Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 15 (13.4.1864)
- Date
- 1864-04-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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319 320 Hit thun, als den für bas Seminar zu entwerfenden Lehrplan der Orthodorie recht mundgerecht zu machen, was dem klugen und bedächtigen Manne vollkommen gelang. Die Grnndzüge des Planes waren nun allerdings Nr. 13 des B. Eh. mitgetheilt; sie wurden aber weder geprüft, noch aufmerksam beachtet. Ein Zufall lenkte sedoch dieser Tage die Aufmerksamkeit der Gebildeten darauf. Ein hiesiger jüdischer Arzt wurde nämlich in Ofen gefragt, woher es denn komme, daß den jüdischen Kandidaten der Theologie weder Homiletik noch Katechetik gelehrt werden solle, da doch diese praktisch-theologischen Disziplinen dem jüdischeu Theologen ebenso unentbehrlich sein müssen, wie dem christlichen Theologen. Diese Frage pflanzte sich, wie dies gewöhnlich zu geschehen pflegt, von Mund zu Mund als Geheimniß fort. Jetzt erst nahm man die Grundzüge des Entwurfes zur Hand, und fand den Lehrplan, auch abgesehen von der aus demselben weggebliebenen Homiletik und Katechetik, vollkommen geeignet, die Orthodoxie im nördlichen Ungarn zu beruhigen, und die Bildung wissenschaftlich unterrichteter jüdischer Theologen in Ungarn zu verhindern. Die mittlerweile von Nyiregvhsza hier angelangten Rabbinen sollen sich, —nachdem ihnen begreiflich gemacht wurde, daß die Gegenstände des Obergymnasinms schon der Regierung gegenüber nicht umgangen werden können, und daß unter der zu tradirenden Geschichte der Inden nur der Seder ha-Doroth zu verstehen wäre, — mit dem Elaborate einverstanden erklärt haben; knüpften aber daran die unerläßliche Bedingung, daß der Sitz der Rabbinerschnle nicht in Pest sein dürfte. In Pest ging man bereitwillig auf diese Bedingung ein/ und Herr Oberrabbiner Hirsch soll in seiner Polemik gegen Pest eine wahrhaft glänzende Eloquenz entwickelt haben — leider zu Gunsten der Reaktion! Herr Oberrabbiner De. Meisel plaidirte allerdings für Pest; er wurde aber unter Hinweisung auf sein Memorandum zum Schweigen gebracht. Wäre unter den Mitgliedern aus dem ״Stande der Industriellen" nur ein einziger Sachkenner gewesen; er hätte dem Herrn Oberrabbiner Hirsch geantwortet: ״Ich finde Ihren Eifer ungegründet, ehrwürdiger Herr, wiewol ich der Reinheit Ihrer Absichten gerne alle Gerechtigkeit widerfahren lasse. Wenn die katholischen Bischöfe und die Protestant!- schen Superintendenten unseres theneren Vaterlandes keinen Anstand nehmen, in dem von Ihnen mit so vieler Härte beurtheilten Pest Theologen heranbilden zu lassen, ohne daß den respektive« Kirchen hieraus ein Nachtheil erwachsen wäre; so brauchen wir Inden uns ebenfalls nicht zu scheuen , -unsere theologische Lehranstalt in Pest blühen zu lassen. Und sollte diese Analogie nicht hinreichen, Sie von der Unhultbarkeit Ihrer Argumente gegen Pest zu überzeugen, so bitte ich Sie, ehrwürdiger Herr, sich zu erinnern, daß die theologische Lehranstalt der französischen Juden vor einigen-Jahren auf Ansuchen sämmtlicher jüdischer Konsistorien von Metz, dem altehrwürdigen Metz, nach Paris verlegt würde. Denken Sie nur, Herr Oberrabbiner, nach Paris! Die französischen Inden haben wissenschaftliche Notabilitäten, wie M n n k, Frank, Albert C ohn, unser!!! berühmten Landsmann. Solche Männer denken: Der sittliche und religiöse Lebenswandel der jungen Leute läßt sich auch in Paris überwachen; aber die Gelegenheiten und Mittel zu ihrer wissenschaftlichen Ausbildung. die ihnen Paris bietet, sucht,man in Metz vergebens. Ich bin nun weit entfernt, Pest in dieser Beziehung der französischen Hauptstadt an die Seite stellen zu wollen. Aber unleugbar bietet auch unser Pest-mit seiner Universität, seiner Akademie der | Wissenschaften, seinem Museum, seiner Universitätsbibliothek und seinem gehobenen jüdischen Volksschülwesen dem künftigen Rabbiner sehr schätzenswerthe BildnngSmittel dar, die sich weder in.Altofen finden, noch in Päpa, noch in Gyönygyös." Indem ich Ihnen dies mittbeile, reprodnzire ich nur, was ich vorgestern in einemgebildeten Kreise äußerte. Herr Karl Louis Pos'ier, dem meine Aeußerungen zu Ohren kamen, soll auSgerufen'haben״Ach,"warum würde"mir dies nicht früher gesägt! Ich ' habe ja den Herren Hirschler, Kern, Löw, Pollak sagen lassen,-daß ich bereit bin, mit ihnen eine privatliche Vorbesprechung zu halsen. Ich hätte es auch bei dem Herrn v. Schoßbcrger erwirkt, daß er sich herbeigelassen hätte, denselben ein geneigtes Ohr zu schenke». Aber die Herren weigerten sich ja, sich mit uns einznlassen , * B. Pest, 11. April. Ich habe Ihnen die erfreuliche Mittheilung zu machen, daß der zeitweilig cingegangene ״Magyar Jsraelita" Aussicht har, das eingereichte Programm bald gutgeheißen zu sehen, um seine unterbrochene Laufbahn wieder fortsetzen zu können. Die Ver« trauenskommiffion war leider nicht zu bewegen, zu Gunsten des bedrängten, verdienstvollen Blattes einen Schritt zu thun. Pest, 8. April. In herzlichster Danksagung für die meiner Unternehmung gütigst geweihte Theilnahme und Förderung erlaube Ich mir an die Gönner des ״Beth-El" die ergebene Bitte: die denselben zngesandtcn ״PränumeratlonSbogen".— da die Drucklegung betreffender Schrift bereits eingeleitet ist — baldigst dem Gefertigten znkommen zu lassen. ' . Mit Bezugnahme auf mehrfache, von Preßburg und Umgebung an mich gerichtete Anfragen, sehe ich mich hiermit zur Erklärung ver, anlaßt, daß das nächste s5.) Heft schon die Lebensbeschreibung des unvergleichlichen R. Koppel Theben s. A. bringen wird, die des Ot. Slbc. Hirsch Lemberger s. A. sammt Bildniß aber dem 6. Hefte אי״ח vorbehalten bleibt. Ignaz R e ich..? Pest, 11. April. Gestern Vormittags um 10 Uhr erschien eine Deputation der israelitischen KultnSgemeinde zu Soroksär bei dem Herrn Karl Louis Posner, ihm eine Adresse folgenden Wortlautes überreichend: ״Ew. Wohlgcboren! Die israelitische Gemeinde zu Soroksär, welche in Allem, was schön und edel, gut und zeitgemäß,, Heilsam und ehrenvoll ist, ihren Schwestergemeinden im ungarischen Vaterlande stets als Muster und Vorbild vorangelenchtet hat, fühlt sich angenehm verpflichtet, Ew. Wohlgcboren den Ausdruck.ihrer Dankbarkeit, ihres Respektes, ja ihrer Bewniiderniig kund zu geben, mit aller Zuverficht erwartend, daß die übrigen Gemeinden unserem Beispiele folgen werden. ' , / Ew. Wohlgeboren sind, wie uns Soroksärern und allen,ungarischen Juden bekannt ist, der verdienstvolle Perfasser des neuen Planes für die jüdischen Schulen in Ungarn, dessen Grnndzüge wir im Abend - blatte des ״Pester Lloyd" Nr. 81 zu lesen so glücklich waren, und wir folgten nur dem niiwiderstehlichen Drange unsers Herzens, indem wir uns die Ehre verschafften, Sie, o großer Mann, von Angesicht zu Angesicht zu begrüßen. Wie alle großen Männer, die auf der Höhe unseres Jahrhun« Hunderts stehen, sehen auch Ew. Wohlgeboren cs klar ein, daß die Kinder der heutigen Zeit ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihre häuslichen ÄiHelkgeiihclten beschränken, ohne für alles Uebrige auch nur das geringste Interesse zu hegen. Sie'setzten daher mit Recht voraus, daß die ungarischen Juden sich glücklich schätzen würden, ihr Schulwesen ohne ihren Einfluß von Ihrer Meisterhand geordnet zu sehen. Wir unterschreiben diese Voraussetzung nnbedingt. Denn in Wahrheit besitzt unsere Soroksürer Gemeinde keinen Schiilmann Ihres Kalibers. ES ist daher'eine unaussprechliche Wvhlthat, daß Sie sich herbeiließen, dem üngarisch-jüdischen Schulwesen unter die Arme zu greifen Ew. Wohlgeboren! Ihrem Scharfblicke ist eS gewiß nicht intgangen, daß es in Ungarn eigentlich gar kein Gesetz für jüdische Schnlkn gibt. Die österreichische politische Schnlverfaffung , die auf die jüdischen Volksschulen ׳Rücksicht nimmt, hat׳ in-Ungarn keine Gesetzeskraft, --und' das ungarische sMüwa sokoiurum tzlöweutarium nimmt auf die jüdischen Schulen nicht die geringste Rücksicht, indciii cö ausschließlich für katholische Schulen bestimmt ist. Sv viel wissen wir^anch in Soroksär. Nicht recht begreiflich ist' uns blös der Uq,stand, daß^Ew. Wohlgeboren die Krrirnng von administrativen Organen für das jüdische Schulwesen