Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 16 (20.4.1864)
- Date
- 1864-04-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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334 333 . schiedenheit dagegen auszusprechen. Denn wir müssen mit aller Kraft die Freiheit im Denken und Forschen auf dem Gebiete unserer Religion uns zu erhalten suchen und dürfen uns keinen Glaubcnszwang aufbürden lassen, wie solches uusere alten NeligionSfilosofen aufgestellt haben; wir dürfen dieses unser Kleinod von den ganzen und halben Dunkelmännern der neuern Zeit, die den Geist und die Wissenschaft des IndenthumS nicht kennen, nicht besudeln und uns rauben lassen. — Ich verweise daher auf die oben angeführte Bemerkung der ״Rabbinischen Gutachten", Die freie Diskussion wird jetzt in Oesterreich, wie dumalS in Preußen, diese falschen Proseten verstummen machen und auch dem Gerichte und den Behörden die Augen öffnen. I. Kahn. (יא) Aus Barer». Zu den Komitös, welche sich in Vaiern gebildet haben, um für den König Mar II. ein Nati ona ld enkm a'l zu errichten, werden auch die Rabbiner gewählt. Bamberg wählte den Distrikts-Rabbiner Dr. Kobak sogar zum Mitgliede des Ausschusses, wozu nur die Spitzen der Behörden genommen wurden. Die Jntclligenz achtet hier die jüdischen GlanbenSbekenner nach Gebühr. In der Trauerrede des Rabbiners Dr. Kobak ist, wie Sie geehrtester Herr Redak״ teur, richtig vermuthrt, nicht die geringste poetische Licenz. Der gelehrte Editor Nabbinowitsch ist mit der Abschrift der Talmudvarianten nach einem Manuskripte der Bibliothek in München bald fertig. Die wissenschaftliche Zeitschrift ״Jeschnrun" von Dr. Kobak wird in Fürth gedruckt, und werden im Juni d. I. die ersten zwei Hefte ausgegeben werden. Inland. LI. Wien, 12. April. So viel ich aus sonst gut unterrichteter Quelle vernehme, ist die hier weilende ungarische Rabbiner-Deputation nicht gewillt, dem Lehrplane des künftigen Seminars entgegenzutreten. Vielmehr soll sie ausdrücklich erklärt haben, sie sei mit dem in Ofen gutgeheißeneii Lehrplane vollkommen einverstanden. Sie beabsichtigt blos, der Orthodorie Einfluß auf die Wahl und die Beaufsichtigung deö Rabbiner-Seminars zu sichern. Friedmanns Sifre-Edition schreitet rüstig fort. Den zwölften Bogen hatte ich bereits in Händen. Das Werk verdient sowol wegen der Anmerkungen, wie nicht minder wegen der herrlichen Ausstattung allen Sachkennern angelegentlich empfohlen zu werden. Weniger Rühmliches ist von der hier erscheinenden Tosifta- Edition zu sagen, da die Kritik bei derselben nicht zu Ralhe gezogen wird. — Makö, im April. Es wurde hierorts die Thatsache koustatirt, daß ein chaßidäischer Jüngling, dessen Namen ich jedoch aus Schonung nicht nenne, am Sabbath zu Wagen eine Reise gemacht hat. Sie können denken, welches Aufsehen diese Geschichte unter den hiesige» Heiligen macht! Derselbe Jüngling würde noch jetzt weder ein nichthebräisches Buch lesen, noch sich die Konjugation eines hebräisch en Zeitwortes aneignen!! O. Szvlnok, im April. Bei der letzten Neuwahl der hiesigen Ortsvorsteher wurden auch Israeliten in den Gemeinderath gewählt, und zwar die Herren Ignaz Hay, gegenwärtig Vorsteher der Kultusgemeinde, Dr. Süß und Jakob Braun. Bei der Unterstützung der Nolhleidenden wurden auch jüdische Arme bedacht. P. Bvttyhitd, im April. Die hiesige jüdische Schule zählt 228 Zöglinge. Unter den Lehrern zeichnen sich besonders Weiß und Schlänge! aus. Dieselben^streben auch, eine Schulbibliothek zu gründen. p. Fünfkirche», im April. Die hiesige Musterhauptschule gedeiht trefflich. Sie zählt 190 Schüler und Schülerinnen. Zahl der jüdischen Familien: 150. Auch besteht eine Kinderbewahranstalt unted dem Namen Talmud Thora. Der an derselben wi.kende Lehrer ist weit entfernt, ein Schulmann zu sein. Zahl seiner Zöglinge: 30. Prag, 12. April. Unsere Gemeinde betrauert einen sehr schweren Verlust. Der durch seine strenge Frömmigkeit, wie durch seine unversiegbare Wohlthätigkeis weithin bekannte Salomo» M. Jerusa le m ward uns am 10. d. durch einen plötzlichen Tod entrissen. Heute begleitete eine zahllose Menge aus den verschiedenen Konfessionen unter aufrichtigen Thränen die irdischen Reste des Verblichenen zur letzten Ruhestätte. Der Hingeschiedene war einer jener Auserwählten, hinter deren Sarg die Menschenliebe in Trauer gehüllt als Leidtragende geht, weil sie einen ihrer eifrigsten Vertreter verloren hat. Die Summe, die der Verewigte jährlich für Arme verwendet hat wird auf 10—12,000 fl. beziffert; dem Wohlthun war sein ganzes Leben geweiht und er lebte, d. h. er gab still und bescheiden; meidend jedes öffentliche Ehrenamt war er nur dann zu finden, wenn die Noth ihn aussuchte, oder vielmehr er suchte die Nolh auf, um ihr zu helfen, che sie noch daran dachte, ihn zu finden; es wird hier allseitig gefühlt, sein Scheiden läßt in Bezug der Wohlthätigkeit eine uuaussüllbare Lücke zurück und leer findet der Arme den Platz, wo ihm früher die Hilfe reichlich ward. Zn seinen religiösen Grundsätzen gehörte der Verewigte ganz und gar der Altorthodorie an ׳, er war umgeben von einer Schaar eisriger Alkgläubiger, die er mit maßloser Mnuifizenz unterstützte, uud wäre fein Streben dahin gerichtet gewesen, seinen Einfluß auf das kultuelle Leben in unserer Gemeinde geltend zu machen; er hätte, ohne dqß er zu Petitionen und Dcnunziren bei den Behörden seine Zuflucht hätte nehmen müssen, durch sein Ansehen und Gewicht so manchen Erfolg der modernen Bestrebungen vereiteln oder unterdrücken können; dazu aber ließ sich sein edler Charakter von Niemanden bewegen, daß er der Thätigkeit des Fortschrittes irgendwie hindernd in den Weg trete; er zog sich zurück in seine Synagoge, die er für sich und seine Gesinnungsgenosscn unterhielt, aber er verpönte nicht die Veredlung des Knltus, er ließ ruhig den Zeitgeist gewähren. Ueber einige Leichenreden, die er von Dr. Hübsch hörte, sprach er rückhaltslos seinen ungethcilten Beifall aus, ec war also in seiner Orthodorie weit entfernt davon, in der deutschen Predigt eine Ketzerei zu sehen. Wir heben das hervor, weil der Name des Verewigten Einigen, die hinter seiner Bahre gingen, Anlaß gab zn einer Vergleichung zwischen ihm und dem sögenannten Herzoge von Jerusalem und das Ergcbniß dieser Vergleichung war, daß der Hingeschiedene als das reine Gegentheil des Pseudoherzogs nur um so tiefer betrauert und beweint wurde! Mögen diejenigen, die gerne als ״roostvr <16 bronze“ vor der Orthodorie gelten möchten von dem Verewigten lernen, wie man für die Orthodoxie Propaganda machen mnß. Der Hingeschiedene that es, oberer that es unwillkürlich durch die Reinheit, durch de» wahren Adel seines trefflichen Charakters, durch die unerschöpfliche aus der edelsten Quelle fließende Wohlthätigkeit, die sein ganzes bescheidenes Leben mit einem sanften freundlichen Lichte durchstrahlte! — Der Tiesbetrauerte stand im achtundfünszigsten Jahre seines segeusreichen Lebens,'er war der Bruder des in den Adelsstand erhobenen sel. von SalemSfeld und hinterläßt eine Tochter, die an Herrn Eduard von Porthcim verehelicht ist. Die gebeugte Familie des Verschiedenen wollte im Hinblicke auf die stille Bescheidenheit, die den Tobten im Leben zierte, jedes Gepränge bei feiner Beerdigung vermeiden, der Vorstand der Beerdigungsbruderschaft aber ließ sich es nicht nehmen, Alles zu thun , was nach dem Sinne des Vorstandes den Verstorbenen ehren konnte, und so dauerte die Beerdigungszeremonie von 2 Uhr Nachmittags bis 7 Uhr Abends. Drei von der Chcwra Kadischa gewählte Redner sprachen Leicheusermone an drei verschiedenen Stellen. Herr Oberrabbiner Rappoport begann treffend seine Rede mit: החבורה שמת ידאגו sv אחר כל בני החבורה!״ er betonte אחד מ' ה': והגדול שבהבוד und ein Meer von Thränen antwortete auf dieses ergreifende Erordium, denn mit vollem Rechte konnte der Hingeschiedene הגדול שבחבורה genannt werden: Friede seine Asche und se.iu Andenken fei g -segnet