu Traktat Nedarim schicken , da der Herr Doktor die Oktav-AuSgabe deS kj^ .besitze, in welchem zu seinem größten Leidwesen dieser Traktat fehlt. Lrgo: der gute Doktor wußte nicht, wo die berühmte und klassische Abhandlung des ״Ran" über die obbenannte Materie zu finden ist, daß überhaupt Alfaßi den Traktat Nedarim gar nicht bearbeitet hat und daß also der ״Ran" bei dem einschlägigen Talmudtraktate zu finden sei. Wem will also Dr. Meisel weis machen, daß ec über '2רבר ו eine selbstständige pilpulistische Arbeit zu produziren auch nur im entferntesten befähigt sei? —Uebrigens herrscht bei allen Fachmännern, insbesondere seit den letzten Konferenzen, über Dr. Weisels jüdisch-theologisches Wissen nur Eine Stimme. Wir wollen beispielsweise nur das Eine erwähnen׳ und' rufen zu Zeugen dessen alle Konferenzmitglieder, Vorzuglich aber die gelehrten und ehrwürdigen drei Rabbiner an, daß der Oberrabbiner Meisel bei jener Stelle des OperateS, welche über die stattzufindeuden Prüfungen am Schluffe des Kandidaten-KurseS handelt, und wo 'es wörtlich heißt: ״Die mündliche Prüfung erstreckt sich über Jore-Deah, Abschnitt 1—122, 183—203" der gute Doktor nicht ermangelte, beim Vorlesen dieser Stelle seine profunde Gelehrsamkeit ausznkramen, indem er rief: ״Freilich, diese Parägraphe handeln über ה׳ אבלות" — Die drei Rabbinen schmunzelten und selbst die Eiligeweihten aus dem industriellen Stande schlugen die Augen nieder.? Pest, 1. Mai. Da die Arader Korrespondenz, welche ״B. CH." Nr. 13, S. 208, brachte, offenbar sehr konferenzsrcündlich gehalten ist, ohne daß dieselbe Homiletik und Katechetik als Lehrgegenstände erwähnt hätte; so ist es kein Wunder, daß aufmerksame Leser Ihres Blattes diese Fächer für wirklich ausgeschlossen hielten. Ihr hiesiger §. Korrespondent ist daher zu entschuldigen, und sein Gegner, D. aus Ofen, hatte leichte Mühe, ihn zu widerlegen (Nr. 17, S. 358.) Darauf reduzirt sich aber so ziemlich Alles, was in den Berichten des v״B. CH." über die Konferenz als irrthümlich bezeichnet werden kann. Die geharnischte Erklärung des Herrn Oberrabbiners Steinhardt Nr. 17. d. Bl. hat daher in hiesigen unterrichteten Kreisen nicht geringeS Befremden erregt. Nachdem Herr Oberrabbiner St. seine.Erklärung veröffentlichte, sollte er allenfalls auch eine Skizze der Verhandlungen veröffentlichen. um sein Dementi zu rechtfertigen. Eine solche Skizze wäre aber auch in anderer Rücksicht sehr verdienstlich. Ich will nur Eines hcrvorheben. Die Herren Rabbinen Steinhakdl, Meisel und Hirsch sollen, als sie die Nolhwendigkeit einer Rabbinerschule״ im orthod. Sinne" in'S gehörige Licht setzen wollten, gesagt haben, daß ״die Kandidaten sich bisher ihre wissenschaftliche Bildung nur auf unsystematische Weise aneigneten. weshalb sie auf Irrwege gerie)hen, sich irrthümliche Lehren aneigneten. wodurch die Zerwürfnisse bei den Israeliten entstanden sind." Es wäre in der That sehr interessant, zu erfahren, ob sich diese Aeußerungen wirklich vernehmen ließen. Im bejahenden Falle werden die betreffenden Herren wol. die Güte haben, sich näher und deutlicher zu erklären, wel-. chcö denn die irrthümliche» Lehren seien, die durch die unsystematischwissenschaftlich gebildeten Kandidaten Zerwürfnisse in den lrug. l«d. Gemeinden herbeigeführt haben. Beyor diese Erklärung erfolgt, wird man sich bistiger Weise über die befremdliche Aeußeruug jedes UrtheilS enthalten. ל Aus Oberungarn, 20. April. (Reisebericht .!.) Ein mehr denn 6 monatlicher Aufenthalt in den größten Gemeinden Obcrungarnö haben es mir zur Pflicht gemacht, mich mit den eigenthümlichen Verhältniffen unserer Glaubensgenossen dieses Theileü unseres Väterlaudeö bekannt zu machen. Und wenn schon äus brüderlicher Theilnahme. die Knlturverhältnisse der Israeliten ObernngaruS eines ernsten Studiums würdig sind, so ist es heute, wo innere Fragen von Bedeutung an der Tagesordnung sind, doppelt wichtig die Ursachen dieser.eigenthüuzliche.'r

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