Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 15 (13.4.1864)
- Date
- 1864-04-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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317 318 Oöerrabbirier Dr. Wolff ein Höchst pikantes offenes Sendschreiben erschienen, ans dem ich nächstens in kiesen Blätmit Erlaubniß des Redakteurs *) Einiges mitzutheilen gedenke. Äo rresponden;. Inland. , L—o. Wien, 9. April. Indem ich in der ״General-Korrespondenz" die detaillirte Darstellung der Wirksamkeit jener ungarischen Vertrauensmänner lese, welche über die Gründüng eines Rabbiner- Seminars zn Rathe gezogen wurden, finde ich auch einen Passus, daß das Präsidium der ungarischen Statthaltcrei die Ansmersamkeit der Konferenzmitgliedcr auf Gegengesuche gelenkt hat, die gegen die Errichtung des obbenannten Seminars gerichtet sind, und welche von einigen uordungarischen Rabbincn ausgehen. Leider kann ich Ihnen die Thatsache bestätigen, daß die zwölf Apostel — so nennt man hier das Dutzend Rabbinerchen— alle Hebel in Bewegung setzen, um die Errichtung des Seminars ans jede mögliche Weise zu hintcrtreiben. Daß es da nicht an obligatem Chillul Haschen! fehlt, können Sie sich denken. Unser Staatsminister hat ordentlich Angst vor dieser schwarzen Legion und es ist bereits die Rede, daß man — wie ich dies verbürgen kann — au maßgebender Stelle ernstlich daran denkt, in unserer Metropole ein allgemeines Zentral-Semiuar für jüdische Theologie ins Leben zu rufen, welches für säuimtliche Provinzen und Ecbländer autoritative Kraft haben soll. So würde man freilich allen partikularistischen Svnderbestrebnngeu die Spitze abbrechen und cs ist die Frage , ob dies nicht im Interesse des Gesammtjudeuihums am gedeihlichsten wäre. Ohne mich hier i» eine weitläufige Erörterung dieses Gegenstandes einzulassen, kann ich koustatiren, daß die magyarisch-jüdischen RückschrittSmänner Allerhöchsten Orts eine hierauf bezügliche Petition eingereicht habe». Vielleicht wird unser hiesiger Haupt-Rabulist mit seinen hochtrabenden Phrasen in der bereits altersschwachen ״Neuzeit" mehr wissen — verspricht doch der Cagliostro der Journalistik in der gestrigen Nummer . nächstens einen zumeist durch ihn angeschwärzten Mohren wieder weiß zu waschen! Vederemo. — Wien, 4. April. ילמדנו לבינו Ist es einem orthodoxen Juden gestattet, während der ersten neun Tage deö Trauermonates Abends ein Theater zu besuchen? — Herr Rabbiner Hirsch in Frankfurt am Main besuchte nämlich, als er Noch mährischer LandcSrabbiner , war, während seiner Anwesenheit in Brünn zur angegebenen Zeit das Theater daselbst. Wird daher Herr Rabbiner Hirsch zu denjenigen gehören, welche עתיד לשמוח בבנינל sein werde», oder muß man vielleicht die Hoffnung aufgcbeu, daß dereinst der ״Jeschurun" in Jernsalem erscheinen werde?**) י Wie ich sehe, ist auch Herr Rabbiner Sänger in Kutteuwicsen (Ich bekenne meine Unwissenheit, mir war dieser Ort gänzlich uubekannt) unter den protestantischen Nabbincu. Sollte das derselbe Herr Sänger sein, welcher sich um die hiesige Predigerstelle bewarb? Zu jener Zeit scheint genannter Herr in den hiesigen religiösen Institutionen *) Ich bitte darum. Red. ' **) Der" Herr LaudeSrabbiner dachte wahrscheinlich :!אי? אסור חל על אסור- Denn der Besuch des Theaters ist nach dem Talmud überhaupt streng verboten, wie Sie sich aus den Quellen leicht überzeugen können, S. Ben Chananja, 4׳. Jhrg. Nr. 5. Es ist auch hinlänglich bekannt, daß jeder Jünger der Preßburger Jeschiba das oousiliuw nbsuudl erhält, sobald er das Theater besucht. Nur den Vorderer» sah man es nach, wenn sie die Oper besuchten, um — sich hin und wieder eine Arie, anzueignen. Der Borbster! der Pestcr orthodoxen Synagoge. David StreliSker, war ein sehr fleißiger Besucher der Oper. / N e d. Befriedigung gesunden zu haben. Diese Herren scheinen doch ein weites religiöses Gewissen zn haben! T-K. Pest, 5. April. Heute hat die Notabienversammlung, der 6aS von dem Rabbincr-Komitä auSgcarbeikete Elaborat in Augelegenheit des Seminars von der k. Statthalterei vorgelegt wurde, die letzte Sitzung gehalten. Mit Ausnahme der bei Herrn S. W. Schoß׳ bergec de Tornya stattgefundenen Konferenzen fanden im Ganzen blos drei Sitzungen statt. Das Elaborat wurde sowol von dem Pränsientcn v. Hueber, als auch von den beisitzenden Statlhaltereiräthcn und dem gesammten Komitö als ausgezeichnet anerkannt. — Wir hätten übrigens gewünscht, daß so manches Intermezzo weggeblicben wäre. WaS sollen sich die Herren Statthalterciräthe denken, wenn ein Oberrabbiner nichts Klügeres zu sagen weiß, als daß man das alte ungarische System (von dem freilich so mancher Doktor keine Ahnung hat!) aufgcben müsse. Dieser weise Mann mußte es sich daun freilich gefallen lassen, daß ihn zuvörderst Herr P—m aus P. ernstlich zurechlwies, daß die alte Schule in Ungarn Männer herangebildet habe, von deren Befähigung eben das vorliegende Operat glänzendes Zeugniß ablege; dann aber äußerte der hiesige Kultusvorstand geradeweg in derbem Tone: ״Wir haben leider die Früchte in vollem Maße kennen gelernt, die uns die deutschen Doktoren hergebracht haben; wollte Gott, wir hätten uns immer an die unserigen gehalten, und nicht erst vom Anslande Leute kommen lassen" rerc. — Abgesehen also von solchen Jutermczzos - hielten sich die Verhandlungen in den Schranken des Anstandes und der Würde. In Bezug auf die Grnndzüge des Entwurfes, von denen Ihr, Araber Korrespondent in Nr. 13 d. Bl. vollkommen unterrichtet scheint, erlaube ich mir noch mitzutheilen, daß der Lehrplan eine Unterabtheilung mit fünf Jahrgängen und eine Oberabtheilung mit dreijährigem Lehrkurse enthält. Säuimtliche Schüler in der Unterabtheilung erhalten ihren Gesammkunterricht in der Rabbinerschule; die Schüler der oberen Abtheiluug können zur weiteren Ergänzung ihrer wissenschaftlicheu Bildüng geeignete filvsofische Vorlesungen an einer Staatülehranstalt oder Universität besuchen. Beim Vo.trage des Talmud, welcher natürlich nebst der heiligen Schrift den Hauptgegenstand des Gesammtuuterrichtes und die allgemeine Grundlage für alle übrigen theologischen Disziplinen bildet, muß die, diesen Fachstudien eigene dialektische Lehrweisc, ohne welche ein tieferes Eindringen in dieselbe unmöglich ist, ) durchgehends eingehalten, überall auf streng logische Auffassung gedrungen und das selbstthätige Nachdenken der Schüler angeregt und fortwährend wach erhalten werden. Die Unterrichtssprache ist bei dem Quellenstudium die deutsche, bei den übrigen Fächern theils die deutsche, theils die ungarische, und wird bei Besetzung der Lehrerstellen hierauf Rücksicht genommen. Wiederhotenttich wird mit Schärfe hervorgehoben, daß in keinem Theile des Unterrichtes der Boden des positiven historischen IndcnthumS verlassen werden darf. K Pest, 8. April. Allmälig gewinnt die öffentliche Meinung einen Einblick in die eigentliche Tendenz des VertranensentwurfeS für das zu gründende Rabbiner-Seminar und in die Genesis dieses merkwürdigen Entwurfes. Folgende Aufschlüsse dürften Ihnen nicht unwillkommen sein. Hirschler's, bekannte Eingabe bei der k. ung. Hofkanzlei konnte ihre Wirkung um so weniger verfehlen, als die zweckmäßige Verwendüng des Schulfondeö bereits früher in den Absichten der Regierung lag , und die Gründung einer NabbinerbildungS-Anstalt schon 1858 ׳ Allerhöchsten Ortes beschlossen war.. Als der Gegenstand dem k. Statthaltereirathe in Ofen zu weiterer Verhandlung übergeben wurde, war Hirschler bereits zurückgetreten; es wurde mithin sein, Nachfolger, Herr Schoßberger v. Tornya, zu Rathe gezogen. Dieser war ganz glücklich, an seinem Verwandten, dem Herrn-Rabbinats-Asseffor Brill, einen fachkundigen Nathgeber zu besitzen. Letzterer hatte nun nichts Dringlicheres