Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 17 (27.4.1864)
- Date
- 1864-04-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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366׳ 366 ich mich zu der Erklärung genöthiget, daß kein einziger der in die« sem Blatte über diese Angelegenheit erschienenen Korrespondenzartikel von mir verfaßt wurde, und daß ich der löbl. Redaktion bisher weder den gedachten Entwurf selbst, noch einen Auszug daraus mitgetheilt habe, wol aber, um allen MißverstLndnisicn und Mystifikationen ein Ende zu machen» bereit bin, sowol den Entwurf, von dem ich allem eine vollständige Abschrift besitze,׳ als auch die, das Volksschulwesen betreffenden Vorlagen in einer außerordentlichen Beilage zum ״B. Eh." sobald als möglich zu veröffentlichen, Arad, am 17. April 1864. S t e i nhardt. II. Die im ״Ben Chananja" enthaltenen, auf mich bezüglichen Mittheilungen erkläre ich hiermit für erdichtet und aus der Luft gegriffen. Für das Domizil des zu gründenden Rabbiner-Seminars ui Pest führte ich selbst lebhaft das Wort. In meiner Ansprache an die Konferenz- Mitglieder sagte ich selbst: ״Es ist Ihnen bekannt, daß es in unserem Vaterlande für israelitische Schulen eigentlich gar keine Gesetze gibt, da das ungarische Systems, svliolarum elewsuturium ansschließlich für katholische Schulen Geltung hat." In meinem Entwürfe sagte ich, ״daß bei uns Israeliten das Schul- und Gemeindeleben so innig mit einander verbunden ist, daß das Eine das Andere ergänzt. Ich gestehe offen: ich kann mir niemals eine geordnete Schule ohne geordnete und geregelte Gemeindestatuten denken." Dies wird hinreichcn, jede Verdächtigung meiner Person und meiner Absichten zum Schweigen zu bringen. Pest, 19. April 1864. Karl Louis Posner. III. Die verehrten Herren Einsender werden nach reiflicher Ueberlegnng wol selbst einräumen, daß ihre Erklärungen überflüssig gewesen wären, wenn sie ׳hre Verhandlungen nicht mit der Hülle eines undurchdringlichen Geheimnisses umgeben hätten. Ein gewisses Maß von Oes- - fentlichkeit konnte diesen Verhandlungen leicht gegönnt werden, da ihr Gegenstand nicht zur Knuts politique gehörte, und es sich dabei weder um die deutsch-dänische Frage, noch um die Londoner Konferenz, noch ׳nm die Dvnaufürstenthümer handelte. Jenes Maß von Oeffentlichkeit hätte den Verhandlungen gegönnt werden sollen, da dieselben die heiligsten Interessen der ungarischen Juden betrafen, so daß die öffentliche׳ Meinung die erforderliche Berücksichtigung verdiente. Es ist uns nicht unbekannt, daß das Präsidium der Konferenz ׳ die Quelle der Geheim-; Haltung, der Diskussionen war. Allein die berufenen Vertrauensmänner waren ja keine besoldeten Beamten. D en Muth hätten sie mithin jedenfalls haben sollen, sich im Interesse, der Sache, wie in ihrem eigenen Interesse, gegen die in unserer Zeit so mißliebige Geheimthuerei zu verwahren. Die Tagespresse hat bekanntlich auch in ihrem historischen Theile nicht nur die Aufgabe, dem künftigen Geschichtschreiber Material zu lie-' fern. Sie registrirt auch unverbürgte Thatsachen/ insoferne sich darin die Stimmung des Tages oder doch die einer Partei oder Richtung kund thut und manisestirt. Wenn nun auch in manchen Korrespondcnzartikeln, welche ״B. CH." über die VertrauenS-KoNferenz brachte, keine historisch r Wahrheit enthalten ist , so konstatiren dieselben denn doch die Thatsache, daß sich denkende und gebildete Juden in Ungarn von der Konferenz nicht sehr erbaut kühlten. Ja wir fürchten keinen Widerspruch, indem wir behaupten, daß' sowol die Zusammensetzu ng, als die Beschlüsse, wie nicht minder der Erfolg der Konferenz bei den gebildeteren ungarischen Juden Mißbehagen erzeugen mußte. Da die Zahl der berufenen Vertrauensmänner sehr gering war, — drei Rabbiner! und neun Laien, — so sollte man wol׳ mit Recht voranssetzen dürfen , daß zur Berathung über die Regelung des unga- '׳ risch-jüdischen Schulwesens und zur Organisation einer jüdisch-theologi-- schen' Lehranstalt die Elite der jüdischen Intelligenz , in Ungar» ausersehen würde. Nun ist es aber keine Mystifikation, sondern unleugbares Faktum, daß Mitglieder zu der Kommission gehörten, welche sich die Fertigkeit, in irgend einer Sprache sprachrichtig und orthographisch zn schreiben, erst aneignen müßten. Kann man gebildeten Inden zumuthen, von einer solchen Zusammensetzung entzückt, zu sein? Ist es für die ungarische Judenschaft nicht demüthigend, daß eine solche Zusammensetzung bei dem k. Statthaltereirathe beliebt wurde? Müssen die gebildeten Mitglieder der Konferenz dies nicht selbst schmerzlich gefühlt haben.? Man erzählt sich, daß Herr Schoßberger v. Tornya die Anfertigung der Liste der Vertrauensmänner beeinflußt habe.. Wenn dies geschah, so ist die Liste wirklich noch ziemlich gut ausgefallen. Aber daß es geschah, ist eben nicht sehr erfreulich. Denn so bereitwillig man auch die sonstigen Verdienste des Herrn v. Schoßberger anerkennen mag, so kann man doch von allgemein jüdischem Standpunkte nur den Vertreter des verkommenen ParnaßimthumS in ihm erblicken. . Nach dem offiziellen Berichte hat es die Konferenz unterlassen, die Prüfung ihrer Elaborate durchweine aus der Wahl dar Gemeinden hervorgegangene Kommission zu empfehlen , was jeder gebildete Jude von derselben zu erwarten berechtigt war. Wir berufen uns in dieser Rücksicht auf das Urtheil eines Mannes. dessen Name in den jüdischen Gemeinden Ungarns einen goldenen Klang hat, und. dessen Verdienste um die Vertretung der kirchlichen Autonomie der jüd. Gemeinde auch im .Auslände die ihnen gebührende Anerkennung fanden: auf daö Urtheil Dr. Hirschler'S in Pest. Nach einer uns vorliegenden glaubwürdigen ־*v Abschrift eines an die: israelitische Gemeinde zu Kula gerichteten Ant- Wortschreibens sagt Dr. Hirschler unter Anderem: ״Keineswegs ist in dieser Sache das letz te Wort geshrochen. Man gibt sich hier allgemein der Hoffnung hin, daß das Gutachten der Vertrauensmänner seiner Zeit denn doch einer aus freier , Wahl der Gemeind en her vor gegangenen größern Körpersch a ft werde zur Beurtheilung ׳anheimgegeben werden." ״Man erwartet dies״, sagt Dr. Hirschler,. ״von der bekannten .Weisheit der Männer, die an der Spitze der ungarischen Regierung stehen." Niemand war aber mehr berufen, dieser Er- .Wartung Wort und Ausdruck zu geben, als die Mitglieder der Konserenz. Daß sie hierzu nicht einmal einen schwachem Versuch gemacht hg-!den, wird, selbst wenn man bei Beurtheilung ihres Vorgehens den gegenwärtigen Verhältnissen noch so sehr Rechnung zu tragen geneigt ist, wol kaum zu rechtfertigen sein. Und der Erfolg? Die. Konferenz tagte noch, als schon die Orthodoxie mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln gegen dieselbe agitirte. ״Wie hätte aber die Konferenz dieser Op- Position Vorbeugen .können?" . Offenbar nur durch den nachdrücklichen Vorschlag , daß auch die Orthodoxie bei der Konferenz, vertreten., sei. Auf diesem Wege wäre entweder eine Verständigung erzielt, oder, doch die Einsicht gewonnen worden, daß für die Orthodoxie, .Pie in Nyiregy- HLza repräsentirt war . die herkömmlichen Jeschiboth. vollkomme»! hinreichend wären. DaS Weitere hätte sich in beiden Fällen leicht gefunden. Wenn sich.aber die theologischen Mitglieder,der.Konferenz der Hoffnung Hingaben, daß die Orthodoxie in Ungarn, d.en Entwurf stillschweigend aceeptiren würde, so täuschte» sie sich , wie der Erfolg zeigt, gewaltig! Eine solche Illusion ist nm so auffallender , als sich diese ein- . sichtsvollen Männer, hätten erinnern können, welches Geschick der erste ..in Ungarn ausgearbeitete Nabdcher-Seniinar-Plan vor. beinahe 60 Jahren: hatte!! Und doch war der En twurf von 1806 ohne Vergleich orthodoxer, als der von, 1864! Die Annahme, daß so einsichtsvolle und besonnene Männer, wie die Herren 9iabhiner Steinhardt, Hirsch, und Brill, die Geschichte des von ihnen berathenen Gegenstandes nicht studirt haben, hat gewiß keine Berechtigung. Trotz alldem wird es uns aber willkommen sein, die Leser deS ״B. CH." mit den Elaborq.ten der Konferenz bekannt zu machen, und würden wir.!uns freuen, auch eine