Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 16 (20.4.1864)
- Date
- 1864-04-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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327 Hospitale einrichteten. Gleich darauf erfolgte die Konzession zum Ankauf eines Platzes auf dem Schweidnitzer Anger, welcher zum Begrabnißplatz eingerichtet und mit der Stiftüng der Kraukenoerpflegungs- Anstalt dergestalt vereinigt wurde, daß die Gemeindevorsteher die Einkünfte der Begräbnißgelder zur Bestreitung der erforderlichen Kosten an gedachtes Institut ganz überließen. Dasselbe hatte gleich znr Zeit der Gründung seine Haupteinnahme von einer bedeutenden Anzal Mitglieder, welche sich freiwillig zum Beitritte mit den vorgeschriebenen Eintrittökosten gemeldet und zu einem monatlichen Beitrage verpflichtet hatten; außerdem besteht die Einnahme in Vermächtnissen, Büchsen-Sammluugen, sonstigen freiwilligen Spenden, in dem durch das Ueberlassen der Grabstätten entstehenden Ertrage und in einem monatlichen Zuschuß aus der Gemeindekasse, welcher bis inklusive 1823 mit 33'/z Thlr. monatlich, von 1824 aber mit polizeilicher Genehmigung auf 50 Thlr. monatlich festgesetzt wurde. Die Einnahme vermehrte sich von Jahr zu Jahr durch neu hinzutretende Mitglieder und wohlthätige Spenden. Dadurch wurde die Anstalt in den Stand.gesetzt, ihre Wohlthaten nicht allein ans Hospital-, sondern auch auf arme jüd. Stadtkranke dergestalt auözudehnen, daß auch alle arme jüd. Stadtkranke mit ärztlicher Hilfe und Medikamenten versehen, auch so viel als möglich mit Geld unterstützt werden konnten. Im Jahre 1828, da sich die Anzahl der Gemeideindemitglieder, und natürlich auch die Anzahl der Kranken vermehrte, stellte sich bei der Anstalt das Bedürfniß nach einem größer« Hospitalgebäude ein, und dieselbe brachte daher mit Genehmigung der Negierung und des Gemeindevorstandes ein am Begräbnißplatze angrenzendes Grundstück käuflich an sich, worauf aus dem Legatenfonde ein Hospitalgebäude errichtet wurde. Jedoch fanden hier nur diejenigen Kranken Aufnahme, die im städtischen Hospitale nicht untergebracht werden konnten. Schon im Jahre 1812 wurden die Statuten der Gesellschaft um weitere 26 .Punkte vermehrt und in Folge eines Negierungs-Ediktes ins Deutsche übertragen. Seitdem wurden dieselben zweimal, im I. 1823 und 1863 einer sorgfältigen Revision unterzogen und vielfach verändert. Die Gebrüder Fränkel, die sich um die Stadt sowol, ,wie um die Gemeinde durch ihre milden Stiftungen unaussprechliche Verdienste erwarben, wandten ihre Mildthätigkeit auch der Beerdigungs-Gesellschaft zu und erbauten im Jahre 1841 ein großartiges Gebäude, welches zum Hospital eingerichtet und der genannten Gesellschaft übergeben wurde. In demselben befindet sich zugleich das israelitische Waisenhaus, Bethamidrasch und-der Lehr- und Leseverein nebst der ziemlich reichen Gemeinde-Bibliothek. Möge es dem Institute, dessen Geschichte wir hiermit in Kurzem gegeben, auch hinfort vergönnt sein, zum Heile unserer leidenden Mitbrüder zu wirken und möge nie die Liebe zum Wohlthun aus Israel schwinden. 328 Korrespondenz. Ausland. L. D. London, 10. April. ') Tine Sitzung des Como« Coneil wurde Donnerstag den 8. d. M. in der Gnildhall abgehalten, welchem der sehr ehrbare Lordmayor präsidirte. Herr Aiderman Philips erhob sich und in Uebereinstimmung mit einer früher gegebenen Notiz trug er auf folgende Resolution an, nämlich: ״daß der Dank der Korporation respektvoll an Sir Moses Montefiore Bart, gegeben werden soll für die aus gezeichneten Dienste, welche derselbe im Dienste d e r H n m a-, nitat geleistet hat, die vielen Missionen, welche derselbe in fremde Länder unternommen hat, um denjenigen, welche für religiöse Ueberzengung unterdrückt sind, Er-, leichterung zu verschaffen, ganz besonders aber für dessen Reise nach Marokko, um vom Kaiser daselbst die Gleichstellung der Juden und Christen mil den übrigen Unterthanen zu erbeten. Daß ferner diese Resolution kalligraphisch geschrieben, unter Glas und Rahmen gesetzt sein möge, mit einem Kostenaufwand von SO Guineen, und daß dieses an Sir Moses Montefiore zu übecschicken sei.* * Mylord Mayor! Wenn der Rath mir einige Minuten zu sprechen gönnen wollte, so wollte ich mich bestreben, mit aller mir möglichen Klarheit und Bündigkeit die Thatsachen festzustellen, welche mich heute veranlassen, diesen Schritt zu thun. Nie gab es eine Periode in diesem Lande, wo das Bestreben so mächtig.war, allgemeine Wohlfahrt zu befördern, die Zustände der Menschheit zu verbessern, die Leiden zu mitdern, als es heute ist (Beifall.) Nie war auch eine solche Anzahl von hochherzigen, gebildeten Und edlen Wohlthätern i» allen Religionsgesellschaften vorhanden (hört, hört.) Ich setze voraus, daß der ansgezeichnete Baron et. welcher der Gegenstand der Resolution ist, die ich soeben vorzuschlagen die Ehre habe, auch in diese Klasse gehört (hört, hört.) Sir Moses Montefiore ist kein Fremder, er ist ein alter und treuer Bürger. 60 Jahre seines Lebens war er mit den besten Interessen unseres Landes eng und unzertrennlich verbunden (hört.) Im Jahre 1837 wurde er zum Sheriff gewählt. In demselben Jahre wurde er auch geadelt. Zu Ende dieses Jahres erhielt er eine Note des einstimmigem Dankes des Roths in der allgemeinen Halle. Ich fühle die Schwierigkeit meiner Position (nein). Nichtsdestoweniger vertraue ich dem Verdienste der Sache selbst (hört.) Ich spreche von einem echten Heros, wie nur je einer die Blätter der Geschichte schmückte (hört, hört), nicht von einem Heros, welcher mit Kanonen und Bajonetten auf dem Schlachtfelde siegte, sondern von einem solchen, welcher kühn und furchtlos sich erhob , der die Schlacht der Freiheit käinpfte und als ruhmvoller Sieger herauskam (hört), siegend durch die Waffen des Verstandes, der Wahrheit und Gerechtigkeit.") Der Sultan von Marokko empfing sehr gnädig Sir Mose s Montefiore in einer Audienz, und bei dieser Gelegenheit überreichte Sir Moses die folgende Bittschrift: An Seine Sheriffjanische Majestät dem Sultan von Marokko. ״Möge es Ew. Majestät gefällig sein— 3) Ich komme mit der Sanktion und Zustimmung des Gouvernements Ihre» Majestät der Kö- ')Die nachfolgenden Zeilen sind — abgekürzt — dem ״Dail y Telegraph" vom 9. April d. M. entnommen. *) Der Redner gibt hier ein kurze Uebersicht der früher» Reisen von Sir MoseS Montefiore,- welche wir, da sie allbekannt sind — weggelassen haben.' Es folgen auch einige Eiliz-lnheiten von der marokkanischen Reise, welche wir bereits in diesen Blättern׳ mitgetheill ") Es ist dieses eine englische Formel, welche den Adressen an königliche Personen vorangeht. '