Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 18 (4.5.1864)
- Date
- 1864-05-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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371 372 die Sünder nicht mehr fein", so daß auch die Zahl der israelitischen Sträflinge dieser Anstalt nicht zu, sondern abnehmen möge. Loschitz, 19. April 1864. Karpelles, Rabbiner. Korrespondenz. Ausland. I-.v. London, 14. April.(Schluß.) Herr A bel Smith schlug daß diese Versammlung ihre Verpflichtung auszudrücken wünscht, an Varl John Rüssel, Ihrer MajestätS Staatssekretär der auswärtigen, für die Unterstützung und Beihilfe, welche derselbe von Seitendes englischen Gouvernements dem Sir Moses Montefiore gewährte. Es wünscht diese Versammlung zugleich auch ihren ernsten Dank abzustatten an Slr John Drummond Hay, General-Konsul in Marokko, sowie auch an Herrn Konsul Re ade, sowie an alle, welche behilflich waren, den gewünschten Erfolg dieser Reise zu befördern, und dadurch auch wirklich zum wirklichen Erfolge derselben beigetragen haben. Es freue ihn sehr, daß der Name Earl Ruffel in Verbindung gebracht wurde mit dieser Reise, deren einziger Zweck bloS Freiheit und Humauität war (hört, hört) Alle Ehre gebührt dem Earl Rnssel für seine Bestrebung, das Werk der Freiheit, Glück und Fortschritt der Menschheit, zu befördern (Beilfall.) Er (der Redner) kann sich wo! die Freundlichkeit und Bereitwilligkeit vorstellen, mit welcher der Earl Rüssel seine Unterstützung an Sir Moses Montefiore gewährte (hört, hört), nicht etwa' weil sie so dringlich nachgesucht wurde, sondern bewegt dazu durch den innern Antrieb seiner edlen Natur, welche Sym-- Pathie mit den Leiden und Wünschen Anderer fühlt (Beifall.) Die Art und Weise, wie das britische Gouvernement bei dieser Gelegenheit Handelte, macht demselben Ehre. So lange nicht Rechtlichkeit, Ehre und uneigennütziges" Wohlwollen unterschätzt sein werden, wird die Reise von Sir Moses 'Montefiore ein Gegenständ der Bewunderung bleiben und zugleich auch für andere als ein glänzendes Beispiel zur Nachahmung dastehen (hört, hört.) Herr Sergeant Simon unterstützte diesen Vortrag. Herr Goschen, Mitglied des Parlaments, schlug vor,'daß diese Versammlung ihre dankbare Anerkennung auszudrücken wünscht an den Kaiser von M arokko für die gnädige Aufnahme, welche derselbe dem Sir Mose s Montefiore gewährte, sowie für die ganze Art und Weise, wie derselbe in dieser Angelegenheit handelte, indem dieser erleuchtete Herrscher allen GlaubenSgesettschaften Protektion gewährte. Es will sich diese Versammlung verbunden fühlen, wenn der Staatssekretär für die auswärtigen Angelegenheiten durch den Generalkonsul in Marokko diese Resolution der Gesellschaft dem Kaiser von Marokko mittheilen lassen würde, (hört, hört.) In Bezug auf bürgerliche und religiöse Freiheit hat der Kaiser von Marokko soeben eine schöne und werthvolle Lehre gegeben (hört.) Er (der Redner) denkt, daß diejenigen Staaten, welche bis jetzt sich nicht geneigt gezeigt haben, irgend ein Zugestäudniß zu machen, könnten vielleicht nun dem Beispiele folgen, welches der Kaiser von Marokko gegeben hat. (Beifall.) Herr Professor Wäley unterstützte diesen Antrag. Herr A. Kohen schlug vor und Herr Henry Jfaacs unterstützte den Vorschlag, daß diese Versammlung mit tiefer Genuglhuung bie bürgerliche, und gesellschäftliche Gleichstellung der Juden in den Staaten des Kaisers von Marokko betrachte', und mit dem Gefühle des Stolzes und dankbarer Anerkennung die Möglichkeit sieht, wie dieses Beispiel des Kaisers von Marokö beitragen kann, diesem wöhlthätigen Prinzipe auch in andern Ländern Eingang zu verschaffen. Die sämmtlichen vorgeschlagenen Resolutionen wurden einstimmig angenommen. Eine Note des Dankes wurde dem Präsidenten gegeben, und mit'diesem schloß die Versammlung. .= München, 24. Avril. Ich habe Ihnen die bemerkenswerthe Borfallenheit bei Gelegenheit des Leichenbegängnisses unsrrS unvergeßlichen in Gott schlummernden Königs mitgetheilt.. Daß der leicht vorübergehende Anflug einer Ausschließung durch Entscheidung des Ministers der Gleichberechtigung weichen mußte, und die israelitische Gemeinde bei dem Leichenbegängnisse dem König ebenfalls die letzte Ehre erweisen durfte, war noch daS Verdienst des großen Todten, dem die Ehre galt, der thatsächlich in Bayern eine gegenseitige Achtung der Konfessionen begründet hat, in der wir den glänzendsten Lichtpunkt seines Nachruhmes erblicken. Bei solchen Katastrophen wendet sich der Blick fragend nach der Zukunft. ES gereicht nun zur allgemeinen Beruhigung, daß der junge König Ludwig II. sich anläßt, in den Fußtapfen seines edlen Vaters zu gehen, und er hatdieS einer Deputation gegenüber, deren jetzt v on allen Theilen des Landes hier zur Huldigung des Königs erscheine», auch ausgesprochen. —Wollen wir hoffen, daß er auch in Bezug auf die israelitische Bevölkerung Bayerns dem hochherzigen Beispiele seines Vaters nachahmen werde. Es hat bisher iu dieser speziellen Richtung noch keine Veranlassung gegeben, aus der sich ein Prognoflikon für die Zukunft stellen ließe, wenn Sie nicht dahin rechnen wollen, daß er unserm Herrn Rabbiner in einem Schreiben geantwortet, daß er ״dessen Anzeige von einem durch die hiesige Gemeinde abgehaltene TrauergotteSdienst, wie auch den Abdruck (nicht Ausdruck, wie es in der ״Neuzeit" hieß) seiner Predigt mit Befriedigung entgegengenommen." Sie werden fragen, warum Ihr pflichttreuer Korrespondent Ihnen die Mittheilung hiervon zu machen unterlaßen hat? weil ich unfern sonst ebenso wackernals klugen Rabbiner Aub nicht tadeln wo"te. Und Tadel war es, was hier in den bessern Kreisen über diesen Schritt des Herrn Rabbiners ausgesprochen wurde. Warum solltenjwir Juden ausschließlich eine Anzeige mache» von einem Trauergottesdienfle für einen Landes- Vater, während keine der christlichen Konfessionen dies gethan und mit Recht nicht gethan, da es doch wenig schicklich ist, für eine gethane Pflicht und Schuldigkeit einen Dank zu veranlassen! Wenn die Juden wollen» daß man ihnen keine Sonderstellung zuweise, so sollten sie vor Allem sich selber in keiner solchen betrachten., Sie werden, wie mir soeben von einem Regierungsbeamten mitgetheilt wird, in einigen Tagen wahrscheinlich ein ähnliches Schreiben des Königs, an den Würzburger Rabbiner, dem Chef des bayerischen Obskurantismus, in den Zeitungen lesen. Auch er glaubte , dem König anzeigen zu sotten, wie brav ein Orthodoren-Häupling ist. Bedarf es eines bessern Beweises für die Taktlosigkeit solchen Schnttes? Zn der hiesigen Gemeinde werden dieses Jahr perexeslleDce gegessen. Nicht zufrieden mit der bisherigen Aufsicht, hat ein eigenes Komitö sich gebildet, das es sich zur Aufgabe machte, die ganze Gemeinde mit niüft J» versorgen, die den strengsten und Peinlichsten Anforderungen genügen. An der Spitze des KomitäS steht Herr Merzbacher, Bankier und. Theologe zugleich. DaS Geschäft kostet Herrn Merzbacher einige hundert Gulden, die er opferte לוכות. את הרבים• Sie sehen also, das ist ein aufrichtiger gesetzestreuer Jsraelite, der für seine Ueberzeugung opferfähig ist. Und dieser Herr Merzbacher war nicht nur einer der Gratulanten Mannheimers zu dessen Geburtstage , sondern er gehört auch zu den hunderttauscnden, die das freche Vorgehen der Finsterlinge gegen den alten ehrwürdigen Horowitz perhorreSzire». Wahrhafte GesetzeStrcue ist also noch immer etwas Verschiedene« von wüthendem ZelotiSmuS und alberner Romantik. Inland. Wien, 29. April. Ich habe Ihnen eine erfreuliche Nachricht mitzuiheUcn. Nach mannigfachen Berathungen ist der Stiftungöbrief für die ״Prediger Mannheimerstiftung" ausgefertigt worden. Es ist dieses ein schöner Nachhall der Jubelfeier, die im verflossenen