Ben Chananja
- Journal
- Ben Chananja
- Volume
- 7 (1864)
- Issue
- 13 (30.3.1864)
- Date
- 1864-03-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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269 270 ckr. Totis, 20. März. Auch das hiesige Rabbinat wurde von Seite des-Finanzkommiffariates zur Ausfolgung eines TraUUngS-ProtokollSauSzuges seit 1R51 aufgefordet. DaS Rabbinat folgte den Auszug mit der Bemerkung aus, daß die Stempelung der betreffenden Kethil« baS aus dem Grunde unterlassen wurde, weil dieselben in einer vor dem Gesetze ungiltigen Schrift und Sprache verfaßt sind und der Herköm mtiche» Weise nach nicht einmal mit der eigenhändigen Namensfertigung der Kontrahenten versehen wurde, folglich auch nicht als eine stempelpflichtige Urkunde betrachtet werden konnte. Ein dem Vorstände gemachter Vorschlag, sich an die LandeS-Finauzdirektion um Abstellung dieser nach unserm Dafürhalten unberechtigten Forderung zu wenden, wurde mit dem Bemerken abgelehnt, daß man so was den größeren LandcSgemeinden überlassen könne. Fogaras, (Siebenbürgen) im März. Wie kommt es, daß säst gar keine Berichte unserem geschätzten ״Ben Chananja^ aus Siebenbürgen zukommen? Wie mir däncht, muß dies daher rühren, weil leider wirklich blutwenig von einen! kulturellen und intellekiuellen Fortschritte der in unserem Vaterlande domizilireuden 15,000 Israeliten zu berichten ist, und man gerne die Feder ruhen läßt, um dem, für Förderung jüdischer Gemeinde- und Schulznstände beseelten Kreise der geehrten ״Ben- Chananja"-Lescr nicht Unerquickliches berichten zu müssen. Denn all-nthalben bietet unser hierländischeS Gemeinde- und Schulwesen im Allgemeinen nicht sonderlich Erquickliches dar, obschon eS Hierlands Männer gibt, die Thatkrast genug besäßen, sich zur Hebung dieser Angelegenheiten an die Spitze ihrer Gemeinde zu stellen. — Leider wollen aber diese Herren eigenmächtig handeln, und dies versetzt uns stets den Rückstoß. — So hat im vergangenen Jahre Herr Israel Grün vom -allerhöchsten Orte die Genehmigung erwirkt, eine Einberufung der hierländischen Knltnsvorstände zu einer öffentlichen Berathnng behufs Verb esserung der Gemeinde- und Schulzustände veranstalten zu dürfen. Wir sahen dem Hcranrückcn dieses Zeitpunktes mit Freuden entgegen. Was ist aber daraus geworden? Das Projekt ist in sich selbst zerfallen, weil Herr Grün trotz seiner guten Absicht egoistisch genug war, das LandeSrabbi,lat zu ignoriren. — Es dürfen die Anschuldigungen immerhin gerecht sein, dciß der Landesrabbiner zu wenig Konsequenz besitze, daß er während seiner sechzehnjährigen Amtswirksamkeit weit mehr für die Sicbenbürgcr Judenheit hätte leisten können und sollen. — Aber stand man ihm nicht gleich vom Anfang her feindlich gegenüber? Welch Wunder, daß er gegenüber solcher Anfeindungen für seine materiellen Bedürfnisse besorgt sein muß, den Mnth und die Thatkraft des Wirkens verliert! — Ist es aber je Herrn Grün eingefallen, sich dem Landesrabbiner mit Vertrauen zu nähern? Wurden nicht vielmehr alle Furien der Verleumdung gegen denselben loSgelaffen,. und selbst von achtbaren Männern des Landes alle Schattenseiten des Rabbiners ohne Schonung grell hcra'usgehoben? Suchte man nicht den Landesrabbiner in den Äugen der hohen Regicrungsmänner herabzuwürdigen? Mußte in Aubetracht solcher Umstände der Landesrabbiner nicht eo ipso nach allen Mitteln greifen, um sich recht oder schlecht zu behaupten? Man sagt: der Landesrabbincr sei gleich mit der ihn unterstützenden Regierungsmacht ausgetreten, Um seine materielle und unabhängige Besserstellung durchzuführen. Ich bin auch der Ansicht, daß die materielle Stellung unserer Rabbiner unabhängig gegründet sein müsse, wenn dieselben das Edlere ohne Scheu sollen anstreben können, und ich sehe hierin kein so zettergeschrciwürdiges Vergehen von Seite des Landesrabbiners, besonders wenn man erwägt, daß unsere-Herren Rabbiner keine Mose find, die 40 Tage und 40 Nächte ohne Speise und Trank sein können. So lange demnach nicht Männer wie Herr I. Grün, Herr L. Ahronsohn rc. im Einvernehmen mit dem LandeSrabbiner zum allgemeinen Besten Handeln werden, kann gewiß unser Gemeinde- und Schulwesen keine schönere Zukunft erhoffen; vielmehr werden die Wallfahrten zu den ״guten RebbeS". sowie das ״Cheder-Wesen" immer mehr Platz griifen. Dies scheint uns schon die Karlsbnrger Gemeinde zu bestätigen. Diese Ge - meinde, welche durch den Sitz des Landesrabbiners der Zcntralpunkt der Siebenbürger Judenheit sein sollte, wirk! -leider durch ihren steten Kampf gegen das Landesrabbinat vernichtend auf unsere Angelegenheiten. So lange der LandeSrabbiner das Direktorat der Schule hatte, standen Fach- Männer an der Schule, und diese erfreute sich eines guten Rufes , in Folge dessen sie im Jahre 1858 aut Antrag des k. k. Schulrathes Dr. Feste!, der sich auch viel Mühe um ihr Bestehen gab, zur öffentlichen Hauptschule erhoben wurde. Seit der erlangte» Gemeinde-Autonomie ist keine Spur mehr von der Schule vorhanden! Das zurückschrcckendste Chederwescn ist nun stabil geworden! Unsere KiiltuSgcmcinde FogaraS, welche ans achtbaren und soliden Gliedern besteht, hat in dem Hinscheideu unseres 70jährigen ehrwürdigen Nabbinatsverwesers, Herrn Löbl Silbcrmann , der in Verbindüng mit seinem Schwiegersohn Herrn Heinrich Schul viele-Verdienste um die Gemeinde und um die Vollendung unseres prachtvollen Tempels sich erworben, einen herben Verlust erlitten. Es steht aber zn Hoffen, daß die erledigte RabbinatS-Berwesersstelle baldigst durch einen würdigen Nachfolger ersetzt werden wird. Moriz Steiger, Oberlehrer und Gemeindenotar. * Miskolez, am 22. März. Die W ü h l e r e i d e s F a n atismus in unserer Gegend dauert fort. Die Heroen von Szikszü und St.-Peter ') haben am 16. d. wieder Nyiregyhüz zum Congressitz gewählt, wohin sic alle jene Rabbis luden, die den strengreligiöscn aber zeitgemäßen Fortschritte im Judenthum mit Stumpf und Stiel auszurotten, sich, verbunden haben. Wenn die beiden Leiter dieser jüngsten Verschwörung gegen Geist ltnd Bildung wähnten, daß in Nhiregyhüz, einer Eisenbahnstation und gleichsam dem Zentralpunkte für ganz Ober« Ungarn, kein eiiizigtr Winkelrabbi dieses weiten. Landstriches fehlen werde, um die Wucht ihrech frevelhaften ,Beginnens zu vermehren, so haben sie sich arg getäuscht. Kaum sieben'Rabbis trafen am obenerwähnten Tage in Nylregyhrlz zusammen, wo die Schlußredaktion der famosen Bittschrift gegen Errichtung des Landesseminars beschlossen, *) und der Rabbi von St.-Peter dcsignirt wurde , jenes Dokument bis an die Stufen des allerh. Thrones zu geleiten. Mit welcher Stirne jedoch wird dieser Mann, der das Wort Gottes zu lehren vorgicbt, der geheiligten Majestät unseres allcrgnädigsten Monarchen zu nahen wagen, dem glorreichen Herrscher über Millionen? Dieser Rabbi, der die mit unsäglichen Opfern in den ') Wer bestreitet die Kosten dieser ewigen Fahrten der beiden Nabbinen? unter welchem Vorwände gottgefälliger Handlungen wird von. den armen Dorfbewohnern in dieser schweren Nothzcit das Geld hiezu erpreßt? -> Der Eins. .*) Over mindestens das Landesieminar statt in Pest, nach Preßbürg unter die Aegide der Hochorthodoren zu verlegen. Der Eins. Fortsetzung in Ler Seilage. Szegedin,! Leipzig, Zrlbstvrrlag der Nedaltlion. ' i ׳ Lommisstons-Verläg von Fran? Wagner. Druck von Sigmund Burger in Szegedin. , Hrerzn ern Vrevtelbogen Berlage.