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Ben Chananja · 1864-04-13 · 15 (13.4.1864) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ben Chananja
Volume
7 (1864)
Issue
15 (13.4.1864)
Date
1864-04-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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321 322 in Ungarn vorgeschlagen haben, ohne an die Nothwcndigkeit eines erschöpfenden Gesetzes für diese Organe und für die Gemeinden zu denken. Wir glauben jedoch annehmen zu müssen, daß die bezüglichen'Zeitungsberichte sehr unvollständig sind. Ew. Wohlgeboren werden gewiß nicht unterlassen, diese Berichte zu ergänzen. In Ungarn geboren und erzogen und mit dui vaterländischen Verhältnissen genau bekannt, wissen Ew. Wohlgeboren, daß es dem ^Ungar widerstrebt, die Organe zur Leitung der öffentlichen Angelegenheilen zu Wählen. Daher haben Sic in Ihrem aiisgezcichneten Elaborate konsequent das System der Ernennung durchgeführt. So lange das gegen ׳ ärtige Provisorium in unserm thcuern Vaterlande währt, werdin vielleicht nicht alle Juden diese Ihre legislatorische Weisheit zu würdige» verstehen, wie wir Soroksarer. Erst wen» einst die Zeit des Provisorium» zu Ende ist, wird der Name Karl Louis Posner mit goldenen Buchstaben in die Geschichte der Juden in Ungarn eingetragen werden. Aber auch bis dahin mögen Sie uns gestatten, uns in tiefster Dankbarkeit und Verehrung nennen zu dürfen Ew. Wohlgeborcn unterthänigste Diener Die Vorsteher und Glieder der isr. Gemeinde zu Soroksür. §. Pest, 8. April. Es hieße wohl Eulen nach Athen tragen, wollte man in dem Augenblicke, wo fast alle vaterländischen Blätter ein ausführliches Erposä über die soeben in Ofen beendeten Konferenzen israelitischer Vertrauensmänner bringen, jenen offiziellen Reporter, der doch ganz gewiß in die Mysterien der Verhandlungen eingcwciht ist, auf einige Lücken in dem diesbezüglichen Berichte aufmerksam zu machen. Wir vermissen nämlich jede Andeutung über die Zahl der anznstellendeu Lehrer, die Höhe der systemisirten Gehalte u. s. w. und wir finden es nachgerade befremdend, warum die einschlägigen Date» mit Stillschweigen übergangen wurden; und dennoch muß jeder Unbefangene gestehen, daß auch diese Materielle Seite einer für die gesammte ungarische Judcnheit so wichtige» Angelegenheit nicht minder hervorgehobcu zu werden verdient, als z. B. wie hoch der jährliche Ueberschuß der Zinsen des Schulfondes sich beläuft. Cs dürfte Ihnen demnach nicht unwillkommen sein, wenn ich Ihnen die, auf authentische Quellen gestützte Mittheilung mache , daß von de» 20,000 ff., welche daö zu errichtende Rabbiner- Seminar in Anspruch nehmen wird, folgende Ziffern ausgesetzr sind, und zwar: 1 Direktor mit dem firirten Gehalte von ..... 2500 fl- 4 Lehrer der ober« Abtheilung, wovon jeder 2000 fl. . . 8000 ״ 4 'Lehrer der untern Abtheilnng, wovon jeder 1500 fl. . 6000 ״ Für die , Bibliothek sind jährlich sirirt . . . . . . 400 ״ zusammen . 16,900 fl. Der erübrigende Betrag von 3100 fl. wurde für die Miethe der Lokalitäten, Besoldung der. Diener, eines Pedells u. s. w. bestimmt. Wie Sic sehen, sind die Gehalte so bedeutend, wie sie bloö die Professoren an Hochschulen beziehen und man darf mit Recht hoffen, daß nur solche Individuen eine Anwartschaft auf eine Anstellung am Rabbiner-Seminar haben können, die gründliches talmüdisches Wissen, gediegene klassische Bildung mit tiefreligiöser Gesinnung verbunden und vorzüglich der vaterländischen Sprache vollkommen mächtig sind — mit Einem Worte: Männer, in deren Anschauungsweise Wissenschaft und Judenthum versöhnt sind, die genügende praktische Routine besitzen und denen es nicht bloS um pilpulistische Seifenblasen zu thun ist. Wir \ hegen übrigens die feste Zuversicht, daß es den in der österreichischen Residenz von einigen fanatischen Dunkelmännern aus Oberungarn an-- gefachten Agitationen nicht gelingen wird, die edlen Intentionen der h. ungarischen Statthalterei zu paralysiren und daß das verhcißungSvolle Institut trotz aller zischelnden Denunziationen zur Ehre Uns zum Heile Israels bald ins Leben treten werde — immerhin dürfen die Vertrauensmänner rufen: Jaraque opus exegimus! Szegedilt, 10 April. Ein außerhalb Ungarns angeftellter tüchtiger Rabbiner wünscht in gleicher Eigenschaft, oder auch als dirigirender Lehrer einer öffentlichen Hauptschule in fei*;« ungarische Heimat znrückziikehren. Auskunft auf frankirte Anfragen crthcilt der Red. d. Bl. Mako, im April. Die Aufnahme eines Rabbiners ist nunmehr beschlossen, und wird wol nach dem bevorstehenden Peßachfeste statlfinden. Im Trauerjahre nm den gottsel. R>bb. wollte man die Angelegenheit nicht zur Sprache bringen, wie denn die Gemeinde auch die Hinterbliebenen ihres gewesenen Seelcnhirten mit aller gebührenden Rücksicht behandelt. Die Wiltwe hat im'Trauerjahre den vollen Gehalt und alle Sporteln bezogen. Eine lebenslängliche Pension ist ihr zugesichert. Für ihre zwei unmündigen Töchter sino 1000 fl. kapitalistrt worden. Der Chorgcsang soll nunmehr auch in unserer Synagoge einheimisch werden. Eine kleine Minorität hat zwar beim Obergespan gegen diese Neuerung rekurrirt; dieser Rekurs wird aber, wie sich von selbst versteht, erfolglos bleiben. Dieselbe Minorität bemüht sich, in unserer Gemeinde ein chaßidäisches Konventikel zu bilden .Bisher hatte die Wühlerei wirklich einigen Erfolg. Seit Kurzem wurde aber hier bekannt, daß ein chaßidäischer Rabbiner in unserer Nachbarschaft seine Ehehälfte — mißhandelt!! Die Frauen der hiesigen Chaßidäer fürchten nun ein gleiches Geschick; sie schicken sich daher bereits an, ihre Männer von der Bahn des Chaßidäismus abzubcingen. P. AuS dem Tolnaer Komitate, im April. Die größte Gemeinde in diesem Koinilate ist in Paks, wo 1844 eine Rabbiner- Versammlung gehalten wurde. Der Rabbiner Unger gehört zu den friedlicheren Orthodorcu. Ec begünstigt in diesem Augenblicke die . abermals versuchte Gründung einer Volksschule, wiewol die Pakser MorenuS — 60 an der Zahl — für die Integrität des Cheders schwärmen und lärmen. Der Agitation der Orthodoxie wollte sich Herr kluger nicht anschließen, wiewol ec vom Preßburgec Rabbiner dazu anfgefordert wurde. Das Schreiben des letzter» habe/ich selbst gelesen. "Der Preßbnrger Rabbiner entschuldigt sich in demselben, daß erden Hildesheimer an die Spitze der Bewegung gestellt, hat. Es geschah dies, sagte er, nur deshalb, weil ich selbst der deutschen Sprache nicht mächtig bin. Die Gemeinde zu Tolna zählt »nr SO Familien, besitzt aber dennoch eine schöne Synagoge, ein Schnlhans und ein rituelles Bad. Die Gemeinde zu Szegßürd, 48 Familien zählend, ist noch sehr jung, befindet sich aber in einem sehr blühenden Zustande. Die Gemeinde hat eine dreiklassigc öffentliche Schule, iu welcher Treffliches geleistet wird. Lehrer: Neufeld und Klingenberg. Die Vorsteher Nosenzweig und Markus schenken, der Schule alle Aufmerksamkeit. Die Gemeinde beabsichtigt, eine Synagoge zu bauen: sie sollte aber zuvörderst einen Rabbiner wählen. B. Aus Böhmen, im April. Bilden Sie sich nicht ein, daß Sie nur in Ungarn Chaßidäer haben; auch wir können uns solcher Heiliger rübmen. In Schitrenhofen zeichnen sich die Chaßidäer dadurch aus, daß sie den ״kleinen" Versöhnungslag, der bekanntlich seinen besonderst Gottesdienst der Kabbala verdankt, besonders auszeichncn. Sie legen dabei die Filakterien an, und lassen Abends lesen, wiewol sie nur bis Mittag fasten! Ob ihnen das Fasten bis Abends unbequem sei, oder ob sie es unterlassen, weil der gelehrte R. Samuel Löb KauderS bewiesen hat, daß in der talmudischen Zeit am ער־״ה nicht gefastet wurde (Olath Schein. Nr. 61), möge/da hin gestellt bleiben. Aber 8ub quo tituko lassen sich diese Kabbalisten das rezitircn? AndererseitS sind die Herren radikale Reformer. Das alte Vorrecht der Aaronid.en, die Thora-Lektion zu eröffnen, haben sie ganz und gar abrogirt, ebenso den Aaroniden-Segen (ü'QD נשיאת), der bei den Kabbalisten sogar täglich'e'rtheilt wird. Es wundert Biele, daß die Ortho« dorie noch keine Subskription gegen die Neuerer in Schittenhofen eröffnet bat. Diese werden wahrscheinlich an die Reihe kommen , sobald die Herren Orthodoren mit dem Messias fertig geworden sind.. Szegedin, | Leipzig, Zrlbstvcrlag der Ae-aktion. Lommisstous.vkrlag von Franz Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szcgedin.

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